Newsletter V/2012 (Solidago ‚Hiddigeigei‘, neue Monarda)

Liebe Papagena, lieber Papageno!

Die Zeit verrinnt wie im Fluge und schon befinden wir uns im Mai, dem so viel besungenen Wonnemonat! Für mich durch und durch ein Labsal, besonders nach diesem außergewöhnlichen Winter, der uns allen schwere Narben unterschiedlichster Form im Garten hinterließ.

Wie geht es deinen Pflanzen im Garten? Wie haben deine Rosen überwintert, leben deine Helleborus noch und zeigen sich die Agastache schon? Hoffentlich hielten sich bei dir die Ausfälle in Grenzen! Nicht der sibirisch kalte Februar war schuld, nein, es war der viel zu milde Dezember und dann der warme Januar, der unseren Lieblingen einen viel zu frühen Vorfrühling vorgaukelte. Das meiste befand sich schon im Saft und begann bereits zu wachsen, wenngleich zunächst nur unterirdisch. Als dann die Kältewelle kam, waren die Pflanzen nicht mehr darauf vorbereitet. Es war, wie wenn du im Winter vom warmen Strand in Äquatornähe urplötzlich nach dem Norden verfrachtet würdest. Aus Russland kommen bekanntlich nicht nur wunderschöne Phlox-Neuheiten, sondern auch Väterchen Frost. Und dieses Mal sehr erbarmungslos und mit aller Härte, noch dazu größtenteils ohne eine schützende Schneeschicht.

Die Schäden zeigten sich bei uns sehr unterschiedlich. Am meisten traurig stimmen mich aber die massiven Ausfälle unseres großen Epimedium-Sortimentes, sowie bei den Geranium, wo vieles trotz Abdeckung regelrecht erfror. Wir hatten ein ausgefeiltes Geranium-phaeum- Sortiment, wohlgemerkt hatten! Trotz Abdeckung raffte der Frost die Topfbestände des Braunen Storchschnabels gnadenlos dahin. Die wenigen ausgepflanzten Exemplare im Schaugarten überlebten die Kältewelle schadlos. Wieder einmal wurde uns verdeutlicht, dass Stauden im Topf gänzlich anderen Witterungsverläufen unterworfen sind, als in der offenen Erde.

Auch etliche meiner Kollegen jammern schwer, und je nachdem, wie tief die Kälte sank, wie viel Schnee als Schutzschicht kam und in welcher Ecke von Mitteleuropa ihre Gärtnerei liegt, sind die Schäden immens hoch. Staudengärtner, die mit der Natur leben, nehmen allerdings auch solche herben Rückschläge zur Kenntnis und stecken sie weg, was bleibt dir denn schon anders übrig? Nach vorne blicken ist angesagt! Die Natur gleicht ohnehin vieles aus, es ist alles nur eine Frage der Zeit.

Hast du dir eigentlich einmal Gedanken gemacht, wie viele unserer Stauden sich während ihrer Blüte zu wahren Insektenmagneten entpuppen? In meinen planerischen Überlegungen beziehe ich solche Pflanzen stets mit ein, möglichst in jeder Situation. Du darfst diese umschwärmten Staudenbüsche nicht gerade neben deinen Liegestuhl oder eure Terrasse pflanzen, sondern etwas weiter in die Mitte deines Beetes. Zu den wichtigsten Gattungen gehören neben Bergminzen und Anisysop auch die Indianernesseln (Monarda), von der es inzwischen eine stattliche Sortenvielfalt gibt. Gar nicht so selten fragen mich die Kunden, was tun gegen diesen omnipräsenten Mehltau und warum bei manchen Sorten die Horste mit den Jahren immer weniger werden? Eine erfolgversprechende Monarda-Kultur hängt sehr stark auf deine Bodenverhältnisse an, aber auch auf die richtig Sortenwahl und die Pflege deiner Indianernesseln. Als Kinder der Prärien und der Wasserläufe des Mittleren Westens der Vereinigten Staaten schätzen die meisten unserer Gartensorten einen guten, nicht allzu schweren Gartenboden. Und es sei dir gesagt, dass wir bei einigen Sorten wohl immer mit Mehltau leben müssen, besonders dann, wenn die Indianernesselhorste schon länger stehen und quasi Hunger haben. Wir können ihn aber in Schach halten, indem wir die Horste alle drei bis vier Jahre verpflanzen und das Pflanzloch ausreichend mit gutem Kompost auffüllen.

