Newsletter XII/2016 (Pflege von Staudenbeeten, dies und das…)

Liebe Pamina, hallo Papageno!

Das letzte Mal konntest du dich überzeugen, dass Katharina anscheinend in sehr guten Händen ist. Bleibt mir nur zu hoffen, dass irgendwann in den kommenden Jahren hoffentlich wieder zu uns zurückfindet und nicht woanders „hängen“ bleibt. Aber in erster Linie freut es mich sehr, dass sie diese Pflanzenbegeisterung überhaupt für sich entdeckt hat. Auch wenn sie ein abgeschlossenes Studium ganz anderer Art besitzt, eine Fremdsprache zusätzlich schadet sowieso niemals und Wirtschaftsgeografie ist in der heutigen Zeit auch bei Gärtnern ganz und gar nicht uninteressant.

Dieser Herbst wirft mich ein wenig aus der Bahn. Zuerst Dauerregen, dann leichter Frost, dann Nebel mit Regen, kaum eine nennenswerte, längere Schönwetterperiode. Dabei hatten wir viel begonnen und wegen des Wetters nicht zu Ende führen können. Einzig drei neue Stellbeete sind bis jetzt entstanden, der Präriegarten hat nun also doch leider weichen müssen, sehr zum Leidwesen meiner Leute. Dafür sind wir jetzt in der Lage, in unseren Topfquartieren platzmäßig ein wenig besser jonglieren zu können. Jedes Jahr müssen wir eine Menge an Stauden unnötig von der Wurzel reißen, verschieben und auseinanderrücken, damit diese innerhalb der Gattung im Alphabet stehen.

Ungebrochener Beliebtheit erfreuen sich in diesem Jahr die Indianernesseln. Aber auch die Sonnenbraut, die vielen Phloxsorten und besonders der Anisysop mit seinen Sorten finden nach wie vor bei dir und auch bei anderen Staudenfreunden großen Anklang. Du und deine Gartenfreunde scheinen sich aber auch wieder mehr für Steingartenpflanzen und Polsterstauden zu interessieren. So birgt jedes Jahr von neuem einige Überraschungen, was die Beliebtheitsskala anbelangt und eine genaue Planung der Produktion gleicht Sternedeuten oder Kaffeesatzlesen!

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Im Schaugarten wollte ich unbedingt gleich zwei große Beete auf einmal erneuern, um dir etliche Stauden in ihrer Verwendung zeigen zu können. Diese waren überaltert und in die Jahre gekommen. Du kennst dies sicher auch, was nicht mehr gefällt, muss früher oder später weg oder zumindest verändert werden. Wir schafften aber trotz des miesen Wetters immerhin, die verfilzte Oberschicht der Beete abzutragen, danach kam gleich wieder eine längere Regenperiode. Vielleicht erreicht uns im Dezember ja noch eine milde und trockene Wetterphase, heutzutage lässt sich ja kaum mehr eine verlässliche Langzeitprognose voraussagen.

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Jedenfalls ist es derzeit beim Humusverteilen geblieben. In der Nähe gibt es einen Bauern, welcher seit vielen Jahren guten Kompost aus Holzabfällen fachgerecht aufbereitet. Mir ist ja immer sehr leid um unseren eigenen Kompost, der sich aus mannigfaltigen Abfällen zusammensetzt und zumindest für eine Neugestaltung gut geeignet wäre. Doch mir graut immer vor den vielen Samenunkräutern, die dann auflaufen. Und so ließen wir jenen Jahre alten, abgelagerten Kompost kommen, der überdies mit viel Holzstückchen durchsetzt ist. Für eine Schattenpflanzung geradezu ideal, denn du musst wissen, dass die meisten der Schattenstauden einen lockeren Humusboden bevorzugen, ganz wie am Naturstandort.

