Die Lebensbereiche

Die Lebensbereiche (besser Lebensraum oder Gartenbereich) der Stauden helfen uns, das riesige Sortiment transparenter zu gestalten und die einzelnen Stauden in die nach ihren angestammten, natürlichen und daher optimalen Lebensbedingungen im Garten standortgerecht unterzubringen. Diese Einteilung wurde schon vor Jahrzehnten von Prof. Dr. Richard Hansen vorgenommen, einem der vielen Schüler Karl Foersters. Sie gliedern sich in einzelne Teilbereiche, wobei wir diese Einteilung bei der Verwendung nicht als Dogma ansehen sollten, sondern als nützliches Hilfmittel und grobe Richtschnur. Ein erfahrener Staudenverwender wird mit seinen Lieblingen durchaus auch einmal spielerisch umgehen und die jeweilige, artspezifisch breite oder enge Standortamplitude (Toleranz) ausreizen. Je nach Klima und Boden, aber auch durch erhöhten Pflegeaufwand gelingt dies mehr oder weniger gut! So stehen also Stauden aus den unterschiedlichsten Ländern nebeneinander, haben dieselben Ansprüche und ergänzen sich gegenseitig - in ein und demselben Lebensbereich!
Die untenstehenden Lebensbereiche sind lediglich eine grobe Richtschnur - die von Hansen ausgearbeitete Weise ist sehr viel genauer, basiert auf wissenschaftlichen Erkenntnissen und wurde mittels Standortkennzahlen eingeteilt. Für den täglichen Gebrauch empfiehlt sich eine kurze Bewusstseinsbildung der Materie, ein Vertrautmachen! Und schlussendlich sind viele unserer Stauden wesentlich toleranter als wir annehmen.

Lebensbereich „Beet“

Dieser Lebensbereich umfasst die meisten züchterisch wesentlich verbesserten Stauden, wie beispielsweise Rittersporn (Delphinium), Sonnenbraut (Helenium), Taglilien (Hemerocallis), Flammenblumen (Phlox paniculata) Pfingstrosen (Paeonia) -Sorten und vieles mehr. Eine Verwendung dieser Beetstauden in einer Rabatte oder Mixed Border entspricht wohl den meisten Vorstellungen einer herkömmlichen Staudenverwendung. In einer Beetsituation lassen sich aber auch jede Menge an Wildstauden aus aller Welt unterbringen, gerade das macht eine zeitgemäße Staudenverwendung erst aus. Wichtig ist hier jedoch, dass alle jene Stauden einen etwas erhöhteren Pflegeaufwand haben und somit wesentlich bessere Bodenverhältnisse benötigen. Man stelle sich einen Gemüsegartenboden oder gesunden Ackerboden vor, dieser wäre für Beetstauden geradezu optimal! Gelungene Staudenbeete können auch bei uns durchaus jenen englischen „Mixed Borders“ entsprechen. Für reiche Abwechslung sorgen „Harfe und Pauke“ des Staudenorchesters. Heißt nichts anderes, dass grobschlächtige Stauden wie Bergenien, Funkien oder Meerkohl neben zarten Gräsern Platz finden.  Dies sorgt auch in blütenarmen Zeiten für Spannung in einer Pflanzung.

Die Pflege von Staudenbeete ist intensiver und zeitraubender, der Rückschnitt einzelner Stauden sollte je nach Art auch unter dem Jahr erfolgen, wann es notwendig ist. Rittersporn und andere Prachtstauden müssen u.U. aufgebunden werden, die verblühten Blüten der Taglilien bricht man quasi im Vorbeigehen aus.

 

Lebensbereich „Trockene Freifläche“

Hierzu zählen Kiesgärten, trockene Präriegärten, aber auch Steppengärten aller Art, die sich in voller Sonne befinden. Kennzeichnend ist die Genügsamkeit und Trockenheitsresistens vieler Stauden dieses Lebensbereiches, denn sie alle stammen aus Gegenden, wo meist karger, magerer Boden vorherrscht, verbunden mit oft hohem, mineralischem Anteil. Werden solche Verhältnisse nicht vorgefunden, so können sie auch nachträglich geschaffen werden, in dem der Oberboden mittels Sand und Kies abgemagert wird.

Die „Trockene Freifläche“ ist eine sehr willkommene Möglichkeit, ohne Gießen und ohne unnötige Bewässerungssysteme im Zeichen des Klimawandels eine dekorative und standortgerechte Pflanzung vorzunehmen!

Eine Illusion ist es zu glauben, dass bei Kiesgärten ein Vlies unter der Kiesschicht gegen Unkraut Abhilfe schafft. Durch Ansammlung von Laub/Humus und einer natürlichen Sukzession keimt zwischen Steinen und Kies jederzeit Unkraut. Wenn dieses nicht rechtzeitig entfernt wird, wächst mit der Zeit der gesamte Kiesgarten zu. In einer Trockenen Freifläche können jede Menge Zwiebelpflanzen untergebracht werden, die besonders im Frühling für reiches Blühen sorgen. Während Kiesgärten auch auf kleinsten Flächen realisiert werden können, benötigen Präriegärten viel Raum, um zur Geltung zu kommen. Sie sind vor allem für Öffentliches Grün vorgesehen, weniger für viel zu kleine Hausgärten!

Die Pflege über den Jahresrhythmus beschränkt sich auf einen Rückschnitt aller Stauden im Frühjahr, sowie auf das gelegentliche, rechtzeitige Jäten von Samenunkräutern. Präriestauden in Präriegärten wachsen in kürzester Zeit so zusammen, dass unterm Jahr kaum mehr Arbeit anfällt.

