Newsletter IV/2026

Liebe Pamina, hallo Papageno!
Dieses Mal fällt der Rundbrief an dich etwas umfangreicher aus. Das liegt zum einen daran, weil ich dir gerne schreibe und zum anderen, dass ich immer ziemlich viel zu erzählen habe. Ob ich in der Saison immer ausreichend Zeit dazu finde, bleibt dahingestellt. Aber schließlich steht Ostern vor der Tür, du findest sicher irgendwann die Muße, ihn zu lesen!

Worüber sollte ich mich wettermäßig noch äußern? Tagsüber mild, ab und zu ein giftiger Ostwind, der dir die warme Jacke vorschreibt. Stets Sonne pur, die Schneeglöckchen hatten ein langes Stelldichein, sehr zur Freude deiner Gleichgesinnten, die dieses Jahr fast schon scharenweise unseren Schaugarten stürmten! Dann aber ständig dieser morgendliche Bodenfrost, der dich um diese Zeit das Fürchten lehrt, wenn alles Grüne am Boden ringsum jeden Morgen weiß bereift ist. Da denkt man willkürlich an minus 10 Grad, obgleich dieser leichte Bodenfrost ja ausschließlich in den Morgenstunden auftritt. Ich wage trotzdem noch nicht, unser Fuchsiensortiment aus Platzgründen nach draußen zu verfrachten! Nicht, dass diese nach ein paar Stunden mit minus 1 bis 2 Grad gleich tot wären, aber du würdest dich zurecht beschweren, wenn wir dir glasig anmutende Fuchsien zuschicken würden, die erst Wochen später wieder frisch austreiben. Apropos Schäden! Der letzte Winter war doch nicht von „schlechten Eltern“, wir waren von den viel zu milden Wintern der vergangenen Jahre verwöhnt und waren etwas unvorsichtig. Was von den Verkaufstöpfen alles geschädigt, verfault oder erfroren war, stellt sich erst nach und nach heraus. Beispielsweise sind mit Sicherheit alle unserer Sphaeralcea zumindest stark dezimiert worden. Eines lernt man mit den Jahren als Staudengärtner, nämlich die Tatsache zu akzeptieren, dass jedes Jahr andere Stauden auf irgendeine Weise geschädigt werden. Bitte entschuldige uns daher, wenn eine bisher verfügbare Position plötzlich aus deiner Bestellung gestrichen wird! Es sind dies zum Glück eher Ausnahmen, trotzdem tut es uns leid.

Hast du Lieblingspflanzen? Immer wieder werde ich mit dieser Frage konfrontiert, ich liebe eigentlich fast alles. Wenn man mit einer ganz besonderen Rarität guten Erfolg hat, dann liebt man sie eine Zeitlang umso mehr. Orchideen fand ich schon immer faszinierend, wenn sie im elterlichen Esszimmer blühten. Doch zu meiner Lehrzeit konnte ich auch den Topf-Alpenveilchen einiges abgewinnen, schon deswegen, weil wir sie damals vom Samenkorn bis zur blühenden Verkaufspflanze großzogen. Das war Mitte der 70er-Jahre schon eher selten. Heutzutage bleibt dies spezialisierten Betrieben vorbehalten, du brauchst als Handelsgärtner nur zukaufen und weiter an den Endkunden verkaufen. Für mich sind Topf-Alpenveilchen neben Weihnachtssternen und Primeln leider die Wegwerfpflanzen schlechthin geworden, aus dem Container – für den Container, wie es ein Kollege mal boshaft formulierte. Damals gelang es dir bei aufmerksamer Pflege und sommerlicher Trockenphase, Alpenveilchenknollen noch einige Jahre zur erneuten Blüte zu erwecken.

