Newsletter XII/2013 (Helianthus, Rudbeckia, Senna und andere Gelbblüher des Herbstes)

Liebe Pamina, hallo Papageno,

Jetzt hätte ich doch beinahe vergessen, dir den regelmäßigen Rundbrief zukommen zu lassen, so vertieft bin ich momentan mit der jährlichen Überarbeitung unseres Webshops! Aber in dieser ruhigen Adventzeit kommt es ja auf einen Tag hin oder her nicht an, sicher hast du auch andere Dinge zum Lesen, beispielsweise gute Bücher.

Beim Durchsehen der Bilder stach mir neulich wiederholt die Farbe Gelb ins Auge. Und hiermit einige gelb blühende Stauden, die es wert wären, einmal näher unter die Lupe genommen zu werden. Es soll ja Pflanzenliebhaber geben, welche kein Rudbeckiengelb mehr in ihrem Garten sehen wollen, ich merke dies manchen Kunden an.

Senna hebecarpa

Senna hebecarpa

Rudbeckia subtomentosa ‘Henry Eilers‘

Helianthus giganteus

Besonders attraktiv und langlebig ist Senna hebecarpa. Diese einzige wirklich voll winterharte Gewürzrinde lief ja früher auch unter der Gattung Cassia, wie übrigens viele der uns bekannten, nicht winterharten Gewürzrinden. Diese hier ist jedoch eine echte Präriestaude aus Nordamerika, die du ohne weiteres auch in mediterran anmutenden Pflanzungen unterbringen kannst. Aber auch in jedem sonnigen, relativ trockenen Beet wirkt ein ausgewachsenes Exemplar hervorragend. Mit ihrem halbstrauchigen Wuchs verhält sie sich ähnlich der Blauraute (Perovskya) und kann ganz nette Ausmaße annehmen, ohne je in einer Pflanzung störend zu wirken.

Ja, ja, das Gelb der Rudbeckien. Aber auch da gibt es Nuancen und Unterschiede. Eine bemerkenswerte Neuheit wurde vor einiger Zeit im Mittleren Westen der USA an einer Überlandstraße in Illinois gefunden. Henry Eilers hieß der aufmerksame Entdecker dieser Form des Schwachfilzigen Sonnenhutes. Sie zeichnet sich durch ihre extrem röhrenförmigen Blütenblätter aus, deren Spitzen zungenförmig enden. Je trockener der Standort in deinem Garten ist, desto standfester und stabiler sind ihre Stängel, immerhin erreicht diese Sorte Brusthöhe. Als von Rudbeckia subtomentosa ‘Henry Eilers‘ das erste Exemplar auf unserem Mutterpflanzenacker in voller Blüte dastand, waren die meisten Besucher begeistert. Auch für bunte Blumensträuße eignet sie sich ebenfalls.

Gelb ist bekanntlich nicht gleich Gelb. Auch bei den Staudensonnenblumen existieren Farben, die vom gewohnten Rudbeckien-Goldgelb abweichen. Hier tut sich ganz besonders die aparte, schwefelgelbe Helianthus giganteus hervor. Dieses Jahr erwischte ich diese stolze Solitärstaude, wie sie sich vor einem feuerroten Acer rubrum ‘October Glory‘ präsentierte. Du musst ihr aber Platz zugestehen, denn nur dann zeigt sie ihr Können!

Jedes Jahr  stellt sich bei den Funkien dasselbe großartige Schauspiel einer goldgelben Herbstfärbung ein. Welch ein Jammer, hier immer gleich die Blätter  abzuschneiden zu wollen! Den Herbstfarben bei Gehölzen wird höchstmögliche Aufmerksamkeit gezollt, ich finde, dass gerade das gemeinsame Konzert mit Gräsern und sich verfärbenden Gehölzen den krönenden Jahresabschluss im Garten bilden. Die Arbeit des Abschneidens der vergilbenden Blätter kannst du dir ersparen, denn bis Ende November haben sie sich schon so weit verflüchtigt, dass sie nur noch zusammengerafft werden brauchen. Oder du wartest gleich bis zum Frühling, denn dann brauchst du nur die paar stehengebliebenen Stängel herausziehen und dem Kompost einverleiben.

Das soll Hosta ‘Blue Angel‘ sein?

Epimedium ‘Amber Queen‘

Salvia ‘Amber‘

Ich freue mich schon wieder sehr auf den kommenden Elfenblumenreigen. Bei der Durchsicht meiner Bilder für unseren Online-Shop kam mir ein Bild der Sorte ‘Amber Queen‘ unter, deren auffällig gelbe bis bernsteinfarbenen Blüten über einen relativ langen Zeitraum erscheinen. Diese Sorte wächst horstig und hat sich bei uns bestens bewährt, indem sie sogar den vorletzten Winter gut überstand, während andere Elfenblumen auch im ausgepflanzten Zustand unwiederbringlich kaputtgingen. So schmerzhaft der Verlust einige der seltenen Naturbastarde aus China auch war, so ein Winter zeigt uns die Grenzen des Möglichen auf.

