Newsletter III/2018

Liebe Pamina, hallo Papageno!

Da haben wir den Salat! Nach einem extrem milden Januar finden wir uns nun unter einer extremen Kälteglocke wieder, die erst in den kommenden Märztagen abreißt und dann hoffentlich milderem Wetter Platz verschafft. Von einer schützenden Schneeschicht können wir nur träumen, im Gegensatz zu den Alpentälern liegt hier im Innviertel kaum noch Schnee. So schlimm wie 2012 wird es schon nicht werden, denn die tiefste Temperatur soll angeblich nicht unter - 8 Grad fallen. Als ich das schrieb, ahnte ich nicht, dass die Tiefsttemperatur bei - 13 Grad liegen wird, aber nur für eine Nacht! Wir sind anscheinend durch die vergangenen Winter verweichlicht, denn als ich im Innviertel vor mehr als 30 Jahren begann, waren -20 Grad vollkommen normal. Und jetzt jammern wir wegen -10 Grad? Doch Klimaveränderung, oder wie? („We have no climate change … !“) Mehr habe ich dazu nicht zu sagen.

Und ich hatte schon geträumt, die Schneeglöckchentage würden dieses Jahr Mitte Februar stattfinden! Unser erster Schwerpunkt im Jahr startet daher mit einer Verzögerung. Den genauen Termin kannst du auf unserer Startseite unter www.sarastro-stauden.com erfahren. Wahrscheinlich starten wir am 6. März. Achte also bitte auf das Startdatum, das wir der Gerechtigkeit halber für alle auf diese Weise dokumentieren.

Aber reden wir von netteren Dingen als über das Wetter. Mich hat es beispielsweise riesig gefreut, als wir erfuhren, dass meine Haus- und Hoffotografin Rachele Cecchini beim European Photograph Contest es schaffte, den dritten Platz zu erobern! Hier siehst du ihr Bild, du wirst unsere Rumpelkammer sicher wiedererkennen. Eine romantische Situation, verbunden mit ein wenig Shabby Style, verträumt und doch gegenwärtig. Und ich wollte die Hütte schon abreißen, da sie sich gefährlich nach der Seite neigt. Ich spekuliere ja mit einem Pavillon, wo man sich zum Kaffeetrinken trifft oder die Männer ein Bier trinken können, während ihre Frauen in der Gärtnerei nach Pflanzen stöbern. Mein Traumpavillon steht jedoch noch in einem anderen Garten. Nachmachen gilt nicht und übernehmen wird nicht möglich sein! Mal sehen, was uns die Zukunft bringt.

Inzwischen wirst du sicher auch mein Buch „Meine Welt der Stauden“ gelesen haben. Stell dir vor, neulich bekam ich ein Mail mit einer Einladung zur Buchprämierung in das Schloss Dennenlohe bei Ansbach am 2. März, wo alljährlich der Deutsche Gartenbuchpreis vergeben wird. Während du diesen Rundbrief liest, wird die Entscheidung wohl schon gefallen sein, welchen Rang in welcher Kategorie und ob überhaupt, aber ich erfahre es erst an besagtem Freitagabend. Wahrscheinlich werden die Preise ähnlich wie der Oscar in Hollywood vergeben, man erfährt bis zum Schluss nichts davon. Jedenfalls würde mich ein Preis jeglicher Art trotzdem sehr freuen, denn heutzutage ist es alles andere als leicht, ein Buch zu schreiben, ganz besonders, was die Themenfindung anbelangt. Ich berichte dir dann im kommenden Rundbrief.

