Newsletter III/2013 (Hacquetia, Viola, Mertensia)

Liebe Pamina, hallo Papageno,

Ich kam vorige Woche von einer Vortragstour aus dem tiefsten Westfalen heim. Dort hatten wir schon holländischen Vorfrühling, wie ich dieses Grau in Grau mit zaghafter Hamamelisblüte und frierenden Schneeglöckchen zu nennen pflege. Bei uns zuhause hält sich der Winter immer noch sehr hartnäckig, mit leichten, aber trotzdem unangenehmen Frostperioden und einer schweren Schneeschicht. Ich vertröste meine Ungeduld immer wieder durch eigenes Zureden, viel lieber jetzt der Kälte und dem Schnee trotzen als Ende März oder mitten im April. An den Pflanzentagen in Berlin flog uns letztes Jahr das Zelt um die Ohren und unser Rücken und der Hinterkopf wurde zur Angriffsfläche für Graupelschauer, die uns geschossartig belästigten.

Beim Durchsehen meiner Bilder fiel mir eine Situation auf, die ich dir schon lange einmal zeigen wollte. Das Ganze befindet sich im wunderschönen Salzkammergut in Attersee am Attersee, etwa 50 km vor unserer Haustüre. Du kannst unschwer erkennen, dass es sich um eine recht simple, aber klassische Bepflanzung handelt. Schlichte Kletterrosen und einfache, blaue Katzenminzen, entlang einer Hauswand, direkt an einer stark befahrenen Straße, wirkungsvoll und dekorativ, nichts Besonderes. Du wirst jetzt sicher denken, was will er nur mit diesem Bild aussagen? Stimmt, es ist auch nichts, was einen Vollblutpflanzenliebhaber vom Hocker haut. “Rot und blau schmückt der Kasper seine Frau“, war stets der Tenor meiner Mutter bei einfältigen Farbkombinationen. Ich will dir gerne erzählen, was mich bewegt, dir doch dieses Bild vorzuführen. Es ist die geradezu brutale Nachhaltigkeit, die sich mir hier eröffnet, schlichtweg die Tatsache, dass ich nun seit fast 20 Jahren an dieser Stelle vorbeifahre, ohne dass sich daran jemals etwas veränderte. Schlicht und effektiv die roten Rosen, wirkungsvoll das Blau der Nepeta. Wie langweilig würde sich diese alpenländische Stadlfront vor dem nackten Asphalt dem Betrachter präsentieren, ohne diese Eintracht aus Rosen und Katzenminzen. Auch so etwas sollte durchaus einmal Beachtung verdienen.

Mit den nächsten beiden Bildern zeige ich dir meine Umpflanzaktion des Lenzrosenbeetes, sowie meine herrlichen Lenzrosen zu besseren Zeiten. Damals präsentierten sie sich noch in voller Üppigkeit, ehe der Giersch sie vereinnahmte und sie so unter Druck setzte, dass sie rückwärts wuchsen. Leider ist das erste Bild nicht besonders, aber du kannst dir ungefähr ausmalen, wie prächtig es einst ausgesehen hat. Normalerweise würde man diese beiden Aufnahmen genau umgekehrt vorführen, das wäre ja wohl logisch, oder? Nun, das Schicksal wollte es anders. Warten wir ab, wie dieses Beet in zwei, drei Jahren aussieht. Ich werde dich über dessen Wachstum und Entwicklung informieren. Bei einem so wohl vorbereitetem, kompostreichem Boden mit viel organischem Dünger muss ja geradezu ein exaltiertes Wachstum eintreten! Vor allen Dingen müssen wir peinlich genau darauf achten, dass ja nicht von irgendwo seitlich Gierschwurzelreste ihr Unwesen treiben und sich ebenfalls am frischen Substrat gütlich tun.

