Newsletter XII/2013 (Helianthus, Rudbeckia, Senna und andere Gelbblüher des Herbstes)

Liebe Pamina, hallo Papageno,

Jetzt hätte ich doch beinahe vergessen, dir den regelmäßigen Rundbrief zukommen zu lassen, so vertieft bin ich momentan mit der jährlichen Überarbeitung unseres Webshops! Aber in dieser ruhigen Adventzeit kommt es ja auf einen Tag hin oder her nicht an, sicher hast du auch andere Dinge zum Lesen, beispielsweise gute Bücher.

Beim Durchsehen der Bilder stach mir neulich wiederholt die Farbe Gelb ins Auge. Und hiermit einige gelb blühende Stauden, die es wert wären, einmal näher unter die Lupe genommen zu werden. Es soll ja Pflanzenliebhaber geben, welche kein Rudbeckiengelb mehr in ihrem Garten sehen wollen, ich merke dies manchen Kunden an.

Senna hebecarpa

Senna hebecarpa

Rudbeckia subtomentosa ‘Henry Eilers‘

Helianthus giganteus

Besonders attraktiv und langlebig ist Senna hebecarpa. Diese einzige wirklich voll winterharte Gewürzrinde lief ja früher auch unter der Gattung Cassia, wie übrigens viele der uns bekannten, nicht winterharten Gewürzrinden. Diese hier ist jedoch eine echte Präriestaude aus Nordamerika, die du ohne weiteres auch in mediterran anmutenden Pflanzungen unterbringen kannst. Aber auch in jedem sonnigen, relativ trockenen Beet wirkt ein ausgewachsenes Exemplar hervorragend. Mit ihrem halbstrauchigen Wuchs verhält sie sich ähnlich der Blauraute (Perovskya) und kann ganz nette Ausmaße annehmen, ohne je in einer Pflanzung störend zu wirken.

Ja, ja, das Gelb der Rudbeckien. Aber auch da gibt es Nuancen und Unterschiede. Eine bemerkenswerte Neuheit wurde vor einiger Zeit im Mittleren Westen der USA an einer Überlandstraße in Illinois gefunden. Henry Eilers hieß der aufmerksame Entdecker dieser Form des Schwachfilzigen Sonnenhutes. Sie zeichnet sich durch ihre extrem röhrenförmigen Blütenblätter aus, deren Spitzen zungenförmig enden. Je trockener der Standort in deinem Garten ist, desto standfester und stabiler sind ihre Stängel, immerhin erreicht diese Sorte Brusthöhe. Als von Rudbeckia subtomentosa ‘Henry Eilers‘ das erste Exemplar auf unserem Mutterpflanzenacker in voller Blüte dastand, waren die meisten Besucher begeistert. Auch für bunte Blumensträuße eignet sie sich ebenfalls.

Gelb ist bekanntlich nicht gleich Gelb. Auch bei den Staudensonnenblumen existieren Farben, die vom gewohnten Rudbeckien-Goldgelb abweichen. Hier tut sich ganz besonders die aparte, schwefelgelbe Helianthus giganteus hervor. Dieses Jahr erwischte ich diese stolze Solitärstaude, wie sie sich vor einem feuerroten Acer rubrum ‘October Glory‘ präsentierte. Du musst ihr aber Platz zugestehen, denn nur dann zeigt sie ihr Können!

Jedes Jahr  stellt sich bei den Funkien dasselbe großartige Schauspiel einer goldgelben Herbstfärbung ein. Welch ein Jammer, hier immer gleich die Blätter  abzuschneiden zu wollen! Den Herbstfarben bei Gehölzen wird höchstmögliche Aufmerksamkeit gezollt, ich finde, dass gerade das gemeinsame Konzert mit Gräsern und sich verfärbenden Gehölzen den krönenden Jahresabschluss im Garten bilden. Die Arbeit des Abschneidens der vergilbenden Blätter kannst du dir ersparen, denn bis Ende November haben sie sich schon so weit verflüchtigt, dass sie nur noch zusammengerafft werden brauchen. Oder du wartest gleich bis zum Frühling, denn dann brauchst du nur die paar stehengebliebenen Stängel herausziehen und dem Kompost einverleiben.

Das soll Hosta ‘Blue Angel‘ sein?

Epimedium ‘Amber Queen‘

Salvia ‘Amber‘

Ich freue mich schon wieder sehr auf den kommenden Elfenblumenreigen. Bei der Durchsicht meiner Bilder für unseren Online-Shop kam mir ein Bild der Sorte ‘Amber Queen‘ unter, deren auffällig gelbe bis bernsteinfarbenen Blüten über einen relativ langen Zeitraum erscheinen. Diese Sorte wächst horstig und hat sich bei uns bestens bewährt, indem sie sogar den vorletzten Winter gut überstand, während andere Elfenblumen auch im ausgepflanzten Zustand unwiederbringlich kaputtgingen. So schmerzhaft der Verlust einige der seltenen Naturbastarde aus China auch war, so ein Winter zeigt uns die Grenzen des Möglichen auf.

Wenn wir schon bei der Bernsteinfarbe, dem Gold der Ostsee, angelangt sind, so möchte ich dir unbedingt Salvia ‘Amber‘ vorstellen. Dies ist eine Hybride zwischen dem bei uns im Voralpenland einheimischen Klebrigen Salbei (Salvia glutinosa) und einer chinesischen Art, Salvia bulleyana. ‘Amber‘ wurde von Brian Kabbes in Holland selektiert und zeichnet sich nicht nur durch seine ungewöhnliche Blütenfarbe aus, sondern auch durch die enorm lange Blütezeit von Juli bis in den Herbst hinein. Du kannst diesen Salbei im normalen Staudenbeet zwischen Phlox und Rittersporn unterbringen, aber auch im Halbschatten im Verein mit Funkien und Co. Wenn er ab und zu gestutzt wird, dankt er dir diese Maßnahme durch schnelleres Nachblühen. Bei uns wird dieser Salbei je nach Standort zwischen einem Meter und 150 cm hoch.

Auch im Steingarten blüht es öfters gelb und das sogar ziemlich üppig und nuancenreich. Während meiner holländischen Zeit zu Beginn der 80er-Jahre durfte ich eine Kleinstaude aus den Rocky Mountains kennenlernen, die mich bis zum heutigen Tag begleitete. Ihr Name wechselte ab und zu, nicht aber der Charme ihrer leuchtend gelben Blüten, die von Mai bis in den Sommer hinein erscheinen. Hymenoxis scaposa gedeiht in jedem durchlässigen Boden in voller Sonne und bildet mit den Jahren dichte Horste, eine viel zu wenig verbreitete Staude! Liegt es an den relativ pragmatischen, deutschen Namen „Goldkörbchen“ oder „Gelbes Gänseblümchen“?

Hymenoxis scaposa (Hymenoxis acaulis, Actinella scaposa)

Scutellaria orientalis – Orientalisches Helmkraut

Hier dürfen sich die meisten Stauden austoben

Gepflegte, geordnete Wildnis? Hier ein gutes Bild über Jahre zu schaffen ist eine Herausforderung.

In Liebhaberkreisen sehr viel bekannter sind dagegen die Helmkräuter (Scutellaria). Eine Art konnte ich früher auf einer meiner Reisen am Naturstandort in der Osttürkei entdecken, sie wuchs zusammen mit Stechnelken in nahezu reinem Kalkschotter. Und so kann Scutellaria orientalis auch in unseren Breiten wunderbar gedeihen, sofern sie trocken genug stehen. Ältere Exemplare danken es mit überschwänglichen Blühen. Ein gelegentliches Zurückschneiden fördert einen dichten Wuchs des Polsters.

Mit zwei Bildern aus dem mediterranen Teil unseres Schaugartens möchte ich dieses Jahr beschließen. Hier dürfen sich die meisten Stauden austoben, lediglich einige Palmlilien (Yucca), sowie Bartfäden und Gräserhorste bleiben, wo sie ausgepflanzt wurden. Sie bilden das Gerüst, alles andere ordnet sich einer gewissen Eigendynamik unter. Gepflegte, geordnete Wildnis? Hier ein gutes Bild über Jahre zu schaffen ist eine Herausforderung und es entsteht ein kleines Kunstwerk!

Wie ich schon eingangs erwähnte, bin ich momentan mit unserem Webshop beschäftigt. Mit noch mehr Informationen und Bildern soll er bestmöglich auch als Nachschlagewerk dienen. Du kannst dir übrigens den Katalog auch in PDF-Format herunterladen und ausdrucken. Einige Artikel schreiben, man kann ja nicht Nein sagen, auch die Zeit der Vorträge und Seminare naht mit Riesenschritten, ich sehe schon, der Winter wird wieder viel zu kurz…

Falls du nicht ohnehin schon Mitglied bist: Die Gesellschaft der Staudenfreunde (GdS) ist eine hervorragende Plattform für Gleichgesinnte, wo du viele Ansprechpartner finden kannst. Vierteljährlich erscheint „Der Staudengarten“, das Magazin der GdS. Und unbedingt empfehlenswert ist natürlich
„Kraut und Rüben“, sowie die renommierte „Gartenpraxis“. Wenn dir nach tiefer gehenden botanischen Erkenntnissen zumute ist, dann empfehle ich dir die Mitgliedschaft der „Gartenbotanischen Vereinigung“ in Hildesheim. Auch sie bietet eine regelmäßige Rundschrift.

So wünsche ich dir einen ruhigen Dezember mit viel Lesestoff, in dem wir geistig und körperlich auftanken für die kommende Gartensaison.

Herzlichst
dein Staudengärtner Sarastro

Newsletter XI 2013 (Gräser, Gräser und nochmals Gräser!)

Liebe Pamina, hallo Papageno!

Du bist doch sicher ebenfalls meiner Meinung, dass Gräser in unseren Gärten nicht mehr wegzudenken sind. Sie gehören zum Garten wie das Salz zur Suppe, sie versüßen jedoch deinen Garten kolossal. Ohne Gräser wirkt eine Bepflanzung irgendwie halbfertig und unvollständig, ob es sich hierbei um eine naturalistische oder strenge Staudenanordnung handelt. Nun ja, soweit so gut, wir wissen es ja ohnehin, in jedem Buch steht es geschrieben, seit Karl Foersters „Einzug der Gräser und Farne in die Gärten“. Aber auch bei diesem Thema driften die Meinungen und Geschmäcker sehr weit auseinander. Während beispielsweise in Neuseeland und den USA ganze Gräsergärten zu bewundern sind und im Laufe der letzten Jahrzehnte Gräser eine nicht mehr wegzudenkende Rolle eingenommen haben, sind in Mitteleuropa solcherlei Pflanzungen höchstens vor modernen Bürogebäuden zu sehen, sozusagen als letzter architektonischer Schliff. Man versucht weiter, an Gartenschauen den Leuten mit einigen Präriegärten die Gräservielfalt schmackhaft zu machen oder pflanzt immergrüne Seggen mit ein und derselben Sorte äußerst plakativ zu Hunderten unter Bäume. Oder so wie wir, in dem wir Pfeifengräser, Diamantgras, Reitgras und Chinaschilf im Schaugarten zur herbstlichen Dominanz auffahren lassen!

Manches Mal denke ich mir, ob Österreich wirklich ein Land voll von Gräsermuffeln ist, abgesehen von dir natürlich! Hier dominiert zwar glücklicherweise in vielen Gärten inzwischen das Chinaschilf wenigstens in Form eines der sicher blühenden Pagels-Sorten, trotzdem setzt der Österreicher nach wie vor auf sein Lampenputzergras oder behübscht seine Kiesflächen mit dem meist einjährigen Mexikanischen Federgras (Nasella tenuissima). Man versucht sein Glück zum x-ten Male mit dem steifen Pampasgras oder pflanzt das Blutgras in Balkonkisterl oder auf den Friedhof, weil es angeblich sowieso nicht winterhart sei und weil es in seiner Verwendung größtenteils so suggeriert wird. Und in mancherlei Katalogen der österreichischen Baumschulen fand man bis vor kurzem tatsächlich noch immer den Blauschwingel als großflächigen Bodendecker abgebildet! Die 60er-Jahre werden wieder lebendig und lassen grüßen. Wenn ich versuche, meinen Kunden beispielsweise ein Diamantgras oder ein Pfeifengras schmackhaft zu machen, bekomme ich Antworten zu hören, die ich dir hier lieber nicht zum Besten geben will. Woran liegt bloß diese Abneigung? Erst jetzt im Herbst wird es besser, wenn in den Schauanlagen viele der ausgewachsenen Gräser zur Hochform auflaufen und allgemeine Bewunderung erregen. Vorher aber kannst du dir den Mund fusslig reden, ein kahler Topf im Frühjahr überzeugt eben die wenigsten, dafür aber umso mehr in dieser herbstlichen Zeit! Die meisten Gräser wachsen selbst noch im Spätherbst problemlos an, so dass einer Gräserpflanzung nichts mehr im Wege stünde.

Gräser im Garten entlocken manchen Zeitgenossen Begeisterungsstürme, aber auch Assoziationen zu verwilderten Unkrautg‘stettn. Dabei kannst du mir glauben, unsere hiesige, 150 qm große, an eine Prärie erinnernde Fläche bepflanzte ich Ende der 90er-Jahre, als von Präriegärten noch niemand sprach. Inzwischen ist sie ein wogendes Gräsermeer, die Pflege hat sich lediglich auf den Rückschnitt im zeitigen Frühjahr reduziert. Der Begriff „Prärie“ wird übrigens heutzutage auch andernorts sehr breit ausgelegt, denn dann stehen neben „echten“ Präriepflanzen und Gräsern wie Staudensonnenblumen, Indianernesseln und Rutenhirsen (Panicum virgatum) auch Chinaschilf und Pfeifengräser. Man darf also die geografische Bandbreite nicht allein auf Nordamerika fixieren, sondern das Gesamtbild der Pflanzung sollte dem einer Prärie nahekommen. Wobei ich selbst inzwischen lieber wieder schärfere Grenzen ziehe, weil in meinen Augen beispielsweise Hohe Fetthennen nichts mehr mit einer Prärie zu tun haben. Außerdem wird es immer schwieriger, den Unterschied zwischen einer der neuartigen Staudenverwendungsmethoden und einem richtigen („echten“) Präriegarten zu erkennen und zu definieren. Da bedarf es meines Erachtens doch einer klareren Abgrenzung, denn unter der Prärie versteht man eigentlich nur die Great Plains Nordamerikas, trotz vieler anderer Gräsersteppen der Welt. Und von dort kommen unzählige unserer bekanntesten Gartenstauden, bezaubernde Wildformen, aber auch jede Menge züchterisch verbesserte Sorten, mit denen locker auch eine Gartenprärie fabriziert werden kann, sofern wir überhaupt je den Platz dafür in unseren kleiner werdenden Gärten aufbringen können.

