Newsletter vom November 2010 (Herbstfarben, einige Persönlichkeiten zu Besuch)

Liebe Gartenfee, lieber Staudengnom!

Die Jahreszeit schreitet in Riesenschritten voran, der erste scharfe Frost zog schon über unseren Herbstflor, sichtbare Spuren hinterlassend.

Herbstchrysanthemen

Herbstchrysanthemen

Herbstfarben im Staudengarten

Herbstfarben im Staudengarten

Tags zuvor räumte ich noch flugs alle meine Phyllokakteen herein, denn sonst wäre ich wirklich traurig gewesen. Diese sind bereits zu stattlichen Exemplaren herangewachsen und verzieren die ganze Ostseite unseres Wohnhauses. Die Ableger bekam ich vor Jah

ren von einer Gartenforumsfreundin aus Holland. Und mein riesiger Agapanthus war über den Frost beleidigt, in dem er alle Blätter hängen ließ. Aber er hatte in jüngster Vergangenheit schon ärgeres abbekommen, ohne das Zeitliche zu segnen. Auch in Südafrika ist Kälte durchaus kein Fremdwort! Dafür übersah ich einige meiner Rex-Begonien, die nun auf den Kompost wanderten.

Herbstfarben im Überfluss, soweit das Auge reicht! Dieses Jahr präsentieren sich die Gräser in ihrer ganzen Pracht und Schönheit, quer durch unseren Schaugarten. Bringt man es über das Herz, diese Farben jetzt schon abzuschneiden? Falls du in deinen Beeten Zwiebelpflanzen stehen hast, so rate ich dir, das Gröbste jetzt schon herunterzuschneiden, damit du nicht im kommenden Frühling wie ein Storch zwischen deinen blühenden Schätzen herumstolzierst. Ich glaube, dass ich dir dies schon einmal schrieb, aber doppelt hält bekanntlich besser! Du kannst ja mit dem Rückschnitt warten, bis die ersten Schneeflocken umherwehen. Oder alles stehen lassen und im März einen einmaligen Frühjahrsputz veranstalten.

Geranium wlassovianum ‘Blue Star‘

Geranium wlassovianum ‘Blue Star‘

Euphorbia palustris ‘Walenburg’s Glory‘

Euphorbia palustris ‘Walenburg’s Glory‘

Herbstfarben, soweit wir schauen können. Wolfsmilch und Funkien besitzen die beste Fernwirkung. Die Sumpfwolfsmilch, Euphorbia palustris ‘Walenburg’s Glory‘ kann auch im normalen Beet optimal zur Geltung gelangen, sie muss nicht unbedingt am Teichrand im Morast stehen, wo sie sich zu wahren Monstern entwickelt . Auf trockenem Boden bleibt sie deutlich niederer und bekommt eine unvergleichlich leuchtendrote Herbstfarbe. Und wohl kaum ein anderer Storchschnabel kann so erröten wie der Sibirische Storchschnabel!

Die letzten Blütenstandarten im Garten sind unsere winterharten Chrysanthemen. Ich achtete in letzter Zeit darauf, ein Sortiment zusammenzustellen, das ausschließlich aus gut winterharten Sorten bestand. Man erkennt diese unschwer an den Basaltrieben, die zeitig im Herbst gebildet werden. Schon Karl Foerster erkannte recht bald den hohen Wert der Gartenchrysanthemen. Sorten von ihm sind nach wie vor in Kultur, ich habe sie ebenfalls erprobt. Leider taugen sie nur in milderen Gegenden für den Garten, Sorten wie ‚Nebelrose‘ blühen viel zu spät auf. Darum sah ich mich nach Sorten um, welche früher erblühen und uns über einen längeren Zeitraum erfreuen. Außerdem stören mich die schlacksigen, dünnen Stängel mancher Sorten, welche im Topf miserabel aussehen. Ist es nicht ein wunderbares Bild, wenn eine Gartenchrysantheme mit der Zeit in einer größeren Gruppe erblüht?

Eine wunderbare Sorte, die all diese Bedingungen mit Leichtigkeit erfüllt, ist ‘Poesie‘. Ihre halbgefüllten, weißlichen Blüten sind mittelgroß und besitzen eine gelbliche Mitte. ‘Poesie‘ stammt von Herrn Kautz, der sich in der Nähe von Berlin mit einigen anderen guten Stauden züchterisch verdient machte. Auch die wunderbare Ritterspornsorte ‘Augenweide‘ stammt aus seinen Händen. Von Eugen Schleipfer aus Augsburg hatte ich einst ‘Herbstkuss‘ mitgenommen. Eugen kreuzte alte Chrysanthemum-hortorum-Sorten mit der Wildart Chrysanthemum koreanum, um so zu winterharten, kompakten Sorten zu gelangen. ‘Herbstkuss‘ ist eine der dunkelroten, niedrigen Sorten, welche besonders im Vordergrund eines Beetes zur Geltung kommen. Ich schrieb dir im ersten Absatz, dass wir schon relativ strengen Frost hatten. Alle gut winterharten Gartenchrysanthemen sollten Luftfrost-Temperaturen bis -3 Grad ohne Weiteres ertragen können und ohne dass ihre Blüten nennenswerten Schaden erleiden. Daran kannst du auch erkennen, ob deine Sorten sozusagen alle Bedingungen erfüllen oder ob du lieber die Chrysantheme aus Nachbars Garten bevorzugst!

