Newsletter VIII/2013 (Neue, eigene Indianernesseln, einige Doldenblütler)

Liebe Pamina, hallo Papageno!

Man sollte glauben, dass die Wünsche bei den Indianernesseln bezüglich Farbe, Wuchsverhalten und weiteren Aspekten inzwischen alle abgedeckt wurden. Weit gefehlt! Neben der unglaublichen Farbpalette von Rot über violette Töne, Weiß und Rosa stehen uns zudem Zwergsorten und hohe Hintergrundsorten zur Verfügung. Doch wie steht es um diesen lästigen Mehltau, der die meisten der schönen Sorten nach einigen Jahren befällt? Wie dauerhaft sind denn deine Indianernesseln? Ich empfehle den Kunden immer ein regelmäßiges Verpflanzen in nicht zu schweren Boden, versorgt mit einer gehörigen Kompostgabe. Dies danken Indianernesseln mit einem vitalen Wachstum, der Mehltau stellt sich erst viel später im Jahr ein und nicht zur Blütezeit. Solche „Müllerburschen“ ergeben kein ästhetischen Anblick, wie es schon Karl Foerster treffend formulierte, nur meinte er damit in erster Linie den Rittersporn.

Von Ewald Hügin nahm ich schon vor langer Zeit eine Indianernessel-Wildart mit, die sich durch nahezu mehltaufreies Wachstum auszeichnet. Jene Monarda fistulosa ssp. menthaefolia besitzt dunkle Stängel, hat schmale Blättchen und relativ langweilige, lockere, hellrosa Blütenquirle, mit der man hierzulande keine Bäuerin überzeugen kann! Nebenbei sind jedoch die Blüten und jungen Triebe dieser Wildart aber in der Küche als ganz hervorragendes Pizzagewürz zu gebrauchen. Jeder Oregano verblasst vollkommen gegen jene ätherischen Öle dieser Indianernessel aus den Weiten der USA! Auch diese angenehme Eigenschaft musste sich erst in der hiesigen Schweinebraten-Gesellschaft durchsetzen.

Ich pflanzte sie probehalber in eine Ecke unserer Schaugartenprärie, wo sie ihr Dasein neben Rudbeckia fulgida ssp. sullivantii ‚Goldsturm‘ und hohen Veronicastrum fristete. Wenig später wurden weitere Indianernesselsorten in vordergründige Lücken gepflanzt, sie nahm ich einst von Piet Oudolf mit. Ihre indianischen Namen klangen sehr vielversprechend, einige bewährten sich sogar über viele Jahre, wie beispielsweise ‚Mohawk‘ . Bis ich dann zwischen den Rudbeckien einige Sämlinge entdeckte, die durch ihren niederen Wuchs, den schmalen Blättern und den unvergleichlichen Duft von Monarda fistulosa auffielen, aber in den Farben und in ihrer Blütengröße wesentlich mehr überzeugten. Und das Ungewöhnliche war, dass sie jedes Jahr immer prächtiger und schöner wurden, keinerlei Auswintern oder Rückwärtswachsen wie bei anderen Sorten! Der beste Nebeneffekt neben ihren kontrastreichen, dunklen Stängeln aber war, dass sie sich nahezu ohne Echtem Mehltau präsentieren.

Was Neuheiten anbelangt, bin ich ein sehr kritischer Mensch, längst nicht so detailverliebt wie andere Zeitgenossen. Vieles, was wir an Sorten auslasen, wurde später wieder verworfen. Nur deutliche Unterschiede haben das Privileg, sich am Markt zu behaupten, ist zumindest meine Meinung. Zuviel ist unterwegs, was seinen Namen nicht verdient. Selbstverständlich harren auch meine neuen Monarden erst dem Prüfstein des Marktes. Aber im Garten haben sie die Bewährung bestanden, denn nach über 7 Jahren Dauerhaftigkeit entschloss ich mich, sie doch zu vermehren und ihnen Namen zu verpassen. Nachdem Piet damals etliche Indianerstämme der Prärie in seinen Sorten verewigte, muss ich mir doch was anderes einfallen lassen. Noch ist ja Zeit dazu!

Und hier siehst du einige unserer Auslesen, die spontan bei uns entstanden, die sich inmitten von Rutenhirsen, Goldruten und Sonnenhüten über Jahre behaupteten. Im letzten Rundbrief schrieb ich dir von einigen Doldenblütlern. Einige sind sehr dauerhaft und werden jedes Jahr schöner, so unser inzwischen heiß begehrte Haarstrang aus den Bergen Bosniens. Andere wiederum kannst du als kurzweiliges Vergnügen selbst im Garten ansiedeln. Orlaya grandiflora gehört dazu. Aber Vorsicht, dass diese nicht überhand nehmen! Zum Glück lassen sie sich leicht entfernen. Die Gattungen der Herkulesstauden und Engelwurzen beherbergen zweijährige und ausdauernde Arten. Auch hier sind wir am testen und ausprobieren. Eine herrliche, ostasiatische Art ist Angelica taiwanensis mit ihren sehr frühen, grünlichgelben Blütendolden. Angelica gigas ist inzwischen allseits bekannt durch ihre unvergleichlich schönen, weinroten Dolden. Im Hintergrund deines Teiches oder zentral im Beet findet sicher auch bei dir einige dieser Solitärstauden Platz, die nicht nur durch ihre Imposanz überzeugen, sondern auch aus nächster Nähe unglaublich reizvoll sind! Und es lassen sich ungeahnte Effekte erzielen, wie ich dir im Bild unten zeigen möchte!

Übrigens blüht unser Tagliliensortiment momentan aus allen Stücken! Wir vermehren rund 150 moderne und ältere Sorten, größtenteils von deutschen und österreichischen Züchtern. Du kannst in diesem Fall auf vollkommen robuste und widerstandsfähige Sorten für deinen Garten zurückgreifen. Besonders die Selektionen von Franz Erbler aus Bad Hall in Oberösterreich zeichnen sich durch klare Farben und hoher Reichblütigkeit aus. Dies sind äußerst wichtige Faktoren, denn so manche hoch gezüchtete Sorte aus den Südstaaten der USA eignet sich in unseren Gärten nur bedingt, wenngleich ihre Farben und Formen zu den Wundern der Pflanzenzucht zählen. Wachstumsdepressionen und mangelnde Härte schmälern die Freude dieser Sorten.

Dies war ein kurzer, sommerlich geprägter Brief. Schon in den kommenden Tagen verreise ich in Sachen Phlox wieder gen Nordosten. Später mehr hierzu! Im August findest du uns in Maikammer in der Weinpfalz. Dort findet einer der wenigen Pflanzenmärkte im Hochsommer statt. Hoffentlich ist es nicht wieder so heiß, wenngleich die Pfälzer die Hitze viel mehr gewohnt sind als die Bayern oder Österreicher. Falls du im Großraum Karlsruhe-Saarbrücken-Frankfurt zuhause bist, würde es mich freuen, dich dort anzutreffen. Maikammer ist sehr idyllisch, neben einer tollen Umgebung findest du eine phantastische Pflanzenauswahl vor!

Jedenfalls würde ich mich sehr freuen, dich bei uns begrüßen zu dürfen! Ein Abstecher ins malerische Salzkammergut oder eine Bergtour lohnt sich bei diesem Wetter auf jeden Fall!

Der Versand der Stauden beginnt wieder, sobald eine kühle Wetterphase ins Land zieht, spätestens jedoch ab dem 10. September!

Hochsommerliche Gartengrüße von Sarastro!