Newsletter IV/11 (Schauaurikeln, Netzblattpfingstrose)

Liebe Gartenfee, lieber Staudengnom,

Der Frühling zeigt sich derzeit von seiner allerbesten Seite. Bald ist es wieder so weit und die ersten edlen Pfingstrosen erblühen wieder. Sie zählten für mich schon immer zum Höhepunkt des Gartenjahres. Pfingstrosen sind dauerhafte Gartengesellen, die selten enttäuschen, sondern jedes Jahr prächtiger und schöner werden.

Wie hältst es du mit den Pfingstrosen? Bevor ich mich selbständig machte, hatte ich hauptsächlich mit Pfingstrosen zu tun. Wir bauten damals ein ziemlich großes Sortiment auf, dass sich sehen lassen konnte. Nun befinden sich gleich vier Pfingstrosenanbieter im Radius von etwa hundert Kilometer, da brauche ich nicht auch noch damit beginnen. Aber Wildpaeonien, die haben es mir schon immer angetan. Und von diesen haben wir doch einiges Erlesenes in unserem Sortiment.

Paeonia tenuifolia – Schlitzblättrige Pfingstrose

Paeonia tenuifolia – Schlitzblättrige Pfingstrose

Paeonia tenuifolia ‘Pleniflora‘

Paeonia tenuifolia ‘Pleniflora‘

Schon seit Jahrhunderten bekannt und von Sammlern geliebt wird die Schlitzblättrige Pfingstrose aus den Steppen der Ukraine und des südlichen Balkans. Sie wurde bereits im faszinierenden Kräuter- und Blumenbuch “Hortus Eystettensis“ (Der Garten von Eichstätt, 1613) von Basilius Besler abgebildet. Ihr Lieblingsstandort ist der Fuß eines Steingartens oder inmitten des Kiesgartens. Sie wächst relativ langsam, besonders ihre gefüllt blühende Form. Der Boden sollte locker und von sandig-lehmiger Statur sein. Das Angenehme an ihr ist ihre verträgliche Höhe zwischen 50 und 70 cm, darum wird sie auch gerne Zwergpfingstrose genannt. Ein begehrter Schatz, welcher jedes Jahr schöner wird!

Der Vorfrühling ist die hohe Zeit besonderer Schattenpflanzen. Blüht bei dir schon das Ahornblatt? Die Blätter dieser horstig wachsenden Staude haben tatsächlich eine große Ähnlichkeit mit einem Ahorn. Die weißen Blütenrispen treten bald hervor und machen diese recht anspruchsvolle Staude zu einem Blickfang. Sie wächst in jedem Gartenboden und bildet mit den Jahren größere Horste. Vielleicht kennst du sie noch unter ihrem alten Namen Aceriphyllum. Nun heißt sie schon seit Jahren offiziell Mukdenia rossii. Ich habe auch eine panaschierte Form davon, die aber keine überdeutliche Verfärbung der Blätter aufweist, sondern etwas gesprenkelt ist und auch ansonsten eher bescheiden wächst, ein echtes Hätschelkind! Flammend orange verfärben sich die Blätter des Ahornblattes im Herbst, es ist als Blattschmuckstaude eine willkommene Ergänzung zu Astilben und Funkien.

Kaukasischer Nachtschatten – Physoclaina orientalis

Kaukasischer Nachtschatten – Physoclaina orientalis

Mukdenia rossii, das Ahornblatt

Mukdenia rossii, das Ahornblatt

Bei den Bildern rechts siehst du ein relativ seltenes Nachtschattengewächs aus dem Kaukasus. Dieses sah ich das erste Mal während meiner holländischen Zeit im Botanischen Garten Leiden, wo im Mittelalter der bekannte Botaniker Carolius Clusius wirkte. Dort fiel mir schon damals Physoclaina orientalis als reichblühender Horst im April auf. Sie ist ein ausgesprochener Frühblüher, zusammen mit Tollkraut (Scopolia) und Anemonen ergibt sich ein schönes Gesamtbild. Aber gestehe ihr genug Platz in gutem Boden zu, dann entwickelt sie sich prächtig. Sorry – ein passender deutscher Name muss erst noch erfunden werden, denn Kaukasische Nachtschatten gibt es sicher noch andere!