Zwei ganz typische Präriegräser möchte ich dir hier trotzdem so ganz nebenbei zum Besten geben. Links das Prärie-Besengras (Schizachyrium scoparium) in seiner graublauen Form. Eine wesentlich höhere Sorte, welche sich im Herbst kupferorange verfärbt, ist Schizachyrium scoparium ‘Cairo‘. Diese siehst du in der Mitte. Egal, für welche Auslese du dich auch immer entscheidest, dieses eindrucksvolle Gras möglichst trocken stehen, erst dann ist es richtig standfest und offenbart seinen straffen, unverwechselbaren Charakter. Und rechts erkennt man vor lauter Gras kaum, um was es sich hier handeln könnte! Es ist das Honiggras (Sporobolus heterolepis), welches zur Hochblüte im Sommer intensiv nach Koriander riecht, keineswegs nach Honig! Diesen Geschmack muss man allerdings mögen. Das Honiggras entwickelt sich erst nach vielen Jahren und präsentiert sich am schönsten, wenn es in lockeren Gruppen steht.

Beim nun folgenden Gras links unten scheiden sich die Geister. Manche empfinden solche Farben als eine Perversion für das Auge, andere sind restlos begeistert, da diese Blaufärbung wie von einer anderen Welt zu kommen scheint und von keiner anderen Pflanze getoppt wird. Ein Ende der Welt beginnt an der Magellan-Straße, am südlichsten Zipfel von Feuerland, von dort kommt Agropyron magellanicum, dieser nicht wuchernde Strandhafer, bei uns übrigens vollkommen winterhart, was ja nicht für alle Pflanzen dieser Gefilde zutrifft. Du solltest dieses Gras trotzdem mit Bedacht verwenden, es schätzt mineralischen Boden, der nicht zu sehr austrocknet. Hier steht es zwischen blau blühenden Bartblumen, flachen Fetthennen und Bartfäden.

Die Schönheit des Diamantgrases (Calamagrostis brachytricha) offenbart sich entweder unter leichtem Raureif oder wenn sich kleinste Regentropfen an den langen Rispen befinden. Dann fühlt man sich in ein Feenreich versetzt, einfach zauberhaft! Eine ganz besondere Form aus Korea bekam ich von einem holländischen Pflanzensammler. Die Rispen sind etwas lockerer und im Herbst von einem unwirklichen Grünspanschimmer überzogen. Noch ist nicht bekannt, ob es sich hierbei um eine eigenständige Art handelt, aber dieses Gras ist etwas ganz Besonderes!

Über Gräser könnte ich dir stundenlang vorschwärmen! Das Japangras (Hakonechloa macra) gehört zu meinen ganz besonderen Favoriten. Bedenke jedoch, dass es hier Sorten gibt, die nur sehr langsam wachsen und zur Entwicklung viele Jahre benötigen. Die rein gelbe ‘All Gold‘ zählt zu jenen Diven. Meine erste Begegnung mit wahren Monsterexemplaren des Japangrases machte ich im Botanischen Garten Linz, den ich dir übrigens zu jeder Jahreszeit nur wärmstens empfehlen kann! Besonders die grüne Form des Japangrases scheint momentan wieder sehr in Mode gekommen zu sein. In Linz stehen Riesenhorste, welche in Jahrzehnten fast zwei Meter im Durchmesser erreicht haben. Auch die beliebten Sorten ‘Aureola‘ und ‘Albolineata‘ können durchaus solche Ausmaße erreichen! Nebst einer ausreichenden Platzwahl im Garten kannst du dieses Wundergras übrigens auch viel sonniger pflanzen, als ihm in der Literatur allgemein zugestanden wird. Im Senkgarten in Bornim steht Hakonechloa macra ‘Aureola‘ in Plattenaussparungen nahezu in voller Sonne. Bei uns bewährt es sich sehr gut in einem Keramiktopf.

Hakonechloa macra, hier die bei uns verbreitete, grüne Normalform

die goldgelb gebänderte ‘Aureola‘

‘Aureola‘ in sonniger Position im Bornimer Senkgarten

die schwach wachsende Sorte ‘All Gold‘

Auch Topfkultur lohnt sich beim Japangras, bis tief in den Herbst hinein!

Außerdem liebe ich die Pfeifengräser (Molinia). Eberhard und Barbara Fluche in Roßdorf bei Darmstadt brachten mich schon Anfang der 80er-Jahre darauf, wie wichtig diese ornamentalen Gräser für jedem Garten sind und dass es hier die unterschiedlichsten Auslesen gibt, quasi für jede Gartensituation eine andere Sorte. Meine Lieblingssorte will ich dir gerne hier in einem Bild zeigen. Es ist ‘Transparent‘ von Karl Partsch, von den hohen Sorten die mit Abstand wohl eindrucksvollste.

Völlig unmöglich, dir hier die volle Schönheit zu präsentieren! Bei ‘Transparent‘ sind es vor allem die langen, gleichmäßigen, „transparenten“ Rispen und der lang anhaltende Flor, wobei dieses Gras immer wieder neue Rispen hervorbringt, bis der Zauber in einem grandiosen, gelblich-braunroten Herbstfeuer erlischt. Das untenstehende Bild knipste ich übrigens im Winter (!) 2010 im Botanischen Garten Dortmund. Die Regionalgruppe Dortmund der Gesellschaft der Staudenfreunde (GdS) hat sich dort in einzigartiger und vorbildlicher Weise verwirklicht, indem sie ein langgezogenes Staudenbeet konzipierte, welches sich nun schon jahrelang in voller Schönheit den Besuchern präsentiert.

Zum Abschluss zeige ich dir noch zwei Bilder, wo du die ganze Fülle und Pracht der Gräser zumindest erahnen kannst. Links unsere „Prärie“ in der Gärtnerei, rechts der Eingangsbereich des Orter Kindergartens, den wir vor vielen Jahren angelegt haben. Und wenn wir von Dauerhaftigkeit von Stauden reden, dann müssen wir die Gräser ganz einfach in jede Pflanzung mit einbeziehen! Jede dieser beiden Gräserpflanzungen steht nun mit Bravour bereits fast 15 Jahre. Und darum: genieße noch in vollen Zügen die ganze Fülle der diesjährigen, herbstlichen Gräserpracht, es lohnt sich!

Was tut sich in der Gärtnerei? Der Herbstversand läuft immer noch, zumindest bis zum Eintritt von Dauerfrost. Den Sommer über waren wir recht fleißig und haben auch die neue Stellfläche mit Stauden bestückt. Ebenfalls wurden einige Schaubeete neu bepflanzt. Das kleine Alpinum wurde revitalisiert und auch der Recycling-Steingarten im Eingangsbereich präsentiert sich nun wieder einigermaßen proper. Hierüber kannst du auch einige Bilder auf Facebook unter „Sarastro Kreß“ betrachten! Und ich bin schon dabei, während der dunklen Abendstunden unseren Webshop zu aktualisieren, ihn mit noch mehr Bilder auszustaffieren und auch die Pflanzenbeschreibungen zu verbessern, abgesehen von der einen oder anderen Neuheit, welche Einzug in unser Sortiment gehalten hat.

Ein frühlingshafter Oktobertag!

Die Zeit der Vorträge und Seminare bricht an, die Gartentreffs und Gärtnereibesuche werden langsam weniger. Auch bei uns in den Bezirken Ried und Schärding gibt es seit Jahren einen „Gartentreff für Jedermann“! Und falls du zufällig in Wien wohnst und Kontakt zu Gleichgesinnten suchst, dann schließe dich doch dem Verein „Acanthus“ an www.lustgaertner.at . Dieser honorige Zusammenschluss interessierter Gartenliebhaber unter der Leitung der bekannten Gartenbuchautorin Ruth Wegerer trifft sich in lockerer Folge über das ganze Jahr, mit Vorträgen im Winterhalbjahr und Gartenbesuchen und Reisen im Frühling und Sommer. Ich kann mich nur wiederholen, wie schade, dass ich nicht in Wien wohne!

Ich wünsche dir noch einen recht sonnigen Herbst mit vielen mußevollen Stunden!

Dein Staudengärtner Sarastro

Newsletter X/2013 („Auf zu neuen Ufern: Gemüsebeete mit Stauden, neue Beete erstellen, etc.)

Liebe Pamina, hallo Papageno!

„Auf zu neuen Ufern“ heißt ein Slogan, der in der Werbewirtschaft gerne benutzt wird. In der Staudenverwendung sind neue Ufer nur ganz wenige in Sichtweite, es scheint offenbar alles ausprobiert worden zu sein. Trotzdem kam mir dieses Jahr auf einmal die Idee, jede Menge Gemüse in einem neuen Staudengarten zu integrieren. Gar nichts Neues, wirst du bemerken! Stimmt allerdings, wenn man hierbei nur an den Rotblättrigen Grünkohl oder den buntstieligen Mangold denkt, welche auf diversen Landes- und Bundesgartenschauen großflächig verwendet wurden.

Meine Grundidee war aber trotzdem eine gänzlich andere. Ich wollte mit dem Gemüse zwischen meinen Stauden besonders junge Leute nachhaltig zum Garteln animieren! Nicht dort das zwanghafte, auf langweilige Beete reduzierte Gemüse im hintersten Gartenteil und hier das repräsentable, ständig statisch wirkende Staudenbeet wie in England, welches jedem gefallen muss. Die Lücken wurden statt mit Geranium einfach mit Salaten bepflanzt, dort eine Reihe Poree, hier Tagetes, dann eine Gruppe Rote Rüben. Mir ist vollkommen klar, es ist dies ein gewagter Versuch, der auch zum Scheitern verurteilt sein kann. Doch hat sich bis jetzt alles so positiv entwickelt, dass ich dir heute darüber berichten möchte. Entscheidend wird das kommende Jahr sein, wo die Lücken von neuem mit Gemüsesetzlingen belegt werden. Jäten muss ich hier wie dort, aber ich muss mir doch tatsächlich noch einen Fruchtfolgekalender erarbeiten!

Auf dem ersten Bild siehst du eine wohlvorbereitete Fläche in der Gärtnerei, versehen mit gutem Kompost und zusätzlichem Langzeitdünger, auf der ich begann, die unterschiedlichsten Einfassungspflanzen auszulegen. Die bestanden aus Frauenmantel (Alchemilla epipsila), Ysop, Sedum, Heuchera, Lavendel, Bergenien, Bergminzen. Danach wurden die Zwischenräume bepflanzt, zuvor jedoch einige markante Solitärstauden verteilt. Damit möglichts bald ein lustiges Blühen startet, integrierte ich das allseits bekannte Verbena bonariensis. Alles wuchs ganz gehörig, auch das Unkraut. Da kamen mir meine Leute zur Hilfe, damit den Sommer über auch alles recht proper und professionell wirken soll. Durch den raschen Wuchs schloss sich der Boden sehr schnell, bedingt durch die gründliche Bodenvorbereitung und die vorhandenen Nährstoffe.

Rote Rüben, Salat, „Innviertler Radi“ und andere gute Dinge

Die Wege werde ich wohl noch mit Klinker oder einem anderen frostfesten Belag ausstatten müssen, sonst beschwerst du dich, wenn an deinen Schuhen unnötig der Lehm haftet! Übrigens haben wir schon jede Menge Rote Rüben, Salat, „Innviertler Radi“ und andere gute Dinge geerntet. Der Ruccola blüht und blüht, dahinter die violette Aster dumosus, mit Petersilie umgarnt.

Sehr angetan war ich in letzter Zeit von einer Sorte Kübelpflanzen aus Südafrika, die Schopflilien (Eucomis). Einige Arten vertragen sogar einiges an Frost und sind in sehr milden Gebieten fast als winterhart zu bezeichnen. So jedenfalls im milden, badischen Freiburg. Ihren eigenartigen Blütenständen wegen werden sie auch Ananaslilien genannt. Sie laufen im Hochsommer zur  Hochform auf und verfärben sich nach ihrer Blüte dunkel, um dann bis in den Spätherbst hinein sehr dekorativ auszusehen. Anschließend warte ich immer, bis Dauerfrost eingesetzt hat, um sie dann in ein Kalthaus zu räumen, ganz ähnlich wie deine Agapanthus! Du kannst die Schopflilien auch direkt im Beet zwischen Prachtstauden integrieren und im Spätherbst wieder ausgraben. Puristen werden sie mit Schmucklilien, Montbretien und Kniphofien vereinen, obgleich ich gerade dies eher stupide finde, denn bekanntlich ist in der Pflanzenverwendung der Fantasie keine Grenze gesetzt. Sei daher spielerisch im Umgang mit deinen Pflanzen und beachte nur die grundlegendsten Dinge. Wir lernten noch die Faktoren Licht, Luft, Wasser, Erde, die Basis aller Dinge.

Würdest du bei den dunkellila Blüten unten rechts auf einen Ehrenpreis tippen? Eine sehr außergewöhnliche Staude, die mit ihren langen Ranken in der Bergwelt Japans über feuchte, schattige Felsen wächst. Außergewöhnlich sind ganz besonders die dunkellila Blüten in den Blattachseln, die schon von weitem auffallen. Veronicastrum villosulum könntest du ähnlich wie in der Natur auch in deinem Garten verwenden, aber wer besitzt schon Felspartien im Garten? Keine Angst, diesen Ehrenpreis kannst du auch als Bodendecker im Gehölzbereich zwischen Funkien und Co. verwenden. Die Blätter sind wintergrün und verfärben sich rötlich in der kalten Jahreszeit.

Bewusst am richtigen Ort gepflanzt kann jede Staudensonnenblume eine ungeahnt imposante Wirkung erzielen, egal welche Sorte. Diese Gattung beherrscht im gesamten Oktober unseren Schaugarten derart, dass man langsam schon regelrechte Platzangst bekommt, wenn der gewohnte Weg durch den Garten durch seine eigenen Pflanzen immer mehr zuwächst. Aber ratzfatz hast du damit einen Strauß gebunden, ein paar Sonnenblumen mit Astern und einigen Hostablättern, schon ist der Weg wieder frei. Ich bin eben nicht der Meinung, dass reine Solitärstauden immer als Hintergrundpflanzen fungieren, sondern brechen jegliche Norm, wenn sie sich am Wegrand zeigen. Dies gilt übrigens auch für manches Ziergras, welches dich beim Vorbeigehen elegant umschmeichelt.

