Newsletter III/2026

Liebe Pamina, hallo Papageno!
Endlich stellt sich das Wetter auf Vorfrühling um! Wurde auch langsam Zeit, wirst du dir denken. Eine Menge Leute sagten aber „Endlich hatten wir wieder einen richtigen Winter!“, wobei bei uns 5 Nächte mit minus 12 Grad die kältesten Nächte waren, ansonsten gleichmäßige Temperaturen zwischen minus 2 und minus 6 Grad, zum Glück immer mit einer ausreichenden Schneeschicht! Vergleicht man diese Temperaturen mit früheren Wintern, so gilt auch dieser Winter im Vergleich zu früheren Innviertler Wintern als immer noch wesentlich zu mild. Wir sind Schnee und Eis nur nicht mehr in den Maßen gewohnt! Nicht, dass du glaubst, ich weine diesen Wintern nach, ich bin kein Winterfan! Aber eine Winterpause ist für unsere Breitengrade immer von Vorteil, für uns und erst recht für die Natur. Jedenfalls bin ich sehr gespannt, was bei uns alles überlebt hat, besser gesagt, wo es Schäden oder Totalausfälle gegeben hat.

Mit denen hat es angefangen: Galanthus ‘S. Arnott‘ (fälschlicherweise auch als Samuel Arnott oder Sam Arnott bezeichnet). Bis du ein solches Bild in deinem Garten verwirklichen kannst, dauert es mehr als 20 Jahre oder du machst die entsprechende „Kohle“ locker und pflanzt diese Sorte in größeren Stückzahlen, aber auch dann dauert es Jahre, bis diese zusammengewachsen sind.

Wenn dich dieser Rundbrief erreicht, sind deine Schneeglöckchenhorste entweder schon in Vollblüte oder du lebst in einer Region, wo sie gerade mal zum Boden raus spitzeln. Wenn dies der Fall ist, dann solltest du unbedingt auf den Schneeglöckchen-Grauschimmel (Botrytis galanthae) achten, der kann dir über wenige Tage deine zu eng stehenden Horste entweder ganz zerstören oder zumindest stark dezimieren. Der Grauschimmel tritt bei feuchtem Wetter auf, wenn die Luft steht oder Pappschnee auf den Horsten liegt, aber auch zu viel an Laub kann schädliche Auswirkungen haben. Das Erste, was ich mache, ist mit den Händen das Herbstlaub von den Pulks abstreifen, welches noch auf den austreibenden Horsten liegt. Weiter verrotten kann es auch zwischen den Horsten, aber ja nicht auf meinen so wertvollen Schneeglöckchen! Vergiss die chemischen Mittel, die wirken nur bedingt.

Was mir auch wichtig erscheint, ist das regelmäßige Verjüngen von zu dicken Schneeglöckchenpulks. Dies solltest du alle drei bis vier Jahre machen, am besten nach der Blüte, wenn die Blätter bereits am Einziehen sind. Sollte sich bei deinen Schneeglöckchen der Grauschimmel schon bemerkbar machen, dann grabe die befallenen Horste auf der Stelle aus, streife die durch den Schimmel bereits verfaulenden Zwiebelteile ab und lasse den Rest ein paar Stunden abtrocknen. Früher hat man mit Holzkohle oder einem Fungizid desinfiziert, leider ist für den Privatgebrauch kaum noch welches zugelassen.  Danach gräbst du ein Loch an einer anderen Stelle im Garten und legst all die Zwiebeln und Zwiebelteile, die noch gesund sind, auf eine dicke Sandschicht und bedeckst sie ebenfalls mit Sand. So kannst du rechtzeitig retten, was noch zu retten ist! Ich habe schon wertvolle Sorten verloren, weil ich nicht rechtzeitig aufpasste. Die Narzissenfliege ist zumindest bei uns kein Problem, aber dieser Grauschimmel leider immer wieder!

