Newsletter vom Mai 2010 (Polygonatum, Geranium)

Liebe Gartenfee!

Nach einem relativ untypischen, eher zu trockenen April und einer kurzen Regenperiode haben uns jetzt offenbar die Eisheiligen fest im Griff. Jedenfalls bekam die Natur zumindest in den letzten Wochen wieder genug Wasser ab! Alles präsentiert sich nun frischgrün und blüht üppig, was ich deinem Garten ganz besonders wünsche!

Bis die eigentlichen Beet- und Sommerstauden erblühen, dauert es gar nicht mehr so lange. Derzeit blühen vor den Gehölzen und zwischen den Ritterspornen und Rosen insbesondere die frühen Storchschnäbel. Wir unterscheiden bekanntlich horstbildende und ausläufertreibende Arten. Jedes Jahr kommen etliche Neuzüchtungen hinzu und unsereins fragt sich, ob es denn wirklich Sinn macht, neben 20 verschiedene blaue Beetstorchschnabel noch einen 21. zu selektieren. Trotzdem bietet die Gattung enorm viel und für beinahe jede Gartensituation stehen uns Storchschnäbel zur Verfügung, einschließlich Steingarten und sogar dem Sumpf.

Zu den profanen Bodendeckern zählt besonders der Balkanstorchschnabel (Geranium macrorrhizum), der in den Sommermonaten wie kaum eine andere Staude wochenlange Trockenheit geradezu benötigt. Wächst er bei dir auch so üppig und bildet dichte Flächen oder verkahlt er eher und stirbt partienweise ab? Was er nämlich nicht mag, ist eine zu üppige und fette Erde, dann bekommt er Rhizomfäule! Trotzdem kenne ich keinen besseren Bodendecker unter flachwurzelnden Birken, welche bekanntlich sämtliche Nährstoffe und Feuchtigkeit wegziehen. Jeder von uns hat solche Flächen im Garten, wo beinahe nichts wächst. Ein Versuch ist es allemal wert!

Geranium ‘Sirak‘

Geranium ‘Sirak‘

Geranium macrorrhizum ‘White Ness‘

Geranium macrorrhizum ‘White Ness‘

Geranium ‘Rozanne‘

Geranium ‘Rozanne‘

Früher gab es nur eine Handvoll Sorten, jetzt stehen uns von Geranium macrorrhizum auch zwergige Auslesen zur Verfügung, die sich auch gut zur Unterpflanzung von Clematis eignen (‘Olympos‘, ‘Mytikas‘, ‘White-Ness‘ und einige andere). Wenn eine solche Geraniumfläche nach Jahren „überaltert“ ist, kannst du ab Mitte August mit der Heckenschere die ganzen Rhizome und Triebspitzen herunterschneiden. Dies sieht die erste Zeit fürchterlich kahl aus, bewirkt aber einen frischen Austrieb des Balkanstorchschnabels. Die kommenden Jahre präsentiert sich dann so eine Fläche wieder manierlich und nicht mehr so struppig!

Und wenn du einen idealen Rosenbegleiter suchst, so wähle neben vielen Blütenstauden einen der längerblühenden Beetstorchschnäbel, die den Flor der Rosen unterstützen und ergänzen. Meine Favoriten hierfür sind ‘Nimbus‘ (tintenblau), ‘Spinners‘(dunkelblau) und ‘Orion‘ ( dunkelblau mit hellem Auge), deren tief eingeschnittenes Blattwerk auch im blütenlosen Zustand auffällt. Natürlich sind auch die blau blühenden Langzeitgeranium ‘Jolly Bee‘ und ‘Rozanne‘ für solche Zwecke bestens geeignet, obgleich der Laie zwischen diesen beiden Sorten kaum einen Unterschied ausmachen kann!

Und dann kann ich dir natürlich besonders Geranium ‘Sirak‘ wärmstens empfehlen, denn kaum ein anderer Storchschnabel hat solch unvergleichlich schön geaderte Blüten in einem warmen Altrosa. Ein kleiner Tipp: halte etwa 50 cm Abstand vom Stamm der Strauch- und Beetrosen, denn diese schätzen bekanntlich einen offenen Boden. Und lass dir nicht Lavendel zu Rosen einreden, denn die Läuse werden deswegen auch nicht weniger, sondern ernähre deine Rosen optimal und pflanze den Lavendel dort, wo er sich auf Dauer auch wohlfühlt, nämlich in den mineralischen Kiesgarten!

