Newsletter VI/2013 (Chrysogonum, Teucrium, Aegopodium, Rohdea)

Liebe Pamina, hallo Papageno!

Manche von dir fragen sich berechtigt, wann mir einmal der Stoff zum Schreiben ausgeht oder ich mich wie so manche Gartenzeitschrift jahreszeitlich im eigenen Saft drehe. Zugegeben, es ist gelegentlich durchaus schwer, immer etwas Neues und vor allem auch Sinnvolles aus dem Hut zu zaubern, aber bei der Fülle an Pflanzen, die uns zur Verfügung stehen, ist dies sicher wiederum auch kein unmögliches Unterfangen. Hierbei fällt mir auch wieder so manches „Ammenmärchen“ ein, das nach wie vor in manchem Hochglanzmagazin zu finden ist und sich Jahr für Jahr gebetsmühlenartig wiederholt. Lavendel zu Rosen zum Beispiel. Aber ich will dich nicht damit langweilen!

Die Wälder Nordamerikas bieten uns eine große Menge an wertvollen Gartenstauden. Ich muss mich hierbei selbst an den Ohren ziehen, denn ich kenne das Goldkörbchen Chrysogonum virginianum seit meiner Schweizer Zeit zu Beginn der 80er-Jahre. Warum ich es erst letztes Jahr in Kultur nahm, wissen die Götter. Es ist wie mit den Lupinen, der Spornblume oder den Lichtnelken, die immer noch nicht in unserem Sortiment fix verankert sind. Vielleicht liegt es daran, dass ich diesen Stauden persönlich nicht sehr nahestehe? Schließlich hat jeder so seine Vorlieben. Aber das Goldkörbchen ist ohne Übertreibung einer der besten Flächendecker für trockene Stellen im Halbschatten. Mir sind drei Auslesen bekannt, wobei wir die niedere ‘Andre Viette‘ vermehren, da sich bei ihr die goldgelben Blüten über viele Monate über dem dunkelgrünen Blatt abheben. Naturgemäß befindet sich der beste Pflanzplatz entlang eines Gehölzsaumes, im Schatten unter Gehölzen oder zwischen Funkien, wenn du gar nicht weißt wohin damit! Aber auch in der klassischen Staudenrabatte kannst du diesen Dauerblüher als Lückenfüller unterbringen.

Ein weiterer, sehr schöner Dauerblüher allerersten Ranges ist der Persische Gamander. Über viele Wochen und Monate erscheinen die typischen Kerzen in einem tiefen Rosalila. Auch über diese Staude rümpfte ich zunächst einmal die Nase, dieses Mal jedoch berechtigt, denn an zusagenden Stellen sät er sich wie die Pestilenz aus. Wenn ich mit norddeutschen Kollegen über Teucrium hyrcanicum diskutierte, verstanden sie meinen Unmut nie, denn in manchen Gegenden ist keinerlei Selbstaussaat festzustellen und er benimmt sich daher ganz geziemt.

Ernst Pagels führte diese robuste Staude ein und lobte sie über alles. Was von Ernst Pagels kam, konnte ja nur gut sein, so dachte ich! Aber der bekannte Staudenzüchter und Foersterschüler aus Leer/Ostfriesland ließ sich öfters selbst sehr negativ über einige Staudenzüchtungen aus, die sich andernorts durchaus positiv bewährten! Urteile daher immer selbst, denn dein Boden, deine Verhältnisse vor Ort und dein Klima können ganz anders sein. Darum bin ich eigentlich ein Gegner von blankem und fantasielosem Kopieren. Auch die heute so modernen Mischpflanzungen sind im Grunde genommen nur schematisierte Fertigmischungen, die dem Landschaftsgärtner und Gartenarchitekten primär zwar die Auswahl erleichtern sollen, aber deswegen noch lange nicht überall funktionieren und daher lediglich als Basis dienen können!

Hier in unserem eigenen Garten ist dem Persischen Gamander nicht mehr beizukommen, er vagabundiert unter die Hainbuchenhecken und erscheint ganz unaufgefordert auf trockene Stellen unter einem Ahorn oder zwischen Steinfugen der Trockenmauer. Eine geradezu perfekte Pflanze für “Black Box Gardening“! Von dieser ungewöhnlichen Art zu gärtnern erzähle ich dir zu einem späteren Zeitpunkt einmal sehr ausführlich!

