Newsletter III/2012 (Neuerstellung eines Staudenbeetes unter einem Kirschbaum)

Liebe Papagena, hallo Papageno,

Die kalten Monate sind die richtige Zeit, um Pläne für Neuerungen im Garten zu schmieden. Nach einigen Briefen mit Staudenneuheiten folgt nun einmal was handfestes, so richtig gärtnerisches! Noch ist die Zeit für Grobarbeiten nicht gekommen, aber schmiedest du nicht auch schon konkrete Angriffspläne?

Wieso Angriffspläne? Ganz einfach! Jeder begeisterte Hobbygärtner besaß in seinem Garten schon einmal ein verunkrautetes und unansehnliches Beet, welches dringend überholungsbedürftig ist. Hier gehen die Meinungen ja stark auseinander, die „Schmerzgrenze“ des Erträglichen ist bei den Gartenbesitzern ganz unterschiedlich hoch angesetzt. Was für den einen Zeitgenossen schlichtweg zum Schämen ist, bedeutet dem anderen vielfältigste, lebendig idyllische Natur.

Links vom Eingang unserer Gärtnerei steht unsere prachtvolle Kyoto-Kirsche, die ich dir schon blühend in Wort und Bild vorgeführt habe. Mit der Unterbepflanzung waren wir jahrelang sehr zufrieden, bis dann mit der Zeit viele Stauden überalterten und Löwenzahn, Kreuzkraut und andere Zaungäste die Herrschaft des Beetes übernahmen. Letztes Jahr im Sommer war es dann so weit, ich konnte den „Lauf der Natur“ nicht länger mit ansehen.

Staudeninsel

Die "verwahrloste" Staudeninsel

Heute möchte ich dir genau an diesem Beispiel die einzelnen Arbeitsschritte vorführen und dir Mut machen, eine komplette Neupflanzung selbst anzugehen. Gleich auf dem ersten Bild siehst du unsere einigermaßen verwahrloste Staudeninsel, die ihren Namen gar nicht mehr verdiente. Du kannst eine solche Neugestaltung zu jeder Jahreszeit vornehmen, solange der Boden offen ist. Sommer und Herbst sind am besten geeignet, da man zu dieser Zeit mit sichtbar ausgetriebenen Stauden hantieren kann, aber auch eine trockene Zeit im Frühling ist dazu prädestiniert.

Die Fläche misst ungefähr 30 qm. Zunächst wurden einige Deko-Steine entfernt, welche im Beet integriert waren. Das wichtigste Handwerkszeug, um der durchwurzelten Oberschicht beizukommen, ist ein gut geschliffener Spaten. Es braucht gar kein schwerer Baumschulspaten zu sein, ein handlicher, aber stabiler „Damenspaten“ tut genauso seine guten Dienste. Du fängst an einer Seite an und arbeitest dich Stück für Stück durch, indem du mit dem Spaten schwungvoll horizontal,  also leicht schräg ansetzest und so den zusammengewachsenen Wurzelfilz beikommst. Dabei genügt es vollkommen, wenn du eine etwa 10 cm dicke Oberschicht entfernst.

Ja, ich gebe zu, dies ist eine reine Sisyphus-Arbeit, ein echter „Knochenjob“. Wenn die zu erneuernde Fläche nur wenige Quadratmeter groß ist, dann ist dein Spaten trotzdem das beste Hilfsmittel! Mühe dich nicht mit einer Hacke ab, hier bleiben nämlich zu viele Wurzelunkräuter zurück, die dich später durch ihren Austrieb von neuem ärgern! Solltest du eine größere Fläche in Angriff nehmen, so lass dies von einem Minibagger bewerkstelligen, der die verunkrautete Schicht problemlos mit einem flachen Löffel abzieht. Dies funktioniert natürlich nur dort, wo der Bagger in deinem Garten durch seine Ketten kein Unheil anrichtet.

Unkraut entfernt!

Unkraut entfernt!

