Newsletter X/2019

Liebe Pamina, hallo Papageno!

Wir befinden uns inmitten der Asternzeit. Um diese Fülle uns zu vergegenwärtigen und sie begreifbarer zu machen, pflanzten wir nahezu unser gesamtes Sortiment samt Neuzugängen auf ein extra Fleckchen Land in unserer Staudengärtnerei. Das ist unglaublich wichtig für uns, um schlechte Sorten aufzulassen und auch für dich als Besucher, um Neuheiten gegenüber älteren Sorten zu vergleichen und dass du in Ruhe nach deinem Geschmack auswählen kannst. Schließlich will man ja seine Stauden auch einmal in ausgewachsener Größe in voller Pracht bewundern, ganz pragmatisch hintereinander und nicht nur in einer Pflanzung. Ein weiterer Sinn liegt auch darin begründet, dass wir wieder zu gesundem Vermehrungsmaterial kommen möchten. Zu Beginn stand alles sehr weit auseinander, inzwischen stoßen sich die Sorten gegenseitig mit ihren ausladenden Blütenzweigen an und man kommt kaum mehr durch!

Aster vimineus ‘Loveley‘

Neben vielen gezüchteten Sorten kultivieren wir eine Menge an Wildastern und auch Hybriden aus diesen. Ich sage absichtlich Aster und bleibe auch dabei, spreche nicht von Doellingeria oder Symphotrichum, was dich vielleicht nur unnötig verwirrt. In unserem Webshop stehen diese neuen Gattungsnamen der Korrektheit wegen in Klammer, um dem botanischen Fortschritt Rechnung zu tragen. Reine Wildastern lassen sich ebenfalls problemlos in jedem Garten unterbringen, sei es in klassischen Beetsituationen oder ausschließlich in ihren arttypischen Lebensbereichen. Die Engländer handelten in dieser Weise schon immer ungezwungener und probierten allerlei Farbkombinationen aus. Obgleich beispielsweise Aster linosyris eigentlich in eine Steppenpflanzung hinein gehört, bei Christopher Lloyd stand sie neben einer Dahlie. Und Aster maackii bekamen wir von den Kurilen, eine Inselgruppe nördlich von Japan, ihre leuchtend azurblauen Blüten möchte ich nie mehr missen! Mehltau ist bei ihr ein Fremdwort, sie wächst mit der Zeit zu flächigen Horsten heran. Dasselbe gilt für Aster turbinellus. Gib dieser zierlichen Aster unbedingt eine ausgeglichene Nährstoffversorgung, denn sonst bekommt sie schnell kahle Stängel und ist dann nicht mehr schön anzusehen. Aber ein ausgewachsenes, gesundes Exemplar erfreut dich über viele Jahre!

Die alte Foerster-Sorte Aster novi-belgii ‘Rosenquarz‘, in ihrer ganzen Fülle!

Eigentlich wollte ich dir ausschließlich die Sorten und den Formenkreis um die Bergaster (Aster amellus) und der nahe verwandten Aster thompsonii vorstellen, aber dann besann ich mich doch eher der „Oberflächlichkeit“. Einige Sorten von Aster amellus sind entweder falsch im Umlauf oder kaum mehr aufzufinden und daher wahrscheinlich auch gar nicht mehr existent. Seit Jahren werden beispielsweise ‘Butzemann‘ und ‘Veilchenkönigin‘ von Staudengärtnereien als zwei unterschiedliche Sorten geführt, ich sehe beim besten Willen keinen Unterschied. Beide stammen sie aus dem Hause Foerster aus Bornim, was hatte er sich damals bei ihrer Entstehung nur gedacht?

Aber anstatt sich darüber weiter den Kopf zu zerbrechen, sollten wir viel lieber ein Loblied auf Aster x frikartii ‘Wunder von Stäfa‘ singen. Die Schweizer Staudengärtner und Staudenliebhaber haben dies schon sehr lange erkannt, schließlich stammt diese Sorte von Frikart in der Schweiz, dort ist sie nach wie vor das Paradepferd unter den Astern. Im Topf ist sie allerdings ein ausgesprochener Besen, passt demzufolge überhaupt nicht in ein straff geführtes Gartencenterprogramm, wo alle Pflanzen sich in einer optimierten Größe blühend präsentieren sollten. ‘Wunder von Stäfa‘ ist ein gutes Beispiel einer Staude, die dir ihre inneren Qualitäten erst nach einigen Jahren offenbart. Denn sie wird zu einer halbrunden Hochform auflaufen und zu einem Blickfang allerersten Ranges erblühen. Ihre Farbe wird vielleicht nicht sofort Gefallen finden, ihre Schwestern ‘Mönch‘ und auch ‘Jungfrau‘ entsprechen viel eher dem tiefen Blau eines Gebirgshimmels im Spätsommer. Dieses Asternwunder besitzt eher das etwas stumpfe Blau des Himmels nach einem Gewitter, eher graublau. Wenn du durch unser Ziegeltor schreitest, dann siehst du sie gleich rechts neben einem gelbblättrigen Hopfen, der mir jedes Jahr aus dem Ruder läuft und alles plattmacht. Aber die Aster, die beherrscht die Situation perfekt.

