Newsletter VII/2016 (Einige Neuheiten, Gartentage Kohfidisch)

Liebe Pamina, hallo Papageno!

Viel hat sich in der Zwischenzeit in der Gärtnerei und den Schaugärten getan, mit Sicherheit auch bei dir! Durch den massiven Regen war ich nicht immer in tollster Gartenstimmung, die Rosen blühten zum Teil sehr verwaschen, die Balkonblumen bräuchten viel mehr Sonne, alles wächst fürchterlich lang, man streift im Vorbeigehen daran, wird nass, die Triebe knicken um und alles hängt schlapp über. Aber zumindest kamen wir mit einem blauen Auge davon, was Hochwasser und Starkregen anbelangt, ganz im Gegensatz zu dem Chaos in nur 30 km Luftlinie Entfernung. Und auch stärkeren Hagel kennt zumindest unsere Region des Mittleren Innviertels so gut wie gar nicht, das bestätigen hier selbst älteste Mitbürger. Dafür wuchs uns das Unkraut im Phloxmuseum regelrecht davon und wir hatten in letzter Zeit sehr zu tun, es rechtzeitig auszureißen, ehe es sich versamt.

Nelken scheinen bei uns wieder modern zu werden, ganz besonders die guten, polsterbildenden Pfingstnelken. Du kannst sie an den Beeträndern als Einfassungspflanzen gebrauchen, wo sie nicht nur herrlich blühen, sondern noch dazu einen betörenden Duft verströmen. Hierzu fällt mir im Besonderen immer nur die eine Federnelke ein, die von Exkursionsmitglieder in einem Bauerngarten am Ohrid-See in Mazedonien Ende der 70er-Jahre entdeckt wurde. Ich kenne keine Nelke mit einem annähernd stark betörendem Duft! Sie ist extrem reichblühend, ihre rein weißen Blüten stehen auf kurzen, sehr stabilen Stängeln. Ein weiteres Plus ist in ihrer guten Polsterbildung zu sehen, denn es existieren unter den Aberhunderten Gartennelkensorten eine ganze Menge, die diese wichtigen Eigenschaft sehr vermissen lassen. Denn was nützt mir die tollste Blüte, wenn sie gakelig über einem struppigen Polster herumhängt? Ich denke hier immer wieder an die beiden historischen Sorten ‘Highland Queen‘ und ‘Elizabethan Pink‘, diese Blüten sind der Nelkentraum schlechthin, aber ihr Polster ist alles andere als schön!

Dianthus plumarius ‘Ohrid‘, eine der besten Duftnelken

Dianthus plumarius ‘Ohrid‘, eine der besten Duftnelken

In dieser Frühlingssaison fielen mir ganz besonders die folgenden Stauden auf. Phlox glaberrima ssp. interior hatte eine Leuchtkraft ohnegleichen. Du kannst ihn auch an schattige Stellen pflanzen, sozusagen als Füllstaude zwischen Funkien oder in frischen Boden unter Strauchrosen, nur sollte die Farbe mit anderen Stauden harmonieren! Und dann war da noch eine Dreimasterblume, die leuchtend quittegelb austreibt, später dann vergrünt, aber durch ihren dunkelvioletten Blütenkontrast in jeder Pflanzung auffällt. Woher ‘Sweet Kate‘ wirklich stammt, ist mir nicht bekannt, aber es lohnt sich, sie einmal auszuprobieren.

Beachte einmal den Salbei auf dem folgenden Bild. Ich fand ihn auf einer Verkehrsinsel. Er fiel mir auf, weil er über viele Jahre stabil war und außerdem neben seinen rosa Blüten kontrastreiche, dunkle Stängel aufwies. Aber das ist noch längst nicht alles! Dieser Salbei strotzte jeder Trockenheit, selbst letztes Jahr stand er tadellos vor einer Kapelle in der Nachbarortschaft und blühte dort über viele Wochen unter sengender Sonne. Besonders in der Früh hatte er eine Leuchtkraft ohnegleichen! Daher beschloss ich ihm den Namen ‘Eos‘ zu geben, was so viel wie Morgenröte bedeutet.

Storchschnäbel (Geranium ) existieren in zig Arten und Sorten. Was brauchen wir über 40 Sorten blaublühende Storchschnäbel, die sich nur geringfügig unterscheiden? Auch unter den Blutroten Storchschnäbeln (Geranium sanguineum) sind viele entbehrlich. Die Sorte ‘Elke‘ hat in der Zwischenzeit sehr berechtigt eine herausragende Stellung eingenommen, nicht nur durch ihren flachen Wuchs, sondern auch durch ihre großen, rosaroten Blüten, die einen leichten, weißen Rand aufweisen. Du kannst diese Sorte vielseitig einsetzen, sei es im klassischen Gehölzrandbereich, oder aber im Staudenbeet als Vordergrund-Eyecatcher.

Die zwei folgenden Sorten entstanden ebenfalls in unserer Gärtnerei. Eines Tages fand ich einen spontan aufgetretenen Sämling einer Katzenminze zwischen Trittplatten. Er fiel mir durch seine dichten Blütenrispen auf. Ich puhlte ihn heraus und pflanzte ihn in unser Neuheitenbeet. Es stellte sich heraus, dass dieser steril war, also durch keinerlei Selbstaussaat lästig wurde. Ich befand es ja immer als unverständlich, dass meine Nepeta ‘Blue Danube‘ in der Staudensichtung zwar drei Sterne als „Vorzügliche Staude“ bekam, aber sie sät sich ziemlich stark aus, was viele Gartler mit Berechtigung als negativ einstufen. So suchte ich nach einem passenden Namen für meine „Fugenkatzenminze“. Damals vor 3 Jahren bekamen wir Familienzuwachs in Form eines kleinen, schwarzen Katers, den wir Poseidon nannten. Ich gebe zu, ein Wassergott passt nicht gerade zu einer Katzenminze, aber dieser Name wird mich immer an diesen liebenswerten Strolch erinnern! Und Nepeta ‘Poseidon‘ gedeiht in herkömmlichen Staudenrabatten, zwischen Rosen oder auf trockenen Freiflächen gleichermaßen,denn sie ist eine Hybride zwischen Nepeta grandiflora und der bekannten Nepeta ‘Walker’s Low‘.