Hingegen an einem ganz anderen Ort sähen sich jedes Jahr zwei Pflanzen aus, welche dich an einem Wegesrand zur Verzweiflung bringen würden! Die Eselsdistel (Onopordon acanthium) ist so was von dekorativ und derartig stachelig, dass ich sie vor Jahren in den Hintergrund eines Kiesbeetes pflanzte. Daneben steht eine Gruppe zweijähriger Echinops sphaerocephalus, deren Samen ich übrigens im Osten Österreichs sammelte. Gleich daneben ging die Dritte im Bunde auf, eine Königskerze aus der trockenen, anatolischen Hochebene. Durch puren Zufall entstand so ein sehr harmonischer Dreiklang. Streng aufrechte Blütenschäfte, Kugelformen und bizarre Verästelungen. So etwas kannst du in deinem Garten durchaus realisieren, in dem du die Sämlinge gewähren lässt und nur dort korrigierend eingreifst, wo  Eselsdistel, Echinops und Königskerzen einmal zu sehr überhand nehmen. Über diese Art zu gärtnern werde ich dir im ausgehenden Winter noch sehr ausführlich berichten, denn es wird darüber ein Buch darüber erscheinen!

Oktober ist eine Zeit der Ernte, aber auch eines Neubeginns für das kommende Jahr. Auch so manches Staudenbeet sollte durchaus einen Neustart wagen. Im Hochsommer nahm ich einen Spaten zur Hand und grub an einem Samstagnachmittag alles aus, was sich darin befand. Meine Angestellten motzten zwar, weil etlicheHemerocallis, Veronicastrum und  Phlox gerade jetzt so schön seien. Dazwischen wucherte allerdings die weißbunte Form von Carex alba, die ich in einem Anflug von Euphorie am Rande pflanzte und jetzt alles andere mit ihren Rhizomen durchzog. Schön ist sie ja, in einem abgegrenzten Brunnenring, und wenn, dann   nur im Frühling, wenn sie aus der Ferne so leuchtend weiß  strahlt. Und wenn ich mir etwas Neues einbilde, dann hat dies gleich eine durchschlagende Wirkung in Form von Tatendrang. Über den weiteren Verlauf dieses Inselbeetes werde ich dir natürlich ausführlich berichten! Nach der schweißtreibenden Arbeit kam jedenfalls eine Busexkursion aus Bayern mit jede Menge wissbegieriger Damen, denen ich gleich über Sinn und Zweck der guten Bodenbearbeitung aufklärte.

Der Oktober ist wie der September ein zweiter Frühling. Diese Zeit nützen wir aus, in dem noch sehr viele Pflanzen getopft und vermehrt werden, wo es im Sommer zu heiß war. Diesen zweiten Frühling kannst du ebenfalls ausnutzen, in dem wie früher nach alter Väter Sitte nicht nur Obstbäume gepflanzt werden, sondern auch die allermeisten Stauden, einschließlich der Blumenzwiebeln. Wir halten für dich ein breites Sortiment an Zwiebeln in kleinen Säckchen abgepackt bereit, die ohne Weiteres bis in den November hinein in den Boden gebracht werden können – um dir den Frühling vorzubereiten. Und über die derzeitige Pracht der Astern und Gräser hier in der Gärtnerei brauche ich gar nicht erst zu schwelgen!

Herzlichst
dein Staudengärtner Sarastro

Newsletter IX/2013 (Zu Phloxzüchtern in Russland)

Liebe Pamina, hallo Papageno!

Hast du den Sommer gut überstanden? Was heißt hier überstanden, hast du ihn trotz Rekordtemperaturen wenigstens genießen können? Bei uns wurden tatsächlich Temperaturwerte gemessen, die jenseits von Mitteleuropa lagen. Mit Gießen unserer Schaugärten und meiner Gartenbeete bin ich bekanntlich eher auf der sparsamen Seite. Aber an jene Julitage dieses Jahres werde ich wohl mit Schrecken erinnert, wo unser geliebter Schaugarten immer trauriger aussah und dahinwelkte, bis der erste erlösende Guss sich abzeichnete und dem Spuk ein Ende bereitete. Denn der Regner lief morgens und abends über den Töpfen, nicht jedoch in den Schauanlagen!

Und hierzu fällt mir sogleich Beth Chatto ein. Ihren bekannten Schaugarten besichtigen wir Ende der 80er und Anfang der 90er-Jahre mehrmals hintereinander. Ich besitze noch Aufnahmen von den weitläufigen, hellbraunen Rasenflächen, nach sieben Wochen Trockenheit. Beth Chatto erzählte uns damals, dass die Region East Anglia zu den trockensten Ecken Englands gehört, sie aber trotz allem noch nie eine solche Dürre erlebte. Den Folgen bewusst ließ sie ihre Schaugärten nicht beregnen, um zu sehen, in welchem Maße die Natur regenerierungsfähig ist. Ein Jahr später besuchten wir wieder Beth Chatto und siehe da, man merkte nichts mehr von der im Jahr vorangegangenen Dürre! Die Natur zeigt sich auch in Extremsituationen recht gnädig. Trotzdem schien dies Beth Chatto vielleicht dazu bewogen zu haben, ihren ehemaligen Parkplatz vor der Gärtnerei in den inzwischen weltberühmten Gravel Garden (Kiesgarten) umzuwandeln, in weiser Voraussicht, dass sich Klima und Temperaturen auch in England dramatisch ändern könnten und Trockenheit und Hitze auch in maritimen Gegenden an der Tagesordnung sein werden.

‘Margri‘

‘Ana Gaganova‘

Anfang August reiste ich wieder in den Nordwesten Russlands, ich schrieb dir im letzten Brief kurz davon. Eigentlich wollte ich diesen Sommer gar nicht weg, aber ich bekam eine Einladung von Svetlana Voronina, der Organisatorin der Phlox-Ausstellung, an der Phlox-Prämierung in St.Petersburg teilzunehmen und überdies einen Vortrag vor russischen Gartenliebhabern zum Besten zu geben. Dem kam ich gerne nach – welch große Ehre! Und die ganze Reise samt den vielen Kontakten rund um den Phlox war überwältigend und so grandios, dass ich noch lange daran denken werde. Wir fuhren weit auf das Land hinaus und besuchten Phloxliebhaber und – züchter und bewunderten umfangreiche Pflanzensammlungen. Du solltest nämlich wissen, dass der Phlox in Russland ungefähr denselben Stellenwert besitzt wie die Rose bei uns. Oder die Iris und Taglilien in den Vereinigten Staaten.

Hier möchte ich dir nur mit ein paar Bildern einen ganz kleinen Querschnitt dessen zeigen, was dort im Busch ist! Mir fiel auf, wie dort der Phlox vor Gesundheit strotzte und allabendlich die sommerlichen Gärten in einen Farbenrausch verwandelte. Gerade in diesen Gefilden, wo die Sommertage bis 23 Uhr dauern, wird einem bewusst, wie sehr die Phlox dazu beitragen, einen nordischen Sommertag zusätzlich zu verlängern und Monate später die Tristesse der kurzen Jahreszeit zu vergessen.

Phlox in verspielten Pastelltönen, in Rauchfarben und Lavendelblau, in Knospenformen, Wolken – und Kugelformen, bei einem russischen Gärtnerkollegen.

Links im Bild eine Sorte mit den wohl größten Blüten…

Und hinter solchen Farbspielen wie rechts bei ‘Pegun‘ sind die russischen Züchter und Phloxliebhaber am meisten her!

Die Zuchtrichtungen sind äußerst vielschichtig und mannigfaltig. Man findet nicht nur Sorten mit riesigen Einzelblüten, sondern auch Sorten mit dumpfen Farben und Pastelltönen, sowie natürlich den typisch russischen „Rauchphlox“. Ich bin mir sicher, dass auch du unweigerlich zum Phloxfreund wirst, wenn du diese Fülle siehst! Eigentlich hatte ich nie viel am Hut mit dieser scheinbar auf volkstümliches Niveau gezüchteten, typischen Bauerngartenstaude, aber hier wird man vom Virus unweigerlich angesteckt, die Vielfalt war einfach überwältigend!

Unten links eine der höchsten Sorten überhaupt, samt seiner Züchterin! Und in der Mitte siehst du die Leute, die ich kennenlernen durfte und mit denen ich unterwegs war, bis auf Sergey, der uns fotografierte. Ich bin überzeugt, dass meine dortigen Freunde einen Teil des Programmes auch mir zuliebe organisiert hatten und dafür bin ich ihnen unendlich dankbar. Es war übrigens auch die Enkelin von Pavel Gaganov mit von der Partie (dem wichtigsten russischen Phloxzüchter in der Vergangenheit)! Überwältigen konnten auch die Sorten, welche geradezu eine wolkenartig üppige Blütenfülle aufwiesen, wie ‘Gusarskaja Ballada‘.

Links unten im Bild siehst du eine der riesigen, russischen Nationalsammlungen, in der unter anderem historische Sorten zu finden sind, die man andernorts schon vergeblich sucht. Mir fiel die besonders schwere, schwarze Erde auf, in der die Phloxe wuchsen. Man erzählte mir, dass alle fünf Jahre konsequent der ganze Bestand verpflanzt wird. Rechts im Bild ‘Uralski Skazy‘, neben ‘Anna Karenina‘ und ‘Margri‘ eine meiner russischen Lieblingssorten. Diese Sorte von Pavel Gaganov ist schon länger in Kultur, man kann die Farbe gar nicht beschreiben, es ist ein geradezu stumpfes Rosa mit einem dunkelrotem Auge, nichts ungewöhnliches, aber über der Blüte liegt ein zarter, perlmuttfarbener, bläulicher Hauch – einfach unvergleichlich und einmalig!

Phlox überall, in zahllosen Landgärten…

… und Phlox mitten in der Stadt an einer orthodoxen Kirche

Unterwegs bei einigen Phloxzüchtern, irgendwo weitab in ländlichen Gefilden. Im Gewächshaus wachsen Gurken und Tomaten, davor ist kein Durchkommen möglich, weil jeder Quadratmeter voll von Sämlingsneuheiten steht. Aber auch in der Verwendung im Staudenbeeet zeigen die russischen Gartenliebhaber durchaus Kreativität. Und vielleicht gelingt uns in Zukunft ebenfalls eine Alternative, den Phlox einmal auch anderweitig als in schnurgeraden Hofeinfahrten zu präsentieren!

Nach den zeitraubenden und weiten Exkursen auf das Land hinaus fuhren wir sodann nach St.Petersburg, wo die inzwischen bekannte Phloxausstellung „Mir Floksow“ (Die Welt der Phloxe) stattfand. Ich half ein wenig bei Aufbau und beim Verteilen der vielen Vasen. Als dann die rund 240 Phloxsorten samt floristischen Gestecken fix und fertig dastanden, roch der ganze Saal atemberaubend nach dem bekannten Pfefferduft des Phloxes.

Links siehst du rund 70 Sämlinge und neue Selektionen, die ich zusammen mit vier Phloxkennern bewerten durfte. Dies war eine sehr anspruchsvolle Angelegenheit nach strengen Bewertungskriterien, die rund zweieinhalb Stunden in Anspruch nahm. Meine Mitbewerter waren äußerst kritisch und begutachteten jede Blütenrispe, jeden Stängel bis auf’s letzte. Bei der anschließenden Auswertung waren wir überrascht, wie nah beieinander wir mit der Punktezahl bei den besten fünf Phlox lagen! Die darauffolgende Prämierung wurde von den beiden Kuratorinnen des Botanischen Gartens, sowie Russlands bekanntester Phloxzüchterin Elena Konstantinova vorgenommen.

Anschließend hielt ich meinen Vortrag in der Bibliothek des Botanischen Gartens von St. Petersburg. Sergey Kalyakin ist Chefredakteur der bedeutendsten, russischen Gartenzeitschrift „Sadovnik“, er hat meine Ausführungen vom Englischen für die Zuhörer ins Russische übersetzt.Wir waren ein geradezu perfektes Team! Der Vortrag handelte über Staudenverwendung und Neuheiten im deutschsprachigen Raum.

Ich kann dir hier natürlich nur einen winzigen Teil von dem zeigen, was ich alles zu Gesicht bekam. Demzufolge schwer war auch die Auswahl der Bilder. Viel ausführlicher kannst du die Phloxe in Form eines Vortrages ansehen, welchen ich im Laufe des Herbstes zusammenstellen werde. Einige GdS-Gruppen haben schon Interesse bekundet, einen Vorgeschmack dessen kannst du im September in Weingartsgreuth anlässlich von „Faszination Garten“ erleben, wo ich dich in wesentlich kürzerer Form ein wenig in die tiefe Phloxseele Russlands einweihen werde.

Eine der neuesten Selektionen von Elena Konstantinova ist ‘Mister X‘, den sie mir unter Blitzlichtgewitter sozusagen als Gastgeschenk überreichte (ganz links), ich war dann doch etwas gerührt! Gespannt darf man sein, ob sich diese Rauchfarben auf Dauer bei uns durchsetzen und ob sie überhaupt so spektakulär werden, denn der Geschmack hiesiger Staudenliebhaber ist anders, außerdem unser Klima bedeutend wärmer und nicht so kontinental geprägt. Elena züchtet vor allem mit dem Fernziel, lange blühende, standfeste Sorten auszulesen, die sich selbst „putzen“ und die auf unterschiedlichen Böden dieselben Qualitäten zeigen.

Es existieren übrigens Aberhunderte an russischen Sorten, historische Kultivare und brandneue Züchtungen, allerdings sind nur die allerwenigsten bei uns in Kultur. ‘Nachodka‘ und ‘Uspech‘ wurden inzwischen auch bei uns verbreitet.

Und in diesem Zusammenhang möchte ich dich kurz noch über eine Unsitte aufklären, die leider bei uns um sich greift. Nur weil beispielsweise ein Name wie ‘Uspech‘ in den Augen mancher Firmen nicht „marktfähig“ erscheint, wurde dieser beispielsweise in ‘Laura‘ umgetauft. Dies ist nur dann in Ordnung, wenn man einer unbekannten Sorte eine Zeitlang einen Arbeitsnamen verpasst. Gelegentlich werden leider auch bekannte Sorten mit englischen Namen versehen und im schlimmsten Fall wird dann jene Sorte obendrein noch als eigene Kreation geschützt (Nicht nur bei Phlox!). Dies ist nicht nur extrem unseriös, sondern den Züchtern gegenüber höchst unfair! Außerdem bin ich fest davon überzeugt, dass es gerade bei Phlox in Zukunft die russischen Namen sind, die die Gartenliebhaber magisch anziehen und mit geheimnisvollem Charme und unverwechselbaren Farbkompositionen verbinden.

Russland ist auch berühmt durch seine wundervollen Gebäude, die dir auf Schritt und Tritt begegnen. Überall, auch auf dem Land werden Kirchen und historische Anlagen liebevoll und aufwändig restauriert.

