Newsletter VII/2013 (Chrysogonum, Teucrium, Aegopodium, Rohdea)

Liebe Pamina, hallo Papageno,

Der Sommer steht in der Tür, hoffentlich wird es wieder mal so richtig Sommer, denn die letzten paar Jahre hielt er sich ja deutlich zurück. Nichts mehr mit Tropennächten im Innviertel! Der Siebenschläfer-Tag zeigt uns angeblich, wie das Wetter in den kommenden Wochen wird… nun, es war durchwachsen.

Viele Freunde und Kunden fragten uns besorgt, ob wir auch vom letzten Hochwasser betroffen waren. Ich kann dir versichern, zum Glück nicht, da unsere Gärtnerei etwas höher liegt. Aber die idyllische Lieblingsstadt Schärding und auch Passau wurden arg in Mitleidenschaft gezogen. Von dort bekamen wir schreckliche Bilder zu sehen! Wasser kann segenbringend sein, aber bekanntlich auch zum Fluch werden.

Bei den Gartentagen in Seitenstetten hatte ich dieses Jahr ein Paradeexemplar unserer inzwischen weitum bekannten Sarastro-Glockenblume mit. Sie stand in einem großen Tontopf und hatte Aberhunderte an Blüten, die sich dicht an vielen Rispen drängten. Drumherum standen kleine Verkaufspflanzen, die aufgrund der großen Schaupflanze reißenden Absatz fanden. Immer wieder kam jedoch die ungläubige Frage, ob diese fantastische Glockenblume denn auch wirklich winterhart sei? Ich wunderte mich immer mehr über diese Frage, war doch Campanula ‘Sarastro‘ inzwischen in vielen Gärten weit verbreitet! Die Entstehungsgeschichte hatte ich dir sicher schon einmal in einem Brief mitgeteilt, doch werde ich diese gerne noch einmal zum Besten geben, da inzwischen eine Menge Gartenfreunde und Staudenfans den Rundbrief neu erhielten und denen vielleicht keine detaillierten Kenntnisse über unser Paradestück bekannt ist.

Die Sarastro-Glockenblume entstand Anfang der 90er-Jahre aus zwei ungezähmten Wildarten als Kreuzungsprodukt, aus einer ausgepflanzten C. punctata var. hondoense aus Japan und C. trachelium, die ganz in ihrer Nähe wild aufgegangen ist. Die Japanerin ist in ihrem Wachstum sehr fleißig und wuchert ungemein, durchzieht mit ihren Rhizomen binnen eines Jahres ganze Flächen, dazu hat sie hübsche, cremeweiße Blüten. Die europäische Nesselblättrige Glockenblume sät sich dagegen aus, dass es eine wahre Pestilenz ist! Anscheinend kreuzten sich die beiden, denn eines Tages fand ich im Privatgarten einen tief violettblau blühenden Sämling mit einer typischen, langgezogenen Glockenblumenblüte, wie sie die Punktierte Glockenblume aufweist, nur wesentlich größer. Diesen grub ich sofort aus und pflanzte ihn auf das Mutterpflanzenbeet meiner früheren Arbeitgeber auf. Ja, so lange war dies schon her! Dieser noch schwache Sämling entpuppte sich als eine ganz herrliche Gartenglockenblume, die über einen langen Zeitraum blüht. Ich stellte damals bald fest, dass diese Glockenblume nicht wuchert und auch keinerlei Samen ausbildet, sich obendrein äußerst gartenwürdig benahm.

Von Dr. Hans Simon aus Marktheidenfeld stammt jene weitum bekannte und hervorragende, rot blühendeAnemone japonica ‘Pamina‘. Da ich in jenen Jahren Mozarts Zauberflöte eine Zeitlang bis zum Exzess hörte, kam mir der Hohepriester Sarastro in den Sinn, der sich zu Beginn als böser Herrscher aufführte, sich dann aber zum guten Geist entwickelte. Genau dieser Wesenszug entsprach meiner Glockenblume! Sie war steril, säte sich also nicht aus. Außerdem wucherte sie nicht, benahm sich insgesamt als äußerst gartenwürdig. Im Rosengarten von Seitenstetten erlebte man ihr wahres Können, dort stand sie im barocken Stiftsgarten vor einer Gruppe von Rosa gallica ‘Versicolor‘. Mindestens acht Jahre war sie zur Rosenblüte ein beeindruckender Blickfang, dann aber wurde sie weniger und musste durch andere Stauden ersetzt werden.

