Newsletter VI/2022

Liebe Pamina, hallo Papageno!

Jetzt befinden wir uns bereits inmitten der schönsten Jahreszeit! Im Gegensatz zu einigen viel zu trockenen Gegenden in Norddeutschland herrscht hier ein ausgeglichenes, labiles Wachswetter, um Wassernot brauchen wir uns derzeit keine Gedanken machen! Hoffentlich bleibt es noch ein Weilchen so. Der Beginn dieses Jahres hatte ja ganz anders ausgesehen.

Momentan beeindrucken mich unsere Mittagsblumen (Delosperma) ziemlich! Das längliche Beet ist in seiner Vollblüte auch wirklich sensationell, jeder Besucher unserer Gärtnerei kann sich diesem Blütenspektakel nicht entziehen und greift unwillkürlich zu. Unter der hochstehenden Sonne laufen die Mittagsblumen derzeit zu ihrer Hochform auf, einige Sorten ersticken förmlich in ihrer Blütenpracht. Wir führen rund 50 Arten und Sorten, wobei ich bei allen Sorten in erster Linie auf ausreichende Winterhärte achte, bevor wir sie ins Sortiment aufnehmen. Danach erst folgen Reichblütigkeit und Beständigkeit in ihrem Polster und natürlich extravagante Farben. Die Farbpalette hat sich mit den Jahren enorm erweitert! So kannst du jetzt zwischen Weiß, Rosa, Gelb, Rot, Braunrot und Lilarot auswählen. Auch die Blütengröße schwankt zwischen Zentimetergröße und drei Zentimeter Durchmesser der einzelnen Blüten.

Die meisten Arten der Mittagsblumen stammen aus Südafrika, den Drakensbergen und angrenzenden Regionen. Sie gehören einer eigenen Familie an, den Aizoaceae (Mittagsblumengewächse). Ich hatte früher sogar eine Art aus Äthiopien, eine andere aus dem Jemen, doch diese waren nicht winterhart, so ließ ich sie wieder fallen und wendete mich solchen zu, mit denen du im Garten über die Jahre viel Freude hast. Die allermeisten schätzen jedenfalls einen vollsonnigen Standort in lehmig-sandigem Boden. Du kannst sie entlang der Hauswand pflanzen, südwestseitig wäre ideal, denn sehr große Trockenheit vertragen sie auch wieder nicht.

Noch vor 15 Jahren gestaltete sich das Mittagsblumensortiment sehr bescheiden, man kannte eine Handvoll Arten, Delosperma cooperii, D. congestum, D. aberdeenense und natürlich D. nubigenum, und das war es dann auch schon. Einzelne Sorten waren eher die Ausnahme. Heute hat nahezu jede Gärtnerei, welche sich mit Mittagsblumen beschäftigt, neben seinen eigenen Hausmarken auch seine eigenen Hybriden. In der Delosperma-Selektion sind einige meiner Kollegen und Freunde sehr erfolgreich unterwegs, so beispielsweise Gerhard Gussmagg, Eugen Schleipfer oder Hans Graf. Auch von Panayoti Kelaidis aus Denver/Colorado stammen einige sehr gute Sorten. Und Josef Halda aus der Tschechischen Republik fand in den Drakensbergen einige vollkommen winterharte Arten, die den Einzug in die Gartenkultur schafften.

Der Blütenreigen beginnt bereits im April mit einer entzückenden, sehr früh blühenden Art mit rosalila Blütchen! D. sphalmanthoides erinnert so gar nicht an eine Mittagsblume, sondern irgendwie scheint es eine andere Gattung zu sein. Vielleicht fällt den Botanikern bei dieser Art ein, dass man da eine eigene Gattung daraus machen könnte, wer weiß? In rauen Lagen ist ein leichter Schutz gegen Barfröste vonnöten, ansonsten wirst du mit dieser zwergigen Art kaum Probleme bekommen.

Die gelbblühenden Sorten von D. congestum sind ebenfalls relativ frühblühend, sie bilden dichte, kompakte Polster. Diese hübsche Art ist vollkommen winterhart, es existieren mehrere Auslesen, die sich in ihrer Blütengröße unterscheiden.