Ja früher…. Damals waren winterharte Alpenveilchen selten und kaum zu bekommen, dies hat sich zum Glück geändert. Welche Arten aber sind nun wirklich winterhart? Ihre Verbreitung finden Cyclamen mit ihren 23 Arten vom westlichen bis östlichen Mittelmeerraum, von Mitteleuropa, Nordafrika bis zum Kaukasus, eine isolierte Art kommt sogar in den Bergen Somalias vor. Unabhängig von den bei uns milderen Wintern sind trotzdem nur drei Arten der aus 23 Arten bestehenden Gattung auch bei uns vollkommen hart und vermehren sich im Garten ohne viel Dazutun, wenn du ihnen das geeignete Umfeld und den richtigen Boden bietest. Die meisten Cyclamen sind Kinder des Halbschattens, fühlen sich eher im trockenen Gehölzrandbereich wohl, in der Natur breiten sie sich auch in Schotterleiten, Humusnischen und in Gesteinsritzen aus, dies sind aber Ausnahmen.

Ich will dir die ideale Pflanzstelle gerne an Hand unseres Beispiels im Schaugarten erklären. Vor vielen Jahren hatten wir einen reinen Funkiengarten zwischen dichten Hecken aus Kornelkirschen. Die Funkien erfreuten jedermann, bis sie irgendwann das Zeitliche segneten, wie man so schön sagt, allerdings hatte der extrem trockene Sommer 2012 sein Scherflein dazu beigetragen. Ja, auch Funkien leben nicht ewig! Kurz und gut, mit einem Male war Platz vorhanden. Ich pflanzte noch viel mehr Schneeglöckchen, Winterlinge und einiges andere in die Lücken – und natürlich das Vorfrühlingsalpenveilchen (Cyclamen coum) aus der Nordtürkei, in farblich unterschiedlichen Typen, auf dass sie munter drauflos „mendeln“ sollten. Zunächst blühten sie jedes Jahr von neuem sehr zuverlässig und immer üppiger, von einem beginnenden Cyclamenteppich war jedoch nicht einmal ansatzweise etwas zu merken. Dies war vor etwa 10 Jahren. Dann verteilte ich im Herbst eine dünne Schicht gut ausgereiften Kompost und etwas Kalk dazu, solchen, den die Bauern zur Erhaltungskalkung ihrer Felder benutzen. Du kannst natürlich auch Eierschalen sammeln und zerkleinern, denn Alpenveilchen schätzen Kalk sehr. Die Nährstoffe haben ihre Wirkung nicht verfehlt! Die Alpenveilchen blühten nicht nur reicher, sondern sie vermehrten sich mit den Jahren immer stärker. Und hierbei kommen besonders die Ameisen zum Zuge, denn an Cyclamen-Samen hängt ein sogenanntes Elaiosom, ein süßes Anhängsel, von dem die Ameisen naschen und dabei die Samen in alle Himmelsrichtungen verteilen.

Und jedes Jahr wurde die Nachkommenschaft dominanter und üppiger, es ist so beglückend, nach Jahren einen regelrechten Teppich im Garten vorzufinden, wie du auf dem Bild unschwer erkennen kannst. Natur pur in deinem Garten, aber sei geduldig! Ein gutes Dutzend Initialpflanzen genügt oftmals, es kommt natürlich auch auf den zur Verfügung stehenden Platz an. Wichtig aber ist es, diese Stelle im Garten in Ruhe zu lassen, nicht etwa großflächig den Saubermann hervorkehren und womöglich mit der Hacke zu hantieren, denn auf diese Weise wird das nie etwas mit deinem Alpenveilchenteppich!

Welche Cyclamen sind außerdem winterhart? Da wäre vor allem das efeublättrige Alpenveilchen (C. hederifolium) zu nennen, welches sich durch seinen überaus vielfältigen Blattschmuck auszeichnet. Ich kenne nicht wenige Liebhaber, die nicht aufhören können, die verschiedensten Formen und Farben zu sammeln. Efeuähnliche Blätter stellen die Grundform, in gescheckt und dunkelgrün, bis hin zu linearlanzettlichen oder total silbergrauen Laubblättern.

Dieses Alpenveilchen blüht im Herbst, noch vor dem Blattaustrieb und schätzt dieselben Bedingungen wie das vorhergehende Vorfrühlingsalpenveilchen. Wie auch bei diesem existieren weiße, rosa- und rotblühende Formen. Du kannst diese beiden Cyclamen miteinander vergemeinschaften, ich würde sie aber nicht durcheinander pflanzen, sondern räumlich getrennte Schwerpunkte schaffen.

