Newsletter IX/2020

Liebe Pamina, hallo Papageno!

Fast zu schnell schon ist der Sommer an uns vorbeigezogen, jedenfalls wenn ich auf den Kalender schaue. Hier hatten wir genug Regen, was in anderen Teilen Europas leider nicht der Fall war. Ich bin mir aber ziemlich sicher, dass wir zumindest hierzulande einen noch recht trockenen und warmen Herbst bekommen. Das wäre prima für eine perfekte Asternblüte! Bezüglich Astern stockten wir das Sortiment gewaltig auf, ich kann dir allerdings im Shop erst dann Bilder zeigen, wenn sie bei uns blühen, da ich viele von ihnen vorher noch nie fotografiert habe. Dass Astern auch zu deinen Lieblingen gehören, das fiel mir mir im Laufe des letzten Jahres auf, denn sie erfreuten sich eines grandiosen Absatzes! Und da dachte ich, dass ich doch noch einige neue und auch ältere Sorten aufnehmen sollte. Mir stehen zwar immer die Haare zu Berge, wenn ich die Schreifarbe von Aster novae-angliae ‘Alma Pötschke‘ sehe! Dies war für mich stets Grund genug, sie nicht ins Sortiment aufzunehmen, doch sprang ich nun endlich über meinen Schatten und wir vermehrten sie trotzdem. Erstens wegen einer Toleranz gegenüber anderen Geschmäckern, und ehrlich gesagt, richtig platziert kann auch eine Knallfarbe durchaus gelungene Akzente im Garten setzen. Als ich vor nunmehr 35 Jahren ins österreichische Innviertel kam, fiel mir auf, dass nur Rot oder Orange größere Akzeptanz beim Gartenvolk hatten. Als ich damals Pastelltöne oder Weiß empfahl, bekam ich meistens zur Antwort, dass Weiß oder Hellblau doch keine Farben seien! Ob dieser Hang zu Signalfarben von den überquellenden Balkonkistengeranien herstammt – ich weiß es nicht.

Mit den neuen Namen der Astern brauchst du dich nicht zu belasten, bei uns findest du im Webshop noch alle Sorten unter A wie Aster und als kleiner Vorgeschmack die schon nicht mehr ganz neuen Gattungsnamen bei den einzelnen Arten in Klammern dahinter. Denn in etwa fünf Jahren, wenn sich diese neue Erkenntnis bei den meisten Botanikern endgültig gefestigt hat, sollten auch die Gärtner imstande sein, diese für viele ungewohnten Astern-Namen zu übernehmen.

Hier ein Bild der Anzuchtsfläche im letzten Jahr

Und hier unser Asternsortiment dieses Jahr, mitten im Sommer, natürlich noch nicht blühend, aber alles hintereinander alphabethisch sortiert, denn sonst sucht man sich blöd!

Astern sind nicht gleich Astern, denn die Blütezeit der gesamten Gattung erstreckt sich von Juni bis Oktober, wenn du die unterschiedlichsten Arten in Betracht ziehst. Das Asternjahr beginnt mit den gefüllt blühenden Alpenastern (Aster alpinus) im Steingarten. Wir vermehren seit Jahren drei tief gefüllt blühende Sorten. ‘Antje‘ (Rosa) und ‘Sabine‘ (Lila) stammen von Alfred Weinreich aus Wolmirstedt bei Magdeburg, einem begnadeten Staudenzüchter, ‘Albus Plenus‘ fand ich vor langer Zeit bei einem tschechischen Pflanzenfreund. Sie alle lieben einen trockenen und sonnigen Standort im Steingarten oder Trog. Hier bei Gartenfreundin Anna gleich um die Ecke wurden ihre Urgesteinströge mit diesen Schönheiten bereichert, sie blühen seit vielen Jahren und behaupten sich ausgezeichnet neben anderen Steingartenpflanzen.