Die abgezogene Schicht, bestehend aus Unkräutern und überalterten Stauden, wandert auf den Kompost. Meistens möchte man sich einige der verbliebenen Stauden behalten, um sie später wieder zu integrieren. Hier ist jedoch peinlich auf das Entfernen von Wurzelunkräutern zu achten, die sich im Wurzelballen versteckt finden. Falls dir Quecken das Leben schwer machten, würde ich für eine komplette Neupflanzung plädieren, du ärgerst dich später immer von Neuem, denn jedes kleinste Wurzelstückchen der Quecken treibt wieder aus den Staudenballen aus! Auch im lockeren Boden zwischen den später gepflanzten Stauden können kleinste Wurzeln von Giersch und Quecke wieder von unten hochtreiben, diesen kommt man dann aber wesentlich besser bei.

Hurra, die Fläche ist von allem Übel befreit! Nur noch rasch mit dem Rechen die verbliebenen Wurzeln und Steine zusammenfangen. Mit einer Handfräse kannst du nun den harten, verdichteten Unterboden lockern, allerdings musst du schon mindestens dreimal darüberfahren! Wenn dein Staudenbeet nur wenige Quadratmeter misst, dann kannst du mit dem Spaten umgraben und anschließend mit einem Kreil die Schollen zerkleinern. Wenn dir das alles zu mühevoll erscheint, dann lass es Sohnemann für ein gutes Taschengeld machen oder verpflichte einen Landschaftsgärtner, nicht aber deinen Partner, der damit nur die Lust am Gärtnern verliert!

Anschließend kommt der Zeitpunkt, wo du endlich deinen ausgereiften, wertvollen Kompost sinnvoll verwenden kannst. Spare nicht mit der guten Sach‘, es genügt aber eine Schicht von etwa 10 cm Dicke vollauf. Dein Kompost sollte nach Möglichkeit durchgesiebt und von Wurzelunkräutern frei sein. Hast du keinen eigenen Kompost, so kannst du diesen auch bei Grünflächenämtern von Gemeinden bekommen, welche selbst kompostieren. Bei uns beschäftigen sich einige Bauern der Umgebung mit Kompostwirtschaft, wo relativ preiswert guter Kompost erworben werden kann. In meiner Lehrzeit verwendeten wir zur zusätzlichen Auflockerung groben Torf aus dem Baltikum, der dir jedoch keinerlei Nährstoffe zufügt und außerdem eine sinnlose Rohstoffvergeudung darstellt. Die Zeiten haben sich zum glück geändert! Kompost ist lebender Dünger aus der Natur – für die Natur! Solltest du an keinerlei Kompost gelangen, dann solltest du mindestens einen organischen Vorratsdünger unmittelbar nach dem Fräsen aufbringen, der sich dann beim Pflanzen mit dem Oberboden vermengt.

Bereit zur Bepflanzung

Bereit zur Bepflanzung

Dann werden die Steine wieder platziert und mit der Breitseite nach unten eingegraben. Auch das ist zugegebenermaßen Knochenarbeit, pass auf dein Kreuz auf und gehe dabei mit Köpfchen vor, die alten Ägypter wussten noch ganz andere Felsen zu bewegen! Ist auch dies geschehen, dann kannst du dir Gedanken über die Bepflanzung machen, wenn du nicht ohnehin schon längst deine konkrete Vorstellung dazu hast. Und hier sind deiner Fantasie keinerlei Grenzen gesetzt! Orientiere dich an den Lebensbereichen der Stauden, an deinem Umfeld und vor allem nach deinem Gefühl, viel falsch kann man eigentlich nicht machen. Entweder das Resultat gefällt oder…  Nicht deinem Nachbarn und Freunden soll es Freude bereiten, sondern ausschließlich dir und deiner Familie.

Aber merke dir: ein gelungenes Staudenbeet sorgt für Spannung und Abwechslung, man erkennt es daran, dass die Arbeit in den kommenden Jahren stets weniger wird. Trau dich ruhig, wir unterstützen dich aber auch gerne dabei, Stauden zu kombinieren. Es ist zwar einerseits kinderleicht, kann aber auch ohne Übertreibung zu den hohen Künsten unserer Gartenkultur gerechnet werden!