Wieder zuhause musste ich leider feststellen, dass unsere Schaurabatten in der Gärtnerei momentan äußerst blütenarm waren. Das berühmte Sommerloch? Und was war nun das Resumee meiner Reise? Das der Phlox ein Fresser und ein Säufer ist, die Heimat unendlich bleibt, man reist und bleibt doch, aber wenn schon – denn schon! Auch Karl Foerster stand schon mit Pavel Garganov in enger Verbindung, dem Züchter, der den aus Amerika stammenden Phlox in diesen Riesenland erst so richtig populär machte.

Ab dem 9.September verschicken wir wieder Pflanzen an dich. Der Herbst ist ja sozusagen unser zweiter Frühling, daher lassen sich nahezu alle Stauden problemlos im September bis Anfang November im Garten pflanzen. Der Boden ist warm, die Stauden wachsen schnell ein und sind den im Frühjahr gepflanzten eine Nasenlänge voraus.Unter www.sarastro-stauden.com findest du im Webshop sicher das richtige für deinen Garten!

Oder besuche uns in der Gärtnerei, die Astern und Gräser laufen ab Mitte September zur Hochform auf! Außerdem halten wir für dich wieder Zwiebelpflanzensortiment bereit, dieses Mal noch sortimentsbreiter als gewohnt!

Ansonsten sehen wir uns vielleicht auf der „Illertisser Gartenlust“ am 8. und 9. September oder bei „Faszination Garten“ in Weingartsgreuth am letzten Wochenende im September, dies ist gleichzeitig unser letzter Pflanzenmarkt im Jahr.

In diesem Sinne wünsche ich dir einen goldenen Herbstanfang!

Dein Sarastro

Newsletter VIII/2013 (Neue, eigene Indianernesseln, einige Doldenblütler)

Liebe Pamina, hallo Papageno!

Man sollte glauben, dass die Wünsche bei den Indianernesseln bezüglich Farbe, Wuchsverhalten und weiteren Aspekten inzwischen alle abgedeckt wurden. Weit gefehlt! Neben der unglaublichen Farbpalette von Rot über violette Töne, Weiß und Rosa stehen uns zudem Zwergsorten und hohe Hintergrundsorten zur Verfügung. Doch wie steht es um diesen lästigen Mehltau, der die meisten der schönen Sorten nach einigen Jahren befällt? Wie dauerhaft sind denn deine Indianernesseln? Ich empfehle den Kunden immer ein regelmäßiges Verpflanzen in nicht zu schweren Boden, versorgt mit einer gehörigen Kompostgabe. Dies danken Indianernesseln mit einem vitalen Wachstum, der Mehltau stellt sich erst viel später im Jahr ein und nicht zur Blütezeit. Solche „Müllerburschen“ ergeben kein ästhetischen Anblick, wie es schon Karl Foerster treffend formulierte, nur meinte er damit in erster Linie den Rittersporn.

Von Ewald Hügin nahm ich schon vor langer Zeit eine Indianernessel-Wildart mit, die sich durch nahezu mehltaufreies Wachstum auszeichnet. Jene Monarda fistulosa ssp. menthaefolia besitzt dunkle Stängel, hat schmale Blättchen und relativ langweilige, lockere, hellrosa Blütenquirle, mit der man hierzulande keine Bäuerin überzeugen kann! Nebenbei sind jedoch die Blüten und jungen Triebe dieser Wildart aber in der Küche als ganz hervorragendes Pizzagewürz zu gebrauchen. Jeder Oregano verblasst vollkommen gegen jene ätherischen Öle dieser Indianernessel aus den Weiten der USA! Auch diese angenehme Eigenschaft musste sich erst in der hiesigen Schweinebraten-Gesellschaft durchsetzen.

Ich pflanzte sie probehalber in eine Ecke unserer Schaugartenprärie, wo sie ihr Dasein neben Rudbeckia fulgida ssp. sullivantii ‚Goldsturm‘ und hohen Veronicastrum fristete. Wenig später wurden weitere Indianernesselsorten in vordergründige Lücken gepflanzt, sie nahm ich einst von Piet Oudolf mit. Ihre indianischen Namen klangen sehr vielversprechend, einige bewährten sich sogar über viele Jahre, wie beispielsweise ‚Mohawk‘ . Bis ich dann zwischen den Rudbeckien einige Sämlinge entdeckte, die durch ihren niederen Wuchs, den schmalen Blättern und den unvergleichlichen Duft von Monarda fistulosa auffielen, aber in den Farben und in ihrer Blütengröße wesentlich mehr überzeugten. Und das Ungewöhnliche war, dass sie jedes Jahr immer prächtiger und schöner wurden, keinerlei Auswintern oder Rückwärtswachsen wie bei anderen Sorten! Der beste Nebeneffekt neben ihren kontrastreichen, dunklen Stängeln aber war, dass sie sich nahezu ohne Echtem Mehltau präsentieren.

Was Neuheiten anbelangt, bin ich ein sehr kritischer Mensch, längst nicht so detailverliebt wie andere Zeitgenossen. Vieles, was wir an Sorten auslasen, wurde später wieder verworfen. Nur deutliche Unterschiede haben das Privileg, sich am Markt zu behaupten, ist zumindest meine Meinung. Zuviel ist unterwegs, was seinen Namen nicht verdient. Selbstverständlich harren auch meine neuen Monarden erst dem Prüfstein des Marktes. Aber im Garten haben sie die Bewährung bestanden, denn nach über 7 Jahren Dauerhaftigkeit entschloss ich mich, sie doch zu vermehren und ihnen Namen zu verpassen. Nachdem Piet damals etliche Indianerstämme der Prärie in seinen Sorten verewigte, muss ich mir doch was anderes einfallen lassen. Noch ist ja Zeit dazu!

Und hier siehst du einige unserer Auslesen, die spontan bei uns entstanden, die sich inmitten von Rutenhirsen, Goldruten und Sonnenhüten über Jahre behaupteten. Im letzten Rundbrief schrieb ich dir von einigen Doldenblütlern. Einige sind sehr dauerhaft und werden jedes Jahr schöner, so unser inzwischen heiß begehrte Haarstrang aus den Bergen Bosniens. Andere wiederum kannst du als kurzweiliges Vergnügen selbst im Garten ansiedeln. Orlaya grandiflora gehört dazu. Aber Vorsicht, dass diese nicht überhand nehmen! Zum Glück lassen sie sich leicht entfernen. Die Gattungen der Herkulesstauden und Engelwurzen beherbergen zweijährige und ausdauernde Arten. Auch hier sind wir am testen und ausprobieren. Eine herrliche, ostasiatische Art ist Angelica taiwanensis mit ihren sehr frühen, grünlichgelben Blütendolden. Angelica gigas ist inzwischen allseits bekannt durch ihre unvergleichlich schönen, weinroten Dolden. Im Hintergrund deines Teiches oder zentral im Beet findet sicher auch bei dir einige dieser Solitärstauden Platz, die nicht nur durch ihre Imposanz überzeugen, sondern auch aus nächster Nähe unglaublich reizvoll sind! Und es lassen sich ungeahnte Effekte erzielen, wie ich dir im Bild unten zeigen möchte!

Übrigens blüht unser Tagliliensortiment momentan aus allen Stücken! Wir vermehren rund 150 moderne und ältere Sorten, größtenteils von deutschen und österreichischen Züchtern. Du kannst in diesem Fall auf vollkommen robuste und widerstandsfähige Sorten für deinen Garten zurückgreifen. Besonders die Selektionen von Franz Erbler aus Bad Hall in Oberösterreich zeichnen sich durch klare Farben und hoher Reichblütigkeit aus. Dies sind äußerst wichtige Faktoren, denn so manche hoch gezüchtete Sorte aus den Südstaaten der USA eignet sich in unseren Gärten nur bedingt, wenngleich ihre Farben und Formen zu den Wundern der Pflanzenzucht zählen. Wachstumsdepressionen und mangelnde Härte schmälern die Freude dieser Sorten.

Dies war ein kurzer, sommerlich geprägter Brief. Schon in den kommenden Tagen verreise ich in Sachen Phlox wieder gen Nordosten. Später mehr hierzu! Im August findest du uns in Maikammer in der Weinpfalz. Dort findet einer der wenigen Pflanzenmärkte im Hochsommer statt. Hoffentlich ist es nicht wieder so heiß, wenngleich die Pfälzer die Hitze viel mehr gewohnt sind als die Bayern oder Österreicher. Falls du im Großraum Karlsruhe-Saarbrücken-Frankfurt zuhause bist, würde es mich freuen, dich dort anzutreffen. Maikammer ist sehr idyllisch, neben einer tollen Umgebung findest du eine phantastische Pflanzenauswahl vor!

Jedenfalls würde ich mich sehr freuen, dich bei uns begrüßen zu dürfen! Ein Abstecher ins malerische Salzkammergut oder eine Bergtour lohnt sich bei diesem Wetter auf jeden Fall!

Der Versand der Stauden beginnt wieder, sobald eine kühle Wetterphase ins Land zieht, spätestens jedoch ab dem 10. September!

Hochsommerliche Gartengrüße von Sarastro!

Newsletter VII/2013 (Chrysogonum, Teucrium, Aegopodium, Rohdea)

Liebe Pamina, hallo Papageno,

Der Sommer steht in der Tür, hoffentlich wird es wieder mal so richtig Sommer, denn die letzten paar Jahre hielt er sich ja deutlich zurück. Nichts mehr mit Tropennächten im Innviertel! Der Siebenschläfer-Tag zeigt uns angeblich, wie das Wetter in den kommenden Wochen wird… nun, es war durchwachsen.

Viele Freunde und Kunden fragten uns besorgt, ob wir auch vom letzten Hochwasser betroffen waren. Ich kann dir versichern, zum Glück nicht, da unsere Gärtnerei etwas höher liegt. Aber die idyllische Lieblingsstadt Schärding und auch Passau wurden arg in Mitleidenschaft gezogen. Von dort bekamen wir schreckliche Bilder zu sehen! Wasser kann segenbringend sein, aber bekanntlich auch zum Fluch werden.

Bei den Gartentagen in Seitenstetten hatte ich dieses Jahr ein Paradeexemplar unserer inzwischen weitum bekannten Sarastro-Glockenblume mit. Sie stand in einem großen Tontopf und hatte Aberhunderte an Blüten, die sich dicht an vielen Rispen drängten. Drumherum standen kleine Verkaufspflanzen, die aufgrund der großen Schaupflanze reißenden Absatz fanden. Immer wieder kam jedoch die ungläubige Frage, ob diese fantastische Glockenblume denn auch wirklich winterhart sei? Ich wunderte mich immer mehr über diese Frage, war doch Campanula ‘Sarastro‘ inzwischen in vielen Gärten weit verbreitet! Die Entstehungsgeschichte hatte ich dir sicher schon einmal in einem Brief mitgeteilt, doch werde ich diese gerne noch einmal zum Besten geben, da inzwischen eine Menge Gartenfreunde und Staudenfans den Rundbrief neu erhielten und denen vielleicht keine detaillierten Kenntnisse über unser Paradestück bekannt ist.

Die Sarastro-Glockenblume entstand Anfang der 90er-Jahre aus zwei ungezähmten Wildarten als Kreuzungsprodukt, aus einer ausgepflanzten C. punctata var. hondoense aus Japan und C. trachelium, die ganz in ihrer Nähe wild aufgegangen ist. Die Japanerin ist in ihrem Wachstum sehr fleißig und wuchert ungemein, durchzieht mit ihren Rhizomen binnen eines Jahres ganze Flächen, dazu hat sie hübsche, cremeweiße Blüten. Die europäische Nesselblättrige Glockenblume sät sich dagegen aus, dass es eine wahre Pestilenz ist! Anscheinend kreuzten sich die beiden, denn eines Tages fand ich im Privatgarten einen tief violettblau blühenden Sämling mit einer typischen, langgezogenen Glockenblumenblüte, wie sie die Punktierte Glockenblume aufweist, nur wesentlich größer. Diesen grub ich sofort aus und pflanzte ihn auf das Mutterpflanzenbeet meiner früheren Arbeitgeber auf. Ja, so lange war dies schon her! Dieser noch schwache Sämling entpuppte sich als eine ganz herrliche Gartenglockenblume, die über einen langen Zeitraum blüht. Ich stellte damals bald fest, dass diese Glockenblume nicht wuchert und auch keinerlei Samen ausbildet, sich obendrein äußerst gartenwürdig benahm.

Von Dr. Hans Simon aus Marktheidenfeld stammt jene weitum bekannte und hervorragende, rot blühendeAnemone japonica ‘Pamina‘. Da ich in jenen Jahren Mozarts Zauberflöte eine Zeitlang bis zum Exzess hörte, kam mir der Hohepriester Sarastro in den Sinn, der sich zu Beginn als böser Herrscher aufführte, sich dann aber zum guten Geist entwickelte. Genau dieser Wesenszug entsprach meiner Glockenblume! Sie war steril, säte sich also nicht aus. Außerdem wucherte sie nicht, benahm sich insgesamt als äußerst gartenwürdig. Im Rosengarten von Seitenstetten erlebte man ihr wahres Können, dort stand sie im barocken Stiftsgarten vor einer Gruppe von Rosa gallica ‘Versicolor‘. Mindestens acht Jahre war sie zur Rosenblüte ein beeindruckender Blickfang, dann aber wurde sie weniger und musste durch andere Stauden ersetzt werden.

Schneidet man nach der Blüte die Rispen auf die Hälfte zurück, dann blüht ‘Sarastro‘ aus ihren Blattachseln erneut. Wenn auch dieser Flor am Ende ist, kannst du sie ganz zurückschneiden, was zum erneuten Blütenwachstum anregt, wenngleich dieser sich nur mit vereinzelnden Rispen zeigt und mit ihrer Hochblüte natürlich nicht zu vergleichen ist. Zum optimalen Wachstum und dauerhaft gutem Gedeihen empfehle ich dir, ihr einen sonnigen bis halbschattigen Standort zu verpassen. Ein offener, lehmig-humoser Boden mit reichlichen Kompostgaben trägt dazu bei, dass diese prächtige Staude zu einem Blickfang wird, wo dich alle darum beneiden! Und denke auch an die Schnecken, und zwar rechtzeitig! Diese solltest du gleich im März mit einem bekannten, biologischen Schneckenkorn bekämpfen. Und es sei hier noch einmal verdeutlicht, dass der berühmte Kranz aus Schneckenkorn um deine Hosta, Glockenblumen und sonstigen Leckerbissen nur wenig nützt, hingegen breitwürfig im ganzen Garten sehr wohl eine gute Wirkung besitzt.

