Newsletter XII/2020 (Karl Foerster 50. Todestag)

Liebe Pamina, hallo Papageno!

Heute möchte ich dir nicht über Corona vorjammern und auch nicht über das sehr wechselhafte Wetter reden. Der 50. Todestag von Karl Foerster bewog mich, dir einen etwas anderen Rundbrief zu schreiben, denn in vielen Gartenzeitschriften findet man über diesen bedeutsamen Gärtner und Gartenphilosophen derzeit leider herzlich wenig. Aber lies ihn dir einfach in einer Mußestunde durch!

Der Einfluss von Karl Foerster, was ich über ihn erfuhr und was von ihm übrigblieb

Wann erfuhr ich das erste Mal etwas von Karl Foerster? Da muss ich allerdings sehr weit ausholen, zurück bis in die Anfänge meiner Lehrzeit! Es war im November Mitte der 70er-Jahre. Damals wurde in meinem Lehrbetrieb Gärtnerei Grass in Laufenburg die Topferde noch selbst hergestellt. Das bedeutete, dass die groß angelegten Komposthaufen von Hand umgeschaufelt wurden, genau die richtige Arbeit für trübe Spätherbsttage. Wir, das waren an jenem Tag ein angestellter Gärtnermeister und ich als Lehrling. Heute würde man diese Art Arbeit mit einem Frontlader erledigen, allein wir hatten keinen und so wurde eben die menschliche Arbeitskraft dafür verwendet, als befänden wir uns scheinbar im 19. Jahrhundert. Dies war aber in den meisten, kleineren Betrieben damals noch durchaus üblich, der Kompost wurde per Schaufel durch größere Siebe geworfen, so blieben Holzstückchen, Bindedraht, Tontopfscherben und andere Utensilien zurück, was ja normalerweise nicht auf den Kompost gehört, wie jedermann wissen sollte (immer diese Floristen!). Und wenn man da so stundenlang vor sich hinarbeitet, sind Verschnaufpausen und kleine Schwätzchen vollkommen normal. Der Gärtnermeister stammte ursprünglich aus Sachsen, man konnte dies immer noch überdeutlich vernehmen! Er hatte erstaunlich gute Pflanzenkenntnisse und er erzählte mir zwischendurch, wo er früher überall gearbeitet und sich sein Wissen angeeignet hatte, von dem ich damals mitprofitierte. Geprägt hatte ihn besonders die Zeit als Gärtner in einer Staudengärtnerei in der Nähe von Potsdam, ein gewisser Foerster in Bornim. So erfuhr ich überhaupt das erste Mal von der Existenz einer Staudengärtnerei, noch dazu gleich einiges über Foerster.

Eigentlich wollte ich ja Orchideengärtner werden, in Ermangelung einer geeigneten Lehrstelle entschloss ich mich, meine Lehre in einem normalen „Gemischtwarenladen“ zu machen, wo Arbeiten im Garten- und Landschaftsbau, Friedhof, Binderei und Topfpflanzenkulturen anfielen. Diese Entscheidung war im Nachhinein goldrichtig, hier bekam ich die so wichtige Grundausbildung, die ja nie schadet, denn spezialisieren kann man sich später ja immer noch. Und dass es Staudengärtnereien sogar in meiner Nähe gab, sollte ich durch einen weiteren, puren Zufall erfahren. Eines schönen Tages fuhr ich mit meinem Mofa während einer Pflanzenjagd durch das nahgelegene Markgräflerland und sah an einem Ortsausgang ein großes Schild „Staudengärtnerei Gräfin von Zeppelin“. Da stand mein Entschluss auf einmal fest: diese enorme Pflanzenvielfalt war es, die mich faszinierte! Gräser, Farne, Alpenpflanzen, Blütenstauden aller Art, das alles gab es, auch in Form einer Gärtnerei! Aber das nur ganz nebenbei.

