Newsletter XI/2014 (Alternatives Gemüsebeet, Zier-Schnittlauch, Sisyrhinchium)

Liebe Pamina, hallo Papageno!

Jetzt muss ich dir noch einmal die Entstehung unseres alternativen Gemüse-Staudenbeetes erläutern, da mich doch immer wieder Freunde von dir in der Gärtnerei danach ausquetschen. Die Grundidee lag ja darin, besonders jüngeren Leuten wieder das Pflanzen und Aussäen, also das pure Gärtnern nicht nur vorzuführen, sondern auch wieder schmackhaft zu machen, im wahrsten Sinne des Wortes. Ich sehe mit Schrecken der Zeit entgegen, wo im täglichen Leben jeglicher Handgriff computergesteuert vonstatten geht und nebenbei verlieren wir die einfachsten Dinge, weil sie aus Bequemheit oder Unwissenheit einfach nicht mehr gemacht werden. Sprich – der Mensch wird unweigerlich und zusehends denaturierter, er kann kaum mehr mit Spaten und Hacke umgehen und weiß immer weniger mit dem Jahreszyklus und den dazugehörenden Arbeiten etwas anzufangen. Kurz und gut, es sollte ein blumiges Beet werden, wo alles gepflanzt wird, was gefällt und obendrein darf dabei auch noch geerntet werden!

In der Gärtnerei stand uns eine brachliegende Fläche von etwa 150 qm zur Verfügung, welche Jahre zuvor mit Mutterpflanzen besetzt war. Zuvor wurde eine gehörige Portion Ackererde und anschließend Kompost angefahren und verteilt, in erster Linie, um das Niveau auszugleichen, da nach Starkregen immer wieder Wasser stand. Ein Freund von mir fräste anschließend die Fläche sehr gründlich, so dass ich schließlich optimale Pflanzbedingungen vorfand. Ich schrieb dir ja schon zu Beginn des Jahres, dass sich einige Einfassungspflanzen bestens bewährten.

Hier kannst du anhand der Bildfolge unschwer den Wegeverlauf erkennen, welcher gradlinig verläuft und noch darauf wartet, einen entsprechend schönen Belag zu bekommen. Jegliche Bepflanzung auf den einzelnen Feldern zwischen den Wegen wurde aus dem Bauch heraus gewählt, so steht Petersilie neben Astern, Phlox vor dunklen Heucheras, Rettich überall, wo Lücken entstanden. Und vor allem stand ich mir auf frischen Wintersalat! Ja, der ewige Kampf gegen die Schnecken, auch diesen hatten wir zu bestreiten. Zu Beginn dieses Jahres hielt sich die Schneckenplage in Grenzen, es war ja ein recht trockenes Frühjahr. Dann aber, ab Juni ging es plötzlich hart auf hart und so manche Serie an Gemüsejungpflanzen konnten wir von neuem setzen, da die vorherigen über Nacht regelrecht abgesäbelt wurden.

Unten links unser „alternatives Gemüsebeet“ im zweiten Jahr. In der Zwischenzeit bekam ich von einem befreundeten Bauern sogenannte „Kleehülfen“, mit denen zu früheren Zeiten in gebirgigen Regionen, aber auch bei uns Heu und Klee zum schnelleren Trocknen aufgehängt wurde. Diese gaben dem Beet Form und Struktur. Von Anna bekam ich Feuerbohnen und ich besorgte von meinen Freunden Clematis Herian einige kletternde Schönheiten, die sich aber erst entwickeln müssen. In der Zwischenzeit entwickelten sich einige Stauden zu ihrer vollen Pracht. Kalimeris, die Schönastern blühten über Wochen und Monate. Falls du etwas vollkommen robustes brauchst, dann kann ich dir diese Schönaster empfehlen, sie ist gesund und vollkommen mehltaufrei. Auch Veronicastrum japonicum ist ein erstplatzierter Schlager, vollkommen unverwüstlich. Du siehst diesen Hohen Ehrenpreis unten rechts, gleich daneben steht eine kleine Gruppe von Winterzwiebeln (Allium fistulosum). Dies ist eine uralte Kulturpflanze, die aus Ostsibirien stammt und den letzten 200 Jahren auch bei uns auf großen Feldern kultiviert wurde. Sie ist nicht nur schmackhaft, sondern mit ihren cremeweißen Blütenkugeln auch noch äußerst dekorativ. Gleich davor erkennst du im Bild gerade noch den überaus dekorativen, weißbunt panaschierten Kren (Armoracia rusticana ‘Variegata‘). Hierzulande nennt man ihn „Häuslkren“, da sein außerordentlich hoher Nährstoffbedarf offenbar nur in der unmittelbaren Umgebung von Plumpsklos und Misthäufen gedeckt wurde. Ganz so wörtlich brauchst du dies nicht nehmen, es tut’s durchaus auch ein kräftiger Lehmboden. Ganz im Hintergrund eine Gruppe des Broncefenchel, welch ungeahnt große Möglichkeit wir mit dieser filigran anmutenden Zweijahrespflanze doch besitzen! Und dann steht da noch Sellerie und eine geniale Lokalsorte eines Rettichs, der sogenannte Moosleitner-Radi!