Im Schaugarten stehen inzwischen rund 300 Sorten an Schneeglöckchen, manche entpuppten sich als Flopp, bei anderen Neuzugängen sind unerwartet schöne Schätze dabei. Man tauscht mit Gleichgesinnten oder bekommt mal ein Mitbringsel geschenkt. Trotz aller Euphorie darf dir aber auch sagen, dass wir eine Erwerbsgärtnerei mit einem ohnehin sehr breiten Sortiment sind, und so dieser Sammelleidenschaft Grenzen gesetzt sind. Viele Sorten wachsen munter vor sich hin, wir verkaufen kaum etwas davon, sondern erfreuen uns daran. Und unser Angebot wechselt jedes Jahr ein wenig, du findest auf unserer Website ganz andere Sorten als bei uns in der Gärtnerei, wo auch schon mal rare Einzelstücke angeboten werden, bei denen sich der Internetverkauf nicht rentiert. Wir sind nicht mehr wie früher an vorderster Front dabei, wo ich jedes Jahr nach England gereist bin, um zu sehen, wie der „neueste Schrei“ aussieht und wo man ihn ergattern kann.

Ich bin allerdings froh, schon in den 90ern mit dem Sammeln begonnen zu haben, denn so besitzen wir von einigen Sorten ein mengenmäßig großes Potential, wo die Mangelwirtschaft sich in Grenzen hält. Du hast vielleicht schon vernommen oder gelesen, dass sich Schneeglöckchen-Züchtungen längst nicht so schnell wie Krokusse vermehren, ja dass manche sehr zäh in ihrer Entwicklung sind. Manche Sorten wachsen beispielsweise bei dir ziemlich flott, während sie bei uns vielleicht stagnieren, nur so als Beispiel! Falls du im Besitz solcher zähwüchsigen Schätze bist, dann verpflanze sie umgehend, das wirkt oft Wunder. Und vergiss nicht, all deine Schneeglöckchen zu düngen, entweder mit einer dünnen Schicht gut ausgereiften Kompost oder mit einer Gabe organischen Dünger wie Pferdemistpellets. Der ideale Standort ist im halbschattigen Gehölzrandbereich zu suchen, wo nach Möglichkeit lockerer, im Idealfall sandig-humoser Boden vorherrscht. Wenn du dir einen Auwald in der Nähe eines Flusses als Beispiel vorstellst, so liegst du goldrichtig. Meist sorgt dort ab und an ein Hochwasser, welches die gewünschten Nährstoffe einträgt. Dies musst du im Garten anderweitig simulieren, denn Schneeglöckchen zählen ähnlich den Narzissen zu den Starkzehrern.

Die Schneeglöckchen-Sammelleidenschaft begann schon sehr früh in Großbritannien, aber auch in Irland gab es Sammler. Bis sie auch bei uns zum Hype wurde, dauerte es bis in die 80er-Jahre hinein. Ich war an der zweiten Galanthus-Gala, die der „Schneeglöckchenkaiser“ Joe Sharman ins Leben gerufen hatte, dies war zumindest vor dem Jahr 2000, ich kann mich nicht mehr an die genaue Jahreszahl erinnern, sie war in Nottingham in einer alten Kirche, wo ein großer Nebenraum als Vortragssaal diente. Etwa 200 Liebhaber aus 6 Nationen kamen, um den Kurzvorträgen zu lauschen. In einem großen Nebenraum befanden sich die Stände einiger Schneeglöckchen-Anbieter samt ihren Besitzern. Nach den Vorträgen öffnete man die Doppeltür und was dann geschah, erlebte ich in dieser Weise ausschließlich in England! Alles rannte wie verrückt in Richtung der Schneeglöckchen, um ja zu den ersten zu zählen! Waren es die weniger disziplinierten Ausländer, wo Rücksichtnahme keine Rolle mehr spielten? Ein Kind wäre zu Tode getrampelt worden, die Nerven lagen blank, jeder wollte zuerst die Seltenheiten ergattern. So etwas hatte ich in abgeschwächter Form noch zweimal erlebt, wo wir mit unseren Stauden nach England zu Gartentagen eingeladen wurde. Manchmal wünsche ich mir solchen Fanatismus auch in Mitteleuropa, aber halt! Dies ist auf Dauer ungesund für alle Beteiligten! Jedenfalls hätte ich dies von den sonst so überaus disziplinierten Engländern nicht erwartet.

Galanthus plicatus ‘Primrose Warburg‘ ist zumindest bei uns die wüchsigste aller Gelben!