Das dritte im Bunde der vollkommen winterharten Arten ist unser einheimisches Alpenveilchen (Cyclamen purpurascens), das du bei Bergtouren und Wanderungen im Voralpenland der Nord- und entlang der Südalpen an vielen Stellen finden kannst. Zum entsprechenden Zeitpunkt im Juli und August ist der Bergwald erfüllt vom herrlichen Duft! Hier im Salzkammergut sieht man kaum Abweichungen bezüglich Blatt- oder Blütenfarben, ganz anders an manchen Stellen im Bereich der Südalpen.

Für uns Staudengärtner ist gerade diese hübsche Art langwieriger in der Vermehrung als alle anderen Arten, es etabliert sich im Garten außerdem wesentlich langsamer, geschweige denn, dass es sich etwa von selber flott vermehren würde. Beinahe hätte ich es vergessen, der ideale Pflanzplatz für winterharte Alpenveilchen wäre unter Buchen oder einer Hasel zu nennen, übrigens sehr ideal für eine Menge anderer Vorfrühlingsblüher, welche von Februar bis April die volle Sonne abbekommen, um dann unter dem ruhigen Blättergrün den Sommer zu überdauern.

Cyclamen purpurascens, unser einheimisches Alpenveilchen

Eine Reihe anderer Arten wären noch zu nennen, die du an warmen, geschützten Stellen im Garten ausprobieren kannst. Am besten informierst du dich in unserem Webshop, wo viele Arten aufgelistet sind. Aus Italien, aus Istrien und anderen Teilen Kroatiens stammt Cyclamen repandum, welches ebenfalls entzückend im April und Mai erblüht, etwas später nach dem Vorfrühlingsalpenveilchen. Bei allen anderen Arten käme es auf einen Versuch an, eventuell hast du eine wärmende Mauer im Garten oder ein Plätzchen entlang einer Hauswand. Dem Sammler bleiben hier Tür und Tor geöffnet, er kann seltene Arten auch in Topfkultur im Alpinenhaus oder sogar im kühlen Treppenhaus erfolgreich pflegen.

Hier Cyclamen repandum, auch Geschweiftblätteriges Alpenveilchen genannt:

Um das Thema Alpenveilchen zum Abschluss zu bringen, darf ich es nicht unterlassen, dir die Ursprungsform unserer Topfcyclamen vorzustellen. Die reine Art Cyclamen persicum findest du im gesamten östlichen Mittelmeerraum, besonders aber in der Südosttürkei, Syrien und Israel. Der Name ist demnach etwas irreführend, denn im Iran kommen zwar Alpenveilchen vor, jedoch nicht diese Art. Man vermutet, dass die Blütenfarbe „einer Pfirsichblüte“ (Prunus persica) ähnelt. Die reine Wildart Cyclamen persicum kannst du problemlos ähnlich unserer Topfcyclamen kultivieren, jedoch nicht im Garten, sie verträgt nur wenige Grade Frost! Die beste Möglichkeit wäre im kühlen Wintergarten oder aber ganz klassisch im Zwischenraum der Doppelfenster, solche, die man in Altstadthäusern der Gründerzeit vorfand.

Hier die reine Wildart von Cyclamen persicum, die Stammform aller Topfalpenveilchen:

Und nun wieder die fünf Highlights des Monats, die ich dir gerne präsentieren möchte. Diese wähle ich quasi aus dem Bauch heraus, oder aber nach der passenden Blütezeit und Aktualität, meist verbergen sich dahinter irgendwelche Anekdoten.

Die Sonnenröschen (Helianthemum)

Sie stehen bereits im Knospenstadium, die Sonnenröschen. Sie zählen eigentlich zu den Sträuchern, da ihre Zweiglein verholzen, sie wurden jedoch schon immer in Staudengärtnereien geführt. Sie kommen hauptsächlich von der Macchia bis hinauf in die unteren Gebirgszonen Süd- und Mitteleuropas vor. Eine Menge an Sorten sind im Laufe der Jahre entstanden, farblich durchaus respektabel, von Gelbtönen über Orange und Rot, auch zweifärbige und solche mit gefüllten Blüten sind gezüchtet worden. Ich fand sie immer schon hübsch, sie sind vor allem pflegeleicht, um wieder mal dieses so beliebte „Unwort“ zu gebrauchen. Ein leichter Rückschnitt nach der Blüte wird mit dichtem Wuchs gedankt. Der beste Standort ist ein sonniger Erdwall oder Steingarten, wo du Platz vorfindest, denn manche Sorten nehmen ziemlichen Umfang ein!

