Newsletter VII/2024

Liebe Pamina, hallo Papageno!

„Viel Neues, nebenbei auch Altes und Vergessenes, – in jeder Hinsicht aber interessant und spannend!“
Mit dieser Überschrift möchte ich dich ab jetzt in jedem Rundbrief beglücken. Es ist an der Zeit, dir im Rundbrief noch mehr nicht alltägliche Stauden vorzustellen, aber auch dir bekanntes. Das allgemeine Staudensortiment ist mittlerweile derart umfangreich, dass es mir mühelos gelingen wird, dieser Anforderung gerecht zu werden. Und ich möchte dir bei solchen Pflanzenportraits auch ein wenig Hintergrundwissen vermitteln, wie und wo die Staudensorten entstanden, sofern es von allgemeinem Interesse ist. Aber diese neue Pflanzen-Vorstellungsrunde möchte ich stets am Schluss des Rundbriefes setzen, wie du gleich hier schon sehen wirst.
Das Wetter hier im oberösterreichischen Innviertel gestaltet sich in diesem Jahr äußerst wechselhaft, über mangelnde Niederschläge brauchen wir uns echt nicht beklagen. Ja, ich behaupte sogar, dass dieses Jahr durch seine Regen- und Sonnenphasen ausgeglichener als sonst war – aber anscheinend nur bei uns, wohlgemerkt! Andernorts waren die Niederschläge wesentlich intensiver, teilweise war sogar Katastrophenstimmung angesagt, ich denke hier vor allem an das Südburgenland. Die allseits beliebten Gartentage in Kohfidisch waren kaum zu Ende, da schlug eine Woche später der Wettergott unbarmherzig zu, es hätte zeitlich umgekehrt genauso ausfallen können, die Katastrophe hätte nicht nur die dortige Bevölkerung, sondern auch Veranstalter und Teilnehmer dieser idyllischsten aller Gartentage in Österreich treffen können. Das Chaos auf dem Schlossgelände möchte ich mir dann nicht mal ansatzweise ausmalen, abgesehen von den Schäden!
Was passiert momentan in der Gärtnerei? Dass unsere alte Schattenhalle im letzten Frühjahr vom Sturm vollkommen demoliert wurde, hatte ich dir bereits erzählt. Sie bestand aus einer Holzkonstruktion, schön anzuschauen, sie fügte sich harmonisch in unsere Gärtnerei ein. Holz hält bekanntlich auch nicht ewig, besonders wenn es dem Wetter ausgesetzt ist, so auch die noch aus Holz bestehenden Frühbeetkästen. Ich beschloss nun, eine neue, wesentlich größere Schattenhalle aus feuerverzinktem Eisen zu errichten, wo sämtliche Schattenstauden leicht darunter Platz finden werden. Dies wird nun in den kommenden Wochen geschehen. Durch die Arbeiten für die Fundamente ist einiges an Umräumerei zu absolvieren, neben all der anderen Arbeit sehr lästig, aber leider notwendig!
Wir haben übrigens beschlossen, den Versand deiner Stauden auch über den Sommer auszudehnen, denn es fragen so viele deiner Freunde danach, wir können diesen Wunsch unmöglich abschlagen. Ich dachte stets an Hitze, die den Versand von Pflanzen beeinträchtigen, aber wir warten diesbezüglich kühlere Tage ab, dann kann eigentlich nichts passieren.