Übrigens wurde die Sarastro-Glockenblume in Chicago als die weltweit beste Glockenblume für Beete gekürt! Hätte ich sie damals patentrechtlich schützen lassen, wäre mir mit den Jahren sicher nicht wenig Kleingeld zugeflossen, aber irgendwie widerstrebt mir, Leben zu patentieren. Ich entschied mich damals aber dafür, meine Gärtnerei nach ihr zu benennen, so wie es in Großbritannien und Holland vielfach üblich ist. Sarastro-Stauden klingt doch treffender als Staudengärtnerei Kreß, oder? Dieser Entschluss hat quasi einen doppelten Werbeeffekt und jedermann denkt vielleicht ein wenig an uns, wenn er diese schöne Glockenblume in einem Garten sieht.

Es gibt Stauden, welche auch einem erfahrenen Staudengärtner einiges an Können abverlangen und sich eine erfolgreiche Vermehrung erst nach Jahren der Beobachtung und des Probierens einstellt. So geschehen mitPeucedanum longifolium, einer engen Verwandten zu unserem einheimischen Haarstrang Peucedanum officinale. Ich sammelte seinen reifen Samen an einer Passhöhe inmitten Bosniens vor rund 10 Jahren. Der Samen ging auf und ich pflanzte die wenigen Pflanzen in unsere Schaubeete. Dort erregten sie allgemeine Bewunderung, denn der filigrane Austrieb ist wirklich sehenswert und sehr beeindruckend. Doch um diesen tollen Doldenblütler einer breiten Käuferschicht zugänglich zu machen, genügten nicht die paar Exemplare in den Beeten, sondern es bedarf ständiger Nachzucht. Doldenblütler erfreuen sich allgemein immer größerer Beliebtheit, aber unser Haarstrang vom Balkan wollte und wollte nicht blühen, geschweige denn Samen ansetzen. Die Sommer waren bei uns zu kurz und der Boden anscheinend zu fett und zu schwer. Doch im letzten Jahr blühten sie alle gleichzeitig, auch einige Exemplare bei einem Freund in der Buckligen Welt, welcher mir dann den Samen schickte. Und die meisten gingen problemlos auf. Du musst wissen, dass der Staudengärtner gerade bei Doldenblütler auf frischen Samen angewiesen ist, vegetative Vermehrung ist bei vielen nur unergiebig, bei diesem Haarstrang sogar unmöglich. Nun, jetzt nach so vielen Jahren sind wir endlich in der Lage, dich ausreichend beliefern zu können!

Peucedanum longifolium im Austrieb, dahinter Silphium perfoliatum, die Kompasspflanze.

Und rechts ein blühendes Exemplar, die Rispen werden fast mannshoch.

Ewig hat man irgendwelche Ecken im Garten, die einer Überarbeitung harren und an denen man Hundertmal vorbeiläuft und man sich ungezählte Momente über ihren Zustand ärgert. So befand sich bei uns in der Gärtnerei eine kleine Abstellfläche für Kräuter und Gewürze im Frühjahr. Den Rest des Jahres diente sie niemandem, höchstens dem wachsenden Unkraut. Ein Kunde brachte mich vor Kurzem auf eine zündende Idee. Ich stand davor und beriet ihn über winterharte Kakteen, als mir der Gedanke einschoss, aus diesem unschönen Eck ein kleines Sukkulentenbeet zu gestalten.

Zunächst wurde die Fläche vom Unkraut befreit, dann kam 1/3 Landerde, 1/3 Sand und 1/3 Kies darauf. War doch mehr Arbeit, als ich dachte! Ich durchmischte die Haufen, so wurde eine Art Kakteenerde daraus. Irgendwo fand ich zerbrochene Tonscherben und einen Schwung alter Ziegel, mit denen ich das „Innenleben“ des Beetes gestaltete, um so Bezug auf die vorhandene Mauer zu nehmen. Dann wurde bepflanzt, in dem von jeder Kakteenart, die wir besaßen, ein Exemplar hineinkam. Du wirst sicher wissen, dass es eine Menge Kakteen gibt, die Temperaturen unter -20 Grad aushalten, ohne einzugehen. Vorausgesetzt, die Pflanzerde ist von mineralischer Beschaffenheit und der Standort ist sonnig und trocken genug.

Mein Platz war nicht sehr groß, darum musste ich mich beschränken, aber ein paar Mittagsblumen und einige andere Schmankerl mussten unbedingt noch dazu. Die Zwischenräume wurden mit Bimskies abgedeckt. Du könntest aber auch gewaschenen Quarzkies nehmen. Unten siehst du das Ergebnis, im rechten Bild die ganze Umgebung unseres neuen Sukkulentenbettes!

Die Kugellauche sind in den letzten Jahren zu einem Verkaufsschlager allerersten Ranges geworden. Liegt es daran, dass sie momentan in jeder Gartenzeitschrift propagiert werden ? Sie existieren doch schon wesentlich länger, oder? Besonders Allium ‘Globemaster‘ scheint den Kunden besonders angetan zu haben. Immer wieder werden wir gefragt, warum die Blätter schon während der Blüte gelb werden. Ganz einfach – weil er bereits einzieht! Dies ist Natur pur. Und wenn dir dies nicht gefällt, so schneide den gelben Blätterteil ganz einfach zurück. Wir machen dies seit einigen Jahren, weil wir so deiner Frage geschickt ausweichen und der Lauch wesentlich besser verkauft wird! Du weißt, heutzutage hat alles proper und abgeschleckt, absolut schädlings- und läusefrei, noch dazu aber BIO zu sein.

Übrigens verlangen diese großkugeligen „Läuche“ einen guten Gartenboden und ausreichende Kompostgaben, um jedes Jahr verlässlich zu blühen! Und so bekommst du mit der Zeit immer mehr dieser prächtigen Kugeln, die in deinem Garten eine wirkliche Augenweide darstellen.

Zur Zeit sind wir am Vermehren unseres großen alpinen Staudensortimentes. Wir nützen diese momentan kühle Sommerszeit, da wir so vor Verbrennungen und Vertrocknen gefeit sind. Alpine Stauden aus aller Welt erfreuen sich wieder zunehmender Beliebtheit. Überhaupt ist es immer wieder spannend, welche Stauden im kommenden Jahr die Favoriten sein werden!

Die Monate Mai, Juni und Juli sind auch von deinen Besuchen geprägt. So hatten wir im Juni einen Rekord an Busexkursionen zu verzeichnen. Es macht immer wieder großen Spaß, dich und deine begeisterten Gartenfreunde herumzuführen und in die Welt der Stauden zu verzaubern!

Schaust du auf unseren Veranstaltungskalender auf der Website, so wirst du uns am 7. Und 8. Juli im 300 –Seelen-Örtchen Unterliezheim zur Rosenschau finden. Dieses kleine Dorf befindet sich nördlich von Augsburg, nicht weit von Dillingen an der Donau. Dort organisiert der Obst- und Gartenbauverein Unterliezheim alle drei Jahre eine Rosenschau der besonderen Art, an der das ganze Dorf involviert ist. Ich kann dir nur raten, diese weite Strecke bis dorthin auf dich zu nehmen, es lohnt sich in vielfacher Hinsicht! Du kannst alle Details unter www.rosenschau.deabrufen. Es treffen sich dort viele Leute aus der Szene, die Rang und Namen besitzen! Nicht nur Staudenanbieter werden mit von der Partie sein, sondern auch Rosengärtnereien und ganz besonders auch Clematisspezialisten. Die Rosenschau in Unterliezheim ist eine der ganz wenigen Veranstaltungen, die Tausende Besucher magisch anzieht, obgleich sie quasi fast schon am Unzugänglichkeitspol Deutschlands liegt!

In unserem Schaugarten hat sich inzwischen wieder ganz was anderes getan. Aber mehr davon im nächsten Rundbrief.

Einstweilen sommerliche Grüße aus Oberösterreich!

Dein Staudengärtner Sarastro

Newsletter VI/2013 (Chrysogonum, Teucrium, Aegopodium, Rohdea)

Liebe Pamina, hallo Papageno!

Manche von dir fragen sich berechtigt, wann mir einmal der Stoff zum Schreiben ausgeht oder ich mich wie so manche Gartenzeitschrift jahreszeitlich im eigenen Saft drehe. Zugegeben, es ist gelegentlich durchaus schwer, immer etwas Neues und vor allem auch Sinnvolles aus dem Hut zu zaubern, aber bei der Fülle an Pflanzen, die uns zur Verfügung stehen, ist dies sicher wiederum auch kein unmögliches Unterfangen. Hierbei fällt mir auch wieder so manches „Ammenmärchen“ ein, das nach wie vor in manchem Hochglanzmagazin zu finden ist und sich Jahr für Jahr gebetsmühlenartig wiederholt. Lavendel zu Rosen zum Beispiel. Aber ich will dich nicht damit langweilen!

Die Wälder Nordamerikas bieten uns eine große Menge an wertvollen Gartenstauden. Ich muss mich hierbei selbst an den Ohren ziehen, denn ich kenne das Goldkörbchen Chrysogonum virginianum seit meiner Schweizer Zeit zu Beginn der 80er-Jahre. Warum ich es erst letztes Jahr in Kultur nahm, wissen die Götter. Es ist wie mit den Lupinen, der Spornblume oder den Lichtnelken, die immer noch nicht in unserem Sortiment fix verankert sind. Vielleicht liegt es daran, dass ich diesen Stauden persönlich nicht sehr nahestehe? Schließlich hat jeder so seine Vorlieben. Aber das Goldkörbchen ist ohne Übertreibung einer der besten Flächendecker für trockene Stellen im Halbschatten. Mir sind drei Auslesen bekannt, wobei wir die niedere ‘Andre Viette‘ vermehren, da sich bei ihr die goldgelben Blüten über viele Monate über dem dunkelgrünen Blatt abheben. Naturgemäß befindet sich der beste Pflanzplatz entlang eines Gehölzsaumes, im Schatten unter Gehölzen oder zwischen Funkien, wenn du gar nicht weißt wohin damit! Aber auch in der klassischen Staudenrabatte kannst du diesen Dauerblüher als Lückenfüller unterbringen.

Ein weiterer, sehr schöner Dauerblüher allerersten Ranges ist der Persische Gamander. Über viele Wochen und Monate erscheinen die typischen Kerzen in einem tiefen Rosalila. Auch über diese Staude rümpfte ich zunächst einmal die Nase, dieses Mal jedoch berechtigt, denn an zusagenden Stellen sät er sich wie die Pestilenz aus. Wenn ich mit norddeutschen Kollegen über Teucrium hyrcanicum diskutierte, verstanden sie meinen Unmut nie, denn in manchen Gegenden ist keinerlei Selbstaussaat festzustellen und er benimmt sich daher ganz geziemt.

Ernst Pagels führte diese robuste Staude ein und lobte sie über alles. Was von Ernst Pagels kam, konnte ja nur gut sein, so dachte ich! Aber der bekannte Staudenzüchter und Foersterschüler aus Leer/Ostfriesland ließ sich öfters selbst sehr negativ über einige Staudenzüchtungen aus, die sich andernorts durchaus positiv bewährten! Urteile daher immer selbst, denn dein Boden, deine Verhältnisse vor Ort und dein Klima können ganz anders sein. Darum bin ich eigentlich ein Gegner von blankem und fantasielosem Kopieren. Auch die heute so modernen Mischpflanzungen sind im Grunde genommen nur schematisierte Fertigmischungen, die dem Landschaftsgärtner und Gartenarchitekten primär zwar die Auswahl erleichtern sollen, aber deswegen noch lange nicht überall funktionieren und daher lediglich als Basis dienen können!

Hier in unserem eigenen Garten ist dem Persischen Gamander nicht mehr beizukommen, er vagabundiert unter die Hainbuchenhecken und erscheint ganz unaufgefordert auf trockene Stellen unter einem Ahorn oder zwischen Steinfugen der Trockenmauer. Eine geradezu perfekte Pflanze für “Black Box Gardening“! Von dieser ungewöhnlichen Art zu gärtnern erzähle ich dir zu einem späteren Zeitpunkt einmal sehr ausführlich!

Ebenfalls eine außergewöhnliche Staude für Liebhaber von Wildpflanzen ist Cicerbita plumierii, ein Alpenlattich aus den Pyrenäen. Die hübschen, himmelblauen Blüten sitzen an hohen Stängeln. Auch er verselbständigt sich mit der Zeit, wird aber niemals lästig und blüht jedes Jahr zuverlässig an halbschattigen Stellen in frischen Böden. Wir haben ihn noch nicht vermehrt, er ist also reine Zukunftsmusik und wird wohl nie einen großen Stellenwert einnehmen!

Teucrium hyrcanicum

Cicerbita plumierii

Verpasste Gelegenheiten kommen immer wieder vor. Wir vermehren seit vielen Jahren den buntblättrigen Giersch, der sich in zwei Formen in Kultur befindet, einer weißbunten und einer gelbbunten Form. Er ist ein Paradebeispiel dafür, dass man bei manchen Pflanzen nicht voraussehen kann, wie viel Stück man im kommenden Jahr benötigt. Jahrelang kamen wir mit durchschnittlich rund zweihundert Stück in der Saison aus, denn leider gehört er nicht zu deinen Lieblingspflanzen. Warum eigentlich nicht? Dabei könnte ein findiger Gourmetkoch ihn fantasiereich in Salaten unterbringen und so manche Verkehrsinsel oder trockener Bereich im Schatten würde zu einer lebendigen Fläche umgestaltet. In Amerika wird er seit Jahrzehnten großflächig als Bodendecker verwendet. Nun, letzten Herbst machten wir im eigenen Garten Tabula Rasa und gruben eine größere Fläche an weiß panaschiertem Giersch aus, um meinen Garten an dieser Stelle ein neues Outfit zu verpassen. Ich dachte, die brauche ich sowieso nicht, zur Vermehrung genügen uns die restlichen Töpfe in der Gärtnerei. Und wenige Wochen später kam eine Anfrage aus Nordbayern, wo gleich 500 Stück gebraucht wurden! Ich rief bei etlichen Kollegen an, es stellte sich bald heraus, dass der Buntblättrige Giersch nirgends in den Sortimenten vertreten war. Dabei ist er ein wunderbarer Bodendecker, der unter unserem Bergahorn eine dichte Fläche von 15 Quadratmetern einnahm. Er wuchert bei weitem nicht so stark wie sein grüner Unkrautbruder. Wenn eine größere Trockenheit ins Land zog, litt er, alle Blätter hingen, um nach dem ersten Regen wieder top dazustehen. Du kannst auch mit dem Rasenmäher darüberfahren, wenn die Blätter unansehnlich werden. Der Giersch treibt nach wenigen Tagen wieder frisch aus. Obgleich ich kein großer Freund dieser Pflegemethode bin, hier sei diese „Wildwestmanie“ gestattet und erspart dir langwieriges Zurückschneiden von Hand.

Aegopodium podagraria ‘Variegata‘

Aegopodium podagraria ‘Gold Marbled‘

Mir fiel dieses Jahr besonders eine Primel auf, die mit ihren gefüllten Blüten über viele Wochen blühte und auch jetzt noch vereinzelt für Nachblüten sorgt.

