Newsletter I/2014 (Kissenprimeln, Ranunculus)

Liebe Pamina, hallo Papageno!

Die Feiertage sind schon wieder fast vergessen, das Neue Jahr soeben begonnen und schon denkt man an Frühling. Dabei haben wir auch allen Grund dazu, bei diesen Temperaturen dem Frühling nachzuspüren. Hier ist es bis jetzt ungewöhnlich mild und auch die Vorschau für den Januar meldet nichts Gravierendes in Richtung Eis und Frost. Mit Schrecken erinnere ich mich noch an den Winter 2011/12, der ganz ähnlich begann. Hoffentlich hält wenigsten der Januar mit Schnee Einzug, denn sonst sind bei einem milden Januar und darauf folgenden, sibirischen Temperaturen ohne viel Schnee unweigerlich Schäden vorprogrammiert. Aber es hilft nichts, wir müssen da durch, schließlich sind ein Hauptteil dieser Kapriolen menschgemacht.

Der Eisenhutblättrige Hahnenfuß präsentiert sich hierzulande überall entlang der mäandernden Flüsschen des Innviertels und angrenzenden Hausruckviertels. In den Sortimenten der Staudengärtner ist er in seiner Normalform kaum vorhanden. Von ihm existiert jedoch eine gefüllt blühende Form, die sich allerdings nur langsam bestockt. Sie ist schon lange in Kultur. Ich hatte immer Mühe, ausreichend Mutterpflanzen aufzupflanzen, um davon wiederum genug Verkaufspflanzen zu bekommen. Von Barbara und Eberhard Fluche aus Darmstadt bekam ich eine weitere, gefüllt blühende Form, die sie in der Natur fanden und welcher nun nach seinem Finder ‘Eberhard‘ heißt. Dieser hat sich als wesentlich wüchsiger als der herkömmliche, gefüllt blühende Klon herausgestellt! Du kannst diesen Hahnenfuß in jeden frischen Gartenboden setzen, wo er mit anderen Frühlingsblühern wetteifert.

Bei den Hahnenfüßen findest du alles Mögliche an gartenwürdigen Arten, für den Wasserrand, wie auch für den Steingarten und Trog. Eine sehr auffällige Art ist Ranunculus psilostachys aus dem Mittelmeerraum. Allein schon der spannende Austrieb der hübschen, silbrig behaarten, graugrünen, geschlitzten Blätter fällt jedem Betrachter sofort ins Gesicht. Die großen, glänzenden Blüten gleichen Riesen-Butterblumen. Eine einzige Pflanze genügt vollkommen, um einen Horst im Kiesgarten dauerhaft wirken zu lassen. Dieser Hahnenfuß hat die Eigenschaft, bald nach der Blüte einzuziehen. Dann hast du eine kahle Stelle, die aber nicht weiter ins Gewicht fällt, da ja Kies und Schotter die Rhizome bedecken. Vorsicht, er kann in manchen Böden fast zum Unkraut werden, ist aber leicht entfernbar.

Aus den Schotterfluren des Atlasgebirges stammt Ranunculus calandrinoides. Wenn dir diese prächtige Art wächst und gedeiht, dann hast du einige wichtige Grundlagen beachtet. Früher dachte ich, jenes Kleinod wäre nur etwas für das Alpinenhaus, weil es in den meisten Büchern so steht. Dabei benötigt diese großblütige Art lediglich einen trockenen, regengeschützten Standort mit einem gut drainierten, lehmig-sandigen Boden in voller Sonne. Auch er zieht über den Sommer ein, auch er schätzt eine Kalkschotterauflage. Jedes Jahr freue ich mich wieder, wenn die prallen Knospen zwischen den Blattachseln erscheinen. Mit solchen Edelsteinen kann der europäische Alpenraum nicht dienen, aber dafür hat er eine Menge anderer Juwele aufzuweisen.