Im November und Januar war ich wieder in Deutschland auf Vortragstour. Dort lernte ich Peter Ruhnke kennen, den Leiter der Regionalgruppe Bonn der Gesellschaft der Staudenfreunde. Er schaffte es doch tatsächlich an jenem Samstagnachmittag, dass sein Vortragssaal erheblich zu klein ausfiel und mit 120 Zuhörern eine absolute Rekordbeteiligung stattfand. Danach trafen wir uns zusammen mit seiner Frau Helga Panten, sowie meinem alten Pflanzenfreund Michael Dreisvogt in einem gemütlichen Weinrestaurant und plauderten bis tief in die Nacht hinein. Dabei kamen wir rein durch Zufall auf einen Punkt zu sprechen, der offenbar uns allen unter den Nägeln brannte. Wir waren uns nämlich einig, dass die Menschen in Mitteleuropa schön langsam pflanzlich verdummen, ganz besonders im urbanen Bereich. Ich spreche hier um Himmels willen nicht von meinen Kunden und deinen Pflanzenfreunden, denn dies sind ja alles versierte Hobbygärtner und machen so manchem Profi was vor, sondern ich meine den Durchschnittsbürger. Du kennst vielleicht Parallelen wie „der Strom kommt aus der Steckdose“ oder „die Milch aus dem Supermarkt“.

Peter Ruhnke, welcher lange Zeit beim Zentralverband Gartenbau tätig war, versprach mir einen Text einer amerikanischen Fachzeitschrift zuzumailen, den er ins Deutsche übersetzte, dieser Text stand vor einigen Jahren mit gleichem Wortlaut in einem Fachjournal. Du siehst also, dass auch in englischsprachigen Gartenländern längst nicht alles Eitel Wonne ist, dies wurde dort schon vor mehr als 20 Jahren erkannt.

Eine Kampagne gegen „Pflanzenblindheit“

Vor rund 20 Jahren schufen amerikanische Wissenschaftler den Begriff „Plant Blindness“ und machten damit darauf aufmerksam, dass insbesondere viele Städter Pflanzen nur als etwas Grünes wahrnehmen würden, ohne zu wissen, um welche Pflanzen es sich handelt und welche wichtige Funktionen die Pflanzen für die Menschheit haben. Sie kennen oft den Namen von Pflanzen in ihrer allernächsten Umgebung nicht mehr. Man fand heraus, dass in der Ausbildung von Lehrkräften Pflanzen nur eine geringe Rolle spielen und dass Wissenschaft, Gesellschaft und Medien sich eher auf Tiere konzentrieren und die Pflanzen eine vollkommen ungeordnete Rolle spielen. Im deutschen Fernsehen werden viele Naturfilme gezeigt. In den Ankündigungen werden oft Pflanzen genannt, tatsächlich spielen sie in den Beiträgen kaum eine Rolle und werden darüber hinaus oft noch falsch benannt, was auch für viele Zeitungen gilt. Die Unkenntnis über Pflanzen ist auch in Deutschland weit verbreitet. In einigen angelsächsischen Ländern gibt es Kampagnen gegen die Unkenntnis über Pflanzen (Prevent Plant Blindness). Recherchen im Internet haben ergeben, dass im deutschsprachigen Raum dieses große Problem weder erkannt wird, noch es Maßnahmen gibt, dagegen anzugehen.

Ich denke, es wäre dringend notwendig, dass Organisationen, die sich dem Naturschutz und den Pflanzen verschrieben haben, gemeinsam eine Kampagne starten und die zuständigen Institutionen wie Ministerien, KMK, Sendeanstalten und andere Medien auf ihre Aufgabe hinweisen, sich dieses Problems bewusst zu werden und Maßnahmen zur Abhilfe zu ergreifen. Wir dürfen nicht zulassen, dass deutschsprachige Länder in Bezug auf Pflanzen verdummen.

Dem ist wohl nichts hinzuzufügen. Jeder deiner Freunde, welche die letzten Jahrzehnte mit Menschen und Garten zu tun hatte, wird schon diese oder ähnliche Beobachtungen gemacht haben. Erschreckend dabei ist nur, dass selbst Fachleute, Politiker und für den Lehrplan verantwortliche Lehrkräfte sich diesem Problem relativ geringschätzig, zumindest aber gleichgültig und herablassend stellen, spricht man sie auf dieses Thema an. Entweder, weil sie sich selbst mit Pflanzen nicht auskennen und sie nicht allzuviel damit am Hut damit haben oder weil heutzutage alles rundum Pflanzen „uncool“ ist und man beim Nachwuchs und der Jugend lieber mit Technikverliebtheit punkten kann. Wenn ich mir überlege, mit welcher Schnelligkeit EDV und Social Media auch in den Schulen Einzug gehalten hat und mit welcher Akzeptanz dieser Komplex nun in uns allen präsent ist! Ich stelle mich dem Fortschritt offen entgegen, aber Pflanzenverwendung hat dagegen doch keinerlei Chance, das merkt man schon daran, wie wenig gute Pflanzplaner es deutschlandweit gibt.