Schneidet man nach der Blüte die Rispen auf die Hälfte zurück, dann blüht ‘Sarastro‘ aus ihren Blattachseln erneut. Wenn auch dieser Flor am Ende ist, kannst du sie ganz zurückschneiden, was zum erneuten Blütenwachstum anregt, wenngleich dieser sich nur mit vereinzelnden Rispen zeigt und mit ihrer Hochblüte natürlich nicht zu vergleichen ist. Zum optimalen Wachstum und dauerhaft gutem Gedeihen empfehle ich dir, ihr einen sonnigen bis halbschattigen Standort zu verpassen. Ein offener, lehmig-humoser Boden mit reichlichen Kompostgaben trägt dazu bei, dass diese prächtige Staude zu einem Blickfang wird, wo dich alle darum beneiden! Und denke auch an die Schnecken, und zwar rechtzeitig! Diese solltest du gleich im März mit einem bekannten, biologischen Schneckenkorn bekämpfen. Und es sei hier noch einmal verdeutlicht, dass der berühmte Kranz aus Schneckenkorn um deine Hosta, Glockenblumen und sonstigen Leckerbissen nur wenig nützt, hingegen breitwürfig im ganzen Garten sehr wohl eine gute Wirkung besitzt.

Übrigens wurde die Sarastro-Glockenblume in Chicago als die weltweit beste Glockenblume für Beete gekürt! Hätte ich sie damals patentrechtlich schützen lassen, wäre mir mit den Jahren sicher nicht wenig Kleingeld zugeflossen, aber irgendwie widerstrebt mir, Leben zu patentieren. Ich entschied mich damals aber dafür, meine Gärtnerei nach ihr zu benennen, so wie es in Großbritannien und Holland vielfach üblich ist. Sarastro-Stauden klingt doch treffender als Staudengärtnerei Kreß, oder? Dieser Entschluss hat quasi einen doppelten Werbeeffekt und jedermann denkt vielleicht ein wenig an uns, wenn er diese schöne Glockenblume in einem Garten sieht.

Es gibt Stauden, welche auch einem erfahrenen Staudengärtner einiges an Können abverlangen und sich eine erfolgreiche Vermehrung erst nach Jahren der Beobachtung und des Probierens einstellt. So geschehen mitPeucedanum longifolium, einer engen Verwandten zu unserem einheimischen Haarstrang Peucedanum officinale. Ich sammelte seinen reifen Samen an einer Passhöhe inmitten Bosniens vor rund 10 Jahren. Der Samen ging auf und ich pflanzte die wenigen Pflanzen in unsere Schaubeete. Dort erregten sie allgemeine Bewunderung, denn der filigrane Austrieb ist wirklich sehenswert und sehr beeindruckend. Doch um diesen tollen Doldenblütler einer breiten Käuferschicht zugänglich zu machen, genügten nicht die paar Exemplare in den Beeten, sondern es bedarf ständiger Nachzucht. Doldenblütler erfreuen sich allgemein immer größerer Beliebtheit, aber unser Haarstrang vom Balkan wollte und wollte nicht blühen, geschweige denn Samen ansetzen. Die Sommer waren bei uns zu kurz und der Boden anscheinend zu fett und zu schwer. Doch im letzten Jahr blühten sie alle gleichzeitig, auch einige Exemplare bei einem Freund in der Buckligen Welt, welcher mir dann den Samen schickte. Und die meisten gingen problemlos auf. Du musst wissen, dass der Staudengärtner gerade bei Doldenblütler auf frischen Samen angewiesen ist, vegetative Vermehrung ist bei vielen nur unergiebig, bei diesem Haarstrang sogar unmöglich. Nun, jetzt nach so vielen Jahren sind wir endlich in der Lage, dich ausreichend beliefern zu können!

Peucedanum longifolium im Austrieb, dahinter Silphium perfoliatum, die Kompasspflanze.

Und rechts ein blühendes Exemplar, die Rispen werden fast mannshoch.

Ewig hat man irgendwelche Ecken im Garten, die einer Überarbeitung harren und an denen man Hundertmal vorbeiläuft und man sich ungezählte Momente über ihren Zustand ärgert. So befand sich bei uns in der Gärtnerei eine kleine Abstellfläche für Kräuter und Gewürze im Frühjahr. Den Rest des Jahres diente sie niemandem, höchstens dem wachsenden Unkraut. Ein Kunde brachte mich vor Kurzem auf eine zündende Idee. Ich stand davor und beriet ihn über winterharte Kakteen, als mir der Gedanke einschoss, aus diesem unschönen Eck ein kleines Sukkulentenbeet zu gestalten.