Hast du deine Auswahl getroffen, die alten Staudenhorste bereits auseinandergeteilt und von Unkraut befreit, kann es an das Auslegen und Gruppieren gehen. Ich achte hierbei darauf, dass Solitär- und Leitstauden einzeln oder in kleinen Gruppen an mehreren Punkten der Fläche verteilt werden. Du erkennst vielleicht auf dem oberen Bild die Hosta. Dies sind ausgesprochene Leitstauden. Dazwischen kommen die Begleit- oder Füllstauden. Und ich lege immer größten Wert auf eine kontrast- und texturreiche Pflanzung, die vor allem auch in ihrem nicht blühendem Zustand gut zur Geltung kommt. Denn ein Garten, wo ständig etwas blüht, kann zur Illusion werden! Daher verwende ich immer und überall Farne und Gräser, um „Harfe und Pauke“ spielen zu lassen, womit wir wir wieder bei Karl Foersters Gartenphilosophie angelangt sind. Eine gewisse Arten- und Sortenvielfalt sollte besonders in natürlich wirkenden Pflanzkonzepten immer vorhanden sein. Denke hierbei besonders an Blumenzwiebeln und Herbstblüher. Wirkungsvoll sind zwar Staudenbeete mit wenigen Arten, sei dir aber bewusst, dass eine solche Fläche dem Betrachter in manchen Jahreszeiten reizlos und langweilig erscheint.

Auspflanzen

Auspflanzen

Hast du alle Pflanzen vor Ort, dann wässere sie unmittelbar vor dem Pflanzen noch einmal gründlich, besonders wenn du im Hochsommer pflanzst. Und vergiss nicht, ein Zuviel an krautigen Teilen über den Töpfen abzuschneiden. Dies erleichtert das Anwachsen beträchtlich! Viele Zeitgenossen machen den Fehler, um vieles zu eng zu pflanzen. Fünf  bis sieben Stück/Quadratmeter sind vollauf genug. Bei Bodendecker und langsam wachsenden Stauden eher mehr, bei Beetstauden, welche viel Blattmasse bilden, eher weniger. Hast du alle Stauden ausgelegt, dann betrachte dein Werk! Du kannst jetzt immer noch leicht umgruppieren. Versuche beim Auslegen als auch später beim Pflanzen immer auf dieselbe Stelle im Beet zu treten, damit du nicht die ganze Fläche unnötig verdichtest.

Nun topfst du alle Stauden aus, am besten gleich alle auf einmal. Das gestaltet sich nämlich bedeutend rationeller als Austopfen und gleichzeitiges Pflanzen. Die Töpfe schlichtest du gleich beim Austopfen zusammen und wirfst sie in die Staudenkisten, um sie deinem Staudengärtner später wieder zurückzugeben. Mit dem Austopfen haben manche Laien so ihre kleinen Probleme. Versuche einmal mit der linken Hand den Topf umgekehrt zu packen und ihn auf die Handfläche der rechten Hand zu schlagen. Meist löst sich schon beim ersten Schlag der Wurzelballen aus dem Topf. Manche Gartenmenschen gehen viel zu zimperlich um und meinen, ihren Stauden würde dabei der Kragen umgedreht. Keine Angst – Stauden halten mehr aus, als du glaubst!

Anschließend geht es nun endlich ans Pflanzen, übrigens für mich wahrlich die schönste aller gärtnerischen Arbeiten! Nun zeigt es sich, ob dein Boden ordentlich vorbereitet wurde. Der Idealfall wäre, wenn du mit bloßer Hand mit deinen Fingern mühelos bis zum Handrücken in den Boden gelangst. Dies wird natürlich nicht immer der Fall sein! Und deine Fingernägel sollst du auch schonen. Darum nehme ein stabiles Handschäufelchen und buddle das Pflanzloch damit. Deine Stauden sollten tunlichst mit dem ganzen Topfballen in die Erde, dies gilt vor allem bei einer Herbstpflanzung, damit die frisch gepflanzten Stauden nicht hochfrieren. Dann streichst du nach dem Setzvorgang die umliegende Erde um die einzelne Staude glatt. Ja, das klingt alles sehr kompliziert, ist dabei aber sehr einfach und wird trotzdem oft nicht exakt befolgt. Achte auch darauf, dass der Pflanzabstand einigermaßen eingehalten wird und du deine Stauden dort setzest, wo du sie hin platziert hast.

