Newsletter XII/2017

Liebe Pamina, hallo Papageno!

Vor einigen Tagen habe ich meine Tochter wieder zum Flughafen gebracht, sie war auf Kurzbesuch aus den Vereinigten Staaten nach Deutschland, um in Form eines Vortrages über ihre Arbeit in Amerika zu berichten. Wir trafen uns in Grünberg, der Bildungsstätte des Deutschen Gartenbaues. Dass dies sozusagen meine staudengärtnerische Urheimat ist, schrieb ich dir schon zu einem früheren Zeitpunkt. Dort besuche ich die Staudentage schon seit über 30 Jahren und durfte dort mit den Jahren über unsere Stauden etliche Freundschaften und Bekanntschaften schließen. Sicherlich war es auch eine Art von Premiere, Vater und Tochter gemeinsam bei den Gehölz- und Staudentagen zu hören. Claus Heuvemann hatte ich es zu verdanken, er organisierte und moderierte diese Weiterbildungsveranstaltung auf sehr souveräne Weise.

Katharina wechselte in den USA ihren Job nach fast zwei Jahren in der Raritätengärtnerei „Plant Delights“ und fing in der nahe gelegenen Gräsergärtnerei „Hoffman Nurseries“ an. Sie brachte für jeden von uns ein Shirt mit, mit der Aufschrift „We grow good Grasses!“ Hoffman Nursery ist tatsächlich eine reine Gräsergärtnerei, mit einem äußerst exklusiven Sortiment und fast 50 Angestellten, eine Gärtnerei ganz anderer Größennummer, einer geschätzten Jahresproduktion mit rund 5 Millionen Gräser pro Jahr. Im Gegensatz zu Europa, wo heutzutage Gräser in Großcontainern auch als „Behübschungselement“ für Gartencenter vermarktet werden, produziert diese Gärtnerei nahezu alles in 7×7 und 8×8 cm- Töpfen, für uns vollkommen ungewöhnlich. Katharina ist im Projektmanagement tätig und berät in erster Linie Kunden wie Landschaftsarchitekten, die mit Pflanzen wenig am Hut haben, jedoch mehr an Gräsern verwenden möchten. Der Hauptgrund dieser kleinen Topfgrößen ist zum einen bei sehr großen Projekten eine Preisfrage, es kann damit aber auch viel enger gepflanzt werden. Zum anderen haben die amerikanischen Kollegen festgestellt, dass in der Wachstumszeit nach nur einem Jahr zwischen der herkömmlichen Topfgröße und den kleineren Töpfen kein nennenswerter Unterschied im Resultat mehr festzustellen ist. Und auch das Handling von Tausenden kleinerer Töpfe beim Pflanzen ist viel mehr gegeben, das wird jeder zugeben, der einmal größere Stückzahlen gepflanzt hat.

Solche Gräserflächen bleiben über viele Jahre beständig und bedürfen kaum einer Pflege, lediglich einmal im Jahr wird ein Rückschnitt getätigt. Ich konnte dies an unserem Präriegarten selbst erleben. Diese Gärten sind in ihrer Schönheit zwar eher sommer- und herbstlastig, im Frühjahr ist leider vom Gräserzauber nur wenig zu sehen. Daher solltest du unbedingt Narzissen oder Prärielilien (Camassia) dazwischen pflanzen, welche schon wieder eingezogen sind, sobald die Gräser den Taktstock übernehmen. Oder auch immergrüne Seggen dazwischen pflanzen, diese machen sich als Füllstaude immer sehr gut!

Die USA, ein Land der unbegrenzten Gräsermöglichkeiten! Du solltest auch wissen, dass gerade in den USA die Gräser in den letzten Jahrzehnten zu einem riesen Thema geworden sind. Man fragt sich bei diesen riesigen Stückzahlen ernsthaft, wo denn diese Massen an Gräsern übers Land verteilt werden. Aber keine Angst – die Interstates und Highways werden besonders an den Ausfahrten und an Parkplätzen und Raststationen ganz wesentlich mit Gräsern bepflanzt, teilweise sehr ökologisch sinnvoll, oft ausschließlich mit einheimischen Gräsern. Dieses „Nur“ und „Ausschließlich“ stößt mir zwar etwas negativ auf, denn ich bin ja von der europäischen Pflanzenverwendung eher dynamische Vielfalt gewohnt. Auf der anderen Seite hat in den USA „einheimisch“ eine etwas größere Dimension!