Zunächst wurde die Fläche vom Unkraut befreit, dann kam 1/3 Landerde, 1/3 Sand und 1/3 Kies darauf. War doch mehr Arbeit, als ich dachte! Ich durchmischte die Haufen, so wurde eine Art Kakteenerde daraus. Irgendwo fand ich zerbrochene Tonscherben und einen Schwung alter Ziegel, mit denen ich das „Innenleben“ des Beetes gestaltete, um so Bezug auf die vorhandene Mauer zu nehmen. Dann wurde bepflanzt, in dem von jeder Kakteenart, die wir besaßen, ein Exemplar hineinkam. Du wirst sicher wissen, dass es eine Menge Kakteen gibt, die Temperaturen unter -20 Grad aushalten, ohne einzugehen. Vorausgesetzt, die Pflanzerde ist von mineralischer Beschaffenheit und der Standort ist sonnig und trocken genug.

Mein Platz war nicht sehr groß, darum musste ich mich beschränken, aber ein paar Mittagsblumen und einige andere Schmankerl mussten unbedingt noch dazu. Die Zwischenräume wurden mit Bimskies abgedeckt. Du könntest aber auch gewaschenen Quarzkies nehmen. Unten siehst du das Ergebnis, im rechten Bild die ganze Umgebung unseres neuen Sukkulentenbettes!

Die Kugellauche sind in den letzten Jahren zu einem Verkaufsschlager allerersten Ranges geworden. Liegt es daran, dass sie momentan in jeder Gartenzeitschrift propagiert werden ? Sie existieren doch schon wesentlich länger, oder? Besonders Allium ‘Globemaster‘ scheint den Kunden besonders angetan zu haben. Immer wieder werden wir gefragt, warum die Blätter schon während der Blüte gelb werden. Ganz einfach – weil er bereits einzieht! Dies ist Natur pur. Und wenn dir dies nicht gefällt, so schneide den gelben Blätterteil ganz einfach zurück. Wir machen dies seit einigen Jahren, weil wir so deiner Frage geschickt ausweichen und der Lauch wesentlich besser verkauft wird! Du weißt, heutzutage hat alles proper und abgeschleckt, absolut schädlings- und läusefrei, noch dazu aber BIO zu sein.

Übrigens verlangen diese großkugeligen „Läuche“ einen guten Gartenboden und ausreichende Kompostgaben, um jedes Jahr verlässlich zu blühen! Und so bekommst du mit der Zeit immer mehr dieser prächtigen Kugeln, die in deinem Garten eine wirkliche Augenweide darstellen.

Zur Zeit sind wir am Vermehren unseres großen alpinen Staudensortimentes. Wir nützen diese momentan kühle Sommerszeit, da wir so vor Verbrennungen und Vertrocknen gefeit sind. Alpine Stauden aus aller Welt erfreuen sich wieder zunehmender Beliebtheit. Überhaupt ist es immer wieder spannend, welche Stauden im kommenden Jahr die Favoriten sein werden!

Die Monate Mai, Juni und Juli sind auch von deinen Besuchen geprägt. So hatten wir im Juni einen Rekord an Busexkursionen zu verzeichnen. Es macht immer wieder großen Spaß, dich und deine begeisterten Gartenfreunde herumzuführen und in die Welt der Stauden zu verzaubern!

Schaust du auf unseren Veranstaltungskalender auf der Website, so wirst du uns am 7. Und 8. Juli im 300 –Seelen-Örtchen Unterliezheim zur Rosenschau finden. Dieses kleine Dorf befindet sich nördlich von Augsburg, nicht weit von Dillingen an der Donau. Dort organisiert der Obst- und Gartenbauverein Unterliezheim alle drei Jahre eine Rosenschau der besonderen Art, an der das ganze Dorf involviert ist. Ich kann dir nur raten, diese weite Strecke bis dorthin auf dich zu nehmen, es lohnt sich in vielfacher Hinsicht! Du kannst alle Details unter www.rosenschau.deabrufen. Es treffen sich dort viele Leute aus der Szene, die Rang und Namen besitzen! Nicht nur Staudenanbieter werden mit von der Partie sein, sondern auch Rosengärtnereien und ganz besonders auch Clematisspezialisten. Die Rosenschau in Unterliezheim ist eine der ganz wenigen Veranstaltungen, die Tausende Besucher magisch anzieht, obgleich sie quasi fast schon am Unzugänglichkeitspol Deutschlands liegt!

In unserem Schaugarten hat sich inzwischen wieder ganz was anderes getan. Aber mehr davon im nächsten Rundbrief.

Einstweilen sommerliche Grüße aus Oberösterreich!

Dein Staudengärtner Sarastro