Das Asternjahr wird mit Aster tataricus mehr oder weniger abgeschlossen. Diese Aster hat dunkelgrüne, flatschige Blätter, an den langen Stängeln sitzen die großen, blauen Blüten. Auf den ersten Blick tippst du kaum auf eine Aster! In normalen Jahren blühte sie immer zusammen mit den Herbstchrysanthemen, eine wehende Standarte, welche das Jahr beschließt. Und zwischen den Alpenastern und der Tatarischen Aster befindet sich eine Arten- und Sortenflut ohne Ende! Nicht allein für klassische Staudenbeete, sondern auch für trockene Freiflächen und Steppenheiden, ja einige Astern sind überdies hervorragend als Flächendecker unter hohen Bäumen geeignet, welche im Sommer blühen, denn was blüht denn schon unter Gehölzen in den Sommermonaten!

Gib deinen Astern grundsätzlich guten Boden, besonders für alle Hybriden, Sorten und Abkömmlinge von Aster novi-belgii, der Glattblattaster. Einige Neuheiten, die wir besaßen, haben wir wieder verworfen, weil sie trotz hervorragender Versorgung mit Wasser und Nährstoffen immer wieder Mehltau bekamen. Da nützt dir die schönste Blüte nichts! Falls du nicht gerade den besten Boden hast, in dem ein hoher Sandanteil vorherrscht, dann solltest du doch eher die Raublattastern für deinen Garten heranziehen. Bei beiden Gruppen besitzen wir eine breite Auswahl, was sowohl die Farbpalette als auch die Höhe anbelangt.

Aufgestockt haben wir unser Sortiment auch bei den Staudensonnenblumen. Hier solltest du unbedingt zwei Faktoren berücksichtigen. Zum einen, wie es um deine Platzverhältnisse steht und dann vor allem, ob du die richtige und sinnvolle Verwendungsweise dieser stolzen Stauden ausleben kannst. Wie auch bei den Astern sind viele der Sonnenblumen im Habitus unterschiedlicher, wie man dies allgemein vermutet! Beispielsweise sollten Helianthus x multiflorus und ihre Sorten stets auf guten Böden gepflanzt werden. Sie sind trotz ihrer Schönheit leider gelegentlich gute Leckerbissen für Mäuse, du solltest sie daher in einen Drahtkorb pflanzen.

Die erste Sonnenblume im Bild hat mein langjähriger Kollege Eugen Schleipfer selektiert und zu Recht ‘Flutlicht‘ getauft, wie man dies unschwer vor dem dunklen Himmel erkennen kann. Sie beginnt schon Ende Juli mit ihrer Blüte, die sich dann bis in den September hinein zieht. Auch die verträgliche Höhe von „nur“ 150 cm ist durchaus begrüßenswert, eröffnet sie uns doch eine breitere Verwendung im Beet.

Du kennst sicher diese architektonisch anmutende Weidenblättrigen Sonnenblume, von der ein einziges Exemplar als ausgewachsene Stauden gut und gerne 5 Quadratmeter in Beschlag nimmt. Sie wird im Garten und Park stets mit Wasser und dem Wasserrand assoziiert, was zwar ihrer optischen Verwendung entgegenkommt, nicht aber ihrem natürlichen Vorkommen am Heimatstandort. Dort in Nordamerika nämlich steht sie sogar zusammen mit Feigenkakteen an äußerst trockenen Stellen, wie mir Cassian Schmidt irgendwann einmal berichtete. Ich war leider noch nie dort, habe aber festgestellt, dass im trockenen Jahr 2018 die Weidenblättrige Sonnenblume ohne Probleme über die Runden kam. Leider kommt sie nur dann zur Blüte, wenn wir einen langen und warmen Herbst verzeichnen. Aber eine andere Art, nämlich die nah verwandte Helianthus orgyalis blüht in jedem Jahr zuverlässig. Sie wächst nicht ganz so ausladend, auch ihre Laubblätter sind etwas breiter.