Wenn wir schon bei der Bernsteinfarbe, dem Gold der Ostsee, angelangt sind, so möchte ich dir unbedingt Salvia ‘Amber‘ vorstellen. Dies ist eine Hybride zwischen dem bei uns im Voralpenland einheimischen Klebrigen Salbei (Salvia glutinosa) und einer chinesischen Art, Salvia bulleyana. ‘Amber‘ wurde von Brian Kabbes in Holland selektiert und zeichnet sich nicht nur durch seine ungewöhnliche Blütenfarbe aus, sondern auch durch die enorm lange Blütezeit von Juli bis in den Herbst hinein. Du kannst diesen Salbei im normalen Staudenbeet zwischen Phlox und Rittersporn unterbringen, aber auch im Halbschatten im Verein mit Funkien und Co. Wenn er ab und zu gestutzt wird, dankt er dir diese Maßnahme durch schnelleres Nachblühen. Bei uns wird dieser Salbei je nach Standort zwischen einem Meter und 150 cm hoch.

Auch im Steingarten blüht es öfters gelb und das sogar ziemlich üppig und nuancenreich. Während meiner holländischen Zeit zu Beginn der 80er-Jahre durfte ich eine Kleinstaude aus den Rocky Mountains kennenlernen, die mich bis zum heutigen Tag begleitete. Ihr Name wechselte ab und zu, nicht aber der Charme ihrer leuchtend gelben Blüten, die von Mai bis in den Sommer hinein erscheinen. Hymenoxis scaposa gedeiht in jedem durchlässigen Boden in voller Sonne und bildet mit den Jahren dichte Horste, eine viel zu wenig verbreitete Staude! Liegt es an den relativ pragmatischen, deutschen Namen „Goldkörbchen“ oder „Gelbes Gänseblümchen“?

Hymenoxis scaposa (Hymenoxis acaulis, Actinella scaposa)

Scutellaria orientalis – Orientalisches Helmkraut

Hier dürfen sich die meisten Stauden austoben

Gepflegte, geordnete Wildnis? Hier ein gutes Bild über Jahre zu schaffen ist eine Herausforderung.

In Liebhaberkreisen sehr viel bekannter sind dagegen die Helmkräuter (Scutellaria). Eine Art konnte ich früher auf einer meiner Reisen am Naturstandort in der Osttürkei entdecken, sie wuchs zusammen mit Stechnelken in nahezu reinem Kalkschotter. Und so kann Scutellaria orientalis auch in unseren Breiten wunderbar gedeihen, sofern sie trocken genug stehen. Ältere Exemplare danken es mit überschwänglichen Blühen. Ein gelegentliches Zurückschneiden fördert einen dichten Wuchs des Polsters.

Mit zwei Bildern aus dem mediterranen Teil unseres Schaugartens möchte ich dieses Jahr beschließen. Hier dürfen sich die meisten Stauden austoben, lediglich einige Palmlilien (Yucca), sowie Bartfäden und Gräserhorste bleiben, wo sie ausgepflanzt wurden. Sie bilden das Gerüst, alles andere ordnet sich einer gewissen Eigendynamik unter. Gepflegte, geordnete Wildnis? Hier ein gutes Bild über Jahre zu schaffen ist eine Herausforderung und es entsteht ein kleines Kunstwerk!

Wie ich schon eingangs erwähnte, bin ich momentan mit unserem Webshop beschäftigt. Mit noch mehr Informationen und Bildern soll er bestmöglich auch als Nachschlagewerk dienen. Du kannst dir übrigens den Katalog auch in PDF-Format herunterladen und ausdrucken. Einige Artikel schreiben, man kann ja nicht Nein sagen, auch die Zeit der Vorträge und Seminare naht mit Riesenschritten, ich sehe schon, der Winter wird wieder viel zu kurz…

Falls du nicht ohnehin schon Mitglied bist: Die Gesellschaft der Staudenfreunde (GdS) ist eine hervorragende Plattform für Gleichgesinnte, wo du viele Ansprechpartner finden kannst. Vierteljährlich erscheint „Der Staudengarten“, das Magazin der GdS. Und unbedingt empfehlenswert ist natürlich
„Kraut und Rüben“, sowie die renommierte „Gartenpraxis“. Wenn dir nach tiefer gehenden botanischen Erkenntnissen zumute ist, dann empfehle ich dir die Mitgliedschaft der „Gartenbotanischen Vereinigung“ in Hildesheim. Auch sie bietet eine regelmäßige Rundschrift.

So wünsche ich dir einen ruhigen Dezember mit viel Lesestoff, in dem wir geistig und körperlich auftanken für die kommende Gartensaison.

Herzlichst
dein Staudengärtner Sarastro