Seien wir doch mal ganz ehrlich und schau bitte einmal aus deinem Fenster hinaus in deinen Garten – nichts ist momentan mehr präsent, keine Blüten mehr, alles wartet auf den bevorstehenden Winter, doch die Gräser verleihen deinem Garten noch immer Struktur und Ansehen. Ich würde dir jetzt auch niemals einen reinen Gräsergarten empfehlen, für mich sind diese jedoch aus keinem noch so kleinen Garten mehr wegzudenken.

Einige Spätherbstimpressionen von Gräsern

Schizachyrium scoparium, ein Präriegras, das bei uns an Bedeutung gewinnt und für trockenere Standorte sich auch in größeren Gruppen prima in Szene setzt. Die Herbstfärbung ist grandios, da diese erst sehr spät erfolgt. In den USA sind mehrere Sorten im Handel, während bei uns lediglich ‘Prarie Blues‘ und ‘Cairo‘ verbreitet sind. Letztere wird höher und besitzt eine rötlich braune Färbung, unten siehst du die Herbstfärbung der sonst blauen Sorte ‘Prarie Blues‘.

Mir haben es besonders die Pfeifengräser angetan. Ich entsinne mich, das dieses einheimische Gras besonders im Böhmerwald ganze Bestände bildet. Von den Molinias kultivieren wir eine ganze Reihe an Sorten, ich kann dir ganz besonders ‘Karl Foerster‘ und ‘Transparent‘ empfehlen. Die sortenspezifischen Eigenschaften und Unterschiede entnimmst du am besten unserem Webshop.

Die Herbstfärbung jedenfalls ist verzaubert deinen Garten, besonders eingewachsene Exemplare!

Hier präsentiert sich der Atlasschwingel (Festuca mairei) über einer Trockenmauer in unserem Privatgarten. Er schätzt seiner Herkunft nach besonders heiße und trockene Stellen. Ihn sah ich auf dem Tizi N‘ Tichka in Marokko auf über 3.000 m Seehöhe in purem Geröll.

Eine für unsere Gärten sehr wichtige Gräsergruppe sind die Rutenhirsen (Panicum). Durch deine zielgerichtete Auswahl kann für jede Situation die stimmigste Sorte ausgesucht werden. Straffer Wuchs, rötliche Färbung der Halme oder doch lieber locker beschwingt, überhängend, mit graublauen Halmen? Die Rutenhirsen verkörpern wie kaum eine andere Gräsergattung die Prärie, ohne dass man diese auch auf jene Weise gleich verwenden muss. Rutenhirsen sind Gräser, die den Sommer verkörpern. Und mit der Sorte ‘Northwind‘ hast du ein Pendant zum straffen Reitgras (Calamagrostis x acutiflora ‘Karl Foerster‘), welches sogar weit über den Winter als wehende Standarte stehen bleibt! Wie ausdauernd Rutenhirsen sein können, zeigt eine Verkehrsinsel etwa 200 m vor der Gärtnerei. Dort pflanzten wir Panicum virgatum ‘Squaw‘ vor 18 Jahren, die stehen immer noch so schön wie am Anfang!

Auf dem unteren Bild siehst du die Vergleichspflanzung von Rutenhirsen im Staudensichtungsgarten.

Weihenstephan in Freising. Ein wogendes Gräsermeer!

Aus Korea stammt dieses Gras, was sich hier am Eingang zu unserem Schaugarten so schön präsentiert. Ernst Pagels gab ihm den Namen „Diamantgras“, vollkommen treffend, wie ich finde! Ich kenne kaum ein imposanteres Gras, welches im Raureif schöner ist. Dagegen lasse ich jedes für mich altmodisch wirkende Lampenputzergras doch glatt stehen!