Ebenfalls eine außergewöhnliche Staude für Liebhaber von Wildpflanzen ist Cicerbita plumierii, ein Alpenlattich aus den Pyrenäen. Die hübschen, himmelblauen Blüten sitzen an hohen Stängeln. Auch er verselbständigt sich mit der Zeit, wird aber niemals lästig und blüht jedes Jahr zuverlässig an halbschattigen Stellen in frischen Böden. Wir haben ihn noch nicht vermehrt, er ist also reine Zukunftsmusik und wird wohl nie einen großen Stellenwert einnehmen!

Teucrium hyrcanicum

Cicerbita plumierii

Verpasste Gelegenheiten kommen immer wieder vor. Wir vermehren seit vielen Jahren den buntblättrigen Giersch, der sich in zwei Formen in Kultur befindet, einer weißbunten und einer gelbbunten Form. Er ist ein Paradebeispiel dafür, dass man bei manchen Pflanzen nicht voraussehen kann, wie viel Stück man im kommenden Jahr benötigt. Jahrelang kamen wir mit durchschnittlich rund zweihundert Stück in der Saison aus, denn leider gehört er nicht zu deinen Lieblingspflanzen. Warum eigentlich nicht? Dabei könnte ein findiger Gourmetkoch ihn fantasiereich in Salaten unterbringen und so manche Verkehrsinsel oder trockener Bereich im Schatten würde zu einer lebendigen Fläche umgestaltet. In Amerika wird er seit Jahrzehnten großflächig als Bodendecker verwendet. Nun, letzten Herbst machten wir im eigenen Garten Tabula Rasa und gruben eine größere Fläche an weiß panaschiertem Giersch aus, um meinen Garten an dieser Stelle ein neues Outfit zu verpassen. Ich dachte, die brauche ich sowieso nicht, zur Vermehrung genügen uns die restlichen Töpfe in der Gärtnerei. Und wenige Wochen später kam eine Anfrage aus Nordbayern, wo gleich 500 Stück gebraucht wurden! Ich rief bei etlichen Kollegen an, es stellte sich bald heraus, dass der Buntblättrige Giersch nirgends in den Sortimenten vertreten war. Dabei ist er ein wunderbarer Bodendecker, der unter unserem Bergahorn eine dichte Fläche von 15 Quadratmetern einnahm. Er wuchert bei weitem nicht so stark wie sein grüner Unkrautbruder. Wenn eine größere Trockenheit ins Land zog, litt er, alle Blätter hingen, um nach dem ersten Regen wieder top dazustehen. Du kannst auch mit dem Rasenmäher darüberfahren, wenn die Blätter unansehnlich werden. Der Giersch treibt nach wenigen Tagen wieder frisch aus. Obgleich ich kein großer Freund dieser Pflegemethode bin, hier sei diese „Wildwestmanie“ gestattet und erspart dir langwieriges Zurückschneiden von Hand.

Aegopodium podagraria ‘Variegata‘

Aegopodium podagraria ‘Gold Marbled‘

Mir fiel dieses Jahr besonders eine Primel auf, die mit ihren gefüllten Blüten über viele Wochen blühte und auch jetzt noch vereinzelt für Nachblüten sorgt.

Primula veris ‘Katy McSparron‘ ist wohl der einzige gefülltblühende Himmelsschlüssel, den es gibt! Der Duft ist durch die Füllung der Blüten nicht so intensiv wie bei der Ausgangsart, aber trotzdem präsent. Du wirst hier noch einige Zeit warten müssen, denn diese Primel kann nur durch Teilung vermehrt werden, was sich entsprechend langwierig gestaltet. In unserem Privatgarten blüht sie immer noch! Woher sie stammt, kann ich dir leider nicht sagen, vermutlich England oder Irland.

