Newsletter II/2022

Liebe Pamina, hallo Papageno!

Man sollte sich stets nach dem Wetter richten, auch wenn man sich Staudengärtner nennt! Gerade fegt ein Schneeschauer durch das Land und ich beschloss, dir zu schreiben, denn das Monatsende naht schließlich mit Riesenschritten. Ich war heute im alten Teil des Schaugartens tätig und stutzte unter anderem eine große Kopfweide, was ja eigentlich jedes Jahr gemacht werden sollte, aber wir hatten den Schnitt wieder einmal zwei Winter hinausgeschoben. Durch diese Aktion fielen eine Menge Äste an, die ich mit der Motorsäge lautstark kleinschnitt. Aber jetzt wohin damit? Schlägst du allerlei Gartenzeitschriften auf, so wird dir in den letzten Jahren der Begriff „Benjeshecke“ inzwischen sicher geläufig sein. Hermann Benjes war ein Landschaftsgärtner und Schriftsteller in Norddeutschland, welcher die schon alte Tradition des Errichtens von Totholzhecken in der freien Landschaft wieder neu propagierte und besonders auch für den Garten anregte.

Eine solche Totholzhecke hat eine Menge nützlicher Vorteile. Erstens brauchst du deine Äste und Zweige nicht wegfahren oder mühevoll klein häckseln. Wenn die Benjeshecke richtig angelegt wurde, dann schluckt sie sagenhaft viel Holz, man glaubt dies kaum. Wir besitzen im hintersten Teil unseres Schaugartens so ein nutzloses Eck. Ich pflanzte zwar einige Gehölze, aber bis diese richtige Größe zeigen, vergehen weitere Jahre. Dann sah ich bei einem Bekannten eine solche Totholzhecke und empfand dies als äußerst sinnvolle Lösung, welche außerdem ökologisch sehr wertvoll ist. Vielen Gartenbesitzern sehen in einem solch wirren Haufen aufgestapelter Äste und Stämme eher eine unordentliche Angelegenheit, nicht gerade einen ästhetisch wertvollen Blickfang. Vor meiner Terrasse oder neben einem Prachtstaudenbeet würde ich mir dies auch nicht wünschen. Aber in unserem Falle schließt sie als Hintergrund zur Grundstücksgrenze ein Schattenbeet optisch ab, das sieht tatsächlich sogar gut aus!

Hier siehst du ein schönes Beispiel einer Benjeshecke, aufgenommen in Inzersdorf in Oberösterreich, im bekannten „Romantic Garden“ von Klinglmüllers.

Der Vorgang ist denkbar einfach! Du schlägst mehrere Holz- oder Eisenpfähle hintereinander in die Erde, im Abstand von etwa einem Meter (oder auch enger), auf beiden Seiten. Und dazwischen stapelst du deine abgeschnittenen Äste optisch schön der Länge nach, in der Größenordnung dürfen auch kleinere Baumstämme, sowie Äste von Nadelgehölzen darunter sein. Du kannst deine abgeschnittenen Äste auch zwischen die Pflöcke kunstvoll einflechten! Dann sollte man zwischendurch immer wieder mal auf das Astgewirr steigen und diese mit deinem Gewicht nach unten treten, damit du eine größere Menge an Ästen unterbringst. Wenn dir die Kopfenden zu wirr und unordentlich vorkommen, dann kannst du anschließend die Äste am Kopfende mit der Motorsäge gleichmäßig abschneiden. Übrigens ist eine solche Hecke je nach Größe und Umfang selten schon nach der ersten Aktion fertig befüllt! Ein Jahr später sind nämlich alle dünneren Äste von unten her schon gut angerottet und geben nochmals nach, je nach Holzart. Bevor du deine Benjeshecke erneut nachfüllst, trittst du das vorhandene Geäst wieder nach unten, was dir nochmals mehr Platz verschafft. Optimal wäre es natürlich, wenn du deine Hecke schon im ersten Jahr fertigstellst, damit du die Tiere nicht unnötig störst, die sich bereits ein Heim gesucht haben.

Ist deine Benjeshecke schon älteren Datums, dann lässt sie sich im unteren Bereich auch ohne Probleme mit Farnen und anderem mehr bepflanzen. Diese Bepflanzung verschafft ihr eine Art pflanzliche Patina. Der Hauptsinn einer solchen Totholzhecke liegt nicht nur in der längerfristigen Kompostierung von Holzabfällen, sondern dient vor allem als Versteckmöglichkeit für Zaunkönig, Igel und Co, aber auch als Unterschlupf für weitere Vogelarten, für Reptilien, Amphibien und viele andere Lebewesen! Wenn dir dieses lebendige, tierische Stelldichein jetzt aber unheimlich wird, dann lass es lieber mit deiner Hecke. Ich bin jedenfalls sehr froh, in dieser Lösung eine ökologische Nische geschaffen zu haben, die deutlich mehr Sinn macht als so manch andere Aktion.