Im Laufe meiner anschließenden Praxisjahre in den unterschiedlichsten Staudengärtnereien lernte ich bald eine Menge Staudensorten kennen, die von Karl Foerster gezüchtet wurden und die bis heute zum Standardsortiment gehörten. Die meisten von ihnen besaßen klangvolle und fantasiereiche Sortennamen, die sich auch Laien merken konnten. Und dann kam mir nebenbei immer wieder zu Ohren, dass es offenbar eine große Anzahl an Personen gab, die man gemeinhin als „Foersterianer“ bezeichnete, als wäre dies eine Art Elitetruppe einer ganz besonderen Hochschule. Die meisten der älteren Staudengärtner wussten auf Anhieb, wer damit gemeint war. Anscheinend war dieser Personenkreis alles andere als klein und er hinterließ Spuren in allen Sparten des Gartenbaus, die nur irgendetwas mit Stauden zu tun hatten. Diese Leute hatten alle eines gemeinsam, sie arbeiteten oder lernten eine Zeitlang in Bornim und ließen sich dabei vom Erfahrungsschatz des großen Meisters inspirieren und beeinflussen, viele profitierten nachhaltig von ihrer Bornimer Zeit und gaben ihr Wissen weiter. Später entstanden daraus in der Szene wohlbekannte Namen, Professoren wie Richard Hansen, Leiter von Stadtgartenämtern wie Bruno Müller, Gartenarchitekten wie Gottfried Kühn oder Hermann Göritz, und natürlich jede Menge Staudengärtner, die teilweise später selbst Betriebsinhaber wurden. So sind die Namen Heinz Hagemann, Karl Wachter, Karl Seibert, Eva Bottke und Ernst Pagels auch heute noch bei vielen sehr präsent und ich durfte die meisten von ihnen im Laufe der Jahre selbst kennenlernen. Alle waren sie große Fachleute und Individualisten, offen und voller Enthusiasmus und trugen auf ganz persönliche Weise dazu bei, den Stauden den Stellenwert einzuräumen, den sie heute haben, ganz im Sinne Karl Foersters. Denn all diese vielschichtige Saat wäre nicht aufgegangen, hätte es KF nicht gegeben!

Und ich wurde von Jahr zu Jahr immer neugieriger, um welche Art von Persönlichkeit es sich wohl bei diesem Karl Foerster wohl gehandelt haben mag? Seine Bücher gaben ja schon eine Menge Aufschluss über sein Wirken und seine Philosophie. Das erste Mal hörte ich über ihn von Frau von Stein in Laufen, ich fragte sie eines Tages über Karl Foerster aus. Die Iris-Gräfin erzählte mir von einem Besuch Foersters in Laufen, dass er in jeder Hinsicht ein ganz außergewöhnlich Mann mit einer großen Ausstrahlung gewesen sei, der es wie wenig andere verstand, sein Gegenüber zu begeistern und in den Bann zu schlagen. Jahre später lernte ich dann auch den Freundschaftsinselgärtner Peter Altmann aus Potsdam kennen, ein Gärtner von zierlicher Statur, welcher fast ehrfürchtig wurde, wenn er von seinem riesenhaften Karlchen sprach, wie KF scherzhaft auf gut Berlinerisch von vielen Zeitgenossen liebevoll genannt wurde. Oder Konrad Näser zeigte in Grünberg aus früheren Jahren Bilder aus der Gärtnerei in Bornim, über die Zuchtziele, die Arbeitsweise damals und wie er nach dem Tode Foersters selbst Zuchtleiter wurde, um sein großes Werk weiterzuführen. Oder Uwe Peglow und Andreas Händel, die aus meiner Generation stammen, sie kannten Karl Foerster persönlich nicht mehr, aber auch sie arbeiten im Sinne Foersters.

Und auf einmal schloss sich mein Kreis wieder, denn in der Staudengärtnerei Gräfin von Zeppelin arbeitete Isbert Preußler, das war nämlich der ältere Bruder meines Mitarbeiters von damals in meiner Heimatstadt Laufenburg, übrigens ein begnadeter Mohnzüchter. Mit Isbert pflegte ich später über viele Jahre einen langen Briefkontakt, wo ich unter anderem weitere Episoden und Begebenheiten von und über Karl Foerster erfahren durfte. Als Isbert damals vor langer Zeit bei Foerster anfing, sagte der wenig später zu ihm: „Gewöhn dir endlich mal dieses Sächsisch ab!“

Die ersten Bücher von Karl Foerster las ich bereits Anfang der 80er-Jahre, es waren „Der Steingarten der sieben Jahreszeiten“ und „Einzug der Gräser und Farne in die Gärten“, dann später alle weiteren. Zugegeben sind manche seiner Bücher keine leichte Kost, es sind dies schon gar keine „Coffeetablebooks“ zum eben mal durchblättern und reinziehen, es sind auch keine pragmatischen Staudenwerke von A-Z, also für die meisten Hobbygärtner der heutigen Zeit ganz und gar ungeeignet, wenn man sich mit dieser blumenreichen, sehr romantischen und mit Zitaten geschmückten Sprache nicht identifizieren kann. Leider sind auch viele seiner Zitate wohl arg überstrapaziert worden, ohne jemals ihren tiefergehenden Sinn eingehend zu hinterfragen. Aber rund 30 Bücher hat er schon geschrieben, das war neben der Züchtung von Gartenstauden sein wohl größter Verdienst, Karl Foerster sprach hier gerne von einer „Begärtnerung der Menschenseele“. Nicht wenige seiner Bücher hatten gleich mehrere Auflagen erfahren. Seine Bücher und Kataloge füllen bei mir fast zwei Regale, die meisten davon sind nur noch antiquarisch zu bekommen. Und mit Erscheinen der Zeitschrift „Gartenschönheit“ (Karl Foerster, Camillo Schneider, Oskar Kühl) wurde ein Niveau in der Gartenkultur erreicht, welches mit der heutigen Zeit vollkommen auf Augenhöhe liegt, ja künstlerisch sogar wertvoller erscheint.