Unser Sortiment stammt ursprünglich in erster Linie von einigen Kollegen und Persönlichkeiten der internationalen Staudengärtnerszene. Einige Sorten verdanken wir Piet Oudolf, der diese vor fast 20 Jahren in seiner niederländischen Heimat selektierte. Als ich mich vor mehr als 15 Jahren selbständig machte, dachte ich an eine notwendige Sortimentsauffrischung und nahm von Hummelo einige Sorten mit nach Österreich, um sie hier zu testen. Mit der Zeit bewies sich ‘Mohawk’ als eine der ausdauerndsten und robustesten Indianernesseln, die auch nach vielen Jahren nicht weniger wird!

Monarda ‘Jacob Cline‘

Monarda ‘Jacob Cline‘

Monarda fistulosa ssp. menthaefolia ‘Mohawk‘

... und die so ausdauernde und robuste ‘Mohawk‘

Monarda fistulosa ssp. menthaefolia

Monarda fistulosa ssp. menthaefolia, die sich bei uns am Teich etabliert hat...

Manches Mal sind es aber gar nicht Hybriden, sondern die reinen Wildarten, welche im Garten nicht enttäuschen. So hat sich bei uns Monarda fistulosa ssp. menthaefolia zu einer wahren Erfolgsgeschichte gemausert. Nicht nur, dass diese Form keinerlei Mehltau bekommt! Auch sie ist äußerst standfest und besitzt eine Höhe von nur 50 cm. Ich sah sie zum ersten Mal bei meinem langjährigen Freund Ewald Hügin in Freiburg/Breisgau. Mir gefiel vor allem auch die zarte helllila Blütenfarbe! Wusstest du auch, dass die getrockneten Blütenköpfe von Monarda fistulosa ssp. menthaefolia ein hervorragendes Pizzagewürz abgeben?

Mehltaufrei ist auch ‘Jacob Cline‘, sie stellt eine Verbesserung der alten ‘Squaw‘ dar, welche einen zu lockeren Blütenstand besitzt. Zwei weitere, sehr ansprechende Sorten entstammen der Handschrift Eugen Schleipfers. Bei uns haben sich ‘Eugens Purpursamt‘ und ‘Eugens Purpurglut‘ bestens bewährt. Auch diese Sorten des bekannten Augsburger Staudenzüchers enttäuschen dich niemals.

Salvia nemorosa ‘Blauhügel‘

Salvia nemorosa ‘Blauhügel‘, eine meiner Lieblingssorten

Salvia nemorosa ‘Caradonna‘

Salvia nemorosa ‘Caradonna‘, von hellblauen Wiesenstorchschnäbeln umspielt

Aber nicht nur Monarden sind Insektenmagneten, sondern auch die meisten Sorten des Steppensalbeis. Hier war besonders Ernst Pagels der Vorreiter. Er bekam eines schönen Tages bei einem Besuch bei Karl Foerster ein Päckchen Samen vom Meister selbst, mit der Bemerkung „Sieh zu, dass du was draus machst!“. Und so entstand die weit verbreitete ‘Ostfriesland‘. In weiterer Folge selektierte Ernst Pagels ‘Blauhügel‘ ,‘Tänzerin‘ und eine  Reihe anderer Sorten. Samenstrains kamen dazu und man konnte meinen, die Farbenvielfalt im Salbeisortiment sei damit ausgereizt. Weit gefehlt! Vor etwa 10 Jahren entstand in Norddeutschland ‘Caradonna‘ bei Zillmer in Uchte, die mittlererweile in ihrer Popularität ‘Ostfriesland‘ um nichts nachsteht. Die dunklen, langen Blütenstängel üben einen besonderen Reiz auf den Betrachter aus, ganz besonders, wenn gleich mehrere Exemplare beinander stehen. Und hier bei uns selektierten wir ‘Morgenröte‘, eine der wenigen standfesten Sorten in einem unvergleichlichen Rosarot. Für alle Steppensalbei gilt der Rückschnitt nach der ersten Blüte, damit die zweite Blüte gesichert ist.

