Newsletter X/2013 („Auf zu neuen Ufern: Gemüsebeete mit Stauden, neue Beete erstellen, etc.)

Liebe Pamina, hallo Papageno!

„Auf zu neuen Ufern“ heißt ein Slogan, der in der Werbewirtschaft gerne benutzt wird. In der Staudenverwendung sind neue Ufer nur ganz wenige in Sichtweite, es scheint offenbar alles ausprobiert worden zu sein. Trotzdem kam mir dieses Jahr auf einmal die Idee, jede Menge Gemüse in einem neuen Staudengarten zu integrieren. Gar nichts Neues, wirst du bemerken! Stimmt allerdings, wenn man hierbei nur an den Rotblättrigen Grünkohl oder den buntstieligen Mangold denkt, welche auf diversen Landes- und Bundesgartenschauen großflächig verwendet wurden.

Meine Grundidee war aber trotzdem eine gänzlich andere. Ich wollte mit dem Gemüse zwischen meinen Stauden besonders junge Leute nachhaltig zum Garteln animieren! Nicht dort das zwanghafte, auf langweilige Beete reduzierte Gemüse im hintersten Gartenteil und hier das repräsentable, ständig statisch wirkende Staudenbeet wie in England, welches jedem gefallen muss. Die Lücken wurden statt mit Geranium einfach mit Salaten bepflanzt, dort eine Reihe Poree, hier Tagetes, dann eine Gruppe Rote Rüben. Mir ist vollkommen klar, es ist dies ein gewagter Versuch, der auch zum Scheitern verurteilt sein kann. Doch hat sich bis jetzt alles so positiv entwickelt, dass ich dir heute darüber berichten möchte. Entscheidend wird das kommende Jahr sein, wo die Lücken von neuem mit Gemüsesetzlingen belegt werden. Jäten muss ich hier wie dort, aber ich muss mir doch tatsächlich noch einen Fruchtfolgekalender erarbeiten!

Auf dem ersten Bild siehst du eine wohlvorbereitete Fläche in der Gärtnerei, versehen mit gutem Kompost und zusätzlichem Langzeitdünger, auf der ich begann, die unterschiedlichsten Einfassungspflanzen auszulegen. Die bestanden aus Frauenmantel (Alchemilla epipsila), Ysop, Sedum, Heuchera, Lavendel, Bergenien, Bergminzen. Danach wurden die Zwischenräume bepflanzt, zuvor jedoch einige markante Solitärstauden verteilt. Damit möglichts bald ein lustiges Blühen startet, integrierte ich das allseits bekannte Verbena bonariensis. Alles wuchs ganz gehörig, auch das Unkraut. Da kamen mir meine Leute zur Hilfe, damit den Sommer über auch alles recht proper und professionell wirken soll. Durch den raschen Wuchs schloss sich der Boden sehr schnell, bedingt durch die gründliche Bodenvorbereitung und die vorhandenen Nährstoffe.

Rote Rüben, Salat, „Innviertler Radi“ und andere gute Dinge

Die Wege werde ich wohl noch mit Klinker oder einem anderen frostfesten Belag ausstatten müssen, sonst beschwerst du dich, wenn an deinen Schuhen unnötig der Lehm haftet! Übrigens haben wir schon jede Menge Rote Rüben, Salat, „Innviertler Radi“ und andere gute Dinge geerntet. Der Ruccola blüht und blüht, dahinter die violette Aster dumosus, mit Petersilie umgarnt.

Sehr angetan war ich in letzter Zeit von einer Sorte Kübelpflanzen aus Südafrika, die Schopflilien (Eucomis). Einige Arten vertragen sogar einiges an Frost und sind in sehr milden Gebieten fast als winterhart zu bezeichnen. So jedenfalls im milden, badischen Freiburg. Ihren eigenartigen Blütenständen wegen werden sie auch Ananaslilien genannt. Sie laufen im Hochsommer zur  Hochform auf und verfärben sich nach ihrer Blüte dunkel, um dann bis in den Spätherbst hinein sehr dekorativ auszusehen. Anschließend warte ich immer, bis Dauerfrost eingesetzt hat, um sie dann in ein Kalthaus zu räumen, ganz ähnlich wie deine Agapanthus! Du kannst die Schopflilien auch direkt im Beet zwischen Prachtstauden integrieren und im Spätherbst wieder ausgraben. Puristen werden sie mit Schmucklilien, Montbretien und Kniphofien vereinen, obgleich ich gerade dies eher stupide finde, denn bekanntlich ist in der Pflanzenverwendung der Fantasie keine Grenze gesetzt. Sei daher spielerisch im Umgang mit deinen Pflanzen und beachte nur die grundlegendsten Dinge. Wir lernten noch die Faktoren Licht, Luft, Wasser, Erde, die Basis aller Dinge.

