Newsletter XI/2021

Liebe Pamina, Hallo Papageno!

Diese Tage zieht eine Kaltfront über unser Land hinweg, unangenehm beim Arbeiten, aber für die Jahreszeit nichts Ungewöhnliches. In den höher gelegenen Regionen des Salzkammergutes fiel der erste Schnee. Aber es soll ja wieder etwas wärmer werden, was mir nur recht sein kann, denn ich bin im Begriff, ein kleines Megaprojekt anzugehen, vielleicht mein letztes, für uns doch großes Vorhaben!

Ich muss hierzu etwas ausholen. Noch nie erzählte ich dir davon, dass wir uns in unserer Staudengärtnerei platzmäßig sehr beengt fühlen, was die Stellflächen zum Kultivieren unserer Stauden anbelangt. Immer wieder haben wir ganze Bestände von Staudentöpfen zu rücken und umzustellen, damit die Gattungen und Sorten alphabethisch beieinanderstehen, denn es hat ja keinen Sinn, durch den Verkauf entstandene Löcher aufzufüllen, man bekäme mit der Zeit ein heilloses Durcheinander. In einer Sortimentsgärtnerei sieht es ohnehin immer etwas „unordentlich“ aus, weil so viele unterschiedliche Arten und Sorten kultiviert werden, da sollte das Chaos nicht noch größer werden.

Und so entschloss ich mich diesen Sommer kurzerhand, einen Teil des hinteren Schaugartens zu eliminieren und daraus neue Stellflächenbeete zu bauen. Dazu musste das Schlangenbeet schweren Herzens weichen, all die Allium ‘Globemaster‘ und jene wunderschönen, hohen Sonnenblumen waren auf einmal Geschichte? Ich ließ einen Bagger auffahren und aus der Fläche entstanden 12 geräumige, neue Stellfächen-Beete, die nun langsam mit Staudentöpfen befüllt werden. Wir sind bestrebt, sämtliche Präriestauden, beispielsweise auch alle Doldenblütler und natürlich das komplette Phlox – und Asternsortiment alphabethisch hintereinander zu stellen. Ich gebe zu, hierin ein Ordnungsfanatiker zu sein, aber das Herrichten von Aufträgen geht bedeutend rascher über die Bühne, wenn die Quartieretiketten hintereinander in einer Reihe übersichtlich nach dem Alphabet stecken. Denn auch du als Kunde findest dich auf diese Weise wesentlich leichter zurecht. Auf den rechteckigen, großen Etiketten befindet sich neben den deutschen und botanischen Namen, sowie einer Kurzinfo auch der QR-Code, mit dem du mit deinem Mobiltelefon an Ort und Stelle zur ausführlichen und bebilderten Information in unserem Onlineshop gelangst. Meine Damen bemühen sich zudem redlich, die ersten drei Reihen Stauden mit kleinen Stecketiketten zu versehen, so hast du beim Auswählen gleich den korrekten Namen und ein wenig Info über die jeweilige Staude. Keine Staude ohne Namensschild, das haben mich meine französischen Pflanzenfreunde vor vielen Jahren gelehrt! So macht das Einkaufen und Auswählen Spaß und man weiß auch in ein paar Jahren, welche Staude man erworben hat. Denn nichts ist frustrierender als Rätselraten, welches denn diese blau blühende Staude mit den lanzettlichen Blättern war, die du letztes Jahr bei mir kauftest!

Aber die Erweiterung unserer Stellflächen ist nicht jenes Megaprojekt, welches ich soeben erwähnte! Man sollte auch als Staudengärtner immer um Jahre vorausschauen und die richtigen Zeichen setzen. Falls du noch nie in unserer Gärtnerei warst, wirst du nicht wissen, dass sich gleich daneben eine Ackerfläche von einem knappen Hektar befindet, welchen ich seit kurzem längerfristig dazu gepachtet habe. Und aus dem Großteil dieses Ackers möchte ich einen Schaugarten gestalten, der uns allen zur Freude dient, welcher unsere Stauden in ausgewachsenem Zustand präsentiert und der aber auch hoffentlich kreative Staudenverwendung auf die verschiedenste Art aufzeigen soll. Nebenbei natürlich auch der Erprobung von Neueinführungen! Noch in diesem Herbst kommt eine Einfriedung um das gesamte Grundstück, dann möchte ich wenigstens noch die Rasenflächen realisieren. Und dann sollten noch diesen Herbst einige Gehölze ihren Platz bekommen. Ich entschloss mich, die Beete wiederum inselförmig zu gestalten. Mit der endgültigen Staudenbepflanzung lasse ich mir noch Zeit, denn die guten Gedanken reifen bekanntlich unterm Arbeiten. Du wirst dich fragen, ob Sarastro nicht ohnehin mit Arbeit eingedeckt ist, womit du natürlich Recht hast! Aber ich habe vor, speziell für den Schaugarten eine(n) MitarbeiterIn einzustellen, welche hoffentlich mit der Pflege und dem Umgang mit Stauden auch Freude aufbringt. Und dir ist ja sicher auch bekannt, dass mit zunehmendem Älterwerden eines Staudenbeetes die Arbeit geringer wird und sich dann nur noch auf Rückschnittmaßnahmen oder Umpflanzaktionen beschränkt. Mir schwebt als Idealbild einer Staudengärtnerei samt Schaugarten nach wie vor Beth Chatto in Colchester/England vor, jene Grand Dame, die ich mit ihrem einzigartigen Enthusiasmus noch persönlich kennenlernen durfte und deren Lebenswerk du jederzeit besichtigen kannst. Aber zurück ins Innviertel, ich lasse dich auf jeden Fall beim Entstehen dieses Gartens teilhaben, denn jegliche Entwicklung und Präsentation unserer geliebten Stauden ist und bleibt äußerst spannend!