Eigentlich fahre ich Mitte Januar immer zu den Grünberger Staudentagen. Durch mein Reisevorhaben nach Südafrika hatte ich mich nicht angemeldet und so bekam ich keinen Platz mehr. Kurzum, die Reise fiel sprichwörtlich ins Meer. Und die Teilnehmerzahl war in Grünberg wegen dieser unseligen Pandemie beschränkt. Doch ich kam auf die Warteliste und hatte großes Glück, denn offenbar mussten einige schon angemeldete Teilnehmer absagen. So freute ich mich wieder sehr darauf, denn der „Geist von Grünberg“ ist schon etwas ganz Besonderes, für mich der Beginn einer Menge an Freundschaften und Begegnungen, den jeder einmal erlebt haben sollte. Die Bildungsstätte für den deutschen Gartenbau in Grünberg liegt ziemlich zentral in Hessen, etwa zwischen Frankfurt und Kassel. Nicht nur die Staudentage finden dort statt, sondern allerhand andere Kurse, von Gemüsebau bis Baumschulthemen oder Betriebsführung. Sie ist also in erster Linie etwas für Menschen vom Fach, jedoch kommen immer wieder auch interessierte, fortgeschrittene Laien in den Kursen unter.

Mit kurzen Unterbrechungen bin ich dort seit Anfang der 80er-Jahre vertreten, zunächst als Teilnehmer, doch dann aber immer wieder auch als Referent. Tagsüber finden hochkarätige Vorträge von Fachleuten statt, ganz allgemein aber von Persönlichkeiten, die über Stauden etwas zu sagen haben. Stand früher ein Oberthema wie beispielsweise ein Lebensbereich über den Staudentagen, so sind in jüngster Zeit die Themen gemischter Natur. Du kannst inspirierende, botanische Reisevorträge erleben oder nüchterne Lehrvorträge über einzelne Staudengattungen. Mit den Jahren immer wichtiger wurde jedoch auch die Staudenverwendung, welche sich wie ein roter Faden durchzieht.

Die dortigen Staudentage zählen neben meiner Fachbibliothek jedenfalls für mich zu so etwas wie meiner ganz persönlichen, geistig-fachlichen Begegnungsheimat, anders und besser kann ich es nicht umschreiben! In früheren Jahren fand dort in den Tagen zuvor die Hauptversammlung des Bundes Deutscher Staudengärtner statt. Da traf man dann all die “alten Hasen” auch danach an den Staudentagen, solche, die Karl Foerster noch persönlich kannten oder unter ihm arbeiteten, wie etwa Heinz Hagemann, Bruno Müller, Gottfried Kühn oder Karl Wachter, aber auch bekannte Staudenzüchter wie Ernst Pagels und Karl Partsch, Gartenschriftsteller wie Fritz Köhlein, herausragende Staudenkenner vom Format eines Eberhard Fluche oder Hermann Fuchs, vor allem aber auch jede Menge herausragender Staudengärtnereibesitzer, wie Reinhard Behrens, Heinz Klose, Hans Götz, Fritz Häußermann, Walter Schimana und viele andere Größen der Szene. Moderiert wurden die Tage zunächst von Prof. Dr. Sieber, dann von Willi Tangermann, über viele Jahre von Dr. Hans Simon und jetzt von Prof. Cassian Schmidt. Anschließend debattierte man in der berühmt-berüchtigten Bayernstube bis tief in die Nacht, ja bis früh morgens, man schloss eine Menge Freundschaften, die bis heute währen. Man fühlte sich aufgehoben im Schoß einer großen Familie (das Du-Wort war bis auf wenige Ausnahmen selbstverständlich, was ja bei den Deutschen zumindest nicht immer so schnell an der Tagesordnung ist, aber zumindest unter Berufskollegen eigentlich selbstverständlich sein sollte). Man respektierte und bewunderte das überaus große Wissen der älteren Staudengärtner und profitierte davon, man war mit ihnen sehr schnell auf Augenhöhe, vorausgesetzt, man interessierte sich für Pflanzen und brannte als Staudengärtner für seinen Beruf. Und dieser Geist von Grünberg hat Bestand, dies zieht sich bis heute durch!