Primula veris ‘Katy McSparron‘ ist wohl der einzige gefülltblühende Himmelsschlüssel, den es gibt! Der Duft ist durch die Füllung der Blüten nicht so intensiv wie bei der Ausgangsart, aber trotzdem präsent. Du wirst hier noch einige Zeit warten müssen, denn diese Primel kann nur durch Teilung vermehrt werden, was sich entsprechend langwierig gestaltet. In unserem Privatgarten blüht sie immer noch! Woher sie stammt, kann ich dir leider nicht sagen, vermutlich England oder Irland.

Ich weiß nicht, ob ich dir schon einmal von Rohdea japonica berichtet habe, d e r japanischen Kultpflanze schlechthin. Neben Leberblümchen und Kirschblüten räumen die japanischen Pflanzenliebhaber dieser Staude einen hohen Stellenwert ein und kultivieren eine Menge teurer Formen mit panaschierten und gewellten Blättern, schön präsentiert in wertvollen Keramiktöpfen. Von einem Freund bekam ich vor etwa zehn Jahren ein Päckchen mit frischem Samen, direkt aus Japan. Sie keimten problemlos, trotzdem dauerte die Aufzucht drei Jahre, bis die Pflanzen dieses Maiglöckchengewächses stark genug waren. Die Rosetten dieser immergrünen Waldstaude können imposante Ausmaße annehmen und eine Schattenpflanzung entscheidend prägen. Im Palmengarten in Frankfurt kannst du einen älteren, schon über Jahre eingewachsenen Bestand bewundern. Rohdea bildet nach Jahren längere Ausläufer, später stehen die Rosetten im Abstand von etwa einem halben Meter zueinander. Hier im kälteren Innviertel hat diese wertvolle Liebhaberstaude die letzten Winter ungeschützt ohne jeglichen Schaden überstanden und setzte sogar Beeren an, nachdem sie im letzten Jahr zum ersten Mal geblüht hat. Die sternförmigen Blüten sind von cremegelber Farbe und sitzen an einem Schaft. Unsere Verkaufspflanzen sind schon sehr groß, du kannst trotzdem zwischen preiswerten Exemplaren im 11cm-Topf und großen Paradestücken auswählen. Leider ist mir kein treffender deutsche Name bekannt. Sie wird zumindest in Japan als „Heilige Lilie des Glücks und des langen Lebens“ bezeichnet.

Primula veris ‘Katy McSparron‘

Die leuchtenden Beeren von Rohdea japonica!

In Österreich stehen bald wieder die Gartentage in Seitenstetten vor der Tür. Bei diesen sind wir von Beginn an dabei, auch sie fingen aus kleinsten Verhältnissen an. Ursula Haller war es, die diese Idee zusammen mit dem damaligen Abt vom Stift Seitenstetten verwirklichte, inspiriert von Bingerden und England. Im Laufe der Zeit konnte ich nicht wenige befreundete Aussteller in unser gemeinsames Boot ziehen. Nach dem Motto „Viel Feind, viel Ehr“ kann eine derartige Veranstaltung an Qualität nur dann gewinnen und diese über die Jahre halten, wenn das Angebot an Pflanzen auch dementsprechend breit genug ist. Über die letzten Jahre wurde Seitenstetten zu dem, was es nun ist, neben der Raritätenbörse in Wien die namhafteste Veranstaltung in Österreich. Du findest uns immer an einem anderen Platz, vielleicht der einzige Minuspunkt dieser Veranstaltung. Wer suchet, der findet, dies gilt also nicht nur für Pflanzen, sondern auch für die Aussteller!

Ansonsten läuft bei uns der Versand der Stauden noch immer noch auf Hochtouren. Falls du also vor hast, noch etwas zu bestellen, so kannst du dies jederzeit tun. Noch ist es nicht heiß und die Stauden leiden kaum. Es braucht dich nicht zu stören, wenn wir die Stauden zurückschneiden, denn wir sind bestrebt, möglichst pflanzenschonend verpacken, andererseits möchtest du berechtigterweise auch von deinen bestellten Pflanzen etwas haben, in dem sie zumindest gut anwachsen. Ein zurückgeschnittener Rittersporn treibt alsbald wieder munter aus und blüht im Spätsommer, ein abgeknicktes Exemplar würde dich nur frustrieren und wir können noch so kunstvoll verpacken, was sich in vielen Extremfällen gar nicht bewerkstelligen lässt. Oder du kommst persönlich vorbei und kannst in einem geräumigen Kofferraum deines Autos so manche meterlange Schätze bequem unterbringen!

Ach ja, beinahe hätte ich es vergessen! Die meisten der russischen Phloxe sind wieder frisch vermehrt und werden bis in etwa 3 Wochen wieder verfügbar sein. Viele Gartenfreunde warten schon sehnsüchtig darauf und waren enttäuscht, dass diese im Herbst so schnell ausverkauft waren. Orientiere dich am besten an unserem Webshop unter www.sarastro-stauden.com .

Auf eine kleine Veranstaltung möchte ich dich noch ganz kurz hinweisen. Eine sehr engagierte und kenntnisreiche Gartenfreundin hat ein Offenes Wochenende zusammen mit zwei anderen Gärten organisiert, welche alle sehr sehenswert sind. Vielleicht treffen wir uns dort? Ich habe auf jeden Fall vor, mir die Gärten anzusehen. Sie liegen rund um Kirchdorf/Krems in Oberösterreich und sind daher sehr leicht zu erreichen. Hier der Blog von Katrin Lugerbauer, in dem du alles verfügbaren Informationen entnehmen kannst:

http://hardy-geranium.blogspot.co.at/

Nun bleibt mir nur noch übrig, dir ein frohes Gärtnern zu wünschen. Und merke dir: Gärtnern ist nicht nur Arbeit, Gärtnern ist vor allen Dingen auch eine Lebenseinstellung!

Dein Sarastro

Newsletter V/2013 (Sammelleidenschaften: Sorten des Buschwindröschens)

Liebe Pamina, hallo Papageno!

Noch keine zwei Wochen ist es her, da bangten wir geradezu um den Frühling, jetzt ist er endgültig da und der Wonnemonat Mai hat uns wieder in den Bann gezogen. Es ist eine so schöne Zeit, die man gar nicht genug genießen möchte. Für uns Gärtner bedeuten diese Wochen zunächst allerdings alles andere als ein Genuss. Wir sollten in den Monaten März bis Juni einen Großteil unseres jährlichen Einkommens verdienen. Trotzdem erfreuen natürlich auch wir uns über das Erwachen der Natur und saugen all die Schönheiten in uns ein. Vieles nehmen wir mehr oder weniger im Vorbeirennen wahr, so beispielsweise dieses phantastisch schöne Dreiblatt aus Kalifornien, ein Klassiker, der in vielen Büchern wie selbstverständlich abgebildet wird, aber „ A pig in propagation“ ist! Wie schön wäre es, gerade jetzt um diese Jahreszeit in den Bergen und Wäldern umherzustreifen und nach allerlei Absonderlichkeiten und Normalitäten Ausschau zu halten, wie beispielsweise nach gefüllt blühenden Leberblümchen, gestreiften („karierten“) Maiglöckchen oder Anemonen mit scheinbar zerfetzten Blüten und mit Krönchen versehen. Aber diese Such(t)aktionen sparen wir uns auf ferne Zeiten, oder?

Trillium kurabayashii

Die Sammellust packte mich tatsächlich schon als Kind. Es fing mit Knochen verstorbener Tiere und diversen Versteinerungen an, die ich im Schweizer Jura und im Hotzenwald sammelte. Später ging es dann mit tropischen Orchideen weiter und machte auch nicht Halt vor Büchern und Schallplatten. Irgendwann wurde der Geldbeutel zu einer natürlichen Bremse! Später dann, zu Staudengärtnerszeiten mochte ich die Storchschnäbel sammeln, später kamen dann Hauswurzen und Steinbrech an die Reihe, ein Betätigungsfeld ohne ein absehbares Ende. Schneeglöckchen und Buschwindröschen gaben mir zuletzt den Rest, jetzt sind es Wiesenknöpfe, alte und neue Phloxsorten und natürlich Besonderheiten aller Art. Manche altmodische Stauden suche ich wie eine Stecknadel im Heuhaufen, unter anderem die beinahe verschollenen Primula-pruhoniciensis-Sorten, jene Teppichprimeln, die noch vor 15 Jahren weit verbreitet waren. Inzwischen wurden sie leider von den leichter zu vermehrenden Sämlingssorten völlig aus den Sortimenten verdrängt. Sorten wie ‘Helge‘, ‘Ostergruß‘, ‘Perle von Bottrop‘ sind nicht mehr zu bekommen, wie schade! Selbst ‘Wanda‘ ist kaum mehr echt zu bekommen! Vielleicht hast du die eine oder andere Sorte und kannst mir gegen Tausch oder Bezahlung etwas davon abgeben. Ich möchte einen gärtnerischen Beitrag zur Erhaltung dieser im Garten sehr wertvollen Sorten leisten.

Und wie sieht es mit deiner Sammelwut aus? Kannst du dich beherrschen oder gehörst du sogar zu denjenigen, die Kopf und Kragen riskieren und alles daran setzen, zu einer Seltenheit zu gelangen? Oder legst du keinen Wert darauf und du siehst die Staude eher als „Designerobjekt“ oder Farbenbringer, was ja auch seine Berechtigung hat? Übrigens, wenn Kunden zu mir kommen und behaupten, sie möchten zwar sammeln, aber ihr Garten sei schon zu voll, dann erzähle ich ihnen immer von jener Dame im östlichen Niederösterreich, die in ihrem 800 qm großen Garten mit den Jahren bereits über 6.000 Arten und Sorten versammelt hat. Ein vollgestopfter Sauhaufen und Sammelchaos, würdest du sicher denken. Nein, sie brachte überdies das Kunststück fertig, diese Tausenden von Stauden geschmackvoll und mit viel Liebe miteinander zu arrangieren, dies ist nahezu beispiellos und sehr bewundernswert. Vielleicht liest du gerade diese Zeilen, Elfriede!

Bleiben wir bei den Anemonen. Leider fehlt mir die Zeit, dies noch professioneller zu betreiben. Den Kick meiner Anemonensammelwut habe ich Horst Bäuerlein zu verdanken, der mir ganz zu Beginn meiner Selbständigkeit einige Sorten an Buschwindröschen verkaufte. Weil ich sie damals wollte, denn sie gehören für mich in ein Staudensortiment, so wie der Rittersporn und die Funkie. Doch sie faszinierten mich so sehr, dass ich in weiterer Folge alles an Buschwindröschen sammelte, was mir in die Finger kam. Mit den Jahren erfuhren nicht wenige Liebhaber von meinen Sammeltätigkeiten und schickten mir im Tausch gegen andere Seltenheiten einige Rhizome von neuen Sorten, denn es gab ja nicht viele, die so verrückt waren. So bekam ich Anemonen zunächst aus der Steiermark, aber auch aus verschiedenen Gegenden Deutschlands, Englands und Holland, in weiterer Folge kamen dann geheimnisvolle Päckchen aus Finnland und Schweden. Ein estnischer Kollege und Freund sorgte ebenfalls für weitere Bereicherungen des Sortimentes.

In Georg Uebelharts Garten im Hohen Norden in der Heide standen wir eines Abends vor zwei entzückend niedlichen Anemonen mit großen, rosa Blüten, denen ich dann die Namen seiner reizenden Kinder Tilo und Marcelina gab. Und ich erinnere mich an ein spannendes Gespräch auf dem Parkplatz vor dem Kiekeberg mit Endre Földesi, der in der Natur ein Exemplar mit nahezu schwarzen Blättern fand. Doch auch bei meinen Eltern fanden sich dunkelblättrige Exemplare im Rasen. Und hier vor der Haustür im Innviertel wachsen ebenfalls Anemonen! So fand ich ‘Antiesen‘ und ‘Schwefelglanz‘. Du lernst bald die vielen Feinheiten erkennen, mehr und schneller als beim Weiß deiner Schneeglöckchen! Nun kultivieren wir bereits über 100 Sorten und jedes Jahr kommen einige hinzu. Viel schwieriger war es, an historische Sorten zu gelangen, deren Namen man aus Büchern kannte. ‘Parlez Vous‘ oder ‘Lady Doneraile‘ erinnerten mich lebhaft an die Suchaktionen. Mein Bestreben ist es vor allem, einem Chaos der Sortenvielfalt Einhalt zu gebieten, indem man sie alle nebeneinander besitzt. So wird manchmal behauptet, dass die alte Sorte ‘Dee Day‘ blau sei, ich besitze jedoch das Originaletikett aus England, wo darauf vermerkt ist, dass diese prächtige, weiße Sorte schon um 1920 entstand. Und jene ‘Lena‘ aus Flensburg besitze ich in dreierlei Ausführungen, welches die echte ist, konnte mir noch kein Mensch verraten!

Der beste Boden für Buschwindröschen ist ein lehmig-humoser Boden im lichten Halbschatten. Hier in unserer großen Schatteninsel pflanzte ich vor 10 Jahren drei Exemplare von A. nemorosa ‘Royal Blue‘, die nach wenigen Jahren gut und gerne einen Quadratmeter einnahmen. Die ersten Jahre blühten sie prächtig, auch wenige Meter entfernte Tuffs von ‘Green Dream‘ und ‘Hilda‘ sorgen für allgemeine Begeisterung. Doch dann ließen sie auf einmal nach mit dem Blühen und deren Laubschöpfe wirkten ohne Blüten langweilig! Selbst Düngen half nichts mehr. Ich konnte dieses Phänomen auch bei manch anderen eingewachsenen Stauden beobachten, die zu lange am selben Standort standen. Ein Verpflanzen tat also not und wenig später stellte sich reicheres Blühen ein.

Untenstehend eine kleine Bildergalerie aus unserem Repertoire von über 100 Sorten. Ich werde dir gar nicht erst die einzelnen Sortennamen verklickern, die kannst du ganz bequem auf unserer Website im Shop studieren. Jedenfalls gehören die Buschwindröschen inzwischen zu unseren begehrtesten Stauden und wir exportieren sie in alle Herren Länder. Leider können wir bei manchen Sorten nicht so zaubern, um immer deine Sucht zu befriedigen, denn sie wachsen unterschiedlich und einige begehrte Sorten sind daher schnell ausverkauft.

Der 1. Mai ist bekanntlich der Tag der Arbeit. Vielleicht komme ich für ein paar Stunden dazu, im eigenen Garten etwas Unkraut zu zupfen. Denn dies macht sich bei diesem Wachswetter schon wieder breit. Und unser Staudenversand nimmt kein Ende, der hat neben der Vermehrung der Stauden momentan oberste Priorität!

