Newsletter VII/11 (Rittersporn, „Mit Stauden spielerisch umgehen!“)

Liebe Staudenfee, lieber Staudengnom!

„Die Herrlichkeit eines Sommermorgens im Garten kann ohne Rittersporne nicht voll ausgeschöpft werden!“
(Dr. hc. Karl Foerster, Staudengärtner und Gartenschriftsteller)

Dieses Zitat hängt über meinem Schreibtisch in Form eines Bildes des großen Staudenzüchters aus Bornim bei Berlin und trifft wohl den Kern der Sache ganz besonders. Und deswegen möchte ich dich heute in das Wesen und die Pflege der Rittersporne einweihen, damit du deine Sommermorgen ähnlich ausschöpfen kannst, wie es Karl Foerster tat.

Immer wieder kommt mir zu Ohren, dass diese Paradestauden nicht so richtig gedeihen wollen und sich schon nach kurzer Zeit wieder verabschieden. Dies kann die unterschiedlichsten Ursachen haben. Ich darf dich aber beruhigen, auch für Profis gilt der Rittersporn als ein Prüfstein der gärtnerischen Kultur! Du weißt vielleicht, dass Delphinium-Sorten  in Gruppen eingeteilt werden. So unterscheiden wir die Cultorum-Elatum-Hybriden, Belladonna-Hybriden, University-Hybriden, Pacific- und Neuseeland-Hybriden. In unserem kontinental geprägtem Klima sind die beiden ersten Gruppen am ausdauerndsten, alle anderen verhalten sich meist nur kurzlebig. Hier hat Karl Foerster bahnbrechende Züchterarbeit geleistet. Bekannte Namen wie ‘Ouverture‘, ‘Schildknappe‘, ‘Sternenhimmel‘, meine Lieblingssorte ‘Morgentau‘ oder der Klassiker ‘Finsteraarhorn‘ stammen von ihm. Eine ganze Anzahl weiterer Sorten sind noch in Kultur, auch andere Staudenzüchter wie Heinz Klose haben sich  in der Selektion von Ritterspornsorten verdient gemacht.

Delphinium 'Morgentau'

...sowie ‘Morgentau‘, mein Lieblingsrittersporn, nebst der Strauchrose ‘Ghislaine de Feligonde‘

Delphinium 'Finsteraarhorn'

Delphinium ‘Finsteraarhorn‘, hier ein prächtiger Horst im Herrengarten des Stiftes Reichersberg im Innviertel...

Diese im gärtnerischen Jargon auch „Foerster-Sorten“ genannten Rittersporne müssen jedoch aufwändig durch Teilung oder mittels grundständiger Stecklinge vermehrt werden. Doch leider werden heutzutage immer mehr Pacific- und Neuseelandhybriden angeboten, hauptsächlich wegen der leichteren Vermehrung durch Samen und der riesigen Einzelblüten wegen. Sicherlich sind die langen, dichten Rispen imposant, ganz besonders für die Vase, im Garten sind sie aber wenig dauerhaft, meist nicht standfest genug und bekommen bei uns viel leichter den Echten Mehltau.  Karl Foerster nannte die mehltauanfälligen Sorten übrigens die „Müllerburschen“ und selektierte nach strengen Kriterien!

Das Allerwichtigste jedoch ist ein freier, luftiger Standplatz in einem nährstoffreichen Gartenboden, welcher gut mit Kompost versorgt wurde. Im Frühjahr solltest du die frisch austreibenden Triebe unbedingt vor Schnecken schützen, wahrscheinlich der Hauptgrund aller schlechten Erfahrungen! Und hier wird immer wieder der Fehler begangen, dass eine dicke Handvoll Schneckenkorn den Ritterspornhorst umkränzt und drei Meter weiter lachen sich die Schnecken ins Fäustchen und fressen die Triebe spätestens dann ab, wenn dein Schneckenkorn sich in Wohlgefallen aufgelöst hat. Versuche es mit einem bekannten, biologischen Lockstoff und streue mehrmals deinen ganzen Garten ab, die bekannte Handvoll auf 20 qm verteilen und dies nach Bedarf wiederholen. Es ist dies ein Eisenpräparat, welches du getrost auch im Gemüsegarten verwenden kannst.

Eine weitere, sehr wichtige Pflegemaßnahme ist der rechtzeitige Rückschnitt der verblühten Rispen. Warte nicht zu lange, sondern schneide die Stängel zirka 30 cm über der Erde ab, so dass noch einige Blätter dranbleiben, am besten schon dann, wenn die obersten Blüten verblühen. Jede der von uns kultivierten Sorte blüht zwei Mal im Jahr, aber nur dann, wenn du sie zurückschneidest!

Delphinium ‘Piccolo‘ (Belladonna-Hybride)

Delphinium ‘Piccolo‘ (Belladonna-Hybride), wird nur etwa 80 cm hoch!

Kniphofia uvaria

Fackellilie aus Südafrika (Kniphofia uvaria), völlig winterhart und zuverlässi

Neben den hohen Cultorum-Elatum-Hybriden sind es vor allem auch die unkomplizierten Belladonna-Hybriden, die uns erfreuen. Sie sind niederer, lockerer und viel zierlicher im gesamten Aufbau. Die bekanntesten Sorten nennen sich ‘Piccolo‘, ‘Völkerfrieden‘ und ‘Atlantis‘.