Natürlich dürfen auch Wiesenknöpfe keinesfalls fehlen! Du kannst im Prinzip jede Sorte auswählen, doch gestehe ihr gebührend Platz zu, ob in Reih und Glied, oder in Einzelstellung. Nach ihrer Blüte kannst du sie auf die Hälfte zurückschneiden. Das Sortiment der Wiesenknöpfe ist inzwischen derart gewachsen, sodass wir auf eine monatelange Blütezeit von Juli bis Oktober aufbauen können. Und dann ist da noch der flatschig wirkende Meerkohl (Crambe maritima), dieses mittelalterliche Gemüse. Ihn durfte ich am Strand der Halbinsel Dungeness in Südengland in Natura erleben, bevor ich ihn gleich nebenan im inzwischen sehr bekannten Garten von Derek Jarman als dominantes Element sah. Aber nicht nur alte und neue Gemüsesorten prägen das Bild. Was wäre eine Pflanzung ohne dem Hohen Eisenkraut? Ich nenne dieses blau blühende Gakelzeugs auch gerne die „Landesgartenschaupflanze“, weil es beinahe auf jeder Gartenschau zu sehen ist, ähnlich Geranium ‘Rozanne‘ und einigen anderen Superdauerblühern. Ja, sie haben ihre Berechtigung, aber setze sie mit Bedacht und akzentuiert. Und ja nicht allzu massiv. Hier verhält es sich wie mit der Deko, ein Zuviel kann alles Positive zunichte machen.

Dies war auch schon der Bericht aus unseren Schaugärten. In wenigen Wochen ist der ganze Zauber vorbei, mein Winterliebling, der Zuckerhutsalat ist abgeerntet und im Keller eingeschlagen. Oder sollte ich ihn nicht doch besser einfach stehen lassen, so wie im letzten milden Winter? Für mich ist er fast schon zu einer Art Lebenselixier geworden, ein kolossaler Vitaminspender in der lichtarmen Zeit. Wir schneiden ihn in hauchdünne Streifen und waschen ihn nur wenig, damit möglichst alle Bitterstoffe erhalten bleiben. Ich lechze geradezu nach allem Bitteren! Und dann bereiten wir das Salatdressing folgendermaßen zu: wenig Balsamico-Essig, viel Rapsöl, einen Schuss Kürbiskernöl, ein klein wenig Senf, Salz, Pfeffer, etwas Liebstöckl, eine halbe Knoblauchzehe, etwas zerhackte Zwiebeln, aber von allem ja nicht zu viel! Mit Schlagobers und etwas Wasser so abschmecken, dass später der Salat weder langweilig, noch zu scharf schmeckt.

Eine Staudengattung, die mich von Beginn an begleitete, sind die Binsenlilien (Sisyrhinchium). Diese Gattung kommt besonders in der Südlichen Hemisphäre vor, also in Südamerika, Südafrika, Australien und Neuseeland. Aber ich entdeckte auch eine Art der Binsenlilie in den tropischen Hochlagen Sri Lankas. Diese große Gattung beherbergt eine Menge wunderschöne Arten, wobei sich bei vielen Arten immer wieder die Frage der Winterhärte stellt. Bei meinen ersten Englandtouren sammelte ich einige liebenswerte Arten und Sorten in verschiedene Gärtnereien. Ich war immer sehr skeptisch, was deren Winterhärte anbelangt und ich fragte stets nach, aber immer bekam ich die gleiche Antwort. Ja, natürlich seien sie hart, „fully hardy“! Leider traf dies für unser Klima in den seltensten Fällen zu. Aber bei einigen stellte sich doch heraus, dass sie erstaunlich hart waren, so zum Beispiel Sisyrhinchium macrocarpummit ihren großen, ockergelben Blüten. Oder natürlich auch S. angustifolium. Von ihr existieren gleich mehrere Formen, niedere und hohe Typen, welche, die nur kurz blühen, während andere über Monate ihre Blüten im Sonnenschein öffnen. Eine reich blühende Auslese ist ‘Lucerna‘, die durch Robert Herman aus den USA verbreitet wurde. Er entdeckte diese Form in der bekannten Alpenpflanzengärtnerei von Jakob Eschmann in der Schweiz und gab ihr im Nachhinein den latinisierten Namen der berühmten Schweizer Stadt. Alle mögen sie einen nicht allzu trockenen Standort, sie werden gärtnerisch durch Teilung oder Aussaat vermehrt. Pflege benötigen sie kaum, du kannst sie aber jedes Frühjahr die toten Blätter mit den Fingern ausstreifen.

Schnittlauch als Zierstaude? Ja, natürlich, aber selbstverständlich! Doch gleich der wichtigste Punkt: unbedingt nach der Blüte die Köpfe abschneiden, denn sonst säen sich diese farblich attraktiven Sorten brutal aus und verdrängen die echte Sorte. Die bekannteste Sorte ist die rosarot blühende ‘Forescate‘ aus Großbritannien, wo sie als Einfassungspflanze in vielen Cottagegärten zu bewundern ist. Inzwischen gibt es eine ganze Anzahl verschiedener Auslesen an Schnittlauch, die zur Blütezeit einen hohen Zierwert besitzen, um trotzdem auch als Küchenkraut Verwendung zu finden. Sicher, manche dieser Sorten besitzen wesentlich gröbere Röhren, die du aber lediglich feiner schneiden musst, denn geschmacklich bieten sie uns genug für unser Butterbrot. Du solltest aber wissen, dass Allium schoenoprasum nebst Sedum hybridum und einigen anderen Stauden zu denjenigen Pflanzen mit der breitesten Standortamplitude gehört. Was bedeutet dies für uns? Dass der Schnittlauch sowohl auf dem trockenheißen Dachgarten, als auch im nassen Wasserrand, in engen Trögen und im herkömmlichen Staudenbeet sein Auskommen findet. Aus Estland bekam ich von einem befreundeten Pflanzensammler den Riesenschnittlauch (Allium schoenoprasum ‘Major‘), mit breiten Blütenkugeln und einer Höhe von über 70 cm. Aber er wächst langsam und ziert sich leider in manchen Böden. Dann probiere lieber ‘Wallington White‘ aus. Denn diese reich blühende, aparte, grauweiße Sorte lohnt sich! Reinweiß blühen ‘Grasgrün‘, ‘Album‘ und ‘Corsican White‘, sie alle bleiben nieder und überschreiten kaum 20 cm. Diese Sorten eignen sich vortrefflich für Dachgärten. Wir bepflanzten damit unser riesiges Mostfass, wo sie nun schon seit einigen Jahren in trauter Eintracht mit Fetthennen und anderen Trockenheitskünstlern stehen.

Dekoration oder Effekthascherei? Stets stelle ich mir diese Frage von neuem, wenn ich mir das riesige Angebot an Deko-Artikeln an manchen Gartenmärkten betrachte.Und müssen es alte, verrostete Utensilien sein oder darf es auch was Neues sein? Wie hältst du es mit diesem Thema? Nach meinem Empfinden werten manche Accessoirs eine Gartensituation oder Pflanzung gehörig auf. Sobald diese aber zu dominant in Erscheinung treten oder der ganze Garten davon vollgestopft wirkt, stellt sich der eigentliche Sinn des Gartens und seiner Pflanzung automatisch und unweigerlich in den Hintergrund. Und dies finde ich doch sehr schade! Es ist wie bei der Musik. Ein schrilles Cover einer CD-Hülle macht noch längst keinen Inhalt, die innere Qualität offenbart sich dem Hörer erst nach und nach. Mir kommt vor, dass vielerorts alles eher nach allzu auffälligen Effekten gutiert wird.

Wir betrachten daher Accessoirs eher dahingehend, um eine einzelne Situation aufzuwerten, ja zu unterstreichen. Dabei darf natürlich unser Zwerg am Teichrand nicht fehlen, er ist inzwischen der Liebling vieler Besucher geworden, eine Art „Persiflage“ auf die Gartenzwerge. Allerdings zählen selbst Gartenzwerge ein Stück weit zur Gartenkultur, wenngleich nicht unbedingt zur meiner! Und wo die Kunst aufhört und zuviel Kitsch auf das Gemüt schlägt, beurteilst am besten du selbst!

Herbstliche Stimmung in unserer Gärtnerei

Herbstliche Stimmung in unserer Gärtnerei

Inzwischen präsentiert sich unsere Website in neuem Outfit. Ich konnte schon vernehmen, dass diese bei dir großen Anklang findet. Sie wurde von einem Webdesigner ansprechend und übersichtlich gestaltet. Dies freut mich natürlich sehr, denn es sind natürlich nicht unerhebliche Kosten, die auf uns zukamen. Du hast jetzt jedenfalls die Möglichkeit, unsere Website handy- tablet und smartphonegerecht zu empfangen. Über alle Neuigkeiten wirst du auf der Startseite informiert, beispielsweise was zur Zeit in der Gärtnerei blüht oder welche Veranstaltung findet wo statt. Falls du unsere neue Website noch nicht gesehen hast, so kannst du dies unter www.sarastro-stauden.com jederzeit tun. Für Kritiken und Anregungen von deiner Seite bin ich selbstverständlich sehr empfänglich!
Im Laufe des Novembers mache ich mich dran, weitere Bilder in den Onlineshop zu stellen und Neuheiten aufzunehmen und zu beschreiben.

Und immer wieder wird von deiner Seite nach einem Printkatalog gefragt. Lass uns bitte noch etwas Zeit. Vor wenigen Jahren noch wurde mir von allen Seiten eingeredet, dass man heutzutage einen Webshop zu haben hat und dieser unabdingbar wichtig und notwendig sei. Nun, wir haben dieser Entwicklung Rechnung getragen und sehr viel Muße, Geld und Zeit in diesen investiert, getextet und jede Menge Bilder hineingestellt. Kollegen von mir sagten damals, das man sich dadurch jeglichen gedruckten Katalog sparen würde. Wie es sich herausstellt, braucht man offenbar doch beides.

Bestellungen nehmen wir selbstverständlich auch weiterhin entgegen, denn solange der Boden offen ist, kann gepflanzt werden! Im Laufe des Novembers mache ich mich daran, weitere Bilder in den Onlineshop zu stellen, Neuheiten aufzunehmen und zu texten.

Unser Buch „Blackbox Gardening“ wurde zu einem vollen Erfolg und befindet sich bereits in der 2. Auflage. Wer hätte sich dies erträumen lassen? Dies freut mich insbesondere, weil es doch ein spezielles Thema ist. Ein Thema von vielen, mit dem du deinen Garten individuell gestalten kannst!

Ich wünsche dir jedenfalls weiterhin einen geruhsamen Herbst und ärgere dich nicht über zu viel Laubrechen, sondern sehe dies als meditativen und sinnerfüllenden Morgensport!

 

Herzlichst, dein Staudengärtner Sarastro

Viele Grüße/ Best regards/ С уважением

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