Die Heimfahrt fand dann meist in einem völlig übermüdeten Zustand statt, jedoch voller wunderbarer Eindrücke und positiver Erinnerungen, Anregungen und Gedanken! Das alles ist heute nicht anders und ich kann nur jedem empfehlen, dort einmal teilzunehmen, falls er einen Platz ergattern kann. Der Gong zum Essen hat immer noch denselben Klang wie vor nunmehr bald 40 Jahren und das Essen ist ein Gaumenschmaus, vom Bier und Wein der Bayernstube ganz zu schweigen. Danke Matthias Hub und seiner Truppe, die es in Pandemiezeiten alles andere als leicht hat, den Laden am Laufen zu halten! Der Geist von Grünberg war es auch, der mich dazu bewog, die Langenloiser Staudentage im dortigen Bildungszentrum in Niederösterreich ins Leben zu rufen. Das war vor 30 Jahren, seit 10 Jahren organisiert Stefan Kastenhofer diese mit großem Engagement.

Kein Rundbrief an dich, ohne nicht einige Staudenimpressionen in Form von Bildern zu zeigen. Hier gleich mal als Einstimmung ein opulentes Staudenbeet im Garten der Horizonte, nördlich von Hamburg. Was will man mehr? Oder für deinen Geschmack vielleicht zu viel an Gelb oder zu klassisch? Jeder nach seiner Facon, ich jedenfalls kann dem stets etwas abgewinnen, neben all den anderen Beispielen der Staudenverwendung. Wir lassen uns ja nicht irgendwelchen Regeln und Normen unterordnen, sondern machen das, was uns gefällt, möglichst unter der Regie des vorhandenen Bodens, des jeweiligen Standortes und des Arbeitspensums, welches wir uns auferlegen möchten.

Hier ein anderes Beispiel, wie man Rosen und Stauden friedlich miteinander vereint, immer noch stets ein aktuelles und beliebtes Thema! Es ist ein geometrischer Rosengarten, ein Teil des Schaugartens im sehenswerten Rosarium Gruber in Eferding/Oberösterreich. Dort hatte ich vor Jahren die Staudenauswahl getroffen und diese anschließend ausgelegt. Einzig Salvia nemorosa ‘Ostfriesland‘ standen als Einfassungspflanzen in Reih und Glied, alles andere an Stauden wurde passend zu den Rosen kontrastreich in kleinen Gruppen kombiniert. Vergiss bei solchen Aktionen bitte nie auf graublättrige Artemisia-Sorten, die zu Rosen hervorragend passen und für Abwechslung sorgen.

Bei einer lieben Bekannten und langjährigen Kundin war ich im letzten Jahr auf Gartenbesuch. Sie ist eine begnadete Pflanzensammlerin und begeisterte Gartenreisende. Da sah ich bei ihr den seltenen Rittersporn ‘Vierzehnheiligen‘, benannt nach dem bekannten, fränkischen Wallfahrtsort. Sie hatte ihn schon sehr lange und er überdauerte brav all die vielen Jahre. Diese farblich sehr auffällige Sorte mit ihrem hübschen, violetten Farbspiel hatte Karl Heinz Marx ausgelesen, ein Staudengärtner aus Pettstadt in der Nähe der pittoresken Stadt Bamberg. Heute ist dieser Rittersporn nur noch schwer zu bekommen, ich werde mich daher bemühen, ihn zu erhalten und zu vermehren. Falls dir Delphinium am Herzen liegen, möchte ich dich gerne kurz informieren, dass innerhalb der Gesellschaft der Staudenfreunde (GdS) eine Fachgruppe Delphinium gegründet wurde, die sich nicht nur um die alten Foerster-Sorten kümmert und diese erhält, sondern sich auch um neue Selektionen bemüht, was zu Zeiten des Klimawandels nicht ganz unwichtig ist und zudem einige ältere Sorten Abbautendenzen aufweisen. Du darfst also aktiv werden, vorausgesetzt, dich interessieren Rittersporne. Wertvolle, durch Stecklinge vermehrte Delphinium gehören schließlich zu den Paradestauden schlechthin und sollten aus unseren Gärten nie verschwinden, zu Gunsten den kurzlebigen Pacific- oder New Zealand-Hybriden.