Nordamerikanischer Maiapfel -   Podophyllum peltatum

Nordamerikanischer Maiapfel - Podophyllum peltatum

Alleine schon wie sich die Blätter mancher Stauden entfalten, grenzt an ein Wunder. Der Nordamerikanische Maiapfel ist auch so ein Beispiel. Falls du ihn noch nicht besitzest, dann bedenke, dass er sich unterirdisch ausbreitet, also eine größere Fläche in Beschlag nimmt. Dafür erfreut er dich jedes Jahr mit seinen weißen Blüten und die relativ großen, leuchtendroten Früchte. Manche Typen weißen marmorierte Blätter auf.

interharte Schattenstauden begeistern mich von Jahr zu Jahr mehr! Ich habe in den letzten Jahren eine Menge an Elfenblumen zusammengetragen und ausprobiert. In unserem Schaugarten stehen viele von ihnen und können nun ihre Vitalität und Härte unter Beweis stellen. Rund 80 Arten und Sorten sind es bereits! Die elfengleichen Blüten erwecken den Eindruck, als ob wir es mit überheiklen und sehr empfindsamen Geschöpfen zu tun hätten. Dies ist aber überhaupt nicht der Fall! Der einzige kleine Nachteil, den sie besitzen, ist ihre Empfindlichkeit gegenüber Bodenfröste unter minus 3 Grad. Da sind die frischen Blüten und Blätter dahin, nicht aber die Pflanze selbst, die bald darauf wieder durchtreibt.

Ganz grob formuliert möchten die japanischen Elfenblumen einen leicht sauren, humosen Boden, alle Chinesen neutrale, frische Humuserde und die Europäer, Kaukasier und Nordafrikaner vertragen ohne weiteres auch Kalk. Einmal eingewachsen sind viele von ihnen im Sommer und Herbst sehr trockenheitsresistent! Das derbe Blattwerk deutet ja schon darauf hin.

Eine weitere Schönheit kommt ebenfalls aus China zu uns, auch sie überrascht durch ihre lang anhaltende Blütezeit. Schon kurz nach der Schneeschmelze treibt Saruma henryi aus und zeigt ihre großen, gelben Blüten, die eine gewisse Ähnlichkeit mit Dreimasterblumen aufweisen. Auch hier fehlt uns noch ein zündender, deutscher Name.

Epimedium leptorrhizum

Auch Epimedium leptorrhizum hat traumhafte Blüten, die zu den größten der gesamten Gattung zählen!

Saruma henryi

Saruma henryi stammt aus den Bergen Chinas

Zunächst als sehr kompliziert verschrien hat sie sich jedoch als eine der dankbarsten Schattenstauden erwiesen. An zusagenden Stellen sät sie sich sogar selbst aus! Und ihre Blütezeit reicht hinein bis in den Juni, es erscheinen immer neue Blüten, bis sie ihre endgültige Höhe von rund 50 cm erreicht hat. Im Nachbarort hat ein treuer Kunde Saruma henryi in die volle Sonne in ein Prachtstaudenbeet gepflanzt. Und es funktionierte! Zwei Jahre später hatte er einen Horst, welcher einen halben Meter Breite aufwies!

Im April entfalten die Showaurikeln ihr Wunderwerk an Blüten. Die Stammform (Primula x pubescens = P. auricula x P. hirsuta) fand man vor Jahrhunderten in der Nähe des Brennerpasses in Tirol. Aus diesen Naturhybriden wurden zunächst in Wien, dann im belgischen Lüttich (Liege) und später vor allem in England mit der Zeit Hunderte von Sorten gezüchtet und regelmäßige Ausstellungen abgehalten. Aus Gartenaurikeln wurden bunte Showauriculas mit den absonderlichsten Blütenfarben und – formen. Sie werden in einzelne Blütenklassen eingeteilt, damit die Sache transparenter wird. Aber das sind Aspekte für den passionierten Sammler!

