Newsletter III/2014 (Schneeglöckchen, Shabby Garden Style, Alhambra)

Liebe Pamina, hallo Papageno,

Schneeglöckchenzeit ist wieder angebrochen. Letztes Jahr habe ich nahezu alle Sorten verpflanzt, daher kommen dieses Jahr nicht so viele zum Verkauf wie sonst. Es sind aber trotzdem rund 35 Sorten geworden! Ich will aber endlich von dieser Mangelwirtschaft wegkommen und darum sind von einigen bekannten Sorten nur wenige Exemplare vorhanden, dafür von anderen um so mehr.

Schneeglöckchen lassen sich bekanntlich nicht wie Astern oder Phlox vermehren und daher muss man Sorge dafür tragen, sie hüten und mehren! Es war dies ohnehin ein äußerst teures Unterfangen und wenn ich meine derzeit 320 Sorten zusammenhalten und von dieser stattlichen Sammlung in Zukunft den größten Teil auch verfügbar machen will, dann ist dies eine Riesenaufgabe. Den Startschuss hierzu hat mir das Ehepaar Fluche aus Rossdorf bei Darmstadt vor fast 20 Jahren gegeben, ich schrieb dir ja im letzten Jahr davon. Damals war dieser Trend noch nicht zur Hype angeschwollen und kaum ein Pflanzenliebhaber konnte sich je vorstellen, einmal zum Schneeglöckchensammler zu werden. Ich bin allerdings von Natur aus ein kritischer Mensch und daher sind aus meiner Sicht zwischen manchen Sorten die doch sehr geringen Unterschiede nicht immer nachvollziehbar. Mit den einfachsten und wüchsigsten Sorten kannst du beglückende Vorfrühlingsbilder in deinen Garten zaubern! Hierzu zählen ‘S. Arnott‘, ‘Atkinsii‘, ‘Magnet‘ und ‘Brenda Troyle‘, aber auch viele andere.

Du kannst unsere diesjährige Liste gerne anfordern, allerdings sind die Raritäten sehr limitiert!

Einen kleinen Pflegehinweis möchte ich dir doch noch mitgeben. Zuviel Laub auf deinen Schneeglöckchenhorsten kann bewirken, dass sich der Schimmel (Botrytis galanthae) darunter breit macht. Dies gilt besonders für pappiges Blattwerk, wie von Magnolien, Eichen und anderen Gehölzen, deren Laub nur schwer verrottet. Auch eine dicke Schneeschicht kann für den Schimmel förderlich sein. Lass die Horste nie zu groß und zu dicht werden! Beim Verpflanzen habe ich mir angewöhnt, eine Portion groben Sand beizumengen und um die Zwiebeln zu mischen, dies ist sehr förderlich für ein gutes Gedeihen!

Der “Shabby Garden Style“ ist nicht erst seit heute modern und aktuell. Allerdings – wenig ist mehr, das ist wohl die Kernbotschaft. Natürlich kannst du deinen ganzen Garten mit alten Utensilien vollstopfen. Von einer gelungenen, stilvollen Präsentation bis hin zum Kitsch ist die Grenze bekanntlich fließend und dies alles ist letztendlich eine Geschmacksfrage. Aber etwas von diesem alten „Schrott“ akzentuiert platziert kann zur stilvollen Aufwertung deines Gartens führen. Ein alter Schuh, ein altes Bettgestell aus Metall oder die immer begehrteren Ziegelsteine, mit denen du endlos bauen kannst… Wir verwenden zur Dekoration und als Infotafeln auch gerne die hölzernen Frühbeetfenster aus Anno Tobac. Mit einer Wachskreide können diese dauerhaft beschriftet werden.

Die Ziegelmauern stehen immer noch! Sie bilden sozusagen das Gerüst unserer Gärtnerei und sind zu jeder Zeit ein Blickfang! Allerdings wirken sie nur mit der entsprechenden Bepflanzung. Leider haben sich die vielen Schafgarben in der Zwischenzeit schon vertschüsst. Und ausgerechnet die schöne, rosarote ‘Belle Epoque‘, die nicht nur vom Namen her sehr gut dazu passte. Ziemlich sicher waren es wieder diese Schnecken! Man kann nicht genug aufpassen, besonders in der Austriebsphase. Es nützt daher überhaupt nichts, wenn du um deine Funkienhorste den berühmten Kranz aus Schneckenkorn legst, sondern nimm dieselbe Menge und verteile sie locker auf 20 qm. Nimm hierzu ein biologisches Schneckenkorn! Und fange bald genug damit an.

Du kennst meine Aversion gegen Aluminiumtische und Buntbildetiketten vielleicht noch nicht. Deswegen verwenden wir zur Präsentation nach Möglichkeit allerlei natürliches Material. Hier siehst du die winterharten Kakteen, die nun sozusagen im „abgesicherten Modus“ verfügbar sind! So schnappen wir im Herbst nur die Kisten und transportieren diese ins trockene Gewächshaus!

Und rechts im Bild einige Töpfe mit Sempervivum und zwei bepflanzte Keramikbilder. Mit Hauswurzen kannst du bekanntlich alles Erdenkliche anstellen! Aber du solltest deine Gefäße regelmäßig umtopfen, denn auch die Hauswurz schätzt alle paar Jahre frische Erde, in der sie sich wieder zur vollen Schönheit entfaltet. Jetzt ist der richtige Zeitpunkt dazu! Eine gelungene Präsentation von Hauswurzen ist auch momentan im Botanischen Garten Linz zu bewundern.