Nebenbei vergiss nicht auf die Pflege deines Kiesgartens! Auch dort keimt sehr rasch auch im scheinbar sauberen Kies das Unkraut und andere lästige Beikräuter, die du sicher nicht dort sehen möchtest. Dagegen hilft übrigens keine Folie oder Vlies, obgleich ich dies schon hundertmal von Kunden hörte, weil dadurch angeblich das Unkraut abgehalten würde. Vergiss dieses Ammenmärchen! Du musst dir nur die Natur vergegenwärtigen. Wenn ausdauernde Wurzelunkräuter wie Giersch oder Quecken im Boden vorhanden sind, dann finden diese ihren Weg ans Tageslicht, mit oder ohne Folie, nämlich just dort, wo du für deine Stauden Löcher in die Folie gestanzt hast. Quecke und Bergminze in trauter Eintracht, wie schön sieht dies doch aus! Und einjähriges Unkraut keimt im Kies in den Zwischenräumen, denn mit der Zeit sammeln sich herabgefallene Blätter und so bildet sich auf diese Weise Rohhumus, wo wiederum Unkraut keimt. Du könntest deine Kiesfläche natürlich auch abkärchern! Sarkasmus beiseite, rechtzeitig das Unkraut herausgezupft verhindert weiteres Aussamen. Bei Gelegenheit werde ich dir über unseren Kiesgarten in der Gärtnereieinfahrt berichten!

Das Verkaufsoffene Wochenende war wieder ein grandioser Erfolg und ich danke dir für deinen zahlreichen Besuch! Übernächstes Wochenende stehen wieder die Freisinger Gartentage an. Für mich sind sie einer der Höhepunkt im Gartenjahr, schon deshalb, weil dort ein überaus dankbares und kenntnisreiches Publikum zu erleben ist. Wir stehen wie gewohnt vis a vis des südlichen Haupteinganges am Landratsamt im östlichen Teil Freisings. Auch die Reichersberger Gartentage finden Ende Mai statt. Das sehenswerte Stift Reichersberg liegt etwa 5 km von der Gärtnerei entfernt. Du kannst also bequem die Gartentage mit einem Besuch bei uns verbinden. Wir halten Samstag den ganzen Tag extra für dich offen! Dann ist noch die “Artisana Primavera“ in Wien im 13. Bezirk. Du findest darüber näheres im Internet und auf unserer Website.

Ansonsten wünsche ich dir alles Gute und noch viel Gärtnerglück in diesem Frühling!

Dein Staudengärtner Sarastro

Newsletter IV/2013 (Einige seltene Schattenstauden, Knöteriche)

Liebe Pamina, hallo Papageno!

Wieder einmal spielte das Wetter mehr als verrückt. Es ist fast zum Verzweifeln, obgleich wir hier in Oberösterreich gegenüber anderen Regionen wiederum mit einem blauen Auge davonkommen. Zwar hat uns der Winter in diesem Jahr vor allzu strengem Frost verschont, dafür will er sich dieses Jahr einfach nicht verabschieden. Es wurde mit diesem andauernden, scharfen und schneidend kalten Ostwind einfach nicht wärmer! Und es scheint zur Normalität zu werden, dass sich der Herbst mit trockenem und schönem Wetter bis Anfang Dezember hält, dafür bleibt offenbar der Winter weit über den kalendarischen Frühlingsanfang hinaus präsent. Aber nicht verzagen, es kann nur noch aufwärts gehen! Und darum soll der Rundbrief dich ausnahmsweise schon in den Ostertagen, dieses Mal vor dem 1. des Monats erreichen.

Seit der Gärtnereigründung vermehren wir jedes Jahr eine ganze Reihe an Sorten von Scharbockskräutern. Damals bezog ich sie direkt von Sammlern und Züchtern aus Großbritannien, mit denen ich schon lange Jahre in Kontakt war. Auch einige alte, gefüllt blühende Reliktsorten aus Botanischen Gärten vermehrten wir. Ich erwartete mit der Zeit eine größere Verbreitung, denn Mitte bis Ende der 90er-Jahre waren diese Sorten bei uns noch vollkommenes Neuland und wie mit so Vielem gehörten wir zu den ersten Gärtnereien, die sich mit diesen reizenden Vorfrühlingsblühern beschäftigten. Sie besitzen einen vielfältigen, gärtnerischen Nutzen, denn ihr Frühlingsblüten-Potenzial und ihre Formenvielfalt sah ich eigentlich als recht groß an.

Doch ich wurde bald bitter enttäuscht, die Realität belehrte mich eines Besseren! Die meisten Gartenliebhaber sehen, hören oder lesen „Scharbockskraut“ und verbinden dies mit jenem verheerenden Unkraut, welches bald ganze Flächen in Beschlag nimmt. Dabei handelte es sich bei diesen Sorten um eine spezielle Unterart, welche keine Brutknöllchen in den Blattachseln bildet und sich daher sehr geziemt benimmt, dabei allerlei besonderen Farbspiele und Blattschönheiten hervorbringt, ohne hierbei je lästig zu werden. Den Kunden und Besuchern an Gartentagen konnte ich die schönsten Exemplare präsentieren, es war immer dasselbe Spiel. „Scharbockskraut? Verschon mich bitte mit so etwas!“ Diese Aktionen waren schon so etwas wie Negativwerbung! Ein holländischer Kollege kaufte damals bei mir einige Sorten in einer größeren Stückzahl, vermehrte diese alsbald zu Abertausenden und exportierte die Knollen mit Erfolg in die USA. Und bei uns? Ich wollte mich nach so vielen Jahren Geduldsspiel mit viel Frust schon endgültig von ihnen verabschieden, bis diese abwechslungsreichen Frühlingsblumen plötzlich wie aus heiterem Himmel bei einer ganzen Reihe von Kunden auf einmal Akzeptanz fanden. Haben sich die Zeiten geändert oder wurden findige Gourmet-Köche aktiv? Besonders bei Kunden in Nord- und in Osteuropa finden derzeit einige Sorten großen Anklang.

Du kannst die Ranunculus-ficaria-Sorten zusammen mit Vorfrühlingsalpenveilchen, Schneeglöckchen, Lenzrosen und Frühlingsanemonen zu beglückenden Vorfrühlingsbildern kombinieren. Gerade schwarzblättrige Sorten wie ‘Brazen Hussy‘ oder die metallische ‘Brambling‘ fallen im farbenfrohen Umfeld schon lange vor ihrer Blüte auf. Merke dir auch die beiden gefüllt blühenden Sorten ‘Colarette‘ und ‘Button Eye‘, deren wunderhübsche Blüten sich auch bei schlechtem Wetter nicht schließen. Beeindruckend ist auch die alte ‘Grandiflora‘, deren große Blüten schon eher an Sumpfdotterblumen erinnern. Einige Sorten stehen schon jahrelang in unseren Schaubeeten, ohne jemals zur Plage geworden zu sein! Ein frischer Boden in leicht halbschattiger Lage sagt ihnen am besten zu. Manche der Sorten treiben schon im Herbst aus und zieren durch ihre metallischen Blattrosetten. Vergiss nicht, dass Scharbockskräuter im Allgemeinen zu den Starkzehrern gehören, was bedeutet, dass sie einen guten Humusboden bevorzugen.

Hier unten möchte ich dir eine gute Auswahl an Sorten des Scharbockskrautes auf einem Teller kredenzen! Übrigens nenne ich sie seit einiger Zeit ganz bewusst nicht mehr Scharbockskraut, sondern spreche lieber von Zwergranunkeln, damit sie noch mehr Anklang bei dir finden! Die Beschreibungen von mehr als 20 Sorten dieser reizenden Ranunkeln kannst du unter www.sarastro-stauden.com in unserem Pflanzenshop unter Ranunculus ficaria finden.

Wie in jedem Jahr erwarten wir schon sehnsüchtig die Lenzrosen. Wie du sicher weißt, hat sich hier von der züchterischen Seite seit fast 20 Jahren eine ganze Menge getan. Nicht nur satte, reine Farben sind bis zur Perfektion selektiert worden! Neben Guttatus- , Plicatus- und anemonenblütigen Formen finden zunehmend zarte, geaderte Pastelltöne bei den Liebhabern Gefallen. Ich stellte dies schon sehr bald fest, dass offenbar einige meiner Kunden anders „ticken“ und im Gegensatz zu den allseits beliebten, satten Fernwirkung auch zarte, unauffällige Schönheiten bevorzugen und diese im Detail bewundern. Dabei kommt es anscheinend gar nicht darauf an, ob es sich nun um halb gefüllte oder gefüllte Sorten handelt. Wenn diese über Samen vermehrt wurden, bleibt uns die gesamte genetische Vielfalt erhalten, mit allen kleinen und großen Abweichungen. Neuerdings werden allerdings Lenzrosen im Labor geklont, was dazu führt, dass du lediglich einen einzigen schönen, aber mit der Zeit unspannenden Typ vor dir hast. Und entscheide selbst, ob du die alten Blätter abschneidest, ich finde aber, dass gerade an Wegen und in Eingangsbereichen, aber auch in repräsentativen Beeten sich die Blüten wesentlich besser präsentieren, wenn die Blätter frühzeitig abgeschnitten wurden.

Dieses Mal möchte ich dir auch von einigen Besonderheiten berichten, die mich in den letzten Jahren begeisterten. Bis Mitte April blühen die meisten der Elfenblumen in ihrer vollen Pracht. Wie auch bei den Lenzrosen empfiehlt es sich auch bei ihnen, das alte Blattwerk rechtzeitig im März bodeneben abzuschneiden, noch bevor sich die Blütenrispen zeigen. Dadurch präsentieren sich die zarten Rispen wesentlich eindrucksvoller. Wir sammelten und vermehren eine ganze Anzahl an Wildarten und auch neueren Sorten. Manche entpuppten sich als robuste Schätzchen, andere zicken ein wenig und möchten nebst säuerlichem Boden und kühlem Umfeld ein wenig umsorgt werden. Im letzten Katastrophenwinter sind mir leider einige wertvolle und seltene Arten aus China hopsgegangen. Natürliche Auslese? Ja, denn auch die ausgepflanzten Exemplare der seltenen Epimedium x omeienseverabschiedeten sich auf Nimmerwiedersehen, ohne den kleinsten Rest zurückzulassen.

Epimedium leptorrhizum

Hier das immer noch selten gepflanzte Epimedium davidii

Das großblütige Epimedium grandiflorum var. koreanum

Bald treiben auch wieder die Funkien aus. Hier schreibe ich dir zu späterem Zeitpunkt einmal einen gesonderten Brief. Aber von einer Funkie fand ich vor kurzem ein nettes Bild, das ich dir nicht vorenthalten möchte. Denn gerade Hosta ‘Tardiflora‘ ist es, welche als allerletzte erst im Oktober erblüht. Damit ist sie die späteste aller Blütenfunkien! Dies ist eine alte, japanische Kulturform, welche in der Literatur fälschlicherweise immer wieder als eigene Art angeführt wird. Eine geradezu klassische Kombinationsmöglichkeit bietet sich zusammen mit dem Oktobersteinbrech (Saxifraga fortunei), die sich beide im Halbschatten und humosem Boden pudelwohl fühlen!

In Deutschland sind letztes Jahr die gesamten Knöteriche zur Staude des Jahres 2012 gekürt worden. In den Rundbriefen der letzten Jahre schrieb ich dir schon mehrmals von der Pracht dieser Staudengattung, die botanisch in mehrere Gattungen aufgesplittet wurde. Auch hier sind noch manche unbekannte Überraschungen und Neuheiten zu erwarten. Besonders ein Knöterich hat es mir angetan, den ich als Samen auf Umwegen von einem befreundeten Pflanzensammler bekam. Aconogonum paniculatum ssp. frondosum ist nahezu unbekannt und entwickelt sich zu einer hüfthohen Staude, welche in ihrer Tracht an eine verkleinerte Form des bekannten Aconogonum ‘Johanniswolke‘ erinnert, also eine wesentlich verträglichere Höhe aufweist. Die Blütezeit liegt ebenfalls im Hochsommer und auch die gelbliche Herbstfärbung ist durchaus attraktiv. Im Moment ist sie noch in geringen Stückzahlen abzugeben, aber dies kann sich schnell ändern, wenn sie einmal bei dir Gefallen findet. Ebenfalls eher selten zu finden istAconogonum sericeum, ein sehr früh blühender Knöterich aus Ostasien, der mit seinen feinen Rispen bereits schon im Juni blüht. Ich empfehle ihn für normale Staudenbeete als Ergänzung, bis deine Rittersporne zur Hochform auflaufen.

Hosta ‘Tardiflora‘

Aconogonum paniculatum var. frondosum

Aconogonum sericeum

Als wunderschöne, noch völlig neue und unbekannte Schattenstaude gilt ein horstig wachsende Günsel (Ajuga incisa) aus dem Fernen Osten. Er ist bei uns absolut winterhart und wächst sehr schnell zu einem großen Horst heran. Die tief blauen Blütentrauben erscheinen bei uns ab Juni. Auffällig sind auch die gezackten, dunkelgrünen Blätter! Überrascht hat mich auch die relative Trockenheitsresistenz dieses Schatzes. In Kombination mit Funkien, aber auch mit horstig wachsenden Elfenblumen oder als Orchideenbegleitstaude hat er sich innerhalb kürzester Zeit bewährt. Ich konnte auch eine panaschierte Form davon ergattern, die sich allerdings als viel weniger wüchsig herausstellte. Wir führen inzwischen ‘Blue Enigma‘. Ich bin schon sehr gespannt, ob nicht bald auch noch andere Farben auftauchen. Irgendwie erinnert mich dieses Ding an ein Bindeglied zwischen Ajuga und Nepeta.

Eine Staudengattung aus der Prärie Nordamerikas fiel mir ebenfalls durch ihre sprichwörtliche Bescheidenheit auf. Die Amerikanischen Bergminzen (Pycnanthemum) sind mit den Indianernesseln eng verwandt und führen in unseren Gärten ein unbedeutendes Schattendasein. Stimmt, farblich reißen sie dich und mich sicher nicht vom Hocker! Trotzdem, am richtigen Platz im Staudenbeet sorgen sie für ausgeglichene Ruhe und Ordnung. Klingt fast schon nach Polizei, oder? Wir vermehren sechs Arten, die sich deutlich voneinander unterscheiden. Alle schätzen sie Trockenheit und volle Sonne, trotzdem steht P. virginicum hier zwischen Herbstastern und Rosen. P. tenuifolium dagegen bevorzugt es, einen Platz neben Stipa calamagrostis und Bartiris im Kiesgarten einzunehmen und dies schon seit Jahren! Nebenbei duften diese dauerhaften Stauden ganz aromatisch!