Zu Beginn meiner Selbständigkeit bekamen wir den Auftrag der Gemeinde Ort, den neuen Kindergarten zu bepflanzen. Leider existiert dieses schöne Gräserbeet seit letzten Herbst nicht mehr, denn man hat hier in Form von Rasen „rückgebaut“. Es hat aber immerhin fast 20 Jahre jeden erfreut. Und statt der Pennisetum im Vordergrund würde ich heute tatsächlich lieber das Diamantgras pflanzen!

Dieser riesengroße Gräserhorst oben soll dir bewusst machen, wie breit das Japan-Berggras (Hakonechloa) werden kann, wenn ihm der richtige Platz zugestanden wird. In „unserem“ Botanischen Garten in Linz stehen einige Exemplare, sie wurden vor rund 45 Jahren gepflanzt, erst jetzt verkahlen sie ganz leicht von innen. Damals kannte man dieses Gras noch kaum, geschweigedenn einige Sorten und Auslesen. Die goldenbraune Herbstfärbung ist grandios und leuchtet ähnlich wie die eines Pfeifengrases.

Und das letzte Gräserbild soll dir einen beliebigen, sonnigen Adventssonntag im Garten verdeutlichen. Diese wehenden Fahnen des Chinaschilfs sind bis weit in den Februar hinein dekorativ. Doch dann wird es Zeit, sie bodeneben abzuschneiden, denn sonst ist dein ganzer Garten voll von Wedeln und Halmen. Und sehr wichtig zu wissen: in Zeiten des Klimawandels können in milden Herbsten besonders alle früh blühenden Sorten zur Selbstaussaat neigen. Schaff dir also mittelfrühe und spät blühende Sorten an, besonders, wenn du ohnehin in wintermilden Gebieten zuhause bist. Denn ich will nicht schuld sein, wenn wir Jahrzehnte später auf einmal in ostasiatisch anmutenden Gefilden leben und das Chinaschilf zum Neophyt geworden ist.

Momentan arbeite ich emsig und mit Akribie an meinem Webshop, um Neuaufnahmen zu kennzeichnen, neu zu texten und ganz besonders die Bilder zu ergänzen, damit du noch mehr Vorstellung von der Schönheit vieler Stauden bekommst. Die Verfügbarkeit und Ergänzung von Neuheiten ist bereits schon abgeschlossen. Dabei habe ich mich ertappt, dass einige Stauden noch als „Neu“ gekennzeichnet waren, die aber schon über fünf Jahre im Sortiment waren! Ich habe mir vorgenommen, eine Staude lediglich für zwei Jahre als Neuheit anzuführen. Wir leben eben in einer schnelllebigen Zeit! Die neue Bebilderung im Webshop ist eine immense, Abend füllende Arbeit und wird gegen Ende des Jahres abgeschlossen sein. In der Gärtnerei sind die Einwinterungsarbeiten so gut wie abgeschlossen, lediglich die Kaltkeimer wollen noch ausgesät werden.

Du weißt noch kein passendes Weihnachtsgeschenk? Noch ist ja Zeit zum Überlegen, aber darf ich dir die Möglichkeit eines Gutscheines von Sarastro-Stauden aufzeigen? Oder gar mein neuestes Buch „Meine Welt der Stauden“? Einige Rezensionen hierzu kannst du im Internet ausfindig machen, es freut mich riesig, dass dieses doch sehr unkonventionelle Buch so gut ankommt!

Du bekommst bei der Bestellung eines Gutscheines 10 % Weihnachtsrabatt von uns! Beim Buch kann ich dir keinen Rabatt gewähren, hier wurde der Preis durch die Buchpreisbindung fixiert. Aber ich schreibe dir nach Wunsch gerne eine persönliche Widmung hinein! Dies hebt bekanntlich den Wert eines Buches.

Beide Geschenkmöglichkeiten kannst du bequem über unsere Website www.sarastro-stauden.com bestellen, oder noch einfacher über ein formloses Mail!

Das war es auch schon wieder. Im Neujahrsrundbrief widme ich mich wieder einmal meinen alpinen Pflanzenlieblingen hin. Die sind in letzter Zeit etwas zu kurz gekommen.

Viel Freude beim abendlichen Lesen und Gartenaufräumen wünscht dir dein Staudengärtner Sarastro!

Viele Grüße/ Best regards/ С уважением

Christian H. Kreß und Mitarbeiter