Lebensbereich „Frische bis Feuchte Freifläche“

Jede Übergänge sind hier möglich, es sind vor allem wiesenähnliche Situationen in voller Sonne gemeint, welche naturbelassen wirken sollen und auch einer jahreszeitlich bedingten, kurzen Überflutung nichts anhaben können. Ganz typisch hierfür sind Flächen, die aus Frauenmantel (Alchemilla), Schwertlilien (Iris sibirica), diversen Gräsern, sowie Wiesenstorchschnäbel (Geranium pratense), Wiesenknöpfe (Sanguisorba) und anderem bestehen.

Eine Mahd oder ein Rückschnitt pro Jahr genügt meist als Pflege.

 

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Lebensbereich „Gehölzrand“

Nicht nur die halbschattigen Lichtverhältnisse können unterschiedlicher nicht sein, sondern vor allem auch die Zufuhr von Feuchtigkeit durch Regen, der durch nahestehenden Gehölze weggezogen wird oder vor einer ostseitig gelegenen Lage an einem Haus, wo die Pflanzung im Regenschatten liegt. Typischer, staudiger Vertreter im Gehölzrandbereich ist der Blutrote Storchschnabel (Geranium sanguineum), aber auch viele andere Stauden, denen vorübergehende Trockenheit im Halbschatten nichts anhaben kann. Wichtig zu wissen: bei einer gleichzeitigen Pflanzung von Gehölzgürtel und Stauden treten keinerlei Probleme auf, schwierig wird es, wenn im Nachhinein unter flachwurzelnden Gehölzen wie Birken und Ahorn eine Staudenpflanzung realisiert werden soll.

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Lebensbereich „Gehölz“

Hier sind die Lichtverhältnisse ebenfalls sehr unterschiedlich. Unter immergrünen Gehölzen ist es naturgemäß das ganze Jahr über relativ absonnig und nur wenig Licht dringt in die Staudenpflanzung. Unter laubabwerfenden Gehölzen befindet sich der ideale Pflanzplatz vieler Frühlingsgeophyten, die im Vorfrühling ein volles Lichtangebot haben, bis der Austrieb der Blätter sie zum Einziehen veranlasst. Später dominieren andere Stauden, die uns bis in den Herbst hinein mit ihrem Blattschmuck erfreuen, wie beispielsweise Funkien (Hosta).

Der Gehölzbereich wird ebenfalls sehr vom Durchwurzelungsgrad durch die jeweiligen Gehölze geprägt. Im Nachhinein lässt sich eine artenreiche Staudenpflanzung nur schwer realisieren, besonders, wenn flachwurzelnde Gehölze die Situation prägen. Durch Substratauftrag kann zwar vieles realisiert werden, doch erobern sich Wurzeln von Bäumen und Sträuchern schnell wieder das Terrain! Bei gleichzeitiger Pflanzung geht entsprechend mehr, da sich Gehölze und Stauden gemeinsam entwickeln können. Wichtig zu wissen: humusreichen Mullboden oder kompostierte Lauberde schätzen enorm viele Stauden dieses Lebensbereiches.

Zur Pflege: im Gehölzbereich erübrigt sich die intensive Pflege weitestgehend. Geschlossene Staudenflächen sollten lediglich alle paar Jahre durch eine leichte Kompostgabe versorgt werden. Falls im Herbst ein Zuviel an Laub anfällt, sollte ein Teil entfernt werden, da sonst Gefahr besteht, dass gewisse Stauden darunter ersticken. Gute Laubschlucker sind Elfenblumen (Epimedium), viele der Storchschnäbel (Geranium), oder auch Buglossoides, der Steinsame!

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Lebensbereich „Steingarten und Alpinum“

Im Flachland Steingärten zu realisieren ist ein wundervolles Hobby und gleichzeitig ein gesonderter Lebensbereich! Auf wenigen Quadratmeter können unzählige Kleinode und Juwele aus Gebirgen der ganzen Welt Verwendung finden. Alle diese Pflanzen haben eines gemeinsam: sie sind an den Stein gebunden und kommen mit Hitze und Kälte gleichermaßen sehr gut zurecht. In Steingärten bilden wir hochalpine Felslandschaften nach. Die meisten der Alpenpflanzen sind Rohhumussiedler, der Untergrund ist durchlässig und mineralischen Ursprungs. Beim Steingarten wird zumeist von der „Krone der Staudengärtnerei“ gesprochen, da in kaum einem anderen Bereich eine solch immense Vielfalt zu finden ist und ein so großes Hintergrundwissen notwendig ist.

Lebensbereich „Wasserrand“

Ebenfalls ein spezialisierter Lebensbereich, dessen Pflanzen meist im Nass stehen, denen aber eine vorübergehende Austrocknung nichts anhaben kann. Der Wasserspiegel ist naturgemäß nie statisch, sondern kann jahreszeitlich sehr schwanken. Die ideale Pflanzhöhe, welche dem Wasserspiegel angepasst ist, sucht sich die jeweilige Art in der Regel meist selbst.

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Lebensbereich „Wasser“

Für diesen Lebensbereich typische pflanzliche Vertreter sind Sumpfpflanzen, aber auch Schwimmpflanzen aller Art, sowie Unterwasserpflanzen wie beispielsweise Seerosen und Tausendblatt. Ein wahrlich spezieller Lebensbereich, dessen Eigenheiten wohl kaum mit einem anderen vergleichbar ist. Geachtet werden muss auf die richtige Wassertiefe mancher sensiblen Staudenarten.