Hier die alte Sorte ‘Henfield Brillant‘, es gibt aber auch verträglichere Blütenfarben!

Dryopteris filix-mas ‘Linearis Polydactylon‘

Du weißt sicher, dass ich Farne unglaublich schätze, sie gehören fast schon zur Patina deines „reifen“ Gartens. Heute nur diesen einen, der es jedoch in sich hat! Karl Foerster gab dieser besonderen Form des Wurmfarnes den treffenden, deutschen Namen „Schellenbaumfarn“, da seine Wedel und Wedelchen mit viel Fantasie dem Schellenbaum einer Musikkapelle ähneln. Ausgewachsene Exemplare sind eine Pracht ohnegleichen, daher solltest du diese Sorte nach Möglichkeit solitär pflanzen. Er ist wintergrün, jedoch kippen seine Wedel im Spätherbst flach auf den Boden. Allemal wunderschön anzusehen ist der Austrieb der Wedel, was aber für alle Farne gilt.

Hosta ‘Torchlight’

Darf ich dir eine meiner Lieblingsfunkien vorstellen? Dies ist sie, die ganz linke, in einem Waschzuber, perfekt in Szene gesetzt! ‘Torchlight‘ ist eine Züchtung von Lachman aus den USA, sie besitze ich schon sehr lange, sie büßt gegenüber neueren Sorten überhaupt nichts an Aktualität ein. Unverkennbar sind die dunkelrot gestielten, löffelförmigen, dunkelgrünen Blätter, welche deutlich weiß gerandet sind. Besonders ältere Exemplare stellen einen echten Blickfang dar! ‘Torchlight‘ wird rund 60 cm hoch und zeigt ein gefälliges Aussehen, welches besonders in Kombination mit anderen Funkien kontrastreich zur Geltung kommt. Funkien gehören bekanntlich zu den langlebigen Stauden, wenn du sie gut umsorgst, dann können sie dich 15 Jahre und mehr erfreuen. Funkien in Töpfen gehalten wird viel zu wenig realisiert, dabei stellen sie einen Schmuck über Monate hinweg dar. Wir haben dieses Jahr unsere Funkien überarbeitet, vermehrt und durch einige auffällige Neuzugänge bereichert. Einige ältere Sorten, die bei dir momentan auf kein Interesse stoßen, warfen wir aus dem Sortiment. Sie sind trotzdem noch existent, aber in Form einiger Schaupflanzen, welche im Schaugarten in einem langen, neu angelegten Beet stehen.

Eine reichblühende Schönaster ist Kalimeris incisa ‘Jürgen Wever‘

Unglaublich reichblühend, dabei standfest und nie enttäuschend, Mehltau ist bei dieser Gattung sowieso ein Fremdwort. Kein Wunder, denn die Art stammt aus dem fernen Osten Sibiriens. Den Züchter dieser Sorte durfte ich schon sehr bald in jugendlichem Alter an Gartentagen am Niederrhein kennenlernen, er fiel mir schon damals auf, er „tickte“ wie wir alle! Christian Wever benannte diese von ihm ausgelesene Sorte nach seinem Vater, welcher für die Pflanzenversessenheit des Sohnes Verständnis aufbrachte. Ich habe ganz bewusst diese Sorte auserwählt, da wir es waren, die ‘Jürgen Wever‘ in größerem Stil in den Handel brachten. Diese Sorte blüht mit großen Blüten weißlich auf, um helllila abzublühen. Die Gattung Kalimeris wurde für dieses Jahr zur „Staude des Jahres“ gewählt, vollkommen zu Recht, wie ich meine! Gäbe es nicht schon den deutschen Namen „Sommeraster“, dieser wäre wesentlich treffender, denn welche Aster blüht denn schon im Juli und August derart überschwänglich? Okay, die Bergastern, das sind auch Sommerastern! Du kannst Kalimeris ganz allgemein in größeren Gruppen pflanzen, aber auch in Einzelstellung.