Ein allerliebster Vorfrühlingsblüher ist Hacquetia epipactis, die Schaftdolde. Sie entstammt den Wäldern Sloweniens und Kroatiens, vereinzelt kommt sie auch in Südösterreich vor, ein typischer Vertreter der sogenannten illyrischen Laubwälder. Man kann es kaum glauben, aber die Schafdolde zählt zu den Doldenblütlern (Apiaceae) und schätzt relativ schattige, nicht zu trockene Stellen im Garten. Wunderschön sind alte, eingewachsene Exemplare, deren kugliger, gelbgrüner Blütenstand schon von weitem leuchtet! Am richtigen Standort kann diese liebliche Staude in deinem Garten ein stattliches Alter erreichen. In unmittelbarer Nachbarschaft steht das riesenblütige Galanthus ‘Mighty Atom‘, einige Leberblümchen, und erlesene Lenzrosen lassen ebenfalls grüßen. Sie sorgen alle für beglückende Frühlingsstimmung. Um ein solches Bild zu vervollständigen, machen sich in einer solchen Pflanzung auch die Blauglöckchen (Mertensia pulmonarioides) recht schön aus. Weil ich weiter oben Berlin erwähnte, erinnere ich mich immer an jene üppigen und sehr beeindruckenden Bestände des Blauglöckchens im Botanischen Garten Dahlem, welche unmittelbar oberhalb unseres Standes zur selben Zeit blühen. In Ruhe lassen, das ist hier die Devise. Selbst sandiger Humusboden sorgt für reichliche Nachkommenschaft, wenn der Boden nicht durchwurzelt und nicht zu trocken ist.

Hacquetia epipactis

Mertensia pulmonarioides

Hast du schon einmal Hornveilchen in deinem Garten ausprobiert? Ich kannte mal eine Gärtnerei in England, die hatte Hunderte Sorten davon. Leider existiert sie nicht mehr. Hornveilchen gibt es in den absonderlichsten Farben und Formen. Es sind dies ausdauernde Stauden, keine zweijährigen Veilchen, wie oft geglaubt wird! Die echten Hornveilchen erkennst du an ihrem mehr oder minder ausgeprägten Sporn an der Blütenrückseite, welcher auf ihren Namen hinweist. Je mehr Hornveilchenblut eine Sorte besitzt, um so kissenförmiger wächst sie und umso ausdauernder ist sie. Das Farbspektrum reicht von Weiß bis Schwarz, von gefleckten Sorten bis hin zu Rot und Ockertönen. Einige Sorten sind schon sehr alt und zählen zu den historischen Gartenstauden.

Hornveilchen kann man getrost zu den Dauerblühern unter den Stauden rechnen. Es sind dies Beetstauden für gute Gartenböden, die du im Vordergrund zwischen deinen Rittersporn und Pfingstrosen integrieren kannst, quasi als Lückenfüller. Auf eines allerdings solltest du achten! Die Schnecken mögen gerade Hornveilchen sehr gerne. Und dies ist auch der Grund, warum immer wieder Kunden zu mir kommen, die behaupten, Hornveilchen werden bei ihnen nichts. Du solltest das Schneckenkorn auf jeden Fall rechtzeitig und breitwürfig über das ganze Beet ausbringen, weniger ist mehr! Die Schnecken lachen nur darüber, wenn du mit einer Handvoll davon deinen Rittersporn kranzförmig umgibst. Sie warten, bis sich das Schneckenkorn aufgelöst hat und dann schlagen sie erbarmungslos zu. Dieselbe Handvoll solltest du auf einer Fläche von etwa 20 qm ausbringen. Und dann gleich den ganzen Garten abstreuen, Rasen und Gehölzkulisse inklusive! Biologisches Schneckenkorn ist nachweislich das beste, ohne hier einen Namen zu nennen! Fang früh damit an, am besten gleich zur Schneeglöckchenblüte, und dann während eines milden Frühlingsregens.