„Viel Neues, nebenbei auch Altes und Vergessenes, – in jeder Hinsicht aber interessant und spannend!“
Hier nun möchte ich loslegen, mit einer Staude, welche seit nunmehr fast 30 Jahren die Szenerie beherrscht und in nahezu allen Staudengärtnerei- Sortimenten vertreten ist. Abgedroschen? Nein, sie sind in den Gärten höchst willkommen und bitter notwendig! Die Sorten des Anisysops (Agastache) sorgten vor allem als wahre Insektenmagneten für Furore, darüber hinaus zeichnen sie sich durch eine enorm lange Blütezeit aus. Neben vielen bunten Auslesen sticht ganz besonders ‘Blue Fortune‘ hervor. Sie entstand in den Niederlanden, wurde von Gert Fortgens selektiert, welcher einst eine Zeitlang I.S.U.-Präsident und danach Leiter des Arboretum Trompenburg war. Er benannte diese äußerst dauerhafte und standfeste Auslese mit dem Namen ‘Blue Fortune‘. Sie ist auch bei uns seit Jahren die Nummer Eins unter allen Anisysop. Ihre graublauen, dicken Rispen blühen über Monate! Erwähnenswert ist vor allem, dass diese Sorte steril ist, also keinerlei Samen produziert. ‘Blue Fortune‘ ist vor allem in kleineren Gruppen wirkungsvoll, aber auch in Kombinationen mit vielen anderen Stauden. Sie wünscht sich einen guten, aber durchlässigen Boden in voller Sonne. Wenn die erste Blüte nachlässt, dann solltest du ihr das oberste Drittel abschneiden, damit ein zweiter, wenngleich etwas wenig üppiger Folgeflor erscheint.

Winterharte Freilandfuchsien haben sich bei uns quasi von Null auf Hundert als wahre Kundenmagneten entwickelt! Gerade deshalb möchten wir dir ein Angebot machen, um die Sortimentsbreite etwas besser kennenzulernen. Wir bieten dir ab dem kommenden Frühjahr ein kleines Sortiment von sechs herausragenden Sorten zu einem Vorzugspreis an, welches du unter unseren Kollektionen in unserem Webshop sehr leicht finden kannst. Es sind nämlich wesentlich mehr Fuchsiensorten winterhart, als wir glauben! Wichtig ist auf jeden Fall ein sehr guter Gartenboden mit hohem Humusanteil, wobei der Standort durchaus in voller Sonne liegen darf! In der Vergangenheit hörte man allgemein, Fuchsien würden ausschließlich in beschatteten Lagen gut gedeihen. Dies trifft so nicht ganz zu, denn die meisten winterharten Fuchsien entstammen Fuchsia magellanica, welche aus dem südlichen Südamerika stammt und wir diese in Irland und Teilen Großbritanniens verwildert vorfinden, sie eignet sich ohne weiteres sich für volle Sonne. Dem Rückschnitt sollte nicht so viel Bedeutung beigemessen werden, hier hört man diese und jene Meinung! Lass sie wachsen, ernähre sie ausreichend und der Neuaustrieb zeigt dir haarscharf, wo du sie im kommenden Jahr abschneiden darfst, nämlich alles, was über dem Neuaustrieb an verdorrten Ästen vom Vorjahr stehenblieb. Gartenfuchsien allgemein zeigen ihren Blütenhöhepunkt in der zweiten Jahreshälfte. Es lohnt sich, sich einige dieser Sorten in deinen Garten zu holen!

Die nächste Staude, welche ich dir vorstellen möchte, stammt aus dem Fernen Osten Asiens. Und sie ist ein echter Traum! Besitzen wir mitten im Herbst eine vergleichbare, enzianblaublühende Staude für den Halbschatten, mit noch dazu solch üppigem Flor? Ein Nachteil darf nicht verschwiegen werden: die Blütenfülle von Isodon longitubus erscheint erst im Oktober, wo schon jederzeit Nachtfröste auftreten können. Schon wenige Grade zerstören die gesamte Blüte. Allerdings kommt dies selten vor und man muss dazu bemerken, dass die Pflanze deswegen nicht komplett geschädigt ist. Und nicht jedes Jahr ist gleich! Dazu kommt, dass im Halbschatten die Gehölze für einen gewissen Schutz sorgen.