Nach der Pflanzaktion solltest du deine gesamte Fläche mit Rindendekor bedecken. Keine frische Rinde, denn diese ist Gift für deine Stauden, da sie zum Verrotten mit der Zeit den Stickstoffgehalt im Boden absorbiert und deine Stauden dann ewig kümmern würden! Auch keinen Rindenhumus, da auf diesem sich Samenunkräuter schnell breitmachen. Guter Rindendekor ist abgelagerte Rinde, welche nicht mehr nach Harz riecht und trotzdem keimhemmend wirkt. Und gaaaannnz wichtig: nie mehr als maximal 5 cm auftragen! Es wurden in der Vergangenheit in Weihenstephan Studien von Dr. Bernd Hertle absolviert, welche die nachhaltige Pflegeleichtigkeit des Einsatzes von Mulchmaterialien bestätigt haben!

Das fertige Beet

Das fertige Beet

Hast du auch diesen Schritt hinter dir, so sollte dein Beet zu jeder Jahreszeit durchdringend angegossen werden, es sei denn, es kündigt sich gleich ein Gratisguss von oben an. Dazu nehme man einen Schlauch mit einer feinen Düse und bespritze mehrmals die Fläche systematisch von vorne nach hinten und zurück, ohne hierbei zu schlämmen. Einmal angießen genügt dann meist, es sei denn, eine Jahrhunderttrockenheit zieht ins Land.

Die Wochen und Monate nach deiner Pflanzerei beschränken sich auf regulierende Maßnahmen, was nichts anders heißt, aufkommende Unkräuter zu eliminieren. Schon nach einem Jahr sieht das Beet fast perfekt aus, nach einem weiteren Jahr hast du das Gefühl, als wäre noch nie etwas anderes dagewesen. Freu dich auf das Wachsen und Blühen deiner Stauden!

Dies war ein etwas längerer, aber doch wichtiger Exkurs zu einer grundlegenden gärtnerischen Arbeit, den ich dir schon längst einmal schreiben wollte.

Falls du dich intensiver mit typischen Gartenarbeiten auseinandersetzen möchtest, dann kann ich dir das Büchlein von Karel Capek „Das Jahr des Gärtners“ als humorvolle Draufgabe wärmstens empfehlen, eigentlich schon längst ein Klassiker unter den Gartenbüchern! Natürlich bietet uns der Büchermarkt in alle Richtungen unendlich viel. Naturalistische Gärten haben ihren Ursprung in China und Japan, über England fanden sie ihren Weg zu uns. Barockgärten und Gärten mit minimalistischem Stil können wohl dekorativ sein, sind jedoch wesentlich pflegeintensiver.

Veranstaltungshinweise kannst du unserem Veranstaltungskalender auf unserer Website entnehmen. Ende März fahren wir nach Berlin zum großen Pflanzenmarkt im Botanischen Garten Dahlem.

Wenn du in Niederbayern oder Oberösterreich wohnst und sehenswerte, gelungene Gärten bewundern möchtest, so kann ich dir den folgenden Link empfehlen:
www.gartenreisen-halwax.de

Bei uns blühen bereits die ersten Schneeglöckchen und auch sonst sieht es ganz so aus, als ob der Winter sich verabschiedet hat. Wir haben die Gärtnerei ab kommende Woche geöffnet, obgleich vorläufig alles noch braun und unwirtlich aussieht. Die Lenzrosenblätter sind durch den Barfrost gänzlich abgefroren, doch die tiefer liegenden Knospen waren verdeckt und zeigen sich jeden Tag dicker!

In diesem Sinne wünsche ich dir einen schönen Start in den Vorfrühling!
Dein Staudengärtner Sarastro