Karl Foerster hat im Laufe seines Lebens an die 600 Staudenzüchtungen selektiert und benannt, in den Handel gebracht, aber auch vieles davon wieder verworfen. Heute sind davon ungefähr 130 Sorten noch im Handel erhältlich oder in privaten Sammlungen auffindbar. Er war ein begnadeter Züchter, welcher ein unglaubliches Gedächtnis hatte, der sich nur wenig Notizen machte, dafür aber ein außerordentlich gutes und sehr kritisches Auge für das Wesentliche besaß. Er war auch der Motor und Garant dafür, dass die Stauden in der Gestaltung sinnvoll nach Bedürfnissen und Farbkombinationen miteinander vergesellschaftet wurden, woraus später die Einteilung nach Lebensbereichen folgte. Stauden waren vor mehr als 100 Jahren im deutschsprachigen Raum eher etwas für Herrschaftshäuser, Karl Foerster lag aber enorm viel daran, dass die Stauden in alle Gärten für alle Menschen einzogen.

Ich hatte durch die Jahre nie Gelegenheit gehabt, seine Wirkungsstätte aufzusuchen, denn für lange Zeit war ein Besuch nach Bornim nahezu unmöglich oder nur mit größeren Schwierigkeiten zu realisieren, denn Bornim lag ja auf dem Gebiet der ehemaligen DDR. Und in den 80er-und 90er-Jahren war auf einmal England in Mode gekommen, wir reiselustigen Staudengärtner fuhren mindestens einmal im Jahr über den Kanal und ließen uns dort inspirieren! Karl Foersters Wirkungsstätte in Bornim durfte ich erst sehr viel später kennenlernen, da war der berühmte Senkgarten schon revitalisiert und die Gärtnerei neben seinem Wohnhaus hatte ein gänzlich anderes Gesicht bekommen. Andere Zeiten, andere Weisen, möchte man sagen. In Gedanken hätte ich ja am liebsten eine Art Nostalgie-Sortimentsgärtnerei mit großzügigen Schauanlagen daraus gemacht, so mit Vortragsräumen, Leseecken und Cafe, nichts Museales, aber doch eine zeitgemäß angepasste „Pilgerstätte“ für Staudenliebhaber aus aller Welt. Übrigens gehört der historische, inzwischen denkmalgeschützte Senkgarten vor dem Wohnhause Foersters inzwischen zu den meistbesuchten Gärten Deutschlands.

Seine Tochter Nanni lernte ich gleich bei meinem allerersten Besuch auf sehr direkte Weise kennen, als ich im Senkgarten vor lauter Begeisterung mit einem Fuß in eine Rabatte stieg, um eine Blütenschönheit besser fotografieren zu können. Da ertönte hinter mir eine scharfe Stimme, ich solle doch wenigstens dieses eine Etikett wieder gerade stecken, wenn ich schon unbedingt in das Beet rein steigen musste! Wir telefonierten dann später mehrmals auch länger miteinander, weil ich sie persönlich fragte, ob ich für meine Bücher nicht das eine oder andere Zitat übernehmen dürfte. Darüber freute sie sich sehr, denn viele Schriften und Passagen aus seinen Büchern ihres Vaters wurden vielfach ungefragt übernommen.

