Newsletter I/2016 (Kiesgarten, Phlox, Astern)

Liebe Pamina, hallo Papageno!
Wahrscheinlich wirst du dir auch schon Gedanken machen, was du dir im kommenden Jahr in deinem Garten alles so vornimmst. Das ungewöhnlich milde Wetter verleitet geradezu, im Garten tätig zu werden. Durch den Raureif und den Hochnebel werden bei uns die Vorfrühlingsgeophyten zum Glück noch zurückgehalten, andernorts blühen sie schon seit Mitte Dezember!

Ein Thema geistert mir immer wieder im Kopf herum: weshalb gerade zu Zeiten der Klimaveränderung ein spannendes Kapitel Garten regelrecht verballhornt wird. Hiermit meine ich den Kiesgarten, der sich als ein Refugium trocken-heitsliebender und hitzebeständiger Pflanzen darstellen könnte, für Pflanzen aus Steppen und mediterranen Gefilden – einschließlich Gestalten mit Pflanzen!
Stattdessen reduzieren sich Kiesgärten allenorts auf den Kies, sie präsentieren sich als eine Art „Vorgartensteinwüste“, als eine Kiesschüttung mit einer Buchskugel oder einem armseligen Gras – und das soll es dann schon gewesen sein. Und an dieser traurigen Entwicklung ist die Gärtnerschaft leider nicht ganz unschuldig!
Berühmt gemacht hat den Kiesgarten die Grand Dame Beth Chatto, wie sie Ende der 80er-Jahre ihren zu klein gewordenen Parkplatz zu einem Kiesgarten umgestaltete. Ich durfte dies damals live miterleben, kam ich doch vorher und nachher mehrmals nach Colchester in ihre Gärtnerei mit dem berühmten Park.
Kiesgärten gab es aber schon weit früher. Eine lange Tradition hat dieser in Japan, wo du sauber geharkte Zen-Gärten bewundern kannst. Aber solche Gärten haben nur wenig mit unseren europäischen Kiesgärten gemeinsam, dienen sie doch zur Ruhe und Meditation. Darf aber nicht auch dein Kiesgarten ein Hort der Ruhe sein oder soll er nur als Alibifunktion dienen, nur weil der Nachbar auch eine solche Kiesschüttung sein Eigen nennt?
Zu meiner Schweizer Zeit wurden von einigen bekannten Gartenarchitekten und Landschaftsgärtnern schon sehr bald Kiesgärten realisiert, die eine Nachbildung eines ausgetrockneten Flussbettes darstellten. Was aber heutzutage unter Kiesgarten verstanden wird, das kannst du gleich im ersten Bild erkennen. Nicht, dass ich hier irgendjemandem seinen Geschmack abspenstig machen möchte, aber ein Kiesgarten kann wesentlich mehr – nämlich ein Refugium für Pflanzen und Tiere sein, an dem man seine Freude und Zufriedenheit findet.

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Wie so ein Kiesgarten wirklich aussieht, möchte ich dir gleich anhand der nächsten Bilder verdeutlichen. Eine langjährige Kundin und gleichzeitig eine begnadete Pflanzensammlerin hatte eine relativ steile Rasenböschung in einen Kiesgarten umgewandelt, weil ihr auf Dauer das Rasenmähen zu beschwerlich wurde. Diesen Kiesgarten hatte sie vor genau 17 Jahren erstellen lassen, er präsentiert sich seither jedes Jahr in wunderbarem Zustand. Nicht nur alle möglichen, graublättrigen Eberrauten (Artemisia), sondern auch seltene Wildtulpen, mediterrane Wolfsmilcharten bis hin zu winterharten Mittagsblumen und Palmlilien geben sich dort ein Stelldichein.
Und mit der Mär, dass die obligatorisch verlegte Folie das Unkraut abhalten soll, damit möchte ich auch gleich aufräumen. Befinden sich noch Teile von Wurzelunkräutern im Boden, so nützen Folien gar nichts, denn die Wurzelstücke treiben durch und treten dort an die Oberfläche, wo du deine Löcher für die Stauden in die Folie bohrst. Und gegen einjährige Unkräuter nützt eine Folie unter der Kiesfläche ebenfalls nichts, denn diese keimen dort, wo sich Laub und abgestorbene Pflanzenteile sammeln und zu Humus wird. Ich sah schon Kiesflächen, welche auf der Oberfläche verunkrautet waren, trotz Folie oder Vlies! Ganz ohne dein Dazutun wird sich auch ein Kiesgarten nicht sauber halten. Außerdem – Plastik im Boden vergraben ist ein absolutes No Go!

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Auf dem nächsten Bild siehst du ein Erfolgserlebnis einer lieben Kundin.

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Und hier unser Kiesgarten in der Gärtnereieinfahrt. Er ist schon etwas zu sehr zugewachsen, so kommt die Kiesstruktur nicht mehr so gut zur Geltung.

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Die Pflanzen eines Kiesgartens stellen eine eigene Welt dar. Die Vielfalt ist enorm groß und du wirst auch in solchen Extremsommern wie nach dem letzten nie durch Ausfälle enttäuscht werden. Ein Gießen erübrigt sich vollkommen!

Was gibt es sonst noch Neues?