Wenn du einmal R. alpestris in Natura gesehen hast, wirst du nicht mehr an den Unkraut-Ackerhahnenfuß denken. Auch hier ist schon sehr lange eine gefüllt blühende Form in Gartenkultur. Alle gefüllt blühenden Formen blühen nicht nur wesentlich länger, sondern sind in der Natur nicht überlebensfähig, dafür aber umso mehr im Garten! Ranunculus alpestris ‘Annemarie‘ wurde nach Fritz Köhleins Frau benannt. Diese Form unterscheidet sich aber nur geringfügig von der herkömmlichen, gefüllten Form. Gib ihr keinen allzu trockenen Platz in deinem Steingarten, eine nordöstliche Stelle auf der Rückseite ist genau der richtige Ort!
Eine weitere, sehr liebliche Art kann ich dir leider nicht im Bild vorstellen. Auch von Ranunculus montanus besitze ich eine dicht gefüllte Form, die ich einst von Bernhard Röllich bekam. Er gab sie mir mit der Bitte, diese zu vermehren und ‘Miss Austria‘ zu taufen. Auch der Berghahnenfuß schätzt es, nicht zu trocken zu stehen. Nun, ich könnte dir noch viele weitere Hahnenfüße vorstellen, die Liste ist beinahe unendlich!

Noch wesentlich vielfältiger und artenreicher gestalten sich die Primeln. Hier kann eine Sammelleidenschaft ohnegleichen beginnen. Schon bei einzelnen Arten herrscht eine umfangreiche Sortenvielfalt. Mit der Seealpen-Primel (Primula marginata) hast du eine der kinderleicht gedeihenden Alpenprimeln. Sie wächst dir in Trögen und Steingärten gleichermaßen. Mit der Zeit wurden eine ganze Menge an Sorten geschaffen. Eine der schönsten ist die dunkelviolette ‘Linda Pope‘, aber auch die lilarote ‘Adrian Evans‘ ist nicht zu verachten. Im Bild oben siehst du ‘Kesselring‘, eine der älteren Sorten, die aber überreich blüht. Diese Primel bildet ähnlich der Showauriculas mit der Zeit kleine Stämme, an deren Ende die Blattrosetten mit den Blüten sitzen.

Kissenprimeln, so scheint es, sind inzwischen leider vollkommen aus der Mode gekommen. Zugunsten der durch Aussaat vermehrten, auf den ersten Blick sehr ähnlichen Kissenprimeln verschwanden die Echten Teppichprimeln schon innerhalb zweier Jahrzehnte fast vollständig aus den Sortimenten der Staudengärtnereien. Also ist nicht nur die Mode dran schuld, sondern die bequemere Vermehrbarkeit. Jammerschade, denn ich finde, dass diese ausschließlich durch Teilung vermehrbare Sorten ihre große Berechtigung im Frühlingsgarten haben. Sie bilden nämlich mit der Zeit dichte, reichblühende Teppiche. Du konntest diese wunderbaren Primeln sicher schon in älteren Gärten deiner Umgebung entdecken. Der Friedhof ist meist ebenfalls ein Eldorado verschollener Gartensorten. Nun versuche ich seit einiger Zeit, alte Sorten wie ‘Helge‘, ‘Wanda‘, ‘Betty Green‘, ‘Schneeteppich‘ und ‘Ostergruß‘ bei Liebhabern aufzutreiben, zu vermehren und erneut anzubieten.

Ebenfalls ganz entzückend ist eine Waldprimel aus Japan, von der wir eine gefüllt blühende Form vermehren. Die bemehlten Rosetten erinnern an die einheimische Mehlprimel, diese möchte allerdings einen normalen Humusboden im Halbschatten und sollte öfters aufgenommen und geteilt werden.