Und zu allerletzt eine hübsche Art der Kugelblumen (Globularia meridionalis)

Kugelblumen kannst du auf Bergwanderungen im Voralpenland, aber auch in anderen Gebirgen erleben. Sie wachsen meist mattenförmig oder bilden kleine Pölsterchen, welche wintergrüne, glänzende Blättchen besitzen. Die Arten der Gebirge sind eigentlich sehr unkompliziert, während die strauchigen Arten aus der Garrigue bei uns nicht ausreichend hart sind. Eine hat es mir besonders angetan, es ist Globularia meridionalis, welche durch eine reiche Blüte hervorsticht. Ich entdeckte sie bei Hans Martin Schmidt, der seine Gärtnerei leider aus Altersgründen aufgab. Er war einer der immer selteneren Könner auf seinem Gebiet, der sein Hobby zum Beruf machte. Bei Kugelblumen muss man auf die Namensgebung aufpassen, hier hat sich im Laufe der Zeit einiges geändert. Die meisten wachsen in Felsspalten in deinem südwärts gerichteten Alpinum, oder aber in Trögen. Es gibt in dieser Gattung aber auch kleine Spaliersträucher, die zu dauerhaften Matten wachsen.

Hier eine Verkaufspflanze von Globularia meridionalis:

Und nun zu einem Thema, welches mir schon deslängeren regelrecht im Magen liegt, es ist dies kein Staudenthema, du brauchst also ab hier nicht mehr weiterzulesen! Während ich dir meine allmonatlichen Zeilen schreibe, sind zwischenzeitlich gedankliche Pausen unausweichlich. Dabei sehe ich zwangsläufig aus meinem Bürofenster hinaus. Und dort steht im Innenhof eine rund sechs Meter hohe, sehr prächtige Lorbeerkirsche (Prunus laurocerasus, im Volksmund allgemein fälschlicherweise auch unter „Kirschlorbeer“ bekannt), ein stattliches Exemplar mit einem an der Basis ca. 40 cm dicken, mehrfach verzweigten Stamm. Wann dieser wohl gepflanzt wurde? Es handelt sich um keine der vielen Sorten, die in den Baumschulen vertreten sind, wahrscheinlich ein Sämling, der sich im Innenhof über die Jahre behaupten konnte und sich auf das Prächtigste entwickelte. Dieser Baum ist das einzige dominante Gehölz, die Dauerbeschattung durch die umliegenden Häuser tut seiner Pracht keinen Abbruch, ganz im Gegenteil! Er blüht jedes Jahr überreich, er gibt dabei eine willkommene, innerstädtische Insektenweide ab, Tauben turteln um die Wette, der Baum setzt jede Menge schwarzer Kirschfrüchte an, sie dienen unseren Amseln als Nachtisch. Ist ja kein Wunder, denn in der Nordtürkei werden die Früchte des Kirschlorbeers traditionell in der Küche hochgeschätzt, es gibt dort sogar rote und gelbfrüchtige Sorten! Und es gehen in der Wurzelzone unseres Kirschlorbeers immer wieder Sämlinge auf, die jedoch durch den Wurzeldruck nie hochkamen. Wir möchten unseren Hausbaum nie mehr missen, zumal er immergrün ist und gerade im Winter ein besonderes Flair ausstrahlt.

Und jetzt aber zum Kern der Sache. Ich kann und will es einfach nicht verstehen, warum ausgerechnet diesem Gehölz ein Shitstorm ereilt, was ihm keinesfalls gerecht wird! Ein Neophyt ohnegleichen soll es sein, wird geradezu penetrant weisgemacht. In Social Media überschaukeln sich die übelsten Verunglimpfungen gegenseitig, teilweise weit unter der Gürtellinie! Aber Hand aufs Herz, überwiegen bei diesem Gehölz nicht sogar die Vorteile? Dienliche Heckenpflanze gegen fremde Blicke (falls dir gar nichts anderes einfällt!), ein wertvolles, robustes Untergehölz, eine fantastische Bienenweide, ein willkommener Lieferant für Floristen, etc. etc.! Ganz nebenbei besitzen wir eine lebendige, artenreiche und vielfältige Gartenkultur, auf die wir stolz sind! Nur anfällig auf Schneebruch ist der Kirschlorbeer, außerdem ist er als Jungpflanze in zu torfreicher Erde ein Magnet für Dickmaulrüssler und dessen Larven.

