Newsletter II/2014 (Aufbau eines Alpinums, Buchvorstellung Blackbox Gardening)

Liebe Pamina, hallo Papageno!

Jetzt ist es an der Zeit, dir ein wenig von unserem Steingarten in der Gärtnerei zu erzählen. Er entstand vor rund 15 Jahren, als ich die Stellflächen unserer Anzuchtsquartiere baute und die Wegeplatten legte. Damals dachte ich, in einen richtigen Stauden-Endverkaufsbetrieb gehört unbedingt auch ein kleiner Steingarten. Damals planierte ich einfach das unebene Gelände der Stellfläche und schob die Erde zusammen. Einiger Bauschutt fiel auch noch an. Die dekorativen, teils verwitterten Kalksteine stammten ursprünglich aus dem Salzkammergut. Es waren Steine, die wir von Bergtouren aus dem Salzkammergut mitbrachten, einige sammelte ich in einem aufgelassenen Steinbruch.

Letztes Jahr hatte ich dann doch das Verlangen, diesen kleinen Steingarten endlich einmal komplett neu aufzusetzen, da sich darin einige Wurzelunkräuter etabliert hatten. Teilweise waren schon alle Zwischenräume des Steingartens mit den Rhizomen durchzogen. Außerdem wollte ich ihn gänzlich neu gestalten und auch etwas artenreicher bepflanzen. Eine sehr willkommene Gelegenheit, dir den Werdegang dieses sehr traditionsreichen Gärtnerns praktisch vorzuführen und die einzelnen Schritte zu demonstrieren. Es ist nämlich sehr schade, dass Alpengärten immer mehr aus der Mode geraten! Dabei wäre gerade dies ein nettes Hobby für junge, kräftige Leute mit Interesse an der Natur und an Pflanzen. Ich gebe allerdings zu, dass diese Tätigkeit zu Beginn in echte Schwerarbeit ausarten kann und du bei dieser sehr auf dein Rückgrat aufpassen solltest!

Wir befanden uns bereits mitten im Oktober, aber jede Jahreszeit ist hierfür geeignet, solange der Boden nicht gefroren ist. Du kannst anhand der Bilder die Reihenfolge der einzelnen Arbeiten gut nachvollziehen. Diese Bilder können dir quasi auch als Hilfe bei einer Neugestaltung dienen!

Schritt 1

Abtragen der Steine. Wenn deren Ritzen mit Unkräutern belegt sind, dann solltest du die Steine von solchen befreien, jedoch ohne übertriebene Putzsucht walten zu lassen. Schließlich ist deren Patina für ein natürliches Aussehen äußerst willkommen!

Schritt 2

Fast noch wichtiger als das Säubern der Steine ist jedoch das Abtragen der Oberschicht des Erdreiches, welche durch Wurzelunkräuter durchzogen ist. Du musst selbst entscheiden, wie dick du die Schicht wegschaufelst. Lieber 20 cm zu viel als zu wenig!

Schritt 3

Auftragen von frischem, lehmig-sandigem Unterboden. Am besten nimmst du Rasenerde oder lehmigen Ackerboden, aber um Himmels willen ja keinen Kompost! Auf den Lehm kommt eine gehörige Schicht grober Flusssand, mit dem du die Form deines Steingartens vorab schon einmal modellieren kannst. Merke dir: Das Substrat eines Steingartens sollte in hohem Prozentsatz aus mineralischer Struktur aufweisen, also aus Sand und Kies bestehen, mit nur wenig Lehm- oder Humusanteil.
Ein Steingarten sollte außerdem kein Matterhorn en miniature darstellen, sondern dieser kann durchaus auch wesentlich flacher gestaltet sein.

Schritt 4

Den Inhalt einiger Säcke unserer Topferde habe ich ebenfalls auf der Fläche verteilt. Diese enthält Langzeitdünger und sorgt dafür, dass die Pflanzen einen guten Start bekommen. Diese Topferde besitzt ohnehin einen hohen Lehmanteil, sowie Anteile an Holzfasern, um die Torfressourcen zu schonen. Es genügen drei Säcke auf eine Fläche von 25 Quadratmetern.