Und noch eine andere, eigene Neuheit möchte ich dir unbedingt vorstellen, sie hat mich angenehm überrascht! In einer Gruppe des aus Nordamerika stammenden Geranium maculatum fand ich einen braunblättrigen Typ, den ich ausgrub und weiter vermehrte, um ihn zu beurteilen. Nun aber gibt es ja schon bereits zwei oder drei braunblättrige Sorten, ich maß also diesem Sämling zunächst nicht allzu viel Bedeutung zu. Aber seine Blüte wurde dunkelviolett, außerdem war er wüchsig und reichblühend. Maria Ell, eine Kollegin von mir, gab ihm den Namen ‘Schokoprinz‘. Leider ist das Bild denkbar nichtssagend, ich verabsäumte leider ein besseres zu machen. An einem halbschattigen Standort zwischen Funkien oder vor immergrünen Gehölzen kommt dieser noch sehr neue Storchschnabel am besten zur Geltung!

Links Neptea 'Poseidon', rechts Geranium maculatum 'Schokoprinz'

Ich könnte dir noch mancherlei Neuheiten vorstellen, eigene und „Zuagroaste“. Aber auch das bewährte sollte man nicht unerwähnt lassen. Ochsenzungen sind zur Blütezeit ein Traum, jeder deiner Freunde möchte sie besitzen. Aber bedenke, dass sie gar nicht so dauerhaft sind, wenn du nicht einige grundlegende Tipps beachtest. Anchusa italica, die Ochsenzunge ist ein Kind des Südens und schätzt einen warmen, sonnigen Standort in gutem Boden, der jedoch keinerlei Staunässe aufweisen darf. Und jetzt kommt der springende Punkt: du musst sie unbedingt gleich nach der Blüte noch im Juni kappen, also etwa zwei Handbreit über dem Boden abschneiden, damit sie sich gut bestockt. Ansonsten blüht sie sich zu Tode und bildet keine Seitenrosetten.

Rechts im Bild siehst du Veronica stellerii. Ich kenne diesen Ehrenpreis schon sehr lange, seit meiner holländischen Zeit, schenkte ihm aber nie sonderliche Beachtung. Hier bei uns sind immer wieder Teppich bildende Stauden gefragt, die reich blühen und für den Rest des Jahres zumindest ein ordentliches Aussehen aufweisen, damit sie neben ihrer Verwendung in Steingärten auch auf Friedhöfen zum Einsatz kommen. Hierzu kannst du diesen Ehrenpreis getrost hinzuzählen, den wir heuer erstmalig in Kultur nahmen. Anfang Juni stehen die violetten Blütenkerzen dicht an dicht, das Polster ist flach und ansehnlich dunkelgrün.

Zum Abschluss möchte ich dir noch kurz von Kohfidisch erzählen. Um es vorweg zu nehmen, diese Gartentage waren ein Riesenerfolg, was für eine Erstveranstaltung nicht immer so selbstverständlich ist. Das Schloss Kohfidisch liegt im südlichsten Burgenland, im Südosten Österreichs, ganz nahe der ungarischen Grenze. Zunächst war meinerseits ein klein wenig Skepsis angesagt „Wer sollte wohl dort in diese gottverlassene Ecke schon hinkommen?“. Doch wer wagt, gewinnt, denn das Gegenteil war der Fall, es kamen eine große Menge netter und kauffreudiger Besucher aus nah und fern, alle waren vom Ambiente und dem gediegenen, ausgesuchten Ausstellermix äußerst angetan. Die allgemeine Stimmung war wunderbar und sehr entspannt, ich freue mich schon sehr auf das kommende Jahr, natürlich auch auf den köstlichen Burgenländer Wein! Und überall solch verträumte Winkel im Schlossgelände, man fühlte sich fast in die Kaiserzeit versetzt! Ich kann dir diese Veranstaltung nur wärmstens empfehlen, ihr prophezeie ich eine große Zukunft, wenn diese Voraussetzungen so bleiben, wie wir sie antrafen.

Unten im Bild neben mir erkennst du Tina Schabhüttl, welche mit der Schlossbesitzerin Sarah Keil die Idee hatte, endlich auch im Burgenland niveauvolle Gartentage zu veranstalten.

Im Juli ist es bei uns in der Gärtnerei im Allgemeinen ruhiger. Wir topfen und vermehren, rücken zusammen, jäten und bringen den Schaugarten auf Schuss. Ende Juli, ab dem 25. findet unsere Veranstaltung „Lauter Phlox“ statt. Eigentlich ist es ja keine Veranstaltung, denn die Phloxe blühen ja so oder so. Und eine Menge Sorten beginnen durch die feuchtwarme Witterung bereits schon jetzt mit ihrer Blüte. Auch die Taglilien stehen fast schon in Vollblüte. Du bist also jederzeit herzlich bei uns willkommen!

Einen schönen Sommer wünscht dir dein Staudengärtner Sarastro!
Christian H. Kreß und Mitarbeiter

 

Viele Grüße/ Best regards/ С уважением