Eine andere Art der Staudenverwendung zeigt das nächste Bild, ein Einblick in den Garten von Katrin Lugerbauer, hier eine harmonische Kombination von Digitalis lanata, Dianthus carthusianorum, Euphorbia seguieriana var. niciciana, sowie vielen anderen Stauden. Der Standort wurde mittels Splitt abgemagert, einige Stauden wurden gepflanzt, andere dagegen eingesät. Welche davon über die Jahre den Taktstock behalten werden, wissen wir nicht. Aber ist es nicht schön, sich auf das Ungewisse zu freuen? Katrin ist begeisterte Hobbygärtnerin und erfolgreiche Buchautorin, sie hatte bei uns mehrmals praktiziert und mir auch immer wieder an Gartentagen ausgeholfen. Ihr letztes Werk hatte sie gemeinsam mit dem erfolgreichen Pflanzplaner Joachim Hegmann herausgebracht, mit dem Titel „Wilde Wiesen gestalten“, es sind prima Anregungen für eine naturalistische Art der Pflanzenverwendung. Was ich nur nicht verstehe, dass bei diesem Buchtitel auf dem Cover eine Japanische Anemone abgebildet wird, was für mich fast schon ein Affront gegen dieses qualitativ hochwertige Buch darstellt. Auch wenn diese Art der Anemonen noch so beliebt sind, so sind sie doch längst keine typischen Wiesenstauden! Vielleicht sehe ich dies auch zu eng, leider aber steckt man als Autor nicht hinter den Marketingargumenten des jeweiligen Verlages und hat nur beschränkten Einfluss auf Cover und Buchtitel. Da hatte ich mit meinen Buchcovern anscheinend mehr Glück.

Wenn wir schon bei Wiesensituationen angelangt sind, so kannst du im Sichtungsgarten Weihenstephan ein durchaus gelungenes Beispiel bewundern. Hier erlebst du eine Staudenwiese, die an eine Hochstaudenflur erinnert, mit Stauden aus Nordamerika, aber auch aus Fernost, Gräser und Stauden in ausgewogenem Verhältnis. So ähnlich schwebt mir das eine oder andere Beet meiner neuen Anlage vor, denn hier wurden durch diese Art von Bepflanzung bis jetzt sehr gute Erfahrungen gemacht, sie scheint außerordentlich stabil zu sein.

Ganz formal gestaltet sich dagegen dieser Gartenteil des Hortvs von Peter Janke in Hilden/Westfalen. Wenn du einmal in der Gegend dort bist, würde ich dir wärmstens empfehlen, diesen tollen Garten einmal zu besichtigen! Gerade mit Gräsern lassen sich nicht nur unwahrscheinlich stimmungsvolle Bilder schaffen, sondern auch Akzente setzen, sei es als Solitärgras oder als Einfassungspflanze. Ich liebe solche avantgardistische Verwendungsbeispiele!

Das war es auch schon wieder! Genieße den Winter, hier beginnen schon einige Schneeglöckchen mit der Blüte, nicht nur das sehr frühe Galanthus plicatus ‘Three Ships‘, sondern bereits auch andere. Auch die ersten Hamamelis stehen in Vollblüte. Wenn das mal kein dickes Ende nimmt! Aber zum Glück hatten wir hier immer bewölktes, eher kaltes Wetter, was den Vorfrühlingsflor doch noch zurückhält. Die kältesten Wintertemperaturen lagen im Dezember bei – 5 Grad, nichts im Vergleich zu den früheren, knackekalten Innviertler Winter!

Ja, eines noch wollte ich dir unbedingt noch mitteilen. Dir wird aufgefallen sein, dass im Webshop momentan keine Schneeglöckchen für den Versand angeboten werden, denn nahezu alle sind als „Nicht verfügbar“ angezeigt, bis auf wenige Ausnahmen. Der Grund ist darin zu suchen, weil wir im letzten Jahr übergebühr viele Schneeglöckchen verkauft hatten. Es wäre von mir daher verantwortungslos, wenn ich hier nicht einmal einen Schlusstrich setze und für eine Saison den Schneeglöckchenverkauf stoppe, denn sonst gelangt man in eine Art Mangelwirtschaft, von der man schwer wieder wegkommt.

Aber unsere schon traditionelle Schneeglöckchenwoche in der Staudengärtnerei findet jedoch statt, wenngleich mit geringeren Stückzahlen einzelner Sorten, aber nach wie vor in breiter Auswahl, auch mit anderen Frühjahrsblühern! Wann sie startet, hängt ausschließlich vom Wetter ab. Du erfährst dies aber rechtzeitig auf unserer Startseite unter www.sarastro-stauden.com.

Dir alles Gute und wir sehen uns hoffentlich bald wieder!

Dein Staudengärtner Sarastro