Natürlich hält nichts ewig, ob es sich um Mauern handelt oder um hölzerne Kreationen. Wir sollten uns nicht immer einbilden, alles für die Ewigkeit zu erbauen! Kürzlich musste ich unser Aurikeltheater wieder neu errichten, da dessen hölzerne Füße nunmehr nach 10 Jahren abgefault sind. Nun adaptierte ich einen alten Topftisch und baute einige Etagen dazu. Wenn die Aurikeln blühen, schicke ich dir gelegentlich ein Bild davon.

Ich freue mich schon wieder sehr auf die alljährlichen Bus-Exkursionen! Diese finden nach Möglichkeit immer nach demselben Muster statt. Zunächst werden die Besucher im Eingangsbereich der Gärtnerei begrüßt, wo ich eine kurze Einführung über den Werdegang der Gärtnerei und über das Sortiment gebe. Unser großes Handicap ist leider die nahegelegene Autobahn, die bei Westwetter derart laut ist, dass meine durchaus kräftigen Stimmbänder nicht dagegen ankommen. Ich habe mir schon überlegt, ein Megaphon zur Hand zu nehmen, wenn dies nicht so unpersönlich wäre. Aber meist klappt es ganz gut und der Großteil deiner Gartenfreunde hören zumindest wesentlich besser als ich selbst! Dann lade ich die Besucher zu einem Rundgang durch die Gärtnerei und ihre Schaugärten ein. Immer wieder fallen mir Episoden und Pflanzengeschichten ein, ich könnte dir endlos erzählen! Aber du und deine Gartenfreunde wollen ja in erster Linie etwas über die Beetgestaltung und die individuelle Staudenverwendung hören. In der Kürze liegt die Würze! Es hat keinen Sinn, über die Theorien der Standort-Strategien und über die Lebensbereiche der Stauden zu philosophieren, dies habe ich mir ganz abgewöhnt. Echte Gartenfreaks kann man nur mit Emotionen und einer gehörigen Portion Begeisterung für Pflanzen überholen und mitreißen! Der Rundgang dauert gewöhnlich zwischen einer halben und dreiviertel Stunde. Danach darf nach Herzenslust in unserem Sortiment geschmökert und natürlich gekauft werden.

Staudengärtnersein und Reisen darf ja getrost in einem Atemzuge genannt werden. Obgleich ich sehr in meinem Beruf aufgehe, werde ich das Reisen niemals lassen können. So besuchten wir in diesem Winter unsere Tochter Katharina, die in Murcia studierte. Spanien ist in jeglicher Hinsicht ein tolles Reiseland, ob kulturell oder botanischer Natur und ich war schon früher desöfteren in unterschiedlichen Regionen. Warum es allerdings über 30 Jahre brauchte, bis ich endlich die Alhambra sehen und erleben durfte, es hat einfach nie klappen wollen, obgleich Andalusien mein allererstes Reiseziel mit dem Rucksack Mitte der 70er-Jahre war.

Jedenfalls war ich dermaßen beeindruckt wie selten zuvor. Die Alhambra strahlt eine unbeschreibliche Kraft und Ruhe aus, ist ein friedlicher Ort in einer beeindruckenden Umgebung, besonders dann, wenn gerade wenig Touristen dort sind. Dem Bild siehst du nicht an, dass die Temperatur nahe dem Gefrierpunkt lag, die Sierra Nevada zeigte sich tief verschneit. Die Gärten der Alhambra und dem nahe gelegenen Generalife sind in ihrer Schlichtheit und Eleganz wohl einzigartig und nicht zu übertreffen. Dieser Ort zählt für mich zu den großartigsten Plätzen dieser Welt. Ein tiefer, seelischer Auftakt ins neue Gartenjahr!

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Wir freuen uns riesig, dass Sebastian Ehrl wieder den Weg zu uns gefunden hat! Er war ja schon einmal vor einigen Jahren unser Mitarbeiter. Er ist mit Leib und Seele Stauden-Gärtnermeister und „Hansdampf in allen Gassen“, was das Interesse für Stauden anbelangt, so wie du und ich! Und er bringt sogar ein noch druckfrisches Buch mit, welches er im letzten Winter geschrieben hat. Als ich es durchblätterte, war ich sehr überrascht, denn es ist ihm in erfrischender Weise gelungen, über Wort und Bild die Leute für den Garten und Pflanzen zu begeistern. Ein Buch, dass sich in angenehmer Weise von vielen, sehr ähnlichen Büchern abhebt. Ich denke, dass ihm hiermit ein Anfang geglückt ist, auch junge und noch unerfahrene Gartler anzusprechen. Und im April erscheint dann ja auch noch unsere „Blackbox“-Geschichte!

Falls du vor hast, bei uns Pflanzen über den Webshop zu bestellen, so schicken wir dir wieder ein Exemplar der „Gartenpraxis“ mit. Solltest du diese Qualitätszeitung nicht ohnehin schon besitzen, dich aber doch für ein Jahresabo zu entschließen, dann bekommst du von uns einen Gutschein über € 50,- für Pflanzen und ein handsigniertes Gratisexemplar „Blackbox Gardening“ von mir!

Ansonsten bleibt mir nur noch übrig, dir einen guten Start in den Frühling zu wünschen, ohne Winterschäden und Schneckenfraß! Und hoffentlich schlägt das Wetter keine unnötigen Kapriolen mehr!

Im nächsten Rundbrief schreibe ich dir wieder einmal über Stauden pur, deren Verwendung und Pflegemaßnahme. Lass dich überraschen!

image046Herzlichst
Dein Staudengärtner Sarastro