Mit den Jahren brachte ich auch einige eigene Sonnenblumenselektionen auf den Markt. Sie behaupten sich gut, ihr Verkauf ist über Jahre gleichbleibend und stabil geblieben, daher wundere ich mich schon ein wenig, dass du offenbar reichlich Platz in deinem Garten hast. Hier hören wir beinahe jeden Tag „Platz, Platz!“ Wenn ich daran denke, welche Dimensionen Helianthus ‘Helios‘ erreicht oder zu welchem Umfang sich die hellgelbe ‘Simon Wiesenthal‘ entwickelt, dann kann dein Garten gar nicht so klein sein! Diese Monster übrigens verschlingt keine Maus, noch nie hatte ich irgendwelche Fraßschäden an ihnen gesichtet.

Ich schrieb dir im März, dass wir in diesem außergewöhnlichen Jahr unsere Gärtnerei auf Vordermann bringen. Wir sind gut im Rennen, sehr gut sogar, meine Damen legen sich mächtig ins Zeug! Unsere Topfkulturen stehen momentan prima und wir sind bestens für den Herbst und das kommende Frühjahr gerüstet. Nach Feierabend bin ich fast jeden Abend vor dem Computer im Webshop und dokumentiere die Verfügbarkeit, sowie stelle Neuheiten ein. Was ich nicht schaffe, das folgt im Laufe des Herbstes, auch für neue Bilder bleibt eher die ruhige Zeit im Winter. Bei unseren Schwerpunktkulturen wie Anemone nemorosa, Astern, Chrysanthemen und Phlox nehme ich laufend Änderungen vor. Eine Sysiphusarbeit!

Allerdings lässt der Schaugarten zu wünschen übrig. Aber dies schaffen wir hoffentlich auch noch. Dieser Teil der Gärtnerei ist nun mal ganz auf den Vorfrühling ausgerichtet, wenn Lenzrosen und Schneeglöckchen nach dem Winter das Szepter in die Hand nehmen. Im Sommer sieht unser Schaugarten eher nach gepflegter Wildnis aus. Und darum plane ich im Geiste einen neuen Teil, der mehr auf den Sommer ausgerichtet ist. Denn deine Pflanzenfreunde aus nah und fern besuchen uns zunehmend auch in den Sommermonaten. Die Zeiten haben sich hierin sowieso grundlegend geändert. Noch vor 25 Jahren sprach man von einem Sommerloch, der Pflanzenverkauf fand hauptsächlich im Frühjahr und im Herbst statt, was mit den Gehölzen zu tun hatte, und da liefen die Stauden gleich mit. Heutzutage richtet sich alles und jeder nach dem Frühjahr aus, der Sommer ist heutzutage quasi eine Verlängerung des Frühlings („ich habe heute Bock, Stauden zu kaufen, ja, auch bei 35 Grad im Schatten“!) und zum Herbst hin nimmt die Gartenfreude immer mehr ab, je kälter es wird. Ich sage immer, spätestens an Allerheiligen schließen unsere Zeitgenossen geistig mit dem Thema Garten ab. Dabei ist der Herbst als Pflanzzeit mindestens so prädestiniert wie das Frühjahr!

Aber – und jetzt kommt der Unterschied zum Rest der Welt! Du sollst dir unbedingt vor Augen halten, dass wir uns nicht im Entferntesten mit einem Gartencenter oder Baumarkt vergleichen, denn diese haben einen vollkommen anderen Absatzweg, der darauf ausgelegt ist, möglichst schon im Februar mit Impulsware blühend zu punkten, ob dies Sinn macht oder nicht. Zum Herbst hin liegt das Bestreben der Gartencenter, möglichst bald alles komplett leer zu bekommen und erst wieder im zeitigen Frühjahr zu bestücken. In einer Sortimentsgärtnerei wie wir es sind, ist dies genau umgekehrt! Hier findest du die größte Auswahl im Herbst, wenn alles frisch vermehrt wurde. Falls du also hinter irgendeiner Rarität her bist, dann versuche diese ab Mitte September zu ordern, da sind die Chance am größten, diese auch tatsächlich zu bekommen! Außerdem sind da ja noch die Astern und Chrysanthemen, welche sich zumindest bei uns einer ungebrochenen Beliebtheit erfreuen.

