Newsletter vom Februar 2010 (Einige unbekannte Stauden)

Liebe Gartenfee!

Sicher kribbelt es dir schon unter den Fingernägeln, genauso wie mir! Aber lass dir noch ruhig etwas Zeit. Was kann man denn jetzt schon im Garten tun, so wirst du dich sicher stirnrunzelnd fragen.

Oh ja, auch jetzt will dich dein Garten sehen! Neben dem notwendig gewordenen Sträucher Schneiden und Hecken Stutzen sollten vor allem die über den Winter stehen gebliebenen Halme des Chinaschilfes (Miscanthus) abgeschnitten werden, ehe der Wind diese quer durch den Garten trägt. Auch die wintergrünen Blätter der Elfenblumen werden bodeneben abgeschnitten, sobald der Schnee weggeschmolzen ist.

Falls du in einem wintermilden Gebiet mit wenig Schnee zuhause bist, kannst du an einem milden Tag bereits mit dem Frühjahrsputz des Gartens beginnen.
Dies bedeutet, alles Verdorrte abschneiden, sowie ausdauernde oder einjährig überwinternde Unkräuter ausstechen. Bei dieser Arbeit sieht man unschwer, wo Lücken klaffen und welche Stauden verjüngt werden sollten. Und somit entstehen mit der Arbeit neue Ideen!

Wenn du nichts dagegen hast, so möchte ich dir in Zukunft in lockerer Folge als Newsletter ein wenig Arbeit im Garten verschaffen, einige dir vielleicht bekannte, aber auch unbekannte Stauden vorstellen, sowie den neuesten Tratsch aus der Staudenwelt vermitteln.

Collinsonia canadensis

Steinwurzel (Collinsonia canadensis)

Die Steinwurzel stammt ursprünglich aus Kanada und sieht in ihrer Gestalt einer Brennnessel nicht unähnlich, nur dass ihre leicht gezähnten Blätter glatt sind. Ab Ende Juni erscheinen die zitronengelben Blüten an den Triebspitzen. Das Bemerkenswerteste ist jedoch ihr unbeschreiblicher Duft nach Zitronengras oder Limonen. Die Endhöhe beträgt etwa 120 cm, wir haben es also mit einer stattlichen Staude zu tun, die sich in jedem nicht zu trockenen Boden wohl fühlt. Der ideale Standort befindet sich in Naturgärten in Waldpartien oder zwischen anderen Halbschattenstauden wie Hosta oder Astilbe.

Penstemon x mexicali ‘Tabasco‘

Penstemon x mexicali ‘Tabasco‘

Die Bartfäden sind eine unglaublich arten- und sortenreiche Gattung, die meisten davon sind alpine Gewächse und bilden niedere Polster. Die uns bekanntesten Bartfäden (‘Schönholzerii‘ etc.) blühen in großen, auffälligen Glocken und sind in den meisten Regionen Mitteleuropas nicht winterhart. Vor etwa fünfzehn Jahren entstand in Denver/USA ein Bartfaden aus einigen harten Arten, welcher durch seine lang anhaltende und reiche Blüte allgemeines Aufsehen erregte. Sein Sortenname hieß ‘Red Rocks‘, dies ist der Name eines künstlichen Amphitheaters, das sich westlich von Denver befindet. Dieser auch bei uns in Mitteleuropa völlig winterharte Bartfaden wurde auch über Samen vermehrt, wodurch es zu einer leichten Mischung von Rot- und Rosatönen kam. Aus einer Aussaat selektierten wir bei uns ‘Tabasco‘. Diese neue Sorte zeichnet sich durch ihre absolute Winterhärte und die tiefroten Blüten aus, die einen hellen Schlund besitzen. Der beste Standort ist jeder Kiesgarten, aber auch in größeren Steingärten ist ‘Tabasco‘ gut aufgehoben, ebenso an einer warmen Hausmauer. Der Boden sollte durchlässig und von lehmig-sandiger Struktur sein. Ein leichter Rückschnitt fördert ein erneutes Blühen bis in den Herbst hinein!

Dianthus gratianopolitanus ‘Babi Lom‘

Dianthus gratianopolitanus ‘Babi Lom‘

Josef Holzbecher aus Lelekovice/Brünn gab mir vor etlichen Jahren diese reizende Pfingstnelke, die sich durch ihre außergewöhnliche, lilarote Blütenfarbe auszeichnet. Als besonders positiv hat sich die Polsterqualität dieser Nelke herausgestellt, was bei vielen Sorten nicht selbstverständlich ist! Die Blüten erscheinen in reicher Zahl und duften überdies leicht.

Dianthus plumarius ‘Ohrid‘

Eine weiße Federnelke hat weite Verbreitung verdient! Die Internationale Staudenunion (I.S.U.) organisiert regelmäßig botanische Exkursionen in die unterschiedlichsten Gebirgsregionen Europas. Eine davon fand vor mindestens zwanzig Jahren nach Mazedonien statt.In einem kleinen Dorf am Ohrid-Sees nahe der griechisch-mazedonischen Grenze wurde diese rein weiße Nelke in einem Garten entdeckt. Sie zeichnet sich primär durch ihren unglaublich intensiven Duft aus. Als eine reine Federnelke wächst sie zudem sehr gedrungen und blüht überreich.

Dianthus plumarius ‘Ohrid‘

Überhaupt werden Nelken wieder äußerst populär! Wusstest du übrigens, dass die Glockenblume ‘Sarastro‘ in Chicago vor Kurzem bei einer Sichtung mit 5 Sternen als beste Gartenglockenblume der Welt ausgezeichnet wurde? Bei uns in Österreich kennt man sie immer noch lediglich unter Insidern, obgleich sie nun schon bald den 15. Geburtstag feiert.
Jedes Jahr kommt eine Flut an Echinacea- Neuheiten auf dem Markt, sie sind jedoch kaum in ihrer Gartenwürdigkeit erprobt. Dies soll sich jetzt ändern. Einige Staudensichtungs-
gärten haben sich diesem Thema gewidmet und so sollen alle neuen Sonnenhüte auf Dauerhaftigkeit, Standfestigkeit und Winterhärte überprüft werden.

Das war’s schon für heute, ich melde mich bald wieder mit neuen Nachrichten!

Herzichst, Ihr
Christian H. Kress