Schritt 5

Anschließend wird die Topferde mit dem schon aufgetragenen Sand und dem Lehm ordentlich mit der Schaufel durchmischt. Anschließend schaufelte ich einen Weg quer durch den Steingarten, der der künftigen, viel näheren Betrachtung der Steingartenpflanzen dient, aber auch deren Pflege erleichtert.

Schritt 6

Nun geht’s ans Eingemachte! Und hier beginnt die hohe Kunst des Steineverlegens. Schnurgerade Fliesen oder Platten legen ist für die meisten Menschen dagegen ein Kinderspiel! Bei denen muss man zwar genau arbeiten, letztendes läuft aber alles nach Schema F ab. Nicht dagegen hier, denn ein Alpengarten lebt mit der Fantasie seines Erbauers! Schau dir deine Steine ganz genau an, jeder einzelne zeigt dir, wie er zu liegen hat und wo sein schönstes Gesicht ist. Fange an der Basis an und denke daran, die Steine immer mit der Breitseite in den Boden hineinzuarbeiten, niemals unnatürlich spitz nach oben, denn sonst würde dein Steingarten später wie ein gespickter Rehrücken aussehen! Es gibt schon genug solcher Pseudosteingärten zu bewundern!

Meinen größten Steingarten schuf ich übrigens Mitte der 90er-Jahre in einem kleinen Ort am Niederrhein, er hatte eine riesige Dimension von 700 Quadratmetern, es wurden rund 150 Tonnen Steine verarbeitet. Als Arbeitsbehelf hatte ich einen Frontlader und meine eigenen Hände! Doch zur Hilfe kamen mir zwei Leute aus Nepal und ein Kosovo-Albaner. Alle drei stammen bekanntlich aus äußerst gebirgsreichen Gegenden. Sie hatten so etwas noch nie gemacht, entwickelten aber erstaunlich viel Gefühl für diese spezielle Art des Steineverlegens!

Schritt 7

Größere Steine immer ausgewogen mit kleineren verlegen! Du kannst auch gelegentlich eine Furche oder Spalte verlegen oder die Steine schräg einbauen. Dies sollte nach Möglichkeit jedoch nur verhalten geschehen, oder aber der gesamte Steingarten steht schräg! Lass dir Zeit dabei und schau lieber auch einmal aus der Ferne, ob deine Steine gefällig liegen. Du kannst übrigens j e d e Gesteinsart verbauen! Wichtig ist nur, dass du bei einer Gesteinsart bleibst und kein unnatürliches Mischmasch entsteht. Am besten wählst du den Stein deiner Umgebung aus, so sparst du dir Transportkosten.

Schritt 8

Jetzt kommt die Hauptsache, sozusagen die Krönung des Ganzen! Der Steingarten wird bepflanzt. Die Auswahl bleibt dir überlassen. Und sie ist riesengroß. Denk nicht zu kompliziert, sondern mach es zunächst einfach. Es sollten aber schon „echte“ Alpine sein. Grobe Fehler kannst du kaum machen. Achte auf Wuchseigenschaft, nimm genügend schwächer wachsende Polsterstauden. Und die Erfahrung kommt mit der Zeit. Richte dich nach guten Anleitungen, Büchern und Katalogen. Vergiss nie: alpine Pflanzen, die du in botanischen Gärten zu Gesicht bekommst, gibt es selten zu kaufen, die Vielfalt ist zu groß! Dafür bekommst du beim Staudengärtner immer ein bewährtes Sortiment. Mit weiteren Schätzchen aus der ganzen Welt kannst du dich nach deinem ersten Erfolgserlebnis beschäftigen! Schau einfach einmal in unserem Webshop, und dort unter Steingarten- und Gebirgsstauden.