Würdest du bei den dunkellila Blüten unten rechts auf einen Ehrenpreis tippen? Eine sehr außergewöhnliche Staude, die mit ihren langen Ranken in der Bergwelt Japans über feuchte, schattige Felsen wächst. Außergewöhnlich sind ganz besonders die dunkellila Blüten in den Blattachseln, die schon von weitem auffallen. Veronicastrum villosulum könntest du ähnlich wie in der Natur auch in deinem Garten verwenden, aber wer besitzt schon Felspartien im Garten? Keine Angst, diesen Ehrenpreis kannst du auch als Bodendecker im Gehölzbereich zwischen Funkien und Co. verwenden. Die Blätter sind wintergrün und verfärben sich rötlich in der kalten Jahreszeit.

Bewusst am richtigen Ort gepflanzt kann jede Staudensonnenblume eine ungeahnt imposante Wirkung erzielen, egal welche Sorte. Diese Gattung beherrscht im gesamten Oktober unseren Schaugarten derart, dass man langsam schon regelrechte Platzangst bekommt, wenn der gewohnte Weg durch den Garten durch seine eigenen Pflanzen immer mehr zuwächst. Aber ratzfatz hast du damit einen Strauß gebunden, ein paar Sonnenblumen mit Astern und einigen Hostablättern, schon ist der Weg wieder frei. Ich bin eben nicht der Meinung, dass reine Solitärstauden immer als Hintergrundpflanzen fungieren, sondern brechen jegliche Norm, wenn sie sich am Wegrand zeigen. Dies gilt übrigens auch für manches Ziergras, welches dich beim Vorbeigehen elegant umschmeichelt.

Hingegen an einem ganz anderen Ort sähen sich jedes Jahr zwei Pflanzen aus, welche dich an einem Wegesrand zur Verzweiflung bringen würden! Die Eselsdistel (Onopordon acanthium) ist so was von dekorativ und derartig stachelig, dass ich sie vor Jahren in den Hintergrund eines Kiesbeetes pflanzte. Daneben steht eine Gruppe zweijähriger Echinops sphaerocephalus, deren Samen ich übrigens im Osten Österreichs sammelte. Gleich daneben ging die Dritte im Bunde auf, eine Königskerze aus der trockenen, anatolischen Hochebene. Durch puren Zufall entstand so ein sehr harmonischer Dreiklang. Streng aufrechte Blütenschäfte, Kugelformen und bizarre Verästelungen. So etwas kannst du in deinem Garten durchaus realisieren, in dem du die Sämlinge gewähren lässt und nur dort korrigierend eingreifst, wo  Eselsdistel, Echinops und Königskerzen einmal zu sehr überhand nehmen. Über diese Art zu gärtnern werde ich dir im ausgehenden Winter noch sehr ausführlich berichten, denn es wird darüber ein Buch darüber erscheinen!

Oktober ist eine Zeit der Ernte, aber auch eines Neubeginns für das kommende Jahr. Auch so manches Staudenbeet sollte durchaus einen Neustart wagen. Im Hochsommer nahm ich einen Spaten zur Hand und grub an einem Samstagnachmittag alles aus, was sich darin befand. Meine Angestellten motzten zwar, weil etlicheHemerocallis, Veronicastrum und  Phlox gerade jetzt so schön seien. Dazwischen wucherte allerdings die weißbunte Form von Carex alba, die ich in einem Anflug von Euphorie am Rande pflanzte und jetzt alles andere mit ihren Rhizomen durchzog. Schön ist sie ja, in einem abgegrenzten Brunnenring, und wenn, dann   nur im Frühling, wenn sie aus der Ferne so leuchtend weiß  strahlt. Und wenn ich mir etwas Neues einbilde, dann hat dies gleich eine durchschlagende Wirkung in Form von Tatendrang. Über den weiteren Verlauf dieses Inselbeetes werde ich dir natürlich ausführlich berichten! Nach der schweißtreibenden Arbeit kam jedenfalls eine Busexkursion aus Bayern mit jede Menge wissbegieriger Damen, denen ich gleich über Sinn und Zweck der guten Bodenbearbeitung aufklärte.

Der Oktober ist wie der September ein zweiter Frühling. Diese Zeit nützen wir aus, in dem noch sehr viele Pflanzen getopft und vermehrt werden, wo es im Sommer zu heiß war. Diesen zweiten Frühling kannst du ebenfalls ausnutzen, in dem wie früher nach alter Väter Sitte nicht nur Obstbäume gepflanzt werden, sondern auch die allermeisten Stauden, einschließlich der Blumenzwiebeln. Wir halten für dich ein breites Sortiment an Zwiebeln in kleinen Säckchen abgepackt bereit, die ohne Weiteres bis in den November hinein in den Boden gebracht werden können – um dir den Frühling vorzubereiten. Und über die derzeitige Pracht der Astern und Gräser hier in der Gärtnerei brauche ich gar nicht erst zu schwelgen!

Herzlichst
dein Staudengärtner Sarastro