Einige mir unbekannte Neuzugänge von Aster novi-belgii, die ich mir aus England direkt von dortigen Staudenzüchtern schicken ließ, überraschten uns durch ihre üppige Blüte, sowie durch kontrastreiche Farben. Besonders beeindruckt hat mich die ausladende Aster ‘Glow in the Dark‘ mit ihren dunklen Stängeln und den rosalila Blüten. Die kleine ‘Very Small Ness‘ dagegen muss ich später unbedingt am Rande eines Beetes ausprobieren, denn sie wird nicht höher als eine Kissenaster, zählt mit ihrem schmalen Blättern jedoch eindeutig zu den Neubelgischen Astern. Auch ‘Cyclamenlila‘ hat eine ungewöhnliche, lilarote Farbe, ist standfest und blüht über einen langen Zeitraum. Von Eugen Schleipfer stammt die schon ältere, leuchtendbonbonrote ‘Shoplifter‘. Man sollte meinen, es gäbe doch genug rote Astern, aber hier sind schon Unterschiede vorhanden, denn erstens ist Rot nicht gleich Rot, und zweitens kommt es hier auch auf die Länge der Blütezeit an. Beispielsweise blüht ‘Royal Ruby‘ als eine der Ersten in tiefstem, auffälligem Rubinrot auf, verblüht mir persönlich jedoch bei warmem Wetter viel zu schnell. Dann schon eher die alte ‘Crimson Brocade‘, die mit ihrem satten Rot und den relativ großen Blüten nie enttäuscht.

Auch unter den blauen Astern konnte ich manches Neue ausfindig machen. Eine Überraschung für jedermann war ganz besonders Aster novi-belgii ‘Cordula Goldenbow‘, welche du gleich hier unten in ausgewachsenem Zustand im Bild bewundern darfst. Ich bekam sie von Markus, einem guten Freund aus dem Eichsfeld in Thüringen. Schon seine Großmutter hatte diese Aster zu DDR-Zeiten schätzen gelernt, ihre Entstehung liegt allerdings im Dunkeln verborgen. Bis wir wissen, ob es sich bei dieser fantastischen, großblumig blauen Aster tatsächlich um eine alte Sorte handelt oder ob es doch „nur“ ein erstklassiger Zufallssämling ist, behält sie diesen Namen, ein Wunsch im Sinne seines Finders! Kennzeichnend ist auch das gesunde, breitlanzettliche Blattwerk, was darauf schließen lässt, dass es wir es hier wohl eher mit einer alten Asternsorte zu tun haben.

Über ‘Dauerblau‘ hatte ich dir im vergangenen Jahr schon einmal geschrieben. Eine vollkommen einfache, mittelblaue Sorte, die in ihrer Schlichtheit und enorm langer Blütezeit alles andere in den Schatten stellt. Erleben durfte ich dies, als ich sie ins Sortiment aufnahm, denn sie war immer noch schön anzusehen, als alles anderen Astern bereits vergangen und verblichen war. Ein wunderbares Beispiel einer guten Sorte, welche Karl Foerster mit seinem sehr kritischen Auge vor vielen Jahrzehnten selektierte. In diesem Jahr war es übrigens ganz fantastisch anzusehen, in welcher großen Anzahl Pfauenauge und Admiral gerade die Astern aufsuchten. Dies ist nicht jedes Jahr gleich!

Wenn du dir vorstellst, dass die Asternblüte insgesamt sich von Juli bis Ende Oktober erstreckt, dann ist dies doch enorm, oder? Unser Wildasternsortiment kann sich übrigens sehen lassen! Besonders möchte ich dir die Auslesen von Aster ageratoides ans Herz legen. Wir haben seit vielen Jahren Aster ageratoides ‘Ashran‘ an einer Stelle unter einer Zierkirsche im Schaugarten, welche diese Wildaster vollkommen ausfüllt. Sie blüht von August bis tief in den Herbst hinein.