Schritt 9

Noch sieht der Alpengarten wie ein abgeladener Steinhaufen aus, es dominiert der Stein, trotz der erfolgten Bepflanzung! Der gesamte Alpengarten wird zum Schluss zusätzlich mit Schotter und feinem Kies abgestreut, überall, auch zwischen den Pflanzen und auf dem Weg. Dies dient quasi als Mulchschicht und verhindert ein wenig, dass einjähriges Unkraut aufkommt. Danach freuen wir uns und sehnen uns schon auf die ersten Blüten. Bis dein Alpengarten eingewachsen ist und einigermaßen natürlich aussieht, vergehen zwei bis drei Jahre. Damit du auch noch in einigen Jahren die einzelnen Art- und Sortennamen deiner Schätze weißt, solltest du sie möglichst gut etikettieren. Es genügt, das Etikett mit Bleistift zu beschriften und neben der Pflanze tief in den Boden zu stecken. Dort überdauern sie Jahre und weder Vogel noch Mensch wird sie so schnell entfernen können.

 

Die unterschiedlichsten Vorbilder sind in vielen Botanischen Gärten, aber auch bei engagierten Liebhabern zu bewundern, sicher ganz in deiner Nähe.

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Ein besonders gelungenes Beispiel ist im Alpengarten Bad Aussee zu sehen, aber auch in Linz, in Wien, in München, in Hof, in Bayreuth, in Prag, in Brünn, in Zürich….Besonders die Spaltengärten animierten die Tschechen zu kreativen Kunstwerken, in denen sich viele Alpine aus der ganzen Welt wohl fühlen. Schade, dass dieses schöne Hobby immer mehr ins Abseits gerät! Denn nicht umsonst spricht man hier von der „Krone der Staudengärtnerei“, bei keinem Gartenbereich ist die Vielfalt derart groß!

Nun darf ich dir auch endlich die Überraschung bekannt geben, die ich dir ja schon vor Monaten angekündigt habe. Ein neues Buch! Ich schrieb es zusammen mit Jonas Reif, dem Chefredakteur der Gartenpraxis. Hinzugezogen wurde Jürgen Becker, ein mehrfach ausgezeichneter Gartenfotograf, welcher viele Bilder beisteuerte. Das Thema ist für viele Zeitgenossen so vollkommen neu, dass ich dich über dessen Inhalt wohl irgendwann einmal aufklären werde, solltest du nicht im Vorhinein das Buch schon gekauft haben. Der Titel kommt dir sicher „merkwürdig“ vor! Der Inhalt aber ist eigentlich soweit gar nichts Neues, sondern eine alte Sache, die in diesem Buch nur perfektioniert und zur Nachahmung empfohlen wird. Ein kleiner Fehler hat sich auf dem vorläufigen Frontcover eingeschlichen: es muss “Mit versamenden Pflanzen Gärten gestalten“ heißen!

Der Inhalt handelt demnach von selbst versamenden Pflanzen, die du in deinem Garten als Initialpflanzen einbringst und den Rest besorgt Mutter Natur. Allerdings musst du dafür sorgen, dass deine Beete vorher schon Gestalt annehmen und ein Gesicht bekommen. Wie dies alles funktioniert, verrät dieses doch ungewöhnliche Buch mit einem ungewöhnlichen Titel. Es erscheint voraussichtlich Anfang April. Ich informiere dich rechtzeitig über Preis und Lieferkonditionen auf der ersten Seite meiner Homepage.

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Hoffentlich dauert der Winter nicht mehr sehr lange! Schi fahren ist nicht meines und war es nie. Ich weiß nicht, wie du dir die Zeit vertreibst. Handwerker bin ich keiner, da sind die berühmten zwei linken Hände…also abwarten, restliche Rosen schneiden und Gartenbücher lesen. Und von Reisen und Pflanzen träumen!

image013Herzlichst

dein Staudengärtner Sarastro