Viele Jahre später hatten wir bereits selber ein nettes Sortiment. Früher fuhr ich nach Nettetal am Niederrhein, wo die ersten Schneeglöckchen in Deutschland angeboten wurden, leider nur dreimal, da uns der Winter meist einen Strich durch die Rechnung machte. Ja, ja, viele Freunde aus milderen Ecken schauen zum Fenster hinaus und sehen Hamamelis, Schneeglöckchen, Krokus und Co blühen und meinen, beim Sarastro muss es ja noch viel weiter sein, denn der wohnt ja schließlich weit im Süden! Dass dies früher genau der umgekehrte Fall war, konnte lange niemand begreifen, wo bei uns Schnee und Frost um Wochen länger vorherrschten. Und daher beschlossen wir, unsere eigene Veranstaltung ins Leben zu rufen!

Wenn du diesen Rundbrief liest, befinden wir uns bereits inmitten der Schneeglöckchenwoche. Die veranstalten wir nun schon fast 20 Jahre, sie hat ganz klein angefangen. Früher hatten wir die Schneeglöckchen draußen unter freiem Himmel aufgestellt, hatten aber wiederholt Pech, da die Glöckchen sehr litten, besonders wenn sich leichter Bodenfrost ankündigte. Ständiges Auf- und Zudecken mit Vlies half zwar, ist aber zeitraubend und umständlich. So entschlossen wir uns, diese Verkaufsveranstaltung im Gewächshaus abzuhalten. Ich fahre nicht mehr zu auswärtigen Veranstaltungen, denn erstens kommen immer mehr deiner Freunde zu uns und zweitens macht das weite Fahren auf Deutschlands Autobahnen längst keinen Spaß mehr! Du findest zudem Vorfrühlings-Alpenveilchen, Winterlinge, ausgesuchte Lenzrosen, Adonisröschen und einige andere Frühblüher bei uns. Jedes Jahr bieten wir zwischen 60 und 80 Galanthus-Sorten an, die teilweise auch an dich verschickt werden. Von einigen Sorten sind immer ausreichend viele vorhanden, von den Neuzugängen und ganz Seltenen oft nur wenige Exemplare, nach dem Motto „Wer zuerst kommt…“, meist sind die teuersten Glöckchen zuerst weg! Schau in der kommenden Woche in unseren Webshop, du kannst auch bequem bestellen. Die Glöckchen werden sorgfältig in Sphagnum eingewickelt, damit die Zwiebeln nicht unnötig austrocknen. Auf diese Weise wächst dir jede Sorte problemlos an.

Hier zeige ich dir Galanthus nivalis ‘Christian K‘, welches ein befreundeter Schneeglöckchensammler selektierte und nach mir benannte, was mich sehr erfreute, dies macht mich nebenbei auch ein klein wenig stolz! Bis wir jedoch hiervon einzelne Exemplare abgeben können, wird es wohl noch zwei, drei Jahre dauern.

Und hier sind auch schon wieder meine fünf Empfehlungen, die ich dir vorstellen möchte:

Amelanchier ovalis var. pumila, die Zwerg-Felsenbirne

Die Zwergfelsenbirne wurde vom Alpenpflanzengärtner Max Frei im Tessin an einer Felswand entdeckt und vermehrt. Ihren Weg nahm sie bis nach den Niederlanden, wo sie in Boskoop in einigen Baumschulen erhältlich ist. Ich hatte schon damals ein Exemplar von Max Frei erworben, sie stand sehr lange in unserem Garten und überschritt auch nach zehn Jahre kaum die Höhe von 120 cm. Jedes Jahr blühte sie überreich, die Amseln verspeisten die später erscheinenden, schwarzen Beeren genüsslich. Du kannst diesen reizenden Zwergstrauch an trockenste Stellen im Steingarten oder in Trögen verwenden, er passt sich den Gegebenheiten an und bleibt dann noch deutlich niederer. Du brauchst auch dann nicht auf die Blüte zu verzichten, denn schon ab dem dritten Jahr ist dir der weiße Blütenflor sicher. Ja sogar auf Verkehrsinseln und auf Dachgärten ist die Zwergfelsenbirne ein Strauch, dem Trockenheit und Emissionen nichts anhaben können. Eigenartig, warum keine Baumschule diesen entzückenden Zwergstrauch führt!