Panaschierte Stauden sind bei uns leider immer noch verpönt. Lediglich eine Handvoll Liebhaber schenkt ihnen in der heutigen Zeit ein Augenmerk. Dabei sind Pflanzen mit bunten, gestreiften oder gemaserten Blättern „in“, nur nicht bei uns! Aber nun, dies ist halt so. Früher sammelte ich die kuriosesten Dinge, von einer weißbunten Raute bis hin zum panaschierten Meerrettich, ich war regelrecht süchtig nach ihnen! Aber wir befinden uns nicht in England, Japan oder den USA. Dort gehen die Uhren anders, sei es in der Pflanzenverwendung oder schlicht in der Liebhaberei. In Mitteleuropa scheinen gerade mal all jene abstrusen Funkien „en vogue“ zu sein, darüber hinaus mögen deine Freunde kaum etwas, ja ich höre immer noch sehr abfällige Bemerkungen über Stauden mit Weiß oder Gelb gerandeten Blättern. Eine sehr attraktive und vollkommen unbekannte Staude ist Solanum dulcamara ‘Variegata‘, der Bittersüße Nachtschatten mit seinen hellgelb gerandeten Blättern. Dieser hat die Eigenschaft, an der Basis zu verholzen, ist außerdem vollkommen winterhart. Über die Verwendung im Garten kann ich nichts Wesentliches beitragen, denn du kannst dir dank deiner Fantasie sicher sein, diese hübsche Pflanze nach deinem Geschmack nahezu überall unterzubringen. Der Vorteil liegt auf der Hand, denn dieser Form kann Frostsicherheit und Dauerhaftigkeit getrost bestätigt werden!

Über Astern mag ich gar nicht viele Worte verlieren. Stell dir vor, uns stehen Astern von Juni bis November zur Verfügung, eine unglaubliche Arten- und Sortenvielfalt! Und immer wieder erscheinen Neuheiten, die wir beobachten und nach ihrer Gartentauglichkeit beurteilen. Eine Auslese mit dunkelvioletten Blüten selektierte vor drei Jahren mein langjähriger Staudenfreund Ewald Hügin aus Freiburg im Breisgau. Diese Sorte mit dem Namen ‘Souvenir‘ ist standfest und strotzt geradezu vor Vitalität, genau das, was wir brauchen! Das Betätigungsfeld von Ewald befindet sich im sonnigen Süden von Deutschland, sozusagen dem Tor zur mediterranen Welt. Viele Astern tun sich in diesem Klima schwer, zu trocken im Sommer, zu mild die Winter. Umso erstaunlicher ist es, dass Aster ‘Souvenir‘ sich nicht nur in Freiburg, sondern auch bei uns sehr gut entwickelte! Wahrscheinlich ist sie eine Hybride aus Aster novi-belgii und Aster laevis. Ihr sage ich eine gute Zukunft voraus.

Du machst dir kaum Vorstellungen davon, welche Ausmaße dieses Seifenkraut an den Tag legt! Aber zunächst zur Vorgeschichte. Eines Tages brachte mir Sigurd Lock einige bewurzelte Teilstücke von einem Seifenkraut mit, über das er unglaublich schwärmte, weil es so enorm lange blühte. Seifenkräuter (Saponaria) sind seit Jahren eigentlich das, was wir in der Gärtnerei sarkastisch „Nonseller“ nennen. Früher war das ganz anders, aber wir richten uns nach dem Heute! Jedenfalls stellte ich fest, dass dieses Seifenkraut mit dem botanischen Namen Saponaria sicula var. intermedia steril war, also keine Nachkommen über Samen hervorbrachte. Da sich dieser Typ aus diesem Grund ausschließlich über Stecklinge reproduzieren ließ, gab ich ihm den Sortennamen ‘Sigurd‘, benannt In Memoriam nach dem ehemaligen Stadtgartendirektor von Linz, mit dem ich auf fachlicher Ebene, sowie auch persönlich in freundschaftlichen Kontakt stand. Dieses Seifenkraut ist eine Ausgeburt an Blühfreudigkeit und Vitalität, solange wir ihm einen trockenen Standort verpassen. In der Natur kommt es in Sizilien, aber auch in Albanien an trockenen und sonnigen Plätzen in gebirgigen Lagen vor.

Ganz wichtig: am 5. Juli bleibt unsere Gärtnerei wegen einer wichtigen, familiären Feier den ganzen Tag geschlossen. Wir hoffen auf dein Verständnis, ich berichte in einem der nächsten Rundbriefe darüber!

Dir wünsche ich einen ruhigen, aber blütenreichen Sommer!

Dein Staudengärtner Sarastro

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