Newsletter vom Juni 2010 (Termine, Gartentage etc.)

Liebe Gartenfee!

Dieses Mal möchte ich lieber nicht über das Wetter sprechen, sondern über andere schöne Dinge, die dich sicher interessieren werden.

Da wären beispielsweise die Gartentage, welche landauf landab regen Zuspruch finden. Ihr Ursprung ist in England zu finden, einem Mutterland der Gartenkultur. Vor rund 15 Jahren waren Gartentage auf dem Kontinent kaum zu finden. Den Beginn machten Courson in Frankreich und Bingerden in den Niederlanden, die heute noch in ihrer damaligen Form bestehen, Freising, Seitenstetten, Erfurt, Illertissen, Pommersfelden, Hannover, Fulda und viele andere folgten alsbald.

Was aber unterscheidet gute von schlechten Veranstaltungen? Heutzutage hält ja jeder Schlossbesitzer seine Gartentage ab und so manche dubiosen Eventmanager wagen sich in dieses Metier, um schlicht nur abzucashen. Wenn du an Gartentagen mehr als die Häfte der Aussteller mit Pflanzen antriffst, so kannst du davon ausgehen, dass der Besucher zufrieden gestellt sein wird und ein breites Angebot vorhanden ist.

Zwischen März und Oktober könnte ich praktisch jedes Wochenende an irgendwelchen Gartentagen unterwegs sein, größtenteils an Veranstaltungen, die diesen Namen gar nicht verdienen. Stell dir vor, da ziehen „professionelle“ Organisatoren über 150 Aussteller an Land! Und von denen haben ganze 10 % etwas mit Garten zu tun. Wenn Schmuck, Halbedelsteine, angerostete Utensilien, ja sogar Barbiepuppen feilgeboten werden, hat dies nichts, aber auch gar nichts mehr mit Gartentagen zu tun! Und darum habe ich mich schon vor Jahren entschlossen, nur noch zu solchen Veranstaltungen zu fahren, die den Namen „Gartentage“ oder „Pflanzenmarkt“ verdienen. Hier kommt der Besucher voll auf seine Kosten, kann sich Vorträge anhören und findet Gleichgesinnte in einem stimmungsvollen Ambiente. Es wäre noch viel über diese Gartentage zu berichten, sind sie in letzter Zeit doch zu wichtigen überregionalen Treffpunkten geworden, an denen Neu- und Seltenheiten angeboten werden.

In 10 Tagen werden wieder die Seitenstettener Gartentage stattfinden. Ich habe erlebt, wie dort aus kleinsten Anfängen die bedeutendste Veranstaltung in Österreich entstand. Viele meiner in- und ausländischen Kollegen freuen sich jedes Jahr lange im Vorhinein, wenn wir uns dort gemeinsam einfinden. Wundervolle Rosenbeete sind mit Stauden unterpflanzt, in vielfachen und fantasiereichen Kombinationen. Ein üppiger Kräutergarten kannst du ebenfalls bestaunen. Du wirst dieses Jahr die Rosenblüte witterungsbedingt allerdings erst in ihren Anfängen erleben. Ach ja, falls ich dir etwas mitbringen soll, so schreibe mir möglichst schnell!

Blühten bei dir die blauen Corydalis in diesem Jahr auch so wunderbar? Durch das regnerische und kühle Wetter der vergangenen Zeit war dies eine wahre Wonne. Wir unterscheiden ja drei Gruppen an Lerchensporn. Die einen bilden Knollen (Corydalis solida ssp. transsylvanica), die anderen wachsen zu Horsten (Corydalis elata), die dritten besitzen dünne Rhizome (wie C. flexuosa).
Die allermeisten der blau blühenden Lerchensporne schätzen humosen Boden in einem kühlen, schattigen Umfeld. Menge dem Boden etwas Torf bei, dies hilft für eine idealere Bodenstruktur, die diese Stauden aus Ostasien lieben. Besonders gartenwürdig sind die Sorten und Abkömmlinge von Corydalis elata, da diese sommergrün sind, also nicht einziehen. ‘Spinners‘ ist einer von ihnen, er leuchtet zwischen den Funkien in einem Lilablau, C. omeiensis ist ganz ähnlich und der schönste ist der eisblaue ‘Craighton Blue‘, den ich von einem lieben Kollegen aus Schweden im Tausch bekam.

Der Juni ist der Storchschnabelmonat schlechthin. Die vielen Sorten des Braunen Storchschnabels (Geranium phaeum) mit ihren mückenschwarmgleichen Blüten stehen eben noch in Vollblüte, da erblühen schon bald die ganzen anderen Beetgeranium. Wenn durch das nasse Wetter der letzten Wochen deine Storchschnabel zu lange Triebe bekamen, die nun unschön darnieder liegen, dann warte ab, bis diese verblüht sind und schneide sie gleich danach bodeneben ab. Der frische, kompakte Austrieb der Blätter erfreut dich bis in den Herbst!

Die Fußballweltmeisterschaft findet zum ersten Mal in Afrika statt, genauer gesagt in Südafrika. Von dort kommt eine große Anzahl an winterharter Stauden, seien es nun Zwiebelpflanzen oder andere Gewächse der höheren Regionen, besonders der Drakensberge. Mir haben es besonders die Mittagsblumen (Delosperma) angetan. Schon länger beschäftige ich mich mit ihnen, wir haben durch Tausch und Samen vom Naturstandort schon eine umfangreiche Sammlung aufgebaut. Man kann es gar nicht oft genug betonen, dass der mineralische Anteil des Bodens überwiegen muss, um sie gut über den Winter zu bekommen. Einige Arten sind bei uns vollkommen winterhart und auch gegen Regen unempfindlich, ja sie säen sich sogar selbst aus! Favoriten hierbei sind ‘Gold Nugget‘, D. basuticum, D. ‘John Proffitt‘ und besonders meine rosa blühende ‘Pink Zulu‘.

In einem neu gestalteten Teil der Gärtnerei erprobe ich nun alles, was mir in die Finger kommt. Manche der Arten und Sorten sind nässeempfindlich, andere halten mehr aus. Ein Trick bei nässeempfindlichen Arten: pflanze diese am Fuß einer Hecke, die zu jeder Zeit das überschüssige Wasser abzieht.

Wenn du überständige Gräserhorste besitzt, dann kannst du diese jetzt noch auseinanderteilen. Vergiss aber nicht, diese etwas zurückzuschneiden und vor allem anzugießen!