Eine selten kultivierte und zugleich überreich blühende Art ist Delosperma lavisiae, deren kleine, glänzende Blüten so zahlreich erscheinen, dass vom sukkulenten Polster nichts mehr zu sehen ist. Neben voriger Art gepflanzt entstehen bestechende Kombinationen, da sie ziemlich gleichzeitig erblühen. Auch von D. lavisiae sind mehrere Auslesen in Kultur.

Besonders bemerkenswert sind alle Sorten rund um Delosperma dyerii, solche wie ‘Red Fire‘, ‘Fire Spinner‘, ‘Red Mountain‘ oder ‘New Fire‘, wenngleich es auch hier meines Erachtens schon wieder viel zu viel Ähnliches gibt. Ich werde mich wohl mit der Zeit von der einen oder anderen Sorte verabschieden und lieber wenige, aber reichblühende Sorten vermehren, welche sich deutlich unterscheiden.

‘Red Mountains‘

‘Fire Spinners‘ kann was!

‘Red Fire‘ hat mein Studienkollege Hans Graf ausgelesen.

Eine eigene Sorte selektierte ich bereits vor Jahren, sie fiel mir durch ihre außergewöhnlichen, silbrigrosa Blüten in einem Sämlingsbestand von ‘John Proffitt‘ auf. Es stellte sich heraus, dass sie außerdem wesentlich später als die meisten Mittagsblumen aufblühte und zudem im Hochsommer und Frühherbst eine ansehnliche Nachblüte zeigte. Ich taufte sie damals ‘Pink Zulu‘, sie ist längst zu einem wichtigen Bestandteil unseres Mittagsblumensortimentes geworden. Immer schön zwischen all den spät blühenden roten und lilaroten Sorten!

Den einzigen österreichischen Staudensichtungsgarten Königshof im Burgenland gibt es leider nicht mehr. Er wurde vor Jahren aufgelöst und das Gelände verkauft. Alle weiteren Sichtungen erfolgen in kleinerem Rahmen in der Höheren Bundeslehranstalt Schönbrunn, mitten in Wien. Der vorherige Standort war wohl der einzige unter pannonischen Klimabedingungen und deshalb bedeutsam für den gesamten Osten Österreichs und darüber hinaus. Das wurde von höherer Stelle offenbar nicht gewürdigt oder die Gärtnerschaft zeigte zu wenig Lobbyismus, sie konnte die Notwendigkeit einer Staudensichtung im Osten Österreichs politisch auf Dauer offenbar nicht durchsetzen. Damals war ich Sichtungsdelegierter und zeigte Verantwortung für die Sortimente; in Absprache mit Baumschulern und den wenigen, österreichischen Staudengärtnern sorgte ich für Neuzugänge ganzer Gattungen mit repräsentativem Sortenspektrum. So hielt damals das gesamte, verfügbare Miscanthus-Sortiment von Ernst Pagels Einzug, welches sich bestens bewährte, während die Phloxe und Rittersporne kläglich versagten. In weiterer Folge überließ ich dem Sichtungsgarten mein gesamtes Delosperma-Sortiment, ohne Winterschutz, alle unter gleichen Bedingungen. Und welch ein Wunder, die Mittagsblumen entwickelten sich prächtig unter der pannonischen Sonne! Du kannst hier einen Eindruck vom Dauerversuch bekommen, auf dem Bild erkennt man die Mittagsblumen, wie sie im zweiten Jahr stehen, kurz vor der endgültigen Auflösung des Sichtungsgartens.

Vor genau drei Wochen begann ich mit der Bepflanzung unserer Schaugartenerweiterung, wahrlich ein Mega Projekt! Dies zieht sich sicher über Monate, oder sogar Jahre hin. Derweil bin ich an der dritten, größten Staudeninsel angelangt, sie allein verschlang 1.500 Stauden. Bis jetzt sind rund 3.500 Stauden gepflanzt worden. Einen kleinen Eindruck kannst du dir mit den Bildern weiter unten machen.