Ich weiß nicht, ob ich dir schon einmal von Rohdea japonica berichtet habe, d e r japanischen Kultpflanze schlechthin. Neben Leberblümchen und Kirschblüten räumen die japanischen Pflanzenliebhaber dieser Staude einen hohen Stellenwert ein und kultivieren eine Menge teurer Formen mit panaschierten und gewellten Blättern, schön präsentiert in wertvollen Keramiktöpfen. Von einem Freund bekam ich vor etwa zehn Jahren ein Päckchen mit frischem Samen, direkt aus Japan. Sie keimten problemlos, trotzdem dauerte die Aufzucht drei Jahre, bis die Pflanzen dieses Maiglöckchengewächses stark genug waren. Die Rosetten dieser immergrünen Waldstaude können imposante Ausmaße annehmen und eine Schattenpflanzung entscheidend prägen. Im Palmengarten in Frankfurt kannst du einen älteren, schon über Jahre eingewachsenen Bestand bewundern. Rohdea bildet nach Jahren längere Ausläufer, später stehen die Rosetten im Abstand von etwa einem halben Meter zueinander. Hier im kälteren Innviertel hat diese wertvolle Liebhaberstaude die letzten Winter ungeschützt ohne jeglichen Schaden überstanden und setzte sogar Beeren an, nachdem sie im letzten Jahr zum ersten Mal geblüht hat. Die sternförmigen Blüten sind von cremegelber Farbe und sitzen an einem Schaft. Unsere Verkaufspflanzen sind schon sehr groß, du kannst trotzdem zwischen preiswerten Exemplaren im 11cm-Topf und großen Paradestücken auswählen. Leider ist mir kein treffender deutsche Name bekannt. Sie wird zumindest in Japan als „Heilige Lilie des Glücks und des langen Lebens“ bezeichnet.

Primula veris ‘Katy McSparron‘

Die leuchtenden Beeren von Rohdea japonica!

In Österreich stehen bald wieder die Gartentage in Seitenstetten vor der Tür. Bei diesen sind wir von Beginn an dabei, auch sie fingen aus kleinsten Verhältnissen an. Ursula Haller war es, die diese Idee zusammen mit dem damaligen Abt vom Stift Seitenstetten verwirklichte, inspiriert von Bingerden und England. Im Laufe der Zeit konnte ich nicht wenige befreundete Aussteller in unser gemeinsames Boot ziehen. Nach dem Motto „Viel Feind, viel Ehr“ kann eine derartige Veranstaltung an Qualität nur dann gewinnen und diese über die Jahre halten, wenn das Angebot an Pflanzen auch dementsprechend breit genug ist. Über die letzten Jahre wurde Seitenstetten zu dem, was es nun ist, neben der Raritätenbörse in Wien die namhafteste Veranstaltung in Österreich. Du findest uns immer an einem anderen Platz, vielleicht der einzige Minuspunkt dieser Veranstaltung. Wer suchet, der findet, dies gilt also nicht nur für Pflanzen, sondern auch für die Aussteller!

Ansonsten läuft bei uns der Versand der Stauden noch immer noch auf Hochtouren. Falls du also vor hast, noch etwas zu bestellen, so kannst du dies jederzeit tun. Noch ist es nicht heiß und die Stauden leiden kaum. Es braucht dich nicht zu stören, wenn wir die Stauden zurückschneiden, denn wir sind bestrebt, möglichst pflanzenschonend verpacken, andererseits möchtest du berechtigterweise auch von deinen bestellten Pflanzen etwas haben, in dem sie zumindest gut anwachsen. Ein zurückgeschnittener Rittersporn treibt alsbald wieder munter aus und blüht im Spätsommer, ein abgeknicktes Exemplar würde dich nur frustrieren und wir können noch so kunstvoll verpacken, was sich in vielen Extremfällen gar nicht bewerkstelligen lässt. Oder du kommst persönlich vorbei und kannst in einem geräumigen Kofferraum deines Autos so manche meterlange Schätze bequem unterbringen!

Ach ja, beinahe hätte ich es vergessen! Die meisten der russischen Phloxe sind wieder frisch vermehrt und werden bis in etwa 3 Wochen wieder verfügbar sein. Viele Gartenfreunde warten schon sehnsüchtig darauf und waren enttäuscht, dass diese im Herbst so schnell ausverkauft waren. Orientiere dich am besten an unserem Webshop unter www.sarastro-stauden.com .

Auf eine kleine Veranstaltung möchte ich dich noch ganz kurz hinweisen. Eine sehr engagierte und kenntnisreiche Gartenfreundin hat ein Offenes Wochenende zusammen mit zwei anderen Gärten organisiert, welche alle sehr sehenswert sind. Vielleicht treffen wir uns dort? Ich habe auf jeden Fall vor, mir die Gärten anzusehen. Sie liegen rund um Kirchdorf/Krems in Oberösterreich und sind daher sehr leicht zu erreichen. Hier der Blog von Katrin Lugerbauer, in dem du alles verfügbaren Informationen entnehmen kannst:

http://hardy-geranium.blogspot.co.at/

Nun bleibt mir nur noch übrig, dir ein frohes Gärtnern zu wünschen. Und merke dir: Gärtnern ist nicht nur Arbeit, Gärtnern ist vor allen Dingen auch eine Lebenseinstellung!

Dein Sarastro