Fackellilien (Kniphofia) konnte ich früher nur wenig abgewinnen, zu exotisch ist ihr Aussehen! Sie im Garten wirkungsvoll unterzubringen kommt einer akzentsetzenden Gratwanderung gleich. Der beste Standort wäre ein sonniger, freier Platz vor einer Mauer oder Hecke. In England werden Fackelliliensorten insbesondere in Staudenbeeten neben Ritterspornen und zwischen Taglilien gepflanzt. Wir bieten den Kunden besonders winterharte Auslesen an, die auch in regenreichen Jahren zuverlässig blühen. In rauen Lagen solltest du im Herbst die Blattschöpfe vorsichtshalber zusammenbinden.

Hellrosa Sterndolden

Hellrosa Sterndolden zwischen Salvia nemorosa ‘Caradonna‘

Sterndolden im Lehmboden

Sterndolden im Lehmboden

Ständig entstehen neue Staudenkombinationen im Garten, scheinbar wie von selbst und meist ungewollt. Auftretende Sämlinge von edlen Sorten lasse ich gewähren, sofern sie nicht das Gesamtbild stören. Ein solches Beispiel kannst du unten bewundern. In unserem kräftigen Innviertler Boden säen sich die Sterndolden teilweise von selbst aus und da entstehen durchaus kleine Überraschungen.Zwischen einer langen Reihe von Salvia nemorosa ‘Caradonna‘ erblühten dieses Jahr hellrosa Sterndolden. Nicht, dass diese Farbkombination irrsinnig spektakulär ist! Die Spannung ergibt sich in den unterschiedlichen Blütenformen, welche sich ergänzen. Dogmatiker der Lebensbereichsverwendung werden manchen Einwand zu bedenken geben, aber ich erinnere mich, dass ich den Steppensalbei sogar einmal in einer sumpfigen Wiese am Van-See in der Osttürkei sah. Auf der anderen Seite gedeiht die Sterndolde auch schon mal auf trockenerem, gutem Lehmboden. Jedenfalls funktioniert dies tadellos, wie du auf den Bildern rechts erkennen kannst.

Über die Mittagsblumen schrieb ich dir schon mehrmals. Hier habe ich mir den Spaß erlaubt, von einigen Sorten die Blüten auf unseren Kiesweg zu legen. Das Farbspektrum ist schon enorm vielfältig geworden!

Aus den USA bekam ich Samen von Gaillardia aristata, sozusagen die Urform unserer Kokardenblume. Sie schmückt im Juni unseren kleinen Steingarten. Wir passen aber immer auf, dass wir ihren Drang zur Aussaat zügeln, denn sie neigt in kiesigem Boden enorm zur Selbstaussaat. Trotzdem möchte ich sie nicht mehr missen und was zu viel wird, kann sehr leicht ausgerissen werden.

Gaillardia aristata im Steingarten

Gaillardia aristata im Steingarten

Aruncus ‘Netzwerk‘

Aruncus ‘Netzwerk‘

Auch innerhalb des Waldgeißbartsortimentes hat sich sehr viel getan. Die Kreuzungen zwischen dem zwergigen, asiatischen Aruncus aethusifolius und dem heimischen Aruncus sylvestris ergaben eine Reihe Neuheiten, wobei sich besonders die Sorten von Konrad Näser und Ernst Pagels hervorgetan haben. Versetzte Blütenzeiten, verträgliche Höhen zwischen 40 und 70 cm, graziler Blüte und geschlitzten Blättern machen den besonderen Reiz dieser neuen Geißbärte aus. Merke dir die Namen ‘Bastei‘, ‘Netzwerk‘ und ‘Sommeranfang‘. Diese kannst du auch an trockenen Stellen im Halbschatten unterbringen, wo Prachtspieren (Astilben) es zu trocken wird.

Geranium x magnificum ‘Wisley Variety‘

Geranium x magnificum ‘Wisley Variety‘

Liebe zum Detail..

Liebe zum Detail..

„Mit Stauden spielerisch umgehen“ lautet eine meiner Devisen. Hier zum Abschluss eine Aufnahme, die ich bei einer treuen Kundin aus Leonding bei Linz in ihrem Garten machte. Liebe zum Detail kommt hier ganz besonders zum Ausdruck. Und daneben ein frühsommerliches Bild aus unserer Gärtnerei, den geschwungenen Mauern und blühenden Geranium x magnificum ‘Wisley Variety‘. Die Schaugärten präsentieren sich momentan von ihrer schönsten Seite, ich lade dich gerne zu einem Rundgang ein!

Der nächste Gartentagetermin ist erst wieder im August in Maikammer/Pfalz, auf den ich dich aber noch detailliert hinweise.
So möchte ich dir viel Gärtnerglück und einen tollen Sommeranfang wünschen, ohne Hagel und bis zum nächsten Rundbrief!

Dein Sarastro

Christian Kreß