Unser Buch „Blackbox-Gardening“ hat mittlerweile schon die zweite Auszeichnung bekommen, nämlich den Buchpreis der Deutschen-Gartenbau- Gesellschaft, welcher auf der Mainau vergeben wurde. Und es ist inzwischen auch in Französischer und Englischer Sprache erschienen. Dies freut uns natürlich ungemein, denn es ist alles andere als leicht, ein Buch zu schreiben!

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Im nächsten, oberen Bild siehst du die letzte Blüte einer Phloxsorte, die ich von Elena Konstantinova, der bekanntesten russischen Züchterin bekam, aufgenommen Ende November in unserem Phloxmuseum. Sein Name ist ‘Mister X‘. Wenn du dagegen das untere Bild der Sommerblüte betrachtest, glaubst du kaum, dass es sich hierbei um dieselbe Sorte handelt. Dies ist ein Phänomen, welches nahezu ausschließlich bei den russischen Sorten auftritt.

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Weil ich gerade vom Phloxmuseum sprach, dies ist übrigens eine eigene Geschichte, von der ich dir in einem der kommenden Rundbriefe erzählen möchte.
Eine Asternneuheit will ich dir heute noch unbedingt vorstellen. Ich bekam sie von Mister Hepatica, welcher in der Nähe von Berlin sein Leberblümchen-Refugium hat. Als echter Vollblutgärtner interessiert Andreas Händel sich natürlich auch für andere Stauden. Und da er immer schon einen guten Draht in die Foerstersche Gärtnerei nach Bornim hatte, kannte er auch Marianne Foerster recht gut, die Tochter Karl Foersters. Anlässlich eines Besuches von Marianne Foerster bei Andreas Händel bestaunte sie eine Aster, die bei ihm als Sämling stand. Diese Aster gefiel ihr so gut, dass Andreas ihr den Arbeitsnamen ‘Nannis Liebling‘ gab. Wenig später schenkte er mir einen Topf davon und ich übernahm mit seiner Zustimmung sofort den so treffenden Namen.
Diese Aster ist ein Abkömmling der alten Schweizer Sorte ‘Schöne von Dietlikon‘, die vom Vater meines ehemaligen Chefs Domenico Tommasini stammte. ‘Nannis Liebling‘ besticht durch eine wesentlich kontrastreichere dunkelviolette Blüte mit tollen, goldgelben Staubgefäßen, verbunden mit einem stämmigen Wuchs. Ihr sage ich eine große Zukunft am Asternhimmel voraus!

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Aber auch ältere Staudensorten faszinieren mich immer wieder von neuem. Hierzu zählt auch die Polsterglockenblume (Campanula poscharskyana ‘Stella‘. Am richtigen Standort auf einer Trockenmauerkrone oder zwischen anderen Steingartenstauden leuchten ihre Blüten wie Sternchen hervor.

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Weihnachten ist zwar schon vorbei. Aber du kannst jederzeit von unseren Gutscheinen Gebrauch machen, den wir dir gerne zusenden. Diese sind sehr beliebt, du kannst einen Gutschein jederzeit über unsere Homepage www.sarastro-stauden.com anfordern, es ist ein eigener Button auf der Startseite dafür eingerichtet. Vielleicht hat gerade eine Gartenfreundin Geburtstag und du hast noch kein Geschenk?
Januar und Februar sind Monate der Schreibarbeiten und diese Zeit ist auch für Vorträge vorgesehen. Allerdings – dieses Jahr habe ich die Vorträge etwas reduziert, da wieder etwas Neues ansteht. Lass dich überraschen, es dauert aber noch ein ganzes Weilchen.
Die neuen Termine wurden bereits auf der Website verewigt, ich meine damit zunächst die Gartentage. Ich habe sie in diesem Jahr ebenfalls reduziert, weil ich gerne etwas mehr in der Gärtnerei sein möchte. Der Kundenkontakt ist gerade für unsere kleinen Gärtnereien am allerwichtigsten und der Zustrom steigt erfreulicherweise weiter an.

Ach ja, beinahe hätte ich es vergessen. Unser Büro übersiedelte im November d.J. zur Gänze in die Gärtnerei. Nun hat dort das Büro unmittelbaren Kontakt zu den Leuten, die die Aufträge für den Versand abwickeln und zur Verpackungsabteilung. Und was tat ich mit dem zuhause leergeräumten Büroraum? Nichts einfacher, als sich endlich einen lange gehegten Wunsch in Erfüllung zu bringen. Ich ließ mir eine Bücherwand erstellen und so entstand  eine reine Fachbibliothek, wie ich sie mir immer schon gewünscht habe. Du weißt ja, Bücher sind neben Reisen und Pflanzen meine großen Leidenschaften! Viele Bücher lagen in Kartons verpackt, weil einfach kein Platz mehr vorhanden war.

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In winterlicher Erwartung wünsche ich dir noch eine geruhsame Zeit. Zur Schneeglöckchenblüte wird es wohl noch ein Weilchen dauern. Aber Zeitschriften, Bücher und auch unser Webshop laden dich zum Schmökern ein.

Bleibt mir nur übrig, dir alles Gute für das Neue Jahr zu wünschen!

Dein Staudengärtner Sarastro

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Viele Grüße/ Best regards/ С уважением

Christian H. Kreß