Newsletter XII/2011 (Stauden aus „Downunder“, Schlangenbeet)

Liebe Staudenfee, lieber Staudengnom!

Winterzeit ist Lesezeit. Nach einem Gartenrundgang, letztem meditativem Laubrechen und einer Tasse Tee gibt es für mich nichts Gemütlicheres,  als ein gutes Buch durchzuackern oder auch nur dessen Bilder zu genießen. Meine Fachbibliothek füllt mit der Zeit ein Regal nach dem anderen, neben dem Pflanzensammeln hänge ich auch dieser Leidenschaft mit großer Freude nach. Wie liest du dein Fachbuch? Von vorne nach hinten systematisch, oder fängst du in der Mitte an? Oder hältst du es wie ich, in dem du zuerst dessen Bilder betrachtest und dir dann die einzelnen Kapitel vorknöpfst? Jeder hat da seine eigene Lesemarotte, wichtig scheint es, die Lesekultur mit richtigen Büchern trotz E-Book in irgendeiner Weise weiterhin aufrecht zu halten.

Ordnest du deine Bücher im Regal auch nach Themen oder nach Pflanzengattungen? Außer bei Kochbüchern kenne ich kaum einen umfangreicheren Bereich als Bücher über Pflanzen und Garten. Wenn dann die antiquaren und fremdsprachigen Bücher auch noch dazu kommen, dann wird es schnell eng mit dem Platz. Ich bin in wenig anderen Dingen so penibel und achte sogar darauf, den Buchrücken als Zierde zu betrachten, um dadurch im Bücherschrank keinen farblichen Kunterbunt zu bewirken. Allerdings ist man sehr stark an den zur Verfügung stehenden Platz, sowie an das Format und natürlich an das Thema gebunden. Warum einigen sich die Buchbinder nicht auf ein Format, möglichst in der Farbe Grün? Langweilig. Heute sind doch Orangetöne modern, außerdem besitzt so manches Coffeetablebook eine Übergröße, welche kaum zu bändigen ist. Die Buchrücken wünschen es, in einer Flucht parallel zu stehen und wehe, eines reicht gleich um Dezimeter nach vorne. Das stört das Gesamtbild und nichts ist lästiger, als beim vorweihnachtlichen Bücherabstauben ständig dagegen zu stoßen. Manch einer hat eben so seine Problemchen.

Mir fällt auf, dass wir über das schönste Hobby auf einen riesigen Fundus an Büchern zurückgreifen können, das Internet kommt dann noch dazu. Monografien gibt es zwar viele, aber nicht über alle Gattungen und manche sind längst veraltet. Von vielen Pflanzengattungen wird es nie Bücher geben, weil sich der Absatz ganz einfach nicht rentiert. Auf Deutsch eine Monografie über eine bestimmte Gattung? Dazu sei der Markt viel zu klein, heißt es immer. Gut, dann eben auf Englisch. Und es werden heutzutage Bücher eher produziert und nicht mehr von der Seele geschrieben. Einige Themen wiederholen sich zum Erbrechen, ob in Hochglanzzeitschriften oder als Buch. Mein sehnlicher Wunsch, bald wieder ein neues Buch zu schreiben, schwindet dahin, denn es ist ja alles schon mal da gewesen. Und nur einem Modetrend vorausrennen zu wollen ist nicht meines. So lasse ich den Gedanken weiter reifen. Ein gärtnerisches „Wellness“-Wohlfühlbuch mit fachlichem Tiefgang etwa? Oder 526 Staudenkombinationen in Farbe? Ich weiß nicht so recht.

Und deshalb bin ich momentan mit großem Elan dabei, unserem Webshop textmäßig den letzten Schliff zu geben und ihn mit Bildern zu versehen. Im Laufe der letzten 3 Jahre habe ich über 12.000 digitale Pflanzenbilder und Verwendungsmotive geschossen. Nun sollen die Früchte auch zugänglich werden. Keine leichte Aufgabe, vor allem, wenn man den zeitlichen Aspekt betrachtet. Zum Hochladen und Einstellen eines Bildes benötige ich im Schnitt fast eine Minute. Nicht gezählt sind dabei die „Entscheidungsfindungszeiten“. Wie dem auch sei, auf das Resultat freue ich mich schon sehr, denn du kannst dann bei sehr vielen Stauden ein Makrobild, eine „Ganzkörperaufnahme“ und/oder ein Bild in Kombination mit anderen Stauden finden. Diese Möglichkeit, ein riesiges Staudensortiment mit all seinen jahreszeitlichen Aspekten und zusätzlichen Verwendungsmöglichkeiten vollständig zu bebildern, kann tatsächlich kaum ein Buch und schon gar nicht ein Katalog bieten!

Aster ‘White Climax‘

...sowie jene Ausgeburt an Vitalität der Aster ‘White Climax‘

Trollius stenopetalus

Das Wunder einer Trollblume (Trollius stenopetalus)...