Und zu guter Letzt möchte ich dir in kurzen Zügen die Geschichte jener Goldrute erzählen, die momentan einigermaßen für Furore sorgt. Diese außergewöhnliche Neuheit wurde als spontaner Sämling in einem Berliner Garten entdeckt. Ein guter Bekannter vermachte sie uns, er hatte keinerlei Interesse daran und überließ mir zur Gänze diese Pflanze. Er beschrieb mir die außergewöhnliche Leuchtkraft der Blätter und Triebe in den höchsten Tönen. Im Juni kam dann das Paket per Post, darin befanden sich nur noch die verfaulten Überreste der mit großer Spannung erwarteten Goldrute. Das Päckchen wurde fehlgeleitet und war daher viel zu lange unterwegs. Durch die Hitze „verkochte“ die Goldrute regelrecht. Ich rief in Berlin an und erzählte von dem Missgeschick. Er sagte mir, dass er noch ein winziges Teilstück besäße und es aber bei Gelegenheit einem anderen Gärtnerkollegen mitgäbe, um so einem erneuten Verlust vorzubeugen. Dies klappte dann auch und der Vermehrung stand nun nichts mehr im Wege.

Die leuchtend goldgelbe Färbung zeigt sich ausschließlich im Frühjahr, während die Blätter im Laufe des Sommers langsam vergrünen. Nun war ich gefordert, einen passenden Namen zu finden. Und dies gestaltete sich wider Erwarten alles andere als leicht. Goldrute, Strahlenkrone, Goldstrahl, Frühlingsgold und so weiter, alles Namen, die schon da waren und welche den unvergleichlichen Charakter dieser Goldrute niemals wiedergaben.

Solidago ‘Hiddigeigei‘

Zwei Monate später, wenn sie schon leicht vergrünt.

Solidago ‘Hiddigeigei‘

Solidago ‘Hiddigeigei‘ in der Austriebsphase

In meiner alten Heimat im südbadischen Säckingen ist der Schriftsteller Viktor von Scheffel allgemein ein Begriff. Zu seinen bekanntesten Stücken zählt der Trompeter von Säckingen, in dem unter anderem ein Kater Hiddigeigei mit leuchtend gelben Augen vorkommt. Dieser lustige Name hatte es mir angetan, den kann sich jeder merken! Nun steht also Solidago ‘Hiddigeigei‘ in unseren Schaubeeten. Ein Langzeittest steht noch aus und ich weiß noch nicht einmal, wann und in welcher Form sich die Blütenrispen zeigen. Auch über die endgültige Höhe, sowie andere sortenspezifische Eigenschaften werden sich in den kommenden Jahren erweisen. Jedenfalls steht schon jetzt fest, dass im Frühling Stauden mit leuchtenden Blattaustrieben durchaus ihren besonderen Reiz besitzen! Uns sind ja noch andere Stauden mit diesen Eigenschaften bekannt.

Ein traditioneller Höhepunkt im Mai sind für mich immer die Freisinger Gartentage, an denen wir von Beginn an dabei sind. Dieses Mal wird als Gastland die Schweiz mit international bekannten Gartenarchitekten und Persönlichkeiten der Gartenszene aufwarten. Unser Stand befindet sich wie immer gegenüber vom Haupteingang.

Auch in Götzis/Vorarlberg sind wir mit von der Partie. „Da Markt am Gartahaag“ findet nur einen Tag auf dem Gelände der Bildungsstätte St. Arbogast statt. Und Ende Mai sind wir auch wieder in Igls, südlich von Innsbruck vertreten. „Blühende Träume“ nennen sich die Tiroler Gartentage, nahe dem Kongresszentrum Igls.  Genaues Datum und weitere Angaben findest du auf unserer Website unter der Rubrik „Veranstaltungen“.

Bitte sei uns nicht böse, wenn deine Bestellung im Versand etwas länger dauert wie du dir es vorgestellt hast. Wir arbeiten z.Z. unter Hochdruck, um die Aufträge der Reihenfolge nach abzuarbeiten. Leider treten besonders bei Anemonen, Agastachen und einigen anderen Stauden Lieferengpässe auf. Also nicht enttäuscht sein, wenn die eine oder andere heiß ersehnte Pflanze nicht dabei ist!

In diesem Sinne wünsche ich dir einen erlebnisreichen Frühling und viel Glück mit deinen Stauden!

Dein Staudengärtner Sarastro

Christian H. Kreß mit Campanula 'Sarastro'

vorige Woche aufgenommen von H.J. Weratschnig anlässlich der Ausstellung „Blühende Träume“ in Igls bei Innsbruck