Showaurikel

Showaurikel

Vergiss nicht, deine Aurikeln mit der aufsteigenden Sonne regelmäßig leicht zu düngen. Wir topfen unsere Schauobjekte jeden Herbst um, du kannst dies aber auch im zeitigen Frühjahr vor der Blüte tun. Wichtig ist ein lockeres und luftiges Substrat, bestehend aus sandig-lehmiger Komposterde. Vielleicht fällt dir bei der Umtopfaktion der partielle, weiße Filz im Wurzelbereich auf. Dies sind Wurzelläuse. Hier Chemie einzusetzen zu wollen, ist sinnlos, weil die Wurzelläuse im kommenden Jahr ohnehin wieder präsent sind. Wir müssen quasi mit ihnen leben lernen und sie durch regelmäßiges Umtopfen in Schach halten.

Ein Aurikeltheater

Ein Aurikeltheater

So ein Aurikeltheater lässt sich problemlos selbst bauen. Mit alten Brettern und zwei Holzleitern ist dies ruck zuck bewerkstelligt. An einer Nordostseite am Eingang deines Hauses präsentieren sich deine Showaurikeln einzigartig! Und wenn du die Tontöpfe in eine Yoghurtlösung tauchst, setzen sie schneller Moos, Algen und Patina an, was ja in diesem Fall unter Insidern sogar erwünscht ist. Und schon fühlst du dich gleich ins viktorianische England versetzt. Eine Kundin war darüber regelrecht entsetzt, dass man diese Töpfe so neumodisch „verunstaltet“, so ungeputzt und vermoost!

Die Töpfe dreht mir übrigens Elselore Müller-Kraft, eine befreundete Keramikerin aus der Pfalz. Du kannst diese bei mir erwerben oder an unserem verkaufsoffenen Wochenende direkt mit ihr sprechen, denn sie wird anwesend sein. Jeder Topf ist ein Unikat und kein Serienprodukt, wie du auf dem Bild unschwer erkennen kannst.

Eine meiner Lieblingsstauden für das Alpinum und den Trog ist Callianthemum anemonoides, die Schmuckblume. Ich kenne nur wenige Alpenstauden, die nach Jahren Entwicklung eine solche Blütenfülle an den Tag legen! Sie erinnert an eine zwergige Margerite, ist aber ein Hahnenfußgewächs. Sie schätzt es, in der vollen Sonne in lehmigem Boden zu sitzen, der mit Kalkschotter durchsetzt ist.

Die Schmuckblume  (Callianthemum anemonoides)

Die Schmuckblume (Callianthemum anemonoides)

Atlas-Hahnenfuß  (Ranunculus calandrinoides)

Atlas-Hahnenfuß (Ranunculus calandrinoides)

Ganz ähnlich möchte auch der Atlas-Hahnenfuß stehen, allerdings solltest du diesen im Hochsommer gegen zuviel Feuchtigkeit durch eine kleine Glasscheibe schützen. Drei Ziegelsteine, Glasplatte drauf und diese mit einem Ziegel zusätzlich beschweren – fertig. Aber es lohnt sich dieser kleine Aufwand, seine Blüten sind ein Traum!

ies war es schon im April, es ist der für uns hektischste Monat im ganzen Jahr! Du wirst sicher in deinem Garten ebenfalls umtriebig sein. Wichtige Gartentage stehen an, beispielsweise der weitum bekannte Pflanzenmarkt am Kiekeberg, der Versand läuft auf Hochtouren.

Außerdem findet am letzten Wochenende im April unser verkaufsoffenes Wochenende statt, ein großer Höhepunkt im Gärtnerjahr bei Sarastro-Stauden, zu dem wir auch dich wieder ganz herzlich einladen möchten! Hier in der Gärtnerei werden neben unserem Staudensortiment besondere Keramiken, sowie ein exquisites Küchen- und Heilkräutersortiment von Helga und Hannes Wagner aus der Südoststeiermark angeboten. Außerdem wird für das leibliche Wohl gesorgt! Das detaillierte Programm kannst du beizeiten unserer Website www.sarastro-stauden.com entnehmen.

Und unser neuer Webshop steht bereits! Zwar ist er derzeit noch mager bebildert, das ändert sich aber bald!

Bis zum nächsten Rundbrief wünsche ich dir einen strahlenden Frühling, schöne Ostern und weiterhin alles Gute mit deinen Pflanzen!

Dein Staudengärtner Sarastro