Polygonatum graminifolium

Polygonatum graminifolium

Polygonatum biflorum ‘Giganteum‘

Polygonatum biflorum ‘Giganteum‘

Polygonatum cirrhifolium

Polygonatum cirrhifolium

Eine Gattung, die es mir seit vielen Jahren angetan hat, sind die Salomonssiegel (Polygonatum). Diese schönen Frühlingsblüher kannst du in den Halbschatten pflanzen, wo immer du sie schön findest. Ganz wenige Arten vertragen auch die volle Sonne und gedeihen sogar auf Felsen. Immer wieder fragen mich Kunden, wo denn der ideale Standort für Salomonssiegel zu finden sei. Ich antworte dann stets: zu Funkien! Nahezu alle Halbschattenstauden, auch seltene und heikle, sind ideale Partner zu Funkien. Und hier sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt! Probiere einmal spielerisch, die unendliche Farben und Formen, die Strukturen und Texturen der Blätter zu verbinden. Kein anderer Lebensbereich ist so voll von Formen und Farben! Die höchsten und monumentalsten der Polygonatum pflanzen wir entweder freistehend neben oder hinter panaschierte Funkien. Und wenn es sich um die seltenen, kletternden Arten wie P. cirrhifolium handelt, dann sind niedrige Sträucher von Vorteil, wo diese Pflanzen mit ihren Haftblättern emporranken, so richtig exotisch!

Aufgepasst, kleinere Arten wie P.humile können unter Umständen auch bei dir beliebtes Schneckenfutter sein, was uns aber bekanntlich nicht abhält, auch Funkien zu pflanzen, die diese „Schleimer“ ja auch mögen und dies sollte daher unsere Liebe zu den Salomonssiegeln nicht vermiesen. Außerdem frisst ein spezielles Lilienhähnchen unschöne Kerben in die jungen Blätter. Ich kann dir nur raten, öfters einmal deine Salomonssiegel zu kontrollieren und diese leuchtend rote Käfer einfach ab zu sammeln. So bekommst du den Schädling in den Griff, aber sei schnell, sie lassen sich sofort zu Boden fallen!

Besonders hübsch sind die neuen rosa und blau blühenden Arten aus dem Himalaya, China und Ostasien! Hier kam in den letzten Jahren einiges an Neuentdeckungen und Neueinführungen via England zu uns in die Gärtnerei. Entzückend, wenn ihre kleinen, maiglöckchenähnlichen Blüten sich im Wind wiegen. Was sie allerdings benötigen, ist ein leicht saurer Humusboden.

Letzte Woche verpflanzte ich einen großen Teil meiner Schneeglöckchensammlung. Einige Horste standen schon einige Jahre am selben Ort. Wertvolle Schneeglöckchensorten schätzen einen offenen, leichten, lehmig-sandigen Boden und wollen nicht durch stark wurzelnde Stauden bedrängt werden. Ideale Pflanzpartner sind flachwurzelnde Stauden wie Agastache, Gaura oder Salvia nemorosa. Aber auch im Schatten zwischen flach wurzelnden Sträuchern fühlen sich diese Frühlingsgeophyten wohl.

Die Engländer behaupten zwar, dass die beste Zeit zum Verpflanzen „In the Green“, also vor, während, oder kurz nach der Blüte ist. Dies mag stimmen, wenn Galanthus ausgegraben und zum Verkauf sofort getopft oder gleich verpflanzt werden, ohne dass die Wurzeln leiden. Noch idealer gestaltet sich eine Verpflanzaktion allerdings zum jetzigen Zeitpunkt, kurz bevor die Blätter beginnen einzuziehen. Da haben die Zwiebeln ihre volle Größe erreicht, außerdem sieht man durch das vergilbende Laub, wo seine Schätze stehen. Jedenfalls pflanzte ich sie allesamt in ein langes Mäanderbeet, welches ich neu anlegte. Ich informiere dich selbstverständlich über die Entwicklung dieser Pflanzung, in der hauptsächlich Gräser, Astern und andere Hochstauden zum Zuge kommen. Das Beet misst an der breitesten Stelle nur 150 cm, ist aber 60 m lang!

Die kommenden drei Gartentage, an denen wir teilnehmen, finden in Klöstern statt, die durch ihre Anlagen und ihr imposantes Aussehen wesentlich zum gelungenen Ambiente beitragen. Gleich um die Ecke von mir findest du das Kloster Reichersberg, hoch über dem Inn gelegen, ideal für einen Kurzurlaub, um in den Innauen zu wandern und sich die Gartentage zu Gemüte zu führen.

Über Seitenstetten und Unterliezheim schreibe ich dir beim nächsten Mal.

Ich wünsche dir weiterhin großes Gärtnerglück! Genieße diese hohe Zeit des Wonnemonats Mai.

Dein Sarastro
(Christian H. Kreß)