Mitte August wurden endlich die letzten Phloxe getopft. Noch nie hatten wir eine größere Auswahl! Wir waren lange mit dieser Topfaktion beschäftigt, so eine riesige Menge, zweieinhalb Beete voll, in 160 Sorten! Ich bin mir sicher, dass du hier eine gute Auswahl treffen kannst. Sehr viele sind russischer Provenienz, du erkennst dies unschwer an ihren Namen, aber auch bei vielen Sorten an ihren teilweise mystisch wirkenden Farben. Ich bin weiterhin auf der Suche nach tollen Neuheiten, denn das Thema Phlox ist noch lange nicht ausgereizt. Falls du uns auf FB verfolgst, hast du sicher die Bilderserien mitbekommen, die ich dort hineingestellt habe. Rauchphloxe und solche mit sehr kleinen Blüten selektieren und beobachten wir mit Vorliebe. Hier ein kleiner Vorgeschmack dessen, was unter anderem noch kommen wird. Nicht, dass du glaubst, dass diese schon zu haben sind, denn so schnell funktioniert das mit dem Vermehren auch wieder nicht! Und Namen habe ich auch noch nicht vergeben, außer einigen Sorten, die hier schon länger stehen, die wir inzwischen vermehrten, weil sie sich bewährt hatten. So zum Beispiel ‘Lieschen Müller‘, ‘König Drosselbart‘ und ‘Rumpelstilzchen‘. Lass dich überraschen!

Zum Beispiel hat diese Auslese ein ganz besonderes Farbspiel! Sie fand eine Menge Bewunderer und ich bin noch am Überlegen, welchen Namen ich ihr zuteile, denn gerade diese Sorte hat wirklich die Berechtigung, zu jenen zu gehören, die eine weite Verbreitung verdient.

Und unten ein Phlox, welcher nur 60 cm hoch ist und mit Blüten besetzt ist, deren Durchmesser nur 1,3 cm messen. Ich taufte diese Sorte mit dem Namen ‘Erich‘, kleinwüchsig und kleine Blüten, aber stark und widerstandsfähig, dabei kerngesund. Benannt nach unserem Opa, welcher auch im hohen Alter von 95 Jahren immer noch im Garten aktiv ist!

Ob diese Sorten jemals deinen Geschmack treffen, dies ist ein ganz anderes Thema!

So viel dieses Mal! Mit unserem regulären Herbstversand beginnen wir nach dem 15. September. Wir verschicken im Herbst so lange du es irgend wünschst, jedoch bei Eintritt von Dauerfrost oder unvorhergesehenem Schneefall bei uns hier in Ort stoppen wir, denn dann bereitet uns der Versand Probleme und du hast dann ohnehin nichts mehr von deinen Stauden. Aber du wirst es ja ohnehin schon wissen, dass eine Herbstpflanzung sinnvoll und gut investiert ist. Deine im Herbst gepflanzten Stauden sind denen im kommenden Frühjahr einen gehörigen Sprung voraus. Nur sollten alle etwas tiefer gepflanzt werden, um ein etwaiges Hochfrieren zu verhindern.

Einzige Veranstaltung im September ist bei Ewald Hügin in Freiburg am 19. September, zusammen mit Hans Kramer (De Hessenhof in Ede, NL)! Aber das hatte ich dir ohnehin schon im letzten Brief angekündigt.

So bleibt mir nur übrig, dir einen sonnigen Herbst zu wünschen. Der nächste Rundbrief wird wieder einmal von meinen Lieben aus den Vereinigten Staaten verfasst. Lassen wir uns überraschen!

Bleib bitte gesund, ansonsten einen sonnigen und nicht zu trockenen Herbst!

Dein Staudengärtner Sarastro

Christian H. Kreß und Mitarbeiter