Ajuga incisa ‘Blue Enigma‘, der Japanische Günsel

Pycnanthemum tenuifolium

Rosenkavaliere waren schon vor Jahren in aller Munde! Doch solcher Schlagwörter bedarf es normalerweise nicht, besonders wenn man den Lavendel außer Acht lässt! An Rosenbegleitstauden steht uns derart viel zur Verfügung, dass man schon gar nicht mehr darüber schreiben mag. Ob es Geranium oder Rittersporn sein sollen, bleibt allein deinem Geschmack und Farbempfinden vorbehalten. Zwei neue Katzenminzen möchte ich dir in diesem Zusammenhang vorstellen, die ich in den letzten Jahren ausgelesen habe. Da wäre zum einen ‘Florina‘, eine wesentliche Verbesserung von ‘Dawn to Dusk‘, die vielerorts zu hoch wird. ‘Florina‘ habe ich sie genannt, nach einem griechischen Dorf nahe der albanischen Grenze. Diese Sorte besitzt außerdem sehr kontrastreiche, dunkelweinrote Hüllblätter zu ihren hellrosa Blüten. Es brauchte einige Jahre, bis ich mit der Selektionsarbeit zufrieden war und du nun eine 70 cm hohe, reichblühende Katzenminze vorfindest.

Wesentlich kürzer dauerte die Selektion von einer Sorte, die bis zum heutigen Tag noch keinen treffenden Namen besitzt. Vielleicht fällt dir hierzu etwas ein? Ich fand diese stramme Katzenminze in einer Plattenfuge bei uns im Schaugarten, wo sie mir als vital wirkende und vor Kraft strotzende Staude auffiel. Ich pflanzte sie zur weiteren Beobachtung in unser Mutterpflanzenquartier, denn ich wollte wissen, ob sie sich selbst aussät, wie sie sich präsentiert und wächst. Die von mir gezüchtete ‘Blue Danube‘ wurde in Deutschland von der Staudensichtungskommision vor kurzem mit *** hoch bewertet, sie sät sich bei uns jedoch aus. Dies empfinde ich allerdings als einen entscheidenden Nachteil, vielleicht beurteilst du dies anders. Meine bärenstarke Katzenminze mit ihren dichten Blütenzweigen jedenfalls säte sich doch nicht aus und blüht etwa zwei Monate am Stück, nach Rückschnitt remontiert sie leicht. Im Online-Shop findest du sie unter ‘Flaschenbürste‘ als vorläufigem Arbeitsname! Sie ist eine Hybride, vermutlich entstanden aus Nepeta latifolia und Nepeta ‘Walker’s Low‘. Bei der Namensfindung dauert es bei mir immer länger.

Jene Katzenminze aus der Plattenfuge, für die ich immer noch keinen treffenden und wohlklingenden Namen finde!

Hier Nepeta ’Florina‘, unsere eigene Kreation!

Zum Schluss noch ein Bild einer historischen Strauchrose, mit Geranium psilostemon umspielt, ein Bild aus unserem Schaugarten! Ein Ostergeschenk an dich, obgleich es noch einige Zeit dauert, bis Rosen und Storchschnabel wieder um die Wette blühen werden!

Am 6. und 7. April sind wir wieder auf dem tollen, riesigen Berliner Staudenmarkt im Botanischen Garten Dahlem anzutreffen. Weit über 100 Ausstellungsstände, ausschließlich mit Pflanzen bestückt! Wie ich dir schon in den vergangenen Jahren erzählte, sind wir wie immer am Südportal „Unter den Eichen“ zu finden. Ich werde dich wieder persönlich bedienen, auch meine älteste Tochter und eine liebe Pflanzenfreundin werden mich dabei tatkräftig unterstützen. Durch den günstig gelegenen Standort am Südportal wird es für dich wieder sehr bequem sein, von uns Vorbestellungen in Empfang zu nehmen, ohne diese durch den ganzen Botanischen Garten schleppen zu müssen!

Mitte April sind wir dann an der Raritätenbörse in Wien im Botanischen Garten der Universität. Auch dorthin nehmen wir gerne deine Vorbestellungen mit. Wien hat sich in den letzten Jahren zu einer der wichtigsten Veranstaltungen in Österreich gemausert! Auch hier wurde der Fokus ausschließlich auf Pflanzen gesetzt.

Eines unserer Hauptevents findet immer am letzten Aprilwochenende in der Gärtnerei statt, sozusagen als Start in die Saison. Es lohnt sich, nicht nur zu uns zu fahren, denn als Attraktion haben über das Wochenende auch sieben andere Gärtnereien und Baumschulen der nahen Umgebung geöffnet. Hier kannst du dich nicht nur an neuen Trends orientieren, sondern auch jede Menge Pflanzenneuheiten ergattern. Sarastro-Stauden präsentiert sich zusammen mit der bekannten Keramikerin Elselore Müller-Kraft und weiterem Kunsthandwerk, sowie einem ausgesuchten Kräutersortiment von Hannes Wagner. Ich rate dir, am Samstag gleich in der Früh oder am Abend zu kommen, denn sonst ist dir vielleicht der Trubel zu groß! Ich wünsche dir jedenfalls ein paar gemütliche Stunden zum Schwelgen, inmitten unserer Gärtnerei.

Aufgrund der anhaltend kalten Witterung haben wir uns kurzfristig entschlossen, mit dem Versenden deiner Bestellungen erst nach Ostern zu beginnen. Ich hoffe doch sehr, dass du dies trotz verständlicher Ungeduld einsiehst, denn wir möchten keine leeren Töpfe versenden und dich als zufriedenen Kunden behalten! Falls trotzdem die eine oder andere Staude nicht in Ordnung sein sollte, bitte schicke uns ohne Hemmung ein Mail, wir kümmern uns sofort um Ersatz! Außerdem wachsen die Stauden am besten weiter, wenn man schon etwas von ihnen sieht! Im Webshop ändert sich in der Verfügbarkeit beinahe tagtäglich unser Angebot, es lohnt sich daher, wenn du öfters hineinschaust. Der April wird für uns wohl immer der hektischste Monat bleiben, so werden wir in diesem Jahr mit noch mehr gebündelter Kraft den Versand bewältigen müssen!

Und falls du in Bayern, Salzburg oder Oberösterreich wohnst, dann empfehle ich dir, einmal die folgende Seite anzusehen: www.gartenreisen-halwax.de

Weiterhin alles Gute, ich wünsche dir ein möglichst schneefreies, frohes Osterfest und einen spannenden Frühjahrsstart mit möglichst vielen Erfolgserlebnissen in deinem Garten!

Dein Staudengärtner Sarastro

Newsletter III/2013 (Hacquetia, Viola, Mertensia)

Liebe Pamina, hallo Papageno,

Ich kam vorige Woche von einer Vortragstour aus dem tiefsten Westfalen heim. Dort hatten wir schon holländischen Vorfrühling, wie ich dieses Grau in Grau mit zaghafter Hamamelisblüte und frierenden Schneeglöckchen zu nennen pflege. Bei uns zuhause hält sich der Winter immer noch sehr hartnäckig, mit leichten, aber trotzdem unangenehmen Frostperioden und einer schweren Schneeschicht. Ich vertröste meine Ungeduld immer wieder durch eigenes Zureden, viel lieber jetzt der Kälte und dem Schnee trotzen als Ende März oder mitten im April. An den Pflanzentagen in Berlin flog uns letztes Jahr das Zelt um die Ohren und unser Rücken und der Hinterkopf wurde zur Angriffsfläche für Graupelschauer, die uns geschossartig belästigten.

Beim Durchsehen meiner Bilder fiel mir eine Situation auf, die ich dir schon lange einmal zeigen wollte. Das Ganze befindet sich im wunderschönen Salzkammergut in Attersee am Attersee, etwa 50 km vor unserer Haustüre. Du kannst unschwer erkennen, dass es sich um eine recht simple, aber klassische Bepflanzung handelt. Schlichte Kletterrosen und einfache, blaue Katzenminzen, entlang einer Hauswand, direkt an einer stark befahrenen Straße, wirkungsvoll und dekorativ, nichts Besonderes. Du wirst jetzt sicher denken, was will er nur mit diesem Bild aussagen? Stimmt, es ist auch nichts, was einen Vollblutpflanzenliebhaber vom Hocker haut. “Rot und blau schmückt der Kasper seine Frau“, war stets der Tenor meiner Mutter bei einfältigen Farbkombinationen. Ich will dir gerne erzählen, was mich bewegt, dir doch dieses Bild vorzuführen. Es ist die geradezu brutale Nachhaltigkeit, die sich mir hier eröffnet, schlichtweg die Tatsache, dass ich nun seit fast 20 Jahren an dieser Stelle vorbeifahre, ohne dass sich daran jemals etwas veränderte. Schlicht und effektiv die roten Rosen, wirkungsvoll das Blau der Nepeta. Wie langweilig würde sich diese alpenländische Stadlfront vor dem nackten Asphalt dem Betrachter präsentieren, ohne diese Eintracht aus Rosen und Katzenminzen. Auch so etwas sollte durchaus einmal Beachtung verdienen.

Mit den nächsten beiden Bildern zeige ich dir meine Umpflanzaktion des Lenzrosenbeetes, sowie meine herrlichen Lenzrosen zu besseren Zeiten. Damals präsentierten sie sich noch in voller Üppigkeit, ehe der Giersch sie vereinnahmte und sie so unter Druck setzte, dass sie rückwärts wuchsen. Leider ist das erste Bild nicht besonders, aber du kannst dir ungefähr ausmalen, wie prächtig es einst ausgesehen hat. Normalerweise würde man diese beiden Aufnahmen genau umgekehrt vorführen, das wäre ja wohl logisch, oder? Nun, das Schicksal wollte es anders. Warten wir ab, wie dieses Beet in zwei, drei Jahren aussieht. Ich werde dich über dessen Wachstum und Entwicklung informieren. Bei einem so wohl vorbereitetem, kompostreichem Boden mit viel organischem Dünger muss ja geradezu ein exaltiertes Wachstum eintreten! Vor allen Dingen müssen wir peinlich genau darauf achten, dass ja nicht von irgendwo seitlich Gierschwurzelreste ihr Unwesen treiben und sich ebenfalls am frischen Substrat gütlich tun.

Ein allerliebster Vorfrühlingsblüher ist Hacquetia epipactis, die Schaftdolde. Sie entstammt den Wäldern Sloweniens und Kroatiens, vereinzelt kommt sie auch in Südösterreich vor, ein typischer Vertreter der sogenannten illyrischen Laubwälder. Man kann es kaum glauben, aber die Schafdolde zählt zu den Doldenblütlern (Apiaceae) und schätzt relativ schattige, nicht zu trockene Stellen im Garten. Wunderschön sind alte, eingewachsene Exemplare, deren kugliger, gelbgrüner Blütenstand schon von weitem leuchtet! Am richtigen Standort kann diese liebliche Staude in deinem Garten ein stattliches Alter erreichen. In unmittelbarer Nachbarschaft steht das riesenblütige Galanthus ‘Mighty Atom‘, einige Leberblümchen, und erlesene Lenzrosen lassen ebenfalls grüßen. Sie sorgen alle für beglückende Frühlingsstimmung. Um ein solches Bild zu vervollständigen, machen sich in einer solchen Pflanzung auch die Blauglöckchen (Mertensia pulmonarioides) recht schön aus. Weil ich weiter oben Berlin erwähnte, erinnere ich mich immer an jene üppigen und sehr beeindruckenden Bestände des Blauglöckchens im Botanischen Garten Dahlem, welche unmittelbar oberhalb unseres Standes zur selben Zeit blühen. In Ruhe lassen, das ist hier die Devise. Selbst sandiger Humusboden sorgt für reichliche Nachkommenschaft, wenn der Boden nicht durchwurzelt und nicht zu trocken ist.

Hacquetia epipactis

Mertensia pulmonarioides

Hast du schon einmal Hornveilchen in deinem Garten ausprobiert? Ich kannte mal eine Gärtnerei in England, die hatte Hunderte Sorten davon. Leider existiert sie nicht mehr. Hornveilchen gibt es in den absonderlichsten Farben und Formen. Es sind dies ausdauernde Stauden, keine zweijährigen Veilchen, wie oft geglaubt wird! Die echten Hornveilchen erkennst du an ihrem mehr oder minder ausgeprägten Sporn an der Blütenrückseite, welcher auf ihren Namen hinweist. Je mehr Hornveilchenblut eine Sorte besitzt, um so kissenförmiger wächst sie und umso ausdauernder ist sie. Das Farbspektrum reicht von Weiß bis Schwarz, von gefleckten Sorten bis hin zu Rot und Ockertönen. Einige Sorten sind schon sehr alt und zählen zu den historischen Gartenstauden.

Hornveilchen kann man getrost zu den Dauerblühern unter den Stauden rechnen. Es sind dies Beetstauden für gute Gartenböden, die du im Vordergrund zwischen deinen Rittersporn und Pfingstrosen integrieren kannst, quasi als Lückenfüller. Auf eines allerdings solltest du achten! Die Schnecken mögen gerade Hornveilchen sehr gerne. Und dies ist auch der Grund, warum immer wieder Kunden zu mir kommen, die behaupten, Hornveilchen werden bei ihnen nichts. Du solltest das Schneckenkorn auf jeden Fall rechtzeitig und breitwürfig über das ganze Beet ausbringen, weniger ist mehr! Die Schnecken lachen nur darüber, wenn du mit einer Handvoll davon deinen Rittersporn kranzförmig umgibst. Sie warten, bis sich das Schneckenkorn aufgelöst hat und dann schlagen sie erbarmungslos zu. Dieselbe Handvoll solltest du auf einer Fläche von etwa 20 qm ausbringen. Und dann gleich den ganzen Garten abstreuen, Rasen und Gehölzkulisse inklusive! Biologisches Schneckenkorn ist nachweislich das beste, ohne hier einen Namen zu nennen! Fang früh damit an, am besten gleich zur Schneeglöckchenblüte, und dann während eines milden Frühlingsregens.

Hornveilchen hält man vital und gesund, wenn sie alle 3 Jahre verpflanzt werden. Der beste Zeitpunkt hierfür ist der Herbst, etwa ab Ende September. Dann reißt du die Horste vorsichtig auseinander und pflanzt sie in kompostreichen Lehmboden. Hornveilchen solltest du außerdem nach der ersten Blüte leicht zurückschneiden, damit die Tuffs immer schön kompakt bleiben. Einige Sorten decken dann den Boden hervorragend und erfreuen dich mit einer lang anhaltenden Blüte, so beispielsweise die hellblaue ‘Lady Scott‘. Andere ähneln mit ihrer Blüte eher einem Stiefmütterchen. Bekannt und beliebt ist das schwarze ‘Molly Sanderson‘, obgleich ich schon öfters nach dem