Ich werde von manchen Freunden öfters belächelt, weil ich Karl Foerster und seine Philosophie so hochhalte, das seien doch verflossene Zeiten, denen man nichts mehr abgewinnen kann. Stimmt, denn eigentlich hasse ich ja Personenkult zutiefst, denn dieser führt ja letzten Endes zu nichts. Der Grund meiner Verehrung liegt nicht allein in seinen unvergänglichen Staudensorten, auch nicht nur wegen seiner Bücher und Kataloge, das haben andere Persönlichkeiten der Staudenszene in ähnlicher Weise auch vollbracht. Es ist vor allem aber das Gesamtpaket, würde man heute nüchtern sagen. Sein Sendungsbewusstsein, seine Philosophie und die Nachhaltigkeit seines Werkes über seinen Tod hinaus ist das, was ich so sehr bewundere, eben sein gesamtes Werk und die Tatsache, zu welcher Vielseitigkeit und hoch gesteckten Zielen der Gärtnerberuf überhaupt imstande ist! Mir ist bewusst, dass der Name Karl Foerster in der Staudenwelt unvergänglich sein wird und darauf dürfen wir zu Recht stolz sein. Wie weit wären wir denn heute, wäre er nicht gewesen? Womöglich wären viele von meinen Freunden, einschließlich mir, gar nicht Staudengärtner geworden? Mit dem Einzug der Stauden in unsere Gärten setzte Foerster neue Maßstäbe und läutete eine gänzlich neue Epoche ein. Er erkannte diesen unglaublichen Schatz, diesen unermesslichen Zierwert unserer Stauden schon sehr frühzeitig und setzte die Basis, auf der das Heute aufbaut. Und Karl Foerster legte stets darauf wert, Gärtner zu sein. Und er behandelte jeden gleich, egal wer vor ihm stand, ob es ein Arbeiter, eine Kundschaft oder eine Persönlichkeit des Öffentlichen Lebens war. Im Hause Foerster hatte Schöngeistiges, Literatur und Musik einen hohen Stellenwert, Foersters Philosophie war durchdrungen von Homer und Goethe, war geprägt von Humanismus und Weltoffenheit, vom Guten im Menschen im Einklang mit der Natur und dem Kosmos. Und dies wirkte sich auf sein Schaffen so nachhaltig aus, bis heute. Was kann es denn noch Schöneres oder Erfüllenderes geben?

Mir ist aber auch sehr bewusst, dass ich mich niemals in die damalige Zeit zurückversetzen möchte. Ich bin ganz froh, im Heute zu leben, mit all den unübersehbaren Nachteilen. Bei den damaligen Arbeitsweisen, ihren Geschäftsbedingungen, den finanziellen Möglichkeiten, dem ökonomischen Auf und Ab in der Gärtnerei, zwei unseligen Kriegen und der schweren Zeit danach, da möchte ich nicht tauschen, Nostalgie wäre hier vollkommen am falschen Platz. Aber einige Ideale wären es wert, auf die man sich trotzdem zurückbesinnen könnte. Was mich beispielsweise unglaublich freut, ist der so breite Kunden- Bekannten- und Freundeskreis aus allen Bevölkerungsschichten und aus so vielen Ländern, den man sich gerade als Staudengärtner im Laufe der Zeit aufbaut, vorausgesetzt, man ist weltoffen und hat die Gabe, zuzuhören.

Und was bleibt von Karlchen heute noch übrig? Ja, die Zeiten haben sich sehr gewandelt. Einige seiner Bücher wurden neu aufgelegt, allerdings nicht mehr mit jenen herrlich bunten Sträußen und Emblemen, die an die großartige Zeit des Jugendstils erinnerten, sondern recht nüchtern an das Heute angepasst. Und seine Züchtungen, haben sie Bestand? Hat es Sinn, diese unbedingt der Nostalgie wegen zu behalten? Nein, und ja doch! Wenn eine neue Sorte auftaucht, welche eine deutliche Verbesserung darstellt, wäre es sicher im Sinne Karl Foersters gewesen, diese zu vermehren und die alte Sorte durch sie zu ersetzen. Aber viele seiner Staudensorten sind tatsächlich nach wie vor unübertroffen, eine Tatsache, die du sicher schon selbst festgestellt hast!

Er war ein fantasiereicher Tausendsassa, wenn es darum ging, ganz eigene, wohlklingende deutsche Namen zu erfinden, auch für Stauden, die schon einen offiziellen Namen hatten, die seiner Meinung aber zu wenig werbewirksam waren. Denn wer kauft schon eine Stinkende Nieswurz, dagegen klingt eine Palmwedel-Nieswurz doch viel verlockender! ‘Herbstpurzel‘, ‘Dauerblau‘, ‘Nesthäkchen‘, ‘Perlmutterbaum‘, ‘Wennschondennschon‘, ‘Wonnadonga‘, ‘Goldgrünherz‘, ‘Knallblau‘, ‘Mainacht‘ zeugen von seiner lebendigen und sehr kreativen Namensgebung der Sorten. Heutzutage ist es opportun, englische Sortennamen zu vergeben, meist aus internationalen Marketinggründen, anstatt sich wieder lokaler Namenseigenheiten zu besinnen, denn auch diese können durchaus ganz verlockend erklingen, ob sie nun aus Finnland, Friesland oder Südtirol stammen.