Galanthus nivalis ‘Lady Elphinstone‘

Ich will dich jetzt nicht mit Aufzählungen von Sorten langweilen, aber dieses Schneeglöckchen fasziniert und begeistert mich seit jeher, es kann allerdings auch gehörig nerven und vor allem enttäuschen. Seit wir unsere Schneeglöckchen ausschließlich „In the Green“ verkaufen, also in ihrer Blüte, hörten die Reklamationen auf, was ‘Lady Elphinstone‘ anbelangt. Dabei ist diese Diva schon sehr lange in Kultur, sogar in historischer Gartenliteratur wurde sie schon verewigt. Was aber ist an der Lady so spektakulär, so kompliziert? Ich will es dir gerne erklären. Du kaufst dir ein oder gleich mehrere Exemplare, deren vollgefüllte Blüten wunderhübsch zitronengelb leuchten, wenn man den Schneeglöckchengriff anwendet, um unter das Röckchen zu schauen. Du pflanzt diese und freust dich auf das kommende Jahr, wo sie dann aber nicht Gelb sind, sondern Grün, wie jedes normale, gefüllte Galanthus nivalis! Und die darauffolgenden Jahre ebenfalls, keine Spur mehr vom heiß ersehnten Gelb.

Die Ursachenfindung tappt offenbar noch sehr im Dunkeln. Die einen behaupten, diese Sorte müsse in saurem Boden stehen. Bei uns wachsen sie sehr gut, allein die gelbe Farbe tritt erst bei Exemplaren auf, welche sehr lange am selben Ort stehen. Dies wäre die zweite Theorie, die dritte folgt zugleich, die besagt, dass erst aufgrund von Chlorophyllmangel in schattigen Lagen oder in trüben Wetterphasen die Blüten gelb werden. Verpflanzt man sie, sind sie wieder grün, so ein Mistding! Dies wären die drei Vermutungen, schlüssig klingen sie alle, allein fehlt mir der Glaube. Ich denke, es ist einfach eine Laune der Natur, eine Instabilität der Farbinhaltstoffe. Wir verkaufen dieses Jahr immerhin 20 Stück mit gelben Blüten, mindestens 200 grüne stehen noch und warten darauf, irgendwann vielleicht einmal gelb zu werden.

Helleborus -Hybriden

Auf dem Bild siehst du eine gelbe Lenzrose mit gefüllten, besser gesagt halbgefüllten Blüten. Voller Stolz brachte ich sie damals vor mehr als 20 Jahren nach Hause, erworben von Ashwood Nurseries in der Nähe von Birmingham, die damals zu den führenden Züchtern von Lenzrosen zählte. Wir durften sogar hinter den Kulissen schauen! Eine weitere, erfolgreiche Züchterin war damals auch Elizabeth Strangman. Derzeit aber kommen die besten Neuzüchtungen aus den USA und besonders aus Japan.

Drückt man es pragmatisch aus, gehören Lenzrosen inzwischen zu den Allerweltsartikeln, die in jedem Gartencenter zu erwerben sind. In den Jahren, als ich mich selbständig machte, waren gut ausgefärbte Typen noch Raritäten, ganz besonders die gefüllten, ob man sie nun mag oder nicht. Vom Samenkorn zur kräftigen Pflanze dauert es zwei bis drei Jahre. Mein Pflanzenfreund Hans Kramer bei Ede/Niederlande fing ebenfalls sehr früh an und hatte lange Zeit eine Art Monopolstellung in Sachen Lenzrosen.

Inzwischen sind neue Zuchtlinien geschaffen worden, teils mit den stammbildenden Helleborus argutifolius, H. lividus und anderen. So schön sie auch sind, ich bezweifle, dass sie über eine kurzzeitige Behübschung deines Hauseinganges nicht hinauskommen, die Winterhärte ist nicht immer voll gegeben und der Pflanzplatz muss sorgfältig ausgewählt werden. Unkomplizierter sind da schon die „normalen“ Lenzrosen, bei denen du dir deinen Lieblingsstar aussuchen kannst, da jede Blüte eines jeden Individuums sich andersfarbig, anders geformt zeigt. Gerade darin liegt doch der große Reiz bei Lenzrosen, du siehst dies unten in der Wasserschale! Keine laborvermehrte Uniformität, dies sollte anderen Stauden vorbehalten sein, bei denen man die Vorzüge einer Sorte erhalten möchte.