Und wenn schon pflanzliche Verdummung und Naturentfremdung in Teilen der Bevölkerung längst auf dem Vormarsch ist, umso erschreckender ist auch die Tatsache, dass der Wissensstand und das Sortiment rund um Stauden und Pflanzen ungemein zugenommen hat, in Sachen Pflanzenkenntnis und deren Verwendung bei Fachkräften dagegen überproportional und erschreckend abnimmt. Viele Jahre ist es schon her, da erzählte mir ein Zierpflanzengärtnerkollege aus der Nachbarschaft, welcher damals auch Meisterprüfungen abnahm, dass er es mehrfach erlebte, wie angehende Meister eine Eiche nicht von einer Linde unterscheiden konnten oder ein Landschaftsgärtner nicht einmal eine Begonie kannte. Dies lässt tief blicken und stimmt traurig, denn sind es nicht die Pflanzen, welche unseren ureigensten Werkstoff bilden? Die Pflanzenkenntnis und die damit gekoppelte Pflanzenverwendung, ihre Pflege, das gesamtheitliche Wissen um sie herum, sowie die daraus resultierende, fundierte Beratung sollten uns doch von den Mitbewerbern erheblich unterscheiden. Ansonsten werden solche Gartenbilder immer mehr, wie du sie unten sehen kannst. Und dies fällt einer Berufsgruppe Jahre später doppelt und dreifach auf den Kopf: uns Gärtnern!

Zum Abschluss möchte ich dir die Blütenvielfalt zweier Staudengattungen auf Teller und in einer Wasserschale präsentieren. Unsere Lenzrosen offenbaren ihre Schönheiten, wenn du einige Blüten abschneidest und in eine Wasserschale gibst. Dies sieht nicht nur entzückend aus, sondern hier kommt jede einzelne Blütenschönheit erst so richtig zur Geltung. Und wenn du diese Wasserschale kühl stellst, dann halten sich die Blüten über einen längeren Zeitraum.

Die edlen Sorten des Scharbockskrautes sind inzwischen bei etlichen deiner Freunde akzeptiert, sie werden nicht mehr als das schlimme Unkraut angesehen, welches bestenfalls gegen den Skorbut helfen soll. Wir kultivieren rund 30 Sorten davon, ich hatte schon einmal wesentlich mehr Sorten, viele bezog ich direkt von John Carter, dem National Plant Collection Holder in Großbritannien. Allerdings kam auch hier wieder die Detailverliebtheit der Engländer stark zum Ausdruck, ich behielt mir nur solche Sorten, die sich auch voneinander unterschieden! Du kannst sie nahezu überall in deinem Garten pflanzen, du musst nur Sorge tragen, dass du ihnen einen guten, eher frischen Boden verpasst.

Das Gleiche kannst du mit Lenzrosenblüten probieren. Hier hat man überdies den großen Vorteil, dass man die Schönheit im Detail sieht, ohne die Blüten dabei umzudrehen, ähnlich wie bei den Schneeglöckchen.

Bei der Durchsicht meiner Bilder bin ich über dieses metallene Balkonkistchen gestolpert, welches nach wie vor bei uns in der Gärtnerei steht. Es ist eingewachsen und präsentiert sich seit Jahren in voller Schönheit. Mit Fetthenne, Hauswurz und Steinbrech lassen sich wundervolle Kombinationen realisieren, ohne dass hier allzu sehr auf die Sortenauswahl geachtet werden muss. Du merkst selbst, wann es wieder so weit ist, die Stauden aufzunehmen und in frische Erde zu pflanzen. Jedenfalls ist dies ein prima Beispiel einer dauerhaften Bepflanzung für trockene Süd- und Südostseiten deines Hauses. Nur: vor dem Fotografieren hätte ich zumindest das Unkraut entfernen können!

