Phlox paniculata versus Phlox amplifolia

Manche Staudengärtner zählen bestimmte Sorten, welche in Europa entstanden, nach wie vor zu Phlox amplifolia, was sich aber nach wissenschaftlichen Erkenntnissen als falsch erwies. All diese neueren und älteren Sorten, welche in Europa bisher unter Phlox amplifolia (‘Winnetou’, ‘Minnehaha’, ‘Weiße Wolke’ und einige andere) geführt wurden, sollten ausschließlich dem Hohen Staudenphlox (Phlox paniculata) zugerechnet werden. Phlox amplifolia ist grundsätzlich eine gänzlich andere Art. Warum alle diese Sorten zu P. amplifolia gestellt wurden, weiß heute offenbar niemand mehr! Allein die Tatsache, dass diese Sorten trockenheitsresistenter sind, sowie eine etwas breitere Blattspreite besitzen, rechtfertigt noch lange nicht eine Zugehörigkeit zu Phlox amplifolia.

Ein “reinrassiger”, echter Breitblattphlox (Phlox amplifolia) scheint bis dato in Europa außer bei uns nirgends in Kultur zu sein, denn sein Habitat ist selbst in den USA nur sehr zerstreut zu finden, auch sieht er morphologisch gänzlich anders aus als die bisher scheinbar echten Breitblattphloxe.

Nach genauen botanischen Beschreibungen steht jedenfalls fest, dass die Blütenröhre (Corolla) bei Phlox paniculata stets außen mehr oder weniger behaart ist, bei Phlox amplifolia hingegen vollkommen kahl und glatt, sie weist keinerlei Behaarung oder Bewimperung auf. Bei Phlox paniculata zeigen sich die weißen bis gelblichen Staubgefäße deutlich sichtbar nach außen, während bei Phlox amplifolia diese nicht sichtbar in der Röhre zurückliegen. So jedenfalls nach der puren, botanischen Wissenschaft! Phlox amplifolia hat aber vor allem deutlich breitere, sehr stark behaarte, sich rau anfühlende Blätter, die bis zu 15 cm lang werden können, die Internodien sind wesentlich länger, die Stängel sind ebenfalls viel stärker behaart. Und dieser wird höchstens 60 cm hoch, hat einen locker aufgebauten Blütenstand, besitzt die Neigung, in die Breite zu wachsen und lockere Bestände zu bilden. Sein Habitat beschränkt sich auf trockene Kalkhügel in wenigen Bundesstaaten, beispielsweise Tennessee und Kentucky.

Phlox paniculata besitzt dagegen ein sehr weit gestrecktes und riesiges Verbreitungsgebiet, demzufolge wächst er auch in den unterschiedlichsten Habitaten, vom feuchten Straßengräben bis zu äußerst trockenen Standorten, auch im Halbschatten unter Gehölzen! Und daher kommt er in den vielfältigsten Formen und Sippen über weite Strecken des Mittleren Westens und dem Osten der USA verstreut vor, in den unterschiedlichsten morphologischen, also äußerlichen Erscheinungsbildern, sowie diversen Standortmodifikationen. Offenbar wurden irgendwann einige Typen von Phlox paniculata aus trockeneren Waldrandgebieten entnommen und fälschlicherweise zu Phlox amplifolia gezählt, mit den wenigen bekannten Unterscheidungsmerkmalen.

Nebenbei sollten korrekterweise sämtliche Hohen Sommerphloxe entweder als Phlox-Hybriden (oder als Phlox x arendsii, sofern dies immer nachvollziehbar ist) oder aber viel korrekter auch weiterhin als Phlox paniculata bezeichnet werden.
Letztendlich ist es aber völlig unerheblich, wie man diese “Pseudo-Amplifolia-Gruppe gärtnerisch auch immer benennt, fest steht jedenfalls, dass die als P. amplifolia geführten Sorten der Flammenblumen auf jeden Fall trockenheitsresistenter und robuster sind als viele andere Sorten. Sie besitzen meist ein wellenförmig gerandeten Blatt, sowie eine etwas breitere Blattspreite, was zur Annahme führte, diese “Breitblattphlox” zu nennen. Wir zweifelten jedoch immer schon, ob es sich bei den allenorts angebotenen Breitblattphlox-Sorten um reinrassige Phlox-amplifolia-Abkömmlinge handelte!

Anfang 2018 brachte eine Erkenntnis aus den USA endlich Klarheit, als der amerikanische Botaniker Dr. Peter Zale von Longwood Gardens nach einer längerfristigen Untersuchung feststellte, dass es sich bei den in Europa kultivierten Sorten dieser Gruppe um nichts anderes als um Phlox paniculata handelt, mit unterschiedlichstem Charakter und Coleuren. (Minnehaha, Weiße Wolke, David, Augenstern etc.) Nach diesen Untersuchungen führen wir deshalb einige dieser Phloxe wieder innerhalb des P.-paniculata-Sortiments.

Die ganze Diskussion in der jüngsten Vergangenheit rund um Phlox amplifolia beruhte schlicht und ergreifend in der Tatsache, dass man sich noch nicht im Klaren war, wie der exakte Unterschied zu definieren war (siehe oben), und weil man die Sache erst gar nicht in Zweifel zog! Wer sich intensiver mit der Problematik der Artzugehörigkeit auseinandersetzen möchte, dem sei die Phlox-Monografie von Wherry empfohlen, welche nach wie vor als Standardwerk gilt. Auch dass die sogenannten Phlox amplifolia-Typen keinerlei Mehltau bekämen, kann getrost in das Reich der Märchen verbannt werden! Stark unterernährte Horste dieser Gruppe sind auch hiervon nicht geschützt, wie übrigens auch viele Sorten von Phlox paniculata!

Als Landschaftssorten im Öffentlichen Grün, in Präriegärten und auf trockenen Freiflächen werden diese “Pseudo-Amplifolias” auch in der Zukunft durchaus ihre Berechtigung erlangen, da sie die Eigenschaft besitzen, stärker in die Breite zu wachsen und auf diese Weise bald größere Bestände bilden. Mit den prächtigen Sorten von Phlox paniculata können sie jedoch niemals verglichen werden und halten hier auch kaum mit. Einige Gartengestalter und Pflanzplaner schwören jedoch auf diese Sorten, denn sie lassen sich viel unverkrampfter in natürlich gehaltenen Pflanzungen und Kombinationen unterbringen.

Unten eine seltene Aufnahme des Blütenstandes eines echten Phlox amplifolia, sowie seine behaarten Stängel und Blätter. Aufgenommen von Christian Kreß im Herbst 2018 in den Anzuchtsquartieren des Longwood Gardens bei Philadelphia in den USA. Inzwischen sind wir endlich im Besitz eines echten Phlox amplifolia, es wird allerdings noch einige Zeit beanspruchen, bis dieser ausreichend vermehrt ist und in den Handel gelangt, denn er zählt nicht gerade zu den frohwüchsigsten Stauden! In den USA werden inzwischen Kreuzungsversuche zwischen den beiden Arten unternommen, allerdings derzeit nicht sehr vielversprechend, denn dort fehlt das Potential an Sorten, welches jedoch in Europa und Russland vorhanden ist.

Unten sind zwei typische Beispiele von Phlox-Krankheiten im Bild ersichtlich: Links ein verkrüppelter, durch Älchen (Stängelnematoden) befallener Trieb, rechts ein Phlox mit Echtem Mehltau, beides durch Mangel an Ernährung verursacht.

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