Der Standort: halbschattig

Der Boden: pH-neutraler, lehmig-humoser Boden, welcher nicht von Wurzeln der Gehölze durchzogen wurde. Ideale Begleitstauden sind alle anderen Pflanzen des Halbschattens, so beispielsweise Lungenkräuter, Funkien, Alpenveilchen und vieles mehr.

Primula x pruhoniciensis – Die Teppichprimel

Lange Zeit waren sie omnipräsent, sie waren damals in meiner Schweizer Zeit überhaupt die ersten Stauden, die ich in den Händen hielt, um sie zu vermehren. Entstanden sind diese reizenden Primeln aus der kaukasischen Primula juliae, die mit unseren Kissenprimeln gekreuzt wurden, die genauen Zuchtrichtungen sind heute nicht mehr nachzuvollziehen. Wichtig für dich zu wissen ist nur, dass du mit den Teppichprimeln ideale Vordergrundstauden für den Halbschatten hast, welche in die in die Breite wachsen und ganz besonders im Gehölzrandbereich zu ungeahnten Kombinationen verhelfen. Noch vor einigen Jahrzehnten gab es die unterschiedlichsten Sorten, die einen tendierten mehr zu P. juliae und besaßen einen teppichartigen Wuchs, andere ähnelten eher unseren Kissenprimeln. Ich hatte große Mühe, wieder ein Sortiment aufzubauen, da viele Sorten nur noch bei Liebhabern erhältlich waren. Außerdem waren viele Sorten falsch benannt und mussten neu bestimmt werden.

Ein guter Gartenboden, der nie ganz austrocknet, ist genau das Richtige für diese beglückenden Frühlingsprimeln. Übrigens: ihr Artname wurde nach der Ortschaft Pruhonice bei Prag benannt, wo sich der berühmte Landschaftspark von Graf Silva Tarouca befindet, den ich dir nur wärmstens zu einer Besichtigung empfehlen kann.

Primula x pruhoniciensis ‘Wanda‘ ist die wohl bekannteste Sorte der Teppichprimeln

Allium ampeloprasum var bulbiferum

Ich weiß nicht mehr, woher ich diese Form des Ackerknoblauches entdeckte. Interessant ist nur, dass er ebenfalls zu den sogenannten Lebendgebärenden zählt, wie auch die Winterheckenzwiebel. Du kannst seine Zwiebelchen im Herbst von den längst verblühten Kugeln bequem abnehmen und gleich an Ort und Stelle in den Erdboden versenken. Glaube mir, die wachsen an! Gleichzeitig ist dieser Lauch nicht nur in der Küche zu verwenden, sondern ist im Garten eine wundervolle Bienenweide!

Hostalavista!

Nun leider zu etwas Traurigem. Dr. Ullrich Fischer, unter Insidern allgemein auch als der „Hostapapst“ bekannt, ist im vorigen Monat nach längerer Krankheit im 82. Lebensjahr von uns gegangen. Ich lasse dich meinen Nachruf lesen, den ich auf meiner FB postete, hier in etwas ausführlicher Form, denn Ullrich ist es mir wert, er war einer von uns allen, ein Staudenliebhaber durch und durch!

Wer Ullrich kannte, dem stand ein Original mit einem geradezu unglaublichen Wissen gegenüber, was sich längst nicht nur auf Funkien beschränkte. Er hatte zuhause eine Sammlung an außergewöhnlichen Gehölzen, außerdem umfasste seine private Bibliothek einige Tausend Bände. Egal, ob es sich um Hintergrundgeschichten einzelner Stauden handelte, um handfestes Geschichtswissen oder wenn es mal um medizinische Angelegenheiten ging, Ullrich konnte weiterhelfen, dabei war er promovierter Chemiker. Meist endete eine solche Unterhaltung seinerseits mit „Nicht verzagen, Fischer fragen!“. Seine Pflanzenkenntnisse waren geradezu legendär, ob auf dem Gehölzsektor oder bei den Stauden. Ulli war außerdem lange Jahre Leiter der Mittelbadischen Regionalgruppe der Gesellschaft der Staudenfreunde, obgleich er aus Braunschweig stammte!