Hornveilchen hält man vital und gesund, wenn sie alle 3 Jahre verpflanzt werden. Der beste Zeitpunkt hierfür ist der Herbst, etwa ab Ende September. Dann reißt du die Horste vorsichtig auseinander und pflanzt sie in kompostreichen Lehmboden. Hornveilchen solltest du außerdem nach der ersten Blüte leicht zurückschneiden, damit die Tuffs immer schön kompakt bleiben. Einige Sorten decken dann den Boden hervorragend und erfreuen dich mit einer lang anhaltenden Blüte, so beispielsweise die hellblaue ‘Lady Scott‘. Andere ähneln mit ihrer Blüte eher einem Stiefmütterchen. Bekannt und beliebt ist das schwarze ‘Molly Sanderson‘, obgleich ich schon öfters nach dem Sinn eines schwarzen Veilchens angeredet wurde. Es kommt ganz auf die Kombination an, dies gilt auch für ‘Irish Molly‘. Hier hat sich in Österreich der Name „Kernölveilchen“ eingebürgert. Sein ockergelbes Farbspiel ist etwas ganz Außergewöhnliches und ähnelt in der Farbe tatsächlich dem beliebten Kürbiskernöl! Übrigens werden die guten, ausdauernden Hornveilchensorten ausschließlich über Risslinge vermehrt und nicht über Aussaat! Samenvermehrte Sorten sind meist nur kurzlebig und blühen längst nicht so gleichmäßig. Orientiere dich an unserem Webshop, bei uns wechselt das Sortiment jedes Jahr ein wenig!

Hier siehst du Viola cornuta ‘Rebecca‘

Dies ist ‘Irish Molly‘, das farblich wohl eigenwilligste Hornveilchen!

‘Maggie Mott‘ ist besonders reichblühend

‘Ardross Gem‘ hat geradezu eine schwedische Farbkombination!

Hier siehst du endlich ‘Molly Sanderson‘!

Die allerliebste ‘Jackanapes‘!

Ich freue mich jedes Jahr von neuem auf die ersten Juwele im Steingarten, die normalerweise nicht lange auf sich warten lassen. Eines der Highlights ist Veronica caespitosa aus der Türkei. Man sieht vor lauter Blüten kein Blattpolster mehr! Es existieren viele reizende zwergige Ehrenpreisarten, die allermeisten wünschen einen trockenen und sehr sonnigen Standort. Einige sind Hätschelkinder, welche mit Bedacht und Liebe möglichst im Regenschatten eines größeren Steines gepflanzt werden sollten. Andere gedeihen auf Garagendächern, in Trögen und in Trockenmauerfugen, scheinbar wie von selbst.

Aus den Südalpen stammt die Goldprimel. In der Vergangenheit befanden sich oft relativ blühfaule Typen in Kultur. Dies änderte sich von dem Zeitpunkt an, als ich von Josef Holzbecher aus Brünn einen sehr reichblühenden Klon bekam. Die gelben Blütchen sind entzückend und erscheinen oft schon Ende März. Der richtige Standort im Steingarten sollte von mineralischer, steinig-sandiger Struktur sein. In der Natur sah ich Vitaliana primuliflora beispielsweise am Isoard in den Südwestalpen in purem Schotter.

Veronica caespitosa, dieses alpine Juwel aus der Türkei

Die Goldprimel bildet bald größere Polster und ist überhaupt nicht kompliziert!

Bekanntlich existieren Staudengattungen mit furchtbar heiklen Hätschelkindern und gleichzeitig robusten Vertretern mit breiter Verwendungsmöglichkeit. Eine typische Gattung, welche beide Richtungen beinhaltet, sind die Strohblumen (Helichrysum). Eine äußerst artenreiche Gattung, in vielen Ländern der Erde vertreten, ob als hochalpiner Zwerg, als Steppenpflanze oder als Halbstrauch an Wegrändern. Mit den Jahren haben wir einige davon ausprobiert. Ein Findling vom türkischen Ulu Dagh hat sich als besonders robust und unempfindlich herausgestellt. Helichrysum plicatum blüht sehr reich mit gelben Blütenköpfen. Du kannst diese anspruchslose Art auf deinen Trockenmauerwall setzen oder zwischen Lavendel und winterharten Kakteen. Durch die filzig grauen Blättchen sieht diese Staude aus den Bergen Kleinasiens auch in nicht blühendem Zustand immer ordentlich aus.