Hier hat es seit Monaten nicht mehr geregnet. Ein Zeichen für einen schneereichen Winter, denn irgendwann einmal müssen ja die Niederschläge kommen. Momentan ist es hochnebelig mit leichtem Ostwind. In unserem Mutterpflanzenquartier steht Aster ‘White Climax‘ wie eine Eins mit Stern. Diese Sorte wurde früher Aster novi-belgii zugerechnet. Der englische Plantfinder bestätigte mir bei meiner Recherche, dass dies eine Hybride sein muss. Wenn ich mir diesen Auswuchs an Vitalität betrachte, dann wird Aster ericoides ‘Schneegitter‘ mit von der Partie gewesen sein. ‘White Climax‘ blüht extrem lange und wird fast mannshoch, beansprucht äußerst viel Platz, da sie sehr in die Breite wächst. Dies sind alles Faktoren, die die Unterbringung im Garten nicht leichter gestaltet. Wenn du aber eine Hintergrundpflanze am Zaun suchst, die von Mitte September bis Ende November durchblüht, dann ist sie genau das Richtige. Ich kann mir eine Verwendung im Öffentlichen Grün vorstellen, als triumphierenden, letzten, weißen Gruß neben langweiligem Abstandsgrün , bevor der Winter Einzug hält.

Coreopsis ‘Christchurch‘

…und das Mädchenaugen-Blühwunder (Coreopsis ‘Christchurch‘)

Nierembergia repens

Ein weißer Teppich aus den Anden (Nierembergia repens)…

Die Antipoden faszinieren den Menschen seit jeher, ebenso natürlich die Pflanzen des „Downunder“, wie die Engländer auch zu Neuseeland und Australien sagen. Heute möchte ich dir eine rasenförmig wachsende Staude aus den Anden Südamerikas vorstellen, die Nierembergia repens. Wir hatten sie schon damals in den 80er-Jahren in der Schweiz in gärtnerischer Kultur, jedoch geriet sie in den letzten Jahren völlig in Vergessenheit. Sie möchte, dass du sie nicht zu trocken, sondern in einen frischen, leicht sauren Gartenboden gibst. Dort wächst sie willig zu größerem Ersatzrasen heran. Die weißen Blüten erscheinen über einen langen Zeitraum von Mai bis August und sind eindrucksvoll in ihrer Größe! Du siehst im Bild daneben ein Mädchenauge und wirst dich wundern, was dies mit der südlichen Hemisphäre zu tun hat. Ganz einfach, Coreopsis lanceolata ‘Christchurch‘ ist in Neuseeland selektiert worden und kam irgendwann nach Europa. Mir gefällt die außerordentlich lange Blütezeit und das warme Goldgelb. Hier besitzt du eine gute Füllstaude für das Sommerloch. Doch momentan befinden wir uns ja im beginnenden Winterloch!

Und während es draußen langsam ungemütlich wird, schwanken unsere Gedanken zwischen Schifahren, Büchern und neuen Gartenplänen. Aber auch über kürzlich realisierte Vorhaben lasse ich gerne Revue passieren und sinniere über ihren Erfolg nach. Ein solches Experiment ist unser Schlangengarten.

Schlangengarten im Oktober 2011

Oktober 2011

Schlangengarten im September 2011

September 2011

Schlangengarten im Mai 2011

Mai 2011

Schlangengarten im April 2010

April 2010

An den folgenden Bildern kannst du seine Entwicklung erahnen. Ich habe dir ja schon in einem der letzten Rundbriefe darüber angedeutet.

Dass das Wetter in den letzten Jahren Kapriolen schlägt, zeigen uns nicht nur die Nachrichten im Fernsehen. Es äußert sich in lang anhaltenden Trockenphasen oder auch in Form von blitzartigen, sehr ruppigen Wetterumbrüchen. So bei uns geschehen am 4. Juli diesen Jahres.

Du kannst die teilweise dicke Graupelschicht in unserem Schattenquartier erkennen. Man fühlt sich eher an den April erinnert, wenn man dieses Bild betrachtet. Und friert dabei, und dies mitten im Sommer!

Graupelschicht im Schattenquartier

Graupelschicht im Schattenquartier

Winterzeit ist auch wieder Vortragszeit. Neulich war ich in Dortmund und wenig später dann noch weiter im Norden in Westerstede bei den dortigen GDS-Regionalgruppen, von Oberösterreich schon ein Stückchen Fahrt weit weg, ein weiter Ritt! Aber die Dankbarkeit der Zuhörer, mit ihnen Freude und Begeisterung, aber auch Gartenärger zu teilen, das positive Gefühl, auch dem ausgefuchstestem Laien etwas Neues mitgeteilt zu haben, ist die vielleicht schönste Entschädigung für die weite Reise.

Nach nun 20 Jahren der Organisation und Moderation gebe ich „meine“ Langenloiser Staudentage in andere Hände. Ich denke, nach so langer Zeit tut ein Wechsel nicht nur gut, sondern war auch höchst notwendig, damit Gewohntes nicht festfährt. Außerdem kehren neue Besen nicht nur besser, sondern bringen auch den nötigen anderen Wind in eine Veranstaltung.

Apropos Veranstaltung. Du kannst in Kürze auf meiner Website unter „Events“ die Veranstaltungen des kommenden Jahres finden, an welchen  Gartentagen wir präsent sind und was bei uns in der Gärtnerei sonst noch so passiert.

Viel Freude beim Schmökern und Planen wünscht dir dein Staudengärtner
Sarastro

Christian H. Kreß

Christian H. Kreß