Schon desöfteren ließ ich durchklingen, dass es für einen Staudengärtner essenziell notwendig ist zu reisen. Nicht nur, weil ich ohne einen Weg von daheim mit der Zeit versauern würde, sondern auch um meinen eigenen, beschränkten Horizont stets zu erweitern. So war ich vor kurzem in Norddeutschland unterwegs bei Kollegen, aber auch um einige Präsentationen und Vorträge zu halten. Den Norddeutschen wird von uns Südländern viel Pragmatismus und Nüchternheit nachgesagt, besonders was betriebliche Abläufe anbelangt. Ich bin ja eher ein Gefühls- und Bauchmensch und agiere neben der Vernunft auch aus der Erfahrung heraus. Die richtige Mischung wäre ideal! Immer wieder entdeckt man Dinge, welche zu Anregungen führen, von denen man selber profitieren könnte, Abläufe technischer Natur, die sinnvoll erscheinen und die tägliche Arbeit verbessern. Meine eigene Volontärzeit liegt ja schon so weit zurück, da hat sich inzwischen enorm viel geändert. Und dann natürlich die gemeinsamen Beurteilungen und Erfahrungen neuer Stauden, sie sind die Quintessenz aller Begegnung zwischen Staudengärtnern.

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Die Vorträge bei der GDS-Regionalgruppe in Hannover und der Staudengruppe Stader Geest waren überaus gut besucht und es bot sich mir ein sehr interessiertes Publikum. Lediglich bei den Hamburgern hätten wir mehr Besuch erwartet. Die Gründe dafür mögen vielschichtig gewesen sein. Aber die Anwesenden nahmen den Vortrag dafür sehr dankbar auf.

Der Jahreszyklus bringt bekanntlich nicht immer nur Freude, sondern auch Tiefschläge, an denen man reift, sowie Zeiten des Abschieds. Für mich sehr plötzlich und völlig überraschend musste einer meiner Mentoren und früherer Chefs gehen, Luite van Delft aus Noordwijkerhout in Holland, von dem ich damals in den 80er-Jahren schon innerhalb kurzer Zeit enorm viel Praktisches erlernen konnte. Er war ein echter Plantsman und wurde mir zu einem großen Vorbild. Bei den holländischen Kollegen war er anerkannt und seine Meinung wurde hoch geschätzt. Er stand schon damals weltweit in Kontakt mit Gleichgesinnten und war manches Mal auch ein unbequemer Querdenker, aber immer mit Handschlagqualität. Ich hatte damals dank ihm nur Pflanzen und Bücher im Kopf! Seit jener Zeit in den 80er-Jahren standen wir in lockerer Verbindung zueinander, entweder kam ich nach Holland oder er und seine Frau Vroni reisten nach Österreich. Gerade mal zwei Wochen vor seinem Tod besuchten sie uns, wir verbrachten zusammen einen überaus netten Abend nach einem leckeren Essen und gutem Wein, bis tief in die Nacht hinein. Kein Mensch ahnte damals, dass der Abschied derart schnell gehen würde. Wir sprachen nicht nur von früher, sondern von neuen Zuchtzielen, sowie von Staudensorten, die kaum mehr in Kultur waren. Am nächsten Tag besichtigten die beiden wie gewohnt unsere Staudengärtnerei, mein Reich, es sollte für ihn das letzte Mal sein. Er suchte sich einige Kisten voller Stauden aus, viel zu viel, wie er immer zu sagen pflegte! Diese wurden später, so schrieb mir Vroni, von seiner Tochter in seinen Garten in den Sandboden Hollands gepflanzt und müssen sich nun in der Nähe der Küste im rauen Seeklima behaupten.