Dagegen ist Helichrysum milfordiae aus den Drakensbergen Südafrikas ein äußerst schwieriger Bruder. Nicht nur bei seiner Kultur im Freiland kommt es immer wieder zu Ausfällen, sondern auch in der Topfkultur. Ich zerbreche mir schon jahrelang den Kopf über den richtigen Zeitpunkt der Vermehrung. Es ist wie verhext! Mal glückt die Vermehrung auf Anhieb, im kommenden Jahr vermehrt man zum selben Zeitpunkt auf dieselbe Art und Weise, dann plötzlich ist 80 %iger Ausfall zu verzeichnen. Die Natur lässt sich eben nicht in ein Schema pressen! Dabei ist diese Strohblume ein Klassiker, welcher wie selbstverständlich in jedem Steingartenbuch abgebildet ist. Du solltest auf jeden Fall eine ostseitige, sandige, regengeschützte Stelle im Steingarten suchen. Leicht saurer Boden ist ebenfalls zuträglich, wenngleich nicht unbedingt notwendig, wie ich herausfand. Ich pflanzte sie auch im Kalkalpinum, dort zeigte sie eine leichte, chlorotische Verfärbung ihrer silbrig behaarten Rosetten, aber dies tat ihrer wunderhübschen Blüte keinen Abbruch!

Helichrysum plicatum vom Ulu Dagh

Helichrysum milfordiae zwischen Schiefergestein

Du kannst als erste Pflegemaßnahme im Garten deine Gräser und Stauden bodeneben zurückschneiden. Auch die Blätter deiner Lenzrosen, sowie die der Elfenblumen kannst du bodeneben abschneiden. So kommen ihre Blüten wesentlich besser zur Geltung!

Der März hat begonnen, und so wieder das Frühjahr. Momentan steht bei uns die Schneeglöckchenblüte vor der Tür.

Du bekommst die versprochene Galanthus-Liste zugesandt, sobald wir die Schneeglöckchen vermehrt haben! Leider hindert uns die anhaltende und schwere Schneeschicht, dies zu tun, aber die Tage werden milder und für kommende Woche steht der Aktion sicher nichts mehr im Wege. Der Schnee hat uns auch für die Veranstaltung bei Ewald Hügin einen gehörigen Strich durch die Rechnung gemacht. Wir kommen momentan einfach nicht an die Pflanzen dran! Unsere Gärtnerei befindet sich eben in Oberösterreich und nicht am milden Oberrheingraben, leider!

Ein für uns ganz wichtiger Termin ist der große Pflanzenmarkt im Botanischen Garten Berlin-Dahlem Anfang April, wo wir wieder am unteren Ende des Hauptweges in der Nähe des Ausganges „Unter den Eichen“ stehen. Wir bringen dir gerne Vorbestellungen mit, du kannst deine Pflanzen dann bequem mitnehmen und brauchst sie nicht durch das ganze Gelände zu schleppen. Bis dahin vergeht aber noch ein ganzer Monat, denn Berlin ist dieses Jahr erst am 6. und 7. April. Zuvor findet unser Schneeglöckchen-Event in der Gärtnerei statt. Achte auf der ersten Seite auf unser Website www.sarastro-stauden.com . Dort findest du alle aktuellen Ankündigungen, sowie auch unter der Rubrik „Veranstaltungen“.

Einstweilen herzliche Gärtnergrüße!

Dein Sarastro