Heute präsentiere ich dir einen ausgezeichneten Bodendecker für trockene, schattige Stellen in deinem Garten. Die Situation auf dem Bild befindet sich an einer abgelegenen Stelle im Botanischen Garten Linz, unserem Haus- und Hofgarten, den wir im Jahr mindestens drei Mal aufsuchen, da er immer wieder Überraschungen bietet. Du siehst eine Fläche von Reineckea carnea, einem Maiglöckchengewächs aus Japan. Wir besitzen diese hübsche Waldstaude seit etlichen Jahren. Sie deckt im Garten den Boden mit ihren kurzen Ausläufern sehr schnell und blüht auch wunderhübsch, leider aber sehr versteckt unter ihren Blättern. Daher kannst du deinen Rasenmäher in Aktion bringen. Wenn du diesen etwas höher stellst, kannst du auf diese elegante Weise einen Teil der Blätter abmähen und die Blüten offenbaren sich seinem Betrachter.

Die Blüten erinnern in keiner Weise an Maiglöckchen! Auch hier streiten sich die Botaniker nachhaltig, zu welcher Familie diese Staude wohl gehören soll. Wir kannten sie noch unter Convallariaceae, jetzt sollen sie unter die Ruscaceae fallen!

Auf diesem Bild erkennst du unschwer, wie Zwiebelpflanzen in einem bestehenden Staudenbeet Sinn machen. Und dies ist für mich ein nahezu vorbildliches Beispiel, wie mit Stauden aller Art spielerisch umgegangen werden kann. Man erkennt die Harmonie der Farben Rosa, Lila, Violett bis hin zu fast schwarzen Tönen. Die Akeleien spielen den Lückenfüller, sie stehen bereits in den Startlöchern. Hier im selben Beet blühen im Sommer Phlox, Helenium und andere Hochstauden, man glaubt es kaum, du kannst aber die Phloxhorste unschwer dazwischen erkennen. Wenn sie beginnen zu blühen, wird all dieser Zauber verschwunden sein, um im kommenden Jahr von Neuem zu erwachen. Denke dir nur noch einige Schneeglöckchenhorste, sowie ein paar Garten-Herbstzeitlosen dazu, und der Garten der Sieben Jahreszeiten kann gar nicht perfekter sein! Die Aufnahme entstand im weitum bekannten Staudensichtungsgarten Weihenstephan, gleich links nach dem Eingangstor.

Um dir einen Vorgeschmack für unsere Schneeglöckchenwoche zu vermitteln, habe ich dir dieses Bild vom letzten Jahr eingestellt. Wir haben uns entschlossen, dieses Jahr unsere erste Verkaufsausstellung nicht mehr im Kassenraum des Verkaufsgewächshauses abzuhalten, sondern im zweiten Gewächshaus, dort steht uns wesentlich mehr Platz zur Verfügung, schließlich möchten wir dir die ganze Palette an Lenzrosen, Schneeglöckchen, Winterlinge und Alpenveilchen bestmöglichst präsentieren, ohne dass die Pflanzen im engen Gedränge untergehen! Wie oben erwähnt, werden wir voraussichtlich am 6. März starten, dies ist am Dienstag kommende Woche!

Auch wenn es noch sehr früh im Jahr ist, möchte ich dich trotzdem schon auf unseren Termin im Botanischen Garten Berlin-Dahlem am 7. und 8. April aufmerksam machen, zu dem wir wieder gerne deine Vorbestellungen mitbringen. Eleganter geht es nicht!

Ein paar Tage Galgenfrist und winterliche Erholung sei uns also noch gegönnt, alles hat seinen Sinn. Wir wären auch nicht zufrieden, wenn der Winter zu mild ausfiele, denn unser Körper und Geist verlangt nach einer winterlichen Pause.

So wünsche ich dir einen guten Start in den Vorfrühling bei hoffentlich nicht allzu großen Wetterkapriolen!

Dein Staudengärtner Sarastro

Viele Grüße/ Best regards/ С уважением

Christian H. Kreß und Mitarbeiter