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Und eine andere, mir sehr vertraute Persönlichkeit der Staudenwelt verstarb kurz nach seinem 90ten Geburtstag. Dr. Hans Simon war nicht nur unter Staudengärtnern eine geachtete Kapazität. Er war 12 Jahre lang der Präsident der Internationalen Staudenunion (I.S.U.), jener großen Familie, die uns über die Grenzen hinweg ideell zusammenschweißt. Ich lernte ihn in seiner Gärtnerei in Marktheidenfeld am 1. Mai 1979 kennen, wo ich ihn zusammen mit Fritz Hauenstein und Domenico Tommasini das erste Mal besuchte. Ich sehe ihr noch heute vor mir, wie er zwischen den Stellagen im Gewächshaus stand und nach Pflanzen suchte. Sein Sortiment war beachtlich und damals wegweisend. Ich schätzte ganz besonders sein enorm breites Wissen und seine besonnene Art. Ihm verdankt die Gartenkultur eine Menge altbekannter Sorten, die er selektierte, so beispielsweise Miscanthus sinensis ‘Silberfeder‘ oder Geranium macrorrhizum ‘Spessart‘. Er war der eigentliche Vater der Präriegärten, im Berggarten Hannover kannst du noch heute eines seiner ersten Beispiele bewundern. Auch die Moderation und Vorplanung der Grünberger Staudentage wurde von ihm über viele Jahre bewerkstelligt, diese waren sozusagen meine geistige Heimat, man lernte Gleichgesinnte innerhalb der Staudenfamilie kennen, diskutierte sehr angeregt und so mancher Abend endete in den frühen Morgenstunden. Später rief ich aufgrund dieser Erfolgsgeschichte die Langenloiser Staudentage in Niederösterreich ins Leben. Das Markenzeichen von Hans Simon aber war seine Baskenmütze, die er immer recht salopp nach hinten trug. Wir trafen uns fast schon regelmäßig bei verschiedenen botanischen Exkursionen. Eine davon organisierte ich nach Nordgriechenland, an der er begeistert mitfuhr. Ja, so spielt das Leben. Die Staudenwelt besteht übrigens nicht nur aus großen Gärtnern, sondern aus jeder Menge lebensbereichernder Persönlichkeiten, die aber alles gemeinsam haben, Natur und Garten als einen Mittelpunkt in ihrem Leben zu sehen.

Im Moment hat es doch tatsächlich zu regnen aufgehört und der Schaugarten kann nun intensiv in Angriff genommen werden. Aber davon werde ich dir noch in einem extra Rundbrief Bilder zeigen und den genauen Ablauf schildern. Besonders ein Schattenbeet liegt mir schwer am Herzen. Aber davon später mehr.

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Wir befinden uns bereits im Advent und Weihnachten naht mit Riesenschritten. Da kam mir eine Idee in den Sinn. Schenke deiner Gartenfreundin doch einen Sarastro-Gutschein über Stauden, falls dir die Ideen ausgehen! Seine Gültigkeit ist unbegrenzt, der Gutschein ist einzulösen, wann auch immer, ob im kommenden Frühling oder sonst wann. Unsere Gutscheine sind sehr beliebt und schon für 30 Euro schenkst du eine Menge an Staudenfreuden. Aber natürlich bekommst du von uns auch Gutscheine, deren Wert nach oben unbegrenzt ist… ☺ Und als kleine Weihnachtsüberraschung für dich werden wir dir diesen Weihnachtsgutsschein um 10 % Nachlass anbieten!

Der Webshop wird von mir laufend aktualisiert, wann immer ich Zeit und Lust danach habe. Inzwischen sind diejenigen Stauden-Positionen ohne Bilder überschaubar gering geworden und ich mache mir kommendes Jahr eine Liste, welche Bilder noch ausgetauscht oder ergänzt werden sollten.

Und nun noch ein kleines Schlusswort. Mir sind Menschen lieb und wichtig, die sich für Garten und Pflanzen begeistern können und dabei diese Eigenschaft auch ausstrahlen und weitergeben. Die mit ihrem Garten leben und ihn nicht ausschließlich als belastende Arbeit ansehen. Als naturverbundene Menschen bekommen wir nämlich hundertfach von dem zurück, was wir in unseren Garten an Zeit, Zuwendung und Idealismus hineingesteckt haben. Daher ist es unabdingbar, auch mit dem Herzen zu gärtnern und nicht nur mit dem Verstand!

So bleibt mir nur übrig, dir einen besinnlichen Advent zu wünschen.

Dein Staudengärtner Sarastro
Christian H. Kreß und Mitarbeiter

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Viele Grüße/ Best regards/ С уважением

Christian H. Kreß