Falls bei dir Aster novi-belgii Probleme machen, Asternwelke bekommen oder anfällig auf Mehltau sind, probiere es mit den Sorten von Aster novae-angliae. Sie enttäuschen selten, allerdings kämpfen wir mit einer mangelnden Durchwurzelung des Topfballens. Ich bin leider noch nicht dahintergekommen, warum dies so ist, wahrscheinlich liegt es an unserer Topferde. Mit dieser topfen wir unser gesamtes Sortiment, wohlgemerkt mit unterschiedlichen Zuschlagsstoffen wie Bims oder grobem Flusssand.

Apropos Topferde. Hier bin ich zugegebenermaßen sehr konservativ, bleibe bei meiner Linie und wage keine Experimente! Ich habe seit Beginn an in dieser Sache eine Art Gratwanderung beschritten. Aber welche Anforderungen sollte denn ein Staudengärtner an sein Substrat stellen? Das Wichtigste ist eine ausreichende Strukturstabilität, was für den Laien jetzt sicher ein wenig abstrakt klingt. Die Topferde sollte auch nach Monaten nicht ausgelaugt sein, wasser- und luftdurchlässig sein und zudem die Fähigkeit besitzen, Nährstoffe in Form von Dünger jedweder Art aufzunehmen und diesen zu halten. Und genau deswegen beinhaltet unsere Topferde Kompostanteile, sowie wichtige Tonminerale. Durch das Versenden unserer Stauden darf unsere Topferde allerdings auch nicht zu schwer sein, sonst würdest du dich über höhere Versandkosten beklagen. Durch einen nicht zu hohen Anteil an Kompost ist eine gute Durchwurzelung der Töpfe gewährleistet. Unsere Erde ist zwar keine Bio-Erde, jedoch mit unter 30 % Torfanteil so stark torfreduziert, dass ich sie ohne Weiteres als Biosubstrat zertifizieren lassen könnte! Mein Bestreben ist es allerdings, in Zukunft gänzlich ohne Torf auszukommen, ich wäre auch der erste, der sich von diesen unnötigen Plastiktöpfen verabschieden würde, gäbe es einen geeigneten, verrottbaren Topf! Aber da sind die Topfhersteller leider noch sehr weit weg davon, es gab Resultate, die jedoch unbrauchbar waren, weil sie sich entweder als unansehnlich erwiesen oder nicht sehr langlebig waren. Zumindest verwenden wir kommendes Jahr die Recyclingtöpfe. Du weißt ja bereits, dass du die gebrauchten Töpfe (9×9, 11×11 und 13×13 cm) jederzeit bei uns vorbeibringen darfst, diese verwenden wir immer mehrmals.

Kommendes Jahr werde ich außerdem zwei mir sehr wichtige, botanische Reisen unternehmen. Wann und wohin, das werde ich dir jedenfalls noch früh genug verraten. Ich freue mich schon jetzt sehr darauf, vor allem, wenn ich dir die Bilder in Form eines Vortrages später irgendwo im Lande zeigen darf.

Ach und übrigens! Die 40-Jahre-Firmenfeier bei Miranda und Hans Kramer (De Hessenhof) war nicht nur für das Jubelpaar ein voller Erfolg (trotz Covid-19-Beschränkungen!), sondern eine tolle Veranstaltung in einer wundervollen Gärtnerei, die mit ihrem Sortiment ihresgleichen sucht. Ich konnte eine Menge Freunde und Bekannte treffen, auch von früher und ich hätte es zutiefst bereut, wenn ich nicht dabei gewesen wäre! Denn dieses internationale Flair liebe ich über alles! Mit mir waren einige Kollegen aus Deutschland und Belgien zugegen, leider fehlten mir besonders die Engländer, aus wohl bekannten Gründen. Am Abend wurde natürlich gehörig gefeiert. Ich nahm mir vor, keine Stauden von Hans mitzunehmen, aber aus diesem eher schwachen Vorhaben wurden 5 volle Kisten! Warum sollte ich denn auch anders ticken als die meisten aus unserer Umgebung? Auch Hans fand damals zu unserem 20-jährigen Jubiläum auf die genau gleiche, erfrischend begeisternde Art eine Menge Stauden, die nun sein Sortiment bereichern, das ist doch so umwerfend bereichernd und schön!

Mein neuestes Werk „Liebe Pamina, hallo Papageno – Briefe eines Staudengärtners“ erfreut sich regen Zuspruchs, was mich natürlich sehr freut. Deine FreundInnen kaufen es meist bei einem Gärtnereibesuch oder lassen es sich mit einer Pflanzensendung schicken, selbstverständlich stets mit einer persönlichen Widmung! Sicher konntest du inzwischen beim Lesen entdecken, dass es sich bei den einzelnen Kapiteln nicht jedes Mal um den Original-Rundbrief handelt, sondern dass dieser nochmals überarbeitet und aktualisiert wurde!

Ansonsten wünsche ich dir einen ruhigen und schönen Herbst!

Dein Staudengärtner Sarastro