Das Ziffernblatt inmitten des Schaugartenteils stammt übrigens vom Kirchturm unserer Orter Pfarrkirche, welches im Zuge einer Renovierung ausgewechselt wurde. Ohne Zeiger, nur die Ziffern alleine, eben ganz und gar zeitlos. Dies sollte uns symbolisieren, dass Pflanzenverwendung und Gartenkultur absolut ein zeitloses Unterfangen ist und keinen Normen unterliegen sollte.

Die Pflanzaktion macht mir anhaltend großen Spaß, obgleich sich dies gelegentlich als äußerst kräfteraubend darstellt. Ich stellte fest, dass ich früher eine Menge an Stauden als Mutterpflanzen quasi im Vorbeigehen pflanzte, aber jetzt nach einem Tag relativ geschlaucht bin.

Der neue Schaugarten soll in Zukunft nahtlos im alten Teil aufgehen, welcher ja schon wundervoll eingewachsen ist. Ich muss nur noch einen harmonischen Übergang schaffen, damit zwischen Alt und Neu der Unterschied im Laufe der Jahre verwischt.

Zum Abschluss möchte ich dir ein Bild einer der seltensten Stauden Österreichs zeigen, deren Vermehrung alles andere als leicht ist. Vom Österreichischen Drachenkopf existieren nur wenige Exemplare, ganz im Osten gelegen, an nur zwei Orten. In Tschechien und der Slowakei kannst du ihn ebenfalls vorfinden, auch im Wallis in der Schweiz, sowie in Frankreich, aber überall höchst selten. Wir schafften es tatsächlich, ihn auf unserem Trockenmauerwall zu etablieren! Wie lange wird er wohl die Stellung innehalten? Die Vermehrung über Samen ist eine zähe Geschichte, von 100 Samenkörnern keimen nur ungefähr 30 im ersten Frühjahr, davon fallen weitere 15 um, bevor sie eine Größe erreichten, dass sie getopft werden können.  Ähnlich verhält es sich mit den Stecklingen, Verluste und Totalausfall sind hier fast schon vorprogrammiert! Trotzdem packt mich der Ehrgeiz, denn der Österreichische Drachenkopf ist mit Abstand der schönste seiner Gattung und wer ihn blühend sieht, macht regelrecht einen Kniefall vor diesem bestechenden Blau!

Am 4. und 5. Juni kannst du mich bei meinem Stand an den Gartentagen in Kohfidisch im Burgenland besuchen! Diese Veranstaltung ist neben den Reichersberger Gartentagen einer der wenigen Märkte, den wir heuer absolvieren. Und Kohfidisch kann ich dir nur wärmstens empfehlen, auch wenn dies für manchen von dir ein „breiter Weg“ dorthin sein wird, denn Kohfidisch liegt im Südburgenland nahe der ungarischen Grenze! Verträumte Idylle pur, ein Herrschaftsanwesen mit tollem Ambiente, ausgesuchten Ausstellern aus Österreich und seinen Nachbarländern, einem interessanten Pflanzenangebot für Jedermann, aber auch für anspruchsvolle Pflanzenliebhaber, kulinarische Highlights, einschließlich meines Lieblingsweines! Und nicht zuletzt sind sie ein so liebenswertes Völkchen, diese Burgenländer!

Uns findest du in gewohnter Weise inmitten anderer Aussteller gleich nach dem Eingangstor rechts entlang der Hofgebäude. Wir bemühen uns wieder, ein repräsentatives Sortiment mitzubringen! Du kannst aber gerne auch deine Wünsche schon vorher via Webshop oder Mail bekanntgeben, die wir dann mitnehmen! Ansonsten merke dir, die Raritäten sind stets am ersten Tage weg! Auf jeden Fall sind wir wieder mit großem Elan dabei, ich freue mich riesig, dich dort anzutreffen! Dieses Mal werde ich Verstärkung mitbringen, damit wir dir auch gebührend Beratung und Aufmerksamkeit zuteil kommen lassen können.

Bis demnächst und alles Gute für dich und deinem Garten, genieße diesen Wonnefrühling!

Dein Staudengärtner Sarastro