Im Gewächshaus laufen die Verkaufspflanzen unserer Chrysanthemen bereits zur Hochform auf. Warum aber stehen die im Gewächshaus, wo die doch winterhart sein sollten, wirst du dich berechtigt fragen. Nun, das ist denkbar einfach zu erklären, doch für die meisten vordergründig nicht ganz nachzuvollziehen. Eine Topfkultur bedeutet niemals dasselbe wie ein ausgepflanztes Exemplar im freien und offenen Boden deines Gartens! Würden wir unsere Chrysanthemen, die sich in 9×9 cm und 11×11-cm-Töpfen befinden, auf unseren Freiflächen so wie Geranium und Phlox aufstellen, dann hätten wir im Frühjahr nur tote Pflanzen, trotz Vliesabdeckung! Sie sind im Topf im trockeneren, kalten Gewächshaus bestens aufgehoben und wurzeln dort nach unten, du bekommst ausschließlich kräftige und gesunde Ware. Übrigens können auch Gartenchrysanthemen ohne Probleme im Herbst gepflanzt werden, du solltest sie nur nicht abschneiden!

Gartenchrysanthemen wurden vor allem auf ihre Winterhärte selektiert und haben überhaupt nichts mit den kaum winterharten Schnitt- und Topfchrysanthemen zu tun. Die Blüte einer guten Freilandchrysantheme sollte außerdem Frost bis – 3 Grad spielend wegstecken. Und sie ist in der Lage, über die Jahre vieltriebige, breite Horste zu bilden, also dauerhaft zu sein. Wir haben im Laufe der Jahre ein beachtliches Sortiment zusammengetragen, bewährte Sorten, welche über hundert Jahre alt sind, aber auch brandneue Züchtungen, beispielsweise aus Frankreich oder Zufallsfindlinge aus verschiedene Gärten. Du kannst zwischen niederen Vordergrundsorten und hohen Beetchrysanthemen wählen, zwischen einfachblühenden, halbgefüllten und solchen mit tief gefüllten Blüten. Bedenke auch die insgesamt enorm lange Blütezeit der Gartenchrysanthemen! Während einige Sorten schon im August ihre Blüten öffnen, blühen die meisten Sorten von Mitte Oktober bis Anfang November, ja einige noch später, wie zum Beispiel ‘Himbeerrot‘ oder ‘Emperor of China‘. Chrysanthemen sagte man in den vergangenen Jahrzehnten wie auch vielen Astern ein etwas altmodisches Flair nach, aber ich möchte dich nur an die Hortensien erinnern, welche gerade wieder eine große Renaissance erleben. Auch sie galten lange Zeit als altbacken.

Warum Herbstpflanzung? Ich hatte dir dies schon ein paar Mal verdeutlicht, es schadet aber nicht, sich dies nochmals vor Augen zu führen. Nicht nur in Zeiten einer immer bedrohlicher werdenden Klimakrise, wo das Frühjahr heißer und trockener wird, sondern vor allem wegen des im Herbst noch warmen und feuchten Bodens macht eine Herbstpflanzung eine Menge Sinn. Die Stauden wurzeln problemlos ein und sind den im Frühjahr gepflanzten einen gehörigen Sprung voraus. Außerdem befinden sich derzeit die meisten unserer Stauden in voller Pracht und können viel leichter miteinander kombiniert werden, weil sie sich nicht eingezogen zeigen. Wir bieten dir den Service in der Gärtnerei sehr gerne, in dem wir deine ausgesuchten Stauden auf einem freien Platz so aufstellen, dass du mithilfe eines anschließend geknipsten Bildes bei dir zuhause sehr leicht alle am entsprechenden Ort in optimaler Kombination und mit dem richtigen Pflanzabstand nachpflanzen kannst. Zuhause etwas tiefer pflanzen als gewohnt, einmal angießen und fertig! Herbstpflanzungen laufen meist wesentlich entspannter ab.