Achte unbedingt darauf, dass du deine Gartenchrysanthemen niemals im Herbst abschneidest, sondern bis zum März stehen lässt. Die verblichenen Blütenstängel sorgen für Schutz bei allzu strengem Barfrost.

Einen ungewöhnlichen Herbstschmuck bietet Ampelopsis brevipedunculata

Einen ungewöhnlichen Herbstschmuck bietet Ampelopsis brevipedunculata

Vor einigen Jahren besuchte ich Gerhild Diamant in Duisburg, eine Staudengärtnerkollegin meines Alters. Es war Mitte November und im riesigen Arboretum ihres Vaters fiel mir schon von weitem eine Staude in einem lichten Blau auf, die ich noch nie zuvor sah. Es handelte sich hierbei um Aster tataricus, eine der letzten so großartigen Blüher im Jahreszyklus. Diese Staude hatte mich nachhaltig beeindruckt, so dass sie aus unserem Sortiment nicht mehr wegzudenken ist.

In der Gärtnerei werden nun Zwiebelpflanzen für die kommende Saison getopft, eine der wenigen Staudengruppen, die wir zukaufen. Jetzt im Oktober und auch im November vermehren wir Kaltkeimer durch die frühe Aussaat, nur so erzielen wir ein optimales Keimergebnis. Einige Seltenheiten lassen sich ausschließlich jetzt durch Stecklinge vermehren. Der Versand der Stauden läuft noch immer, wenngleich kaum noch wer in die Gärtnerei kommt.

Neben vielen Kunden kamen im Laufe des Spätsommers und Herbstes auch Bekannte und Freunde in der Gärtnerei vorbei. Dieser Art der Begegnung freut jeden Staudenliebhaber immer wieder, gehören doch Gartenmenschen und Pflanzen zusammen. In diesem Jahr freute es mich deshalb ganz besonders, meinen damaligen Chef und Freund aus Holland in der Gärtnerei wieder zu sehen! Luite van Delft war mit seiner Frau Vroni auf der Durchreise. Wie es so der Brauch ist, wurde bis tief in die Nacht hinein bei einigen guten Gläsern Wein gefachsimpelt und von alten Zeiten und über neue Stauden geplaudert. Luite wird unter Fachleuten als einer der großen Staudenkenner sehr geschätzt, und dies nicht nur in seinem Heimatland Holland. Er hatte in Noordwijkerhout nahe der Küste eine Stauden- und Alpenpflanzengärtnerei mit einem beachtlichen Sortiment. Im puren Dünensand wuchsen Enzian und Blaukissen, wir vermehrten Hauswurz und Polsternelken zu Tausenden.

Sabine und Noel genossen mit mir die letzten sonnigen Herbsttage

Sabine und Noel genossen mit mir die letzten sonnigen Herbsttage

Und dann kam an einem sonnigen Herbsttag Noel Kingsbury vorbei, zusammen mit Dr. Sabine Plenk und ihrer Mutter. Mit Noel stehe ich schon länger in lockerer Verbindung. Er ist mittlererweile nicht nur in Großbritannien für seine unkonventionelle, naturalistische Staudenverwendung berühmt, sondern besonders im deutschsprachigen Raum durch seine vielen Bücher. Sabine leitet auf der Universität für Bodenkultur in Wien das Fach Staudenverwendung und gibt ihr Fachwissen an die Studierenden weiter. Solcher Art Staudenbegegnungen beinhalten auch immer wertvollen Erfahrungsaustausch.

Luite und ich in bester Laune, trotz widrigsten Wetters!

Luite und ich in bester Laune, trotz widrigsten Wetters!

Und noch ein weiterer, großer Kenner der Szene beehrte uns mit seinem Besuch. Auch Fritz Kummert ist durch seine umfassenden Pflanzenkenntnisse bekannt. Leider habe ich immer wieder das Gefühl, dass der Prophet im eigenen Land zu wenig gilt. Fritz wird nämlich international sehr geschätzt, er ist ein brillanter Vortragender, schrieb mehrere Bücher und hat mir immer wieder als Referent bei den Langenloiser Staudentage ausgeholfen.

Und noch ein Tipp: lass einen Teil des Laubes im schattigen Bereich unter den Gehölzen liegen. So bekommst du mit der Zeit wertvollen Dauerhumus und deine Cyclamen, Winterlinge, Schneeglöckchen und Anemonen danken es dir! Du kannst auch mit dem Mäher über die Laubschicht fahren, die auf dem Rasen liegt. Das so zerhächselte Blattwerk verteilst du dann über deine ganzen Staudenrabatten. Dies sieht nicht nur schön aus, sondern ist eine billige Mulchmethode.

Übrigens zur vielleicht ungewohnten Ansprache ganz oben: in Zeiten der um sich grassierenden Genderwelle sollte gerade ich auch nicht auf die Gnome unter uns vergessen, es kamen deswegen schon Beschwerden! Ein „sächliches“ und neutrales Gartenwesen fiel mir leider nicht ein. Aber dies nur am Rande und so sei es in Zukunft!

In der Erwartung des bevorstehenden Winters möchte ich dir alles Gute wünschen, vergiss nicht, den Rosmarin und den Oleander erst ganz zum Schluss hinein zu holen.

Dein Sarastro

Christian H. Kreß