In Europa schon Mitte des 16. Jahrhunderts als Ziergehölz eingeführt, in der Schweiz wird er seit über 200 Jahren geliebt und geschätzt, nun ist er dort nach Gesetzeswillen verboten, ihn zu handeln und zu pflanzen, und bald in Ländern der EU ebenfalls? Serbien ist sein westliches Verbreitungsgebiet, im Kaukasus sein östliches Vorkommen, ganz grob umrissen, also gar nicht so weit weg von uns!

Der Hauptgrund für das Kirschlorbeer-Bashing liegt wohl auch darin zu suchen, dass er nach dem Weltkrieg ähnlich dem Cotoneaster, Stephanandra und anderem Gestrüpp viel zu massiv und relativ fantasielos in Neuanlagen verwendet wurde. Alles, was übertrieben wird, rächt sich irgendwann, aus Sicht eines findigen Pflanzplaners zu Recht ein Gräuel, aber ist er wirklich ein aggressiver Neophyt?

Ich bin relativ viel herumgekommen, mir sind noch nie nennenswert große Bestände des „Kirschlorbeers“ in der Natur ins Gesicht gesprungen. In meiner alten Heimat Südbaden kenne ich einige verwilderte Anlagen, wo er sich eher bereichernd im Unterholz breitmachte. Hingegen aber fielen mir in Norddeutschland, den Niederlanden und auf den Britischen Inseln teilweise riesige, flächendeckende und die Vegetation verdrängende Bestände des Rhododendron ponticum, aber durchaus auch anderer frohwachsender Sämlinge unterschiedlicher Rhododendron in manchen Wäldern auf. Hatte sich hierüber schon irgendwann wer mokiert oder gar ein Rhododendron-Verbot in Betracht gezogen? Anscheinend ist die Rhododendronlobby dort im Hohen Norden wesentlich stärker und wirkmächtiger, oder ist dies gar ein leidiges Politikum geworden, wovon wir im Süden nichts wissen? Hier könnte man wahrlich ansetzen, wenn es denn nicht schon längst zu spät wäre!

Aber welcher Staat auf der Welt greift bei Neophyten schon rechtzeitig ein, schwerfällig, wie wir sind? Vorbilder bei der Bekämpfung gäbe es, wie es uns Südafrika oder Neuseeland zeigen! Man sollte sich bei der Lorbeerkirsche auch einmal bewusst sein, dass dieses trockenheitsresiliente Gehölz in Zeiten des Klimawandels sogar imstande ist, ökologische Nischen zu füllen, die man sich auch im Garten zunutze machen kann, wozu Rhododendren beispielsweise niemals in der Lage sind.

Also immer schön auf dem Teppich bleiben und entspannt der Sache entgegensehen! Verzeihe mir diesen Exkurs, aber das musste mal sein!

Wir sehen uns am 11. und 12. April am Berliner Staudenmarkt auf der Domaine Dahlem, sowie auf der Raritätenbörse im Botanischen Garten in Wien, vom 17. bis 19. April!

Für uns zwei wichtige Termine, auf die wir uns sehr freuen und zu denen wir dir wie immer gerne deine vorbestellten Wünsche mitnehmen. Diese sollten aber bis spätestens Mittwoch davor bei uns einlangen!

Das letzte Aprilwochenende ist für unser Verkaufsoffenes Wochenende vorgesehen. Nähere Informationen zu den einzelnen Veranstaltungen findest du auf der Website unter www.sarastro-stauden.com!

Und noch etwas: übermorgen ist Karfreitag, in Deutschland ein gesetzlicher Feiertag, nicht jedoch in Österreich! Wir haben an diesem Tag geöffnet, über Kunden speziell aus Bayern würden wir uns sehr freuen!

Ich bin mir sicher, du hattest einen schönen Frühlingsanfang! Bleibt mir nur, dir und den deinen Frohe Ostern zu wünschen, bis zum nächsten Mal, bleibe gesund und denke daran, dein Garten hält dich körperlich und geistig fit!

Dein Staudengärtner Sarastro

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