Warum aber sind sehr viele Gartenbesitzer von den Vorzügen einer Herbstpflanzung abgerückt? Unumstößliche Tatsache ist, dass die große Menge an Gartenbesitzern spätestens am 1. November geistig mit dem Garten abgeschlossen hat. Dies zu ändern ist wahrlich ein schwieriges Unterfangen. Der Hauptgrund aber liegt meines Erachtens woanders, nämlich in den Gartencentern und Baumärkten, welche im Herbst nicht mehr das volle Programm fahren und eher mit Sonderangeboten ihre ohnehin geringe Auswahl noch vor dem Winter an den Mann/die Frau bringen möchten. In einer Sortimentsgärtnerei verhält es sich dagegen genau umgekehrt: wir bieten dir im Herbst das komplette, frisch vermehrte Sortiment, die Gärtnerei präsentiert sich gerade in den Herbstmonaten so einladend wie noch nie und du kannst wahrlich nach Lust und Laune schwelgen. Bestimmte Raritäten, für die wir inzwischen einen Namen haben, sind im Herbst viel eher erhältlich, im Frühjahr sind sie dagegen recht schnell ausverkauft.

Einige deiner Freunde argumentieren stets damit, dass der herannahende Winter die im Herbst gepflanzten Stauden vorzeitig schädigt und wollen deswegen keinerlei Risiko eingehen. Dies stimmt, wenn man an winterharte Kakteen, Yucca, Federgräser, Strauchmalven, einige nässeempfindliche Alpine und in rauen Lagen auch Fackellilien und Mittagsblumen denkt. Sie sollten besser im Frühjahr gepflanzt werden. Aber bei vielen anderen Stauden kann man jedoch ohne Bedenken den Herbst als die optimale Pflanzzeit in Betracht ziehen. Früher wurden Obstbäume, Rosen und Ziergehölze nahezu ausschließlich im Herbst gepflanzt. Jetzt besinnt man sich wieder darauf und erkennt den tieferen Sinn einer Herbstpflanzung.

Endlich ist es an der Zeit, dir noch einmal den Werdegang unserer „Insekteninsel“ vorzustellen, zumindest das, was nach genau einem Jahr dabei herausgekommen ist! Und ich darf dir sagen, das Resultat sei zur Nachahmung empfohlen und das in jeglicher Hinsicht. Wenn man bedenkt, dass mein Nachbar und ich genau am 10. Oktober des Vorjahres das Beet bepflanzt haben, dann ist es schon sehr erstaunlich, wie schnell sich die meisten Stauden in nur einem Jahr entwickelten.

Hier noch einmal in lockerer Reihenfolge die Entstehung und Bepflanzung dieses Staudenbeetes, das von vielen Insekten dankbar angenommen wird. Auch die Passanten erfreuen sich über die entstandene Blütenpracht inmitten der dörflichen Idylle, trotzdem dominieren Asphalt und Beton. Die Pflege beschränkte sich in diesem Jahr auf zwei kurze Pflegegänge und gelegentlichen Rückschnittmaßnahmen von Verblühtem.

Aufbringen von Langzeitdünger in Form von Hornmehl auf die wohlvorbereitete Fläche von rund 150 qm.

Die Oberfläche wird eben gerecht. Wir schreiben den 10. Oktober 2018

Das Austeilen der Stauden erfordert Zeit, sowie Erfahrung und eine Menge Fingerspitzengefühl. Es sollte auf die unterschiedlichen Blütezeiten, sowie auf Strukturen und Texturen geachtet werden. Noch ist Zeit zum Umgruppieren!

Sind die Stauden gepflanzt, muss nur noch angegossen werden!

Unser Insektenbeet vor rund drei Wochen!

Unser Insektenbeet ein Stockwerk höher, von unserem Balkon aufgenommen, am 28. September diesen Jahres!

Und zum Schluss darf ich dir noch eine kleine Überraschung unterbreiten:

Du weißt vielleicht, dass wir gut die Hälfte unseres Umsatzes über unseren Webshop abwickeln. Wir stehen derzeit kurz vor der 10.000 ten Bestellung im Online-Shop. Diese wird ziemlich sicher noch im Laufe des Monats Oktober erfolgen. Wenn der Zufall es will, dass du es bist, der die Nummer 10.000 erreicht, bekommst du deine komplette Bestellung umsonst geliefert, als Wertobergrenze € 150,00! Bin schon sehr gespannt, wer es sein wird! Wir werden dann deine Bestellung mit der Nummer 10.000 fotografieren und mit deinem Einverständnis hier im Rundbrief veröffentlichen.

Auf jeden Fall wünsche ich dir noch einen sonnigen Herbst! Hier habe ich momentan eine riesige Baustelle rund um unseren neuen Pavillon. Davon aber schreibe ich dir später mehr!

Dein Staudengärtner Sarastro

Christian H. Kreß und Mitarbeiter