Gartenmärkte ohne ihn waren schwer vorstellbar, sein Stand war stets umringt, mit seiner lautstarken Stimme gab er Anekdoten und geballtes Insiderwissen zum Besten. Eine Episode muss ich dir unbedingt erzählen, als ich zufällig bei ihm am Stand vorbeilief und alles mitbekam! An den Gartentagen in Seitenstetten hatte Ullrich stets ein breites Sortiment an Funkien mit, er war dort einsamer Monopolist und baute sich im Laufe der Jahre einen breiten Kundenkreis auf. Irgendwann kam dann eine Dame an seinen Stand und erkundigte sich nach einer Funkie, dir ihr gefiel und was diese wohl kosten sollte, da kein Preisetikett darin steckte. Ulli begann sofort auf seine Weise sehr laut und ausschweifend zu erklären, dass diese Funke eine ganz besondere wäre, diese wüchse nur langsam und sei bei einem sehr erfolgreichen Züchter entstanden. Außerdem kannte er den Züchter schon sehr lange, dessen Zuchtziel kompakte, reichblühende Sorten mit guter Panaschierung wären. Er wäre im Übrigen bei jenem Züchter in Amerika auch öfters über Nacht geblieben und hätte immer noch gute Kontakte zu ihm. Während seiner zugegeben langatmigen, aber spannenden Ausführung blieben immer mehr und mehr Besucher und Kunden stehen, bald war Ulli umringt, die Menschen lauschten sehr interessiert und staunten über dessen Fachwissen. Erst nach Minuten nannte er dann endlich den Preis der Funkie, besagte Dame kriegte einen sichtbaren Schreck und bemerkte nur „Nein, die ist mir entschieden zu teuer!“ und lief weiter, kein Danke für die spannende Info, nicht mal Auf Wiedersehen. Aber gleich anschließend kauften die dabeigestandenen Zuhörer alle Exemplare jener besagten Funkie auf, sie rissen sich förmlich um sie! Ja, so etwas vergisst man nicht, das war Ulli!

Kennengelernt hatte ich ihn in Grünberg schon 1983, wo ich damals das allererste Mal als Teilnehmer bei den Staudentagen war, auch Ulli Fischer war anwesend. Am Abend drängte sich Ulli förmlich vor, einen außertourlichen Vortrag über die neuesten Funkien aus den USA zum Besten zu geben. Die meisten Teilnehmer waren einverstanden, anwesend waren auch die sehr kritischen, „alten Hasen“, teilweise Foerster-Schüler, sowie Professoren, welche dann ungläubig staunten, dass anderswo die Züchter auch nicht schliefen und inzwischen besseres hatten. Und dass auch ein jüngerer Staudenliebhaber hinter den Horizont blickte.

Ihn kannte nahezu jeder Gärtner, jeder private Sammler, egal, wo man hinkam und dies selbst im hintersten Winkel von England und den USA. Zweimal lief Ulli in England bei einer meiner Reisen aus blankem Zufall mir über den Weg, einmal während jener Galanthus-Gala in Nottingham, zum anderen auf dem Parkplatz bei Ashwood Nurseries! Später tauschten wir viele Pflanzen untereinander aus.

Die langen Telefonate mit ihm begannen von seiner Seite fast immer mit „Hostalavista“! Die vielen, abendlichen Fachsimpeleien bei Jause und Wein werde ich sehr vermissen, meist an Gartentagen oder sehr oft bei uns zuhause! Ein großer Plantsman hat uns leider für immer verlassen, ein wandelndes Lexikon, wie man es leider nur noch selten antrifft! Lieber Ulli, ruhe in Frieden!

Das war es auch schon wieder! Vergiss nicht die Berliner Staudentage, an denen wir dieses Jahr wieder teilnehmen. Diese sind in der Domaine Dahlem, das liegt ganz in der Nähe des Botanischen Gartens. Wir nehmen dir sehr gerne Vorbestellungen mit! Aber da schreibe ich dir noch.

Alles Liebe und viel Freude und Energie für das erwachende Gartenjahr wünscht dir dein Staudengärtner Sarastro!

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