Ja, mit diesen Frühlingsbildern lassen sich die Winterabende herrlich versüßen! Bald ist es wieder so weit, wenn liebliche Zwergnarzissen zwischen abgestorbenen Gräsern hervorlugen und die Frühlingsplatterbse mit ihrer ungewöhnlichen Blütenfarbe uns erfreut. Ist dir nicht auch schon aufgefallen, dass eingewachsene Horste der Platterbse in der Gartenkultur eher noch prächtiger und üppiger sind als in der Natur? Jedenfalls blühen sie zusammen mit den bereits vergehenden Nieswurz (Helleborus foetidus). Die beiden kommen auch in der Natur gemeinsam vor. Auch mit der Platterbse besitzen wir durchaus keine Allerweltsstaude, auch wenn sie uns noch so vertraut erscheint, denn ihre Vermehrung erfordert doch einige Geduld, dagegen kann eine Kissenprimel fast schon als Kresse bezeichnet werden!

Falls du Zeit und Muße hast, kannst du gegen Ende des Monats beginnen, deinen Kiesgarten zu säubern, das ist aber noch nicht zwingend notwendig. Lass dir ruhig Zeit bis Ende März. Falls du aber ältere Chinaschilf-Horste besitzest, so schneide diese rechtzeitig herunter, bevor diese von Winterstürmen durch die gesamte Nachbarschaft getragen werden. Und wenn du es gar nicht mehr aushältst, so rate ich dir, das überwinternde Unkraut in den Beeten zu entfernen. Aber pass auf dein Kreuz auf, denn die kalte Jahreszeit hinterlässt nicht nur bei den Pflanzen ihre Spuren.

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Unser Webshop ist bereits fertig überarbeitet. Nun ist fast zu 80 % alles bebildert! Du kannst bei vielen Sorten gleich mehrere Bilder vorfinden. Mein Fernziel sind nicht nur Makroaufnahmen einzelner Blüten, sondern vor allem eine mögliche Verwendung und Kombination in Bildern zu zeigen. Und ich habe ziemlich akribisch die Verfügbarkeit einzelner Stauden definiert, was sich aber durch die Witterung leicht ändern kann. Es sind zudem auch Neuaufnahmen angeführt, die du erst Monate später erhalten kannst. Im Frühling und Sommer findet man nicht immer die Zeit, alles punktgenau zu aktualisieren. Das Internet mit seinem Webshop macht zwar vieles möglich, gegen die Natur lässt sich trotzdem nicht arbeiten. Wenn du also im ausgehenden Winter eine bestimmte Staude bestellst, ist es nicht gesagt, dass diese beim Ausliefertermin auch verfügbar ist. Die Witterung kann zu Qualitätseinbußen führen oder zu Totalverlusten, was vorab nicht vorhersehbar ist. Aber du hast dafür sicher Verständnis! Ich wünsche dir viel Freude beim Schmökern unter www.sarastro-stauden.com !

Der Januar ist der Monat, wo ich viel auf Vorträgen unterwegs bin. In diesem Jahr sind diese zum Glück mal etwas weniger und man hat Zeit für neue Projekte. Lass dich überraschen!

Über weitere, wichtige Termine, sowie über unseren Frühjahrsstart informiere ich dich dann im Februar- und Märzrundbrief. Du kannst aber schon vorab unsere vorläufigen Jahrestermine in der Rubrik „Sarastro-Veranstaltungen“ finden, ich habe sie bereits aktualisiert.

Und – noch ein kleiner Hinweis: Der “Grüne Anzeiger“ von Ann-Christin Neugebauer aus Hamburg zeigt dir datierte Veranstaltungen von Nord bis Süd im gesamten deutschsprachigen Raum auf. Da bleibt kein Wochenende frei! Du kannst diesen auch unter www.grueneranzeiger.de abonnieren. Immer wieder sind darin auch interessante Artikel über verschiedenste Themen unserer Gartenkultur zu finden.

image032Ansonsten wünsche ich dir in jedem Fall ein gutes und vor allem gesundes Neues Jahr mit vielen pflanzlichen Überraschungen in deinem Garten!
Dein Staudengärtner Sarastro