Foerster führte übrigens eine der meist verkauften Stauden ein und gab dem Gelben Sonnenhut Rudbeckia fulgida var. sullivantii den Namen ‘Goldsturm‘, übrigens eine reine Wildstaude aus der Prärie, die in keiner Weise züchterisch verbessert wurde, also war ein Sortenname eigentlich überflüssig. Sein damaliger Obergärtner Heinz Hagemann arbeitete zwischenzeitlich in der Tschechoslowakei und entdeckte diese Staude in den 30er-Jahren im Zuge einer Reise nach Graz, im dortigen Botanischen Garten. Er erbat sich Samen und Pflanzen davon und nahm diese zu Karl Foerster nach Bornim mit, welcher zunächst skeptisch, dann aber restlos begeistert war, als er sie blühen sah. „Du musst mindestens 20.000 Stück davon vermehren, vorher verkaufen wir kein Stück!“ Dann kam der Krieg dazwischen, aber ab 1950 trat ‘Goldsturm‘ seinen Siegeszug um die Welt an. Was aber die botanischen Namen anbelangt, so nahm man es damals mit der korrekten Nomenklatur noch nicht so genau, weil man es größtenteils gar nicht besser wusste.

Dies alles sind nur ganz wenige Episoden und Begebenheiten rund um Karl Foerster, die mir in den Sinn kamen. Du erfährst noch viel mehr, wenn du eines der Bücher über Karl Foerster liest, am allerbesten finde ich „Ein Garten der Erinnerung“ oder die neue Biografie von Anke Peters-Reimann. Oder du lässt eine seiner vielen Sorten auf dich einwirken. Wenn ich im Sommer diesen Phloxgeruch in der Nase habe, durchzieht stets ein Hauch aus längst vergangener Zeit meine viel zu romantisch geprägten Sinne, als Karl Foerster damals aus einer Wildstaude eine Paradestaude des Hochsommers machte, Sommerträume werden wahr, wie unglaublich erbauend und erfüllend das doch Jahr für Jahr wieder sein kann!

Neben unzähligen Auszeichnungen, die ihm im Laufe der Jahre zuteil wurden, errichtete man ihm zu Ehren posthum ein großes Denkmal auf der Freundschaftsinsel in Potsdam, auf der eines seiner bekanntesten Zitate steht: „Wer Träume verwirklichen will, muss wacher sein und tiefer träumen als andere!“.

Karl Foerster starb am 27. November 1970, also heute vor 50 Jahren, im hohen Alter von fast 97 Lebensjahren. Bis zuletzt war er unermüdlich daran, zu sichten, zu selektieren und zu schreiben. Auf dem Familiengrabstein steht in großen Lettern der Satz geschrieben, den Karl Foerster für seinen Vater eingravieren ließ:

„Kommen wird, was du bereitet mit glühender Seele!“

Da sich sein Todestag vor wenigen Tagen zum 50. Mal jährte, dachte ich, es wäre endlich an der Zeit, dir einmal aus meiner Sicht über ihn zu schreiben.

Weihnachten naht mit Riesenschritten. Wir haben uns etwas Besonderes überlegt und gestalteten unsere Gutscheine in einem neuen Outfit. So kannst du diesen nach Belieben anfordern, er eignet sich übrigens auch als beliebtes Geburtstagsgeschenk. Und er besitzt selbstverständlich unbegrenzte Gültigkeit!

In der Gärtnerei sind wir derzeit am Einwintern, sollte der Winter wirklich mit Macht zuschlagen. Und zwei Baustellen sind auch noch kurzfristig dazu gekommen, aber darüber später mal mehr. Im kommenden Rundbrief werde ich mich wieder einem staudigen Thema widmen.

Leider fallen dieses Jahr alle Vorträge und Seminare aus bekannten Gründen ins Wasser. Von unterschiedlicher Seite wurde an mich die Bitte herangetragen, meine Vorträge als Webinar über Zoom an dich und deine Freunde weiterzugeben. In diesen Zeiten sicherlich ein willkommener Notbehelf, allerdings könnte ich mich auf Dauer nicht wirklich damit anfreunden. Es kommen schon bald wieder bessere Zeiten, ich sehne mich danach, mich über Stauden lebhaft reinzusteigern und dich wieder persönlich vor mir zu haben, nicht virtuell über ein „Ersatzkino“.

Dir alles Gute, Weihnachtspost folgt selbstverständlich auch noch, und bleib bitte gesund! Dein Garten wartet auch im kommenden Jahr auf dich!

Dein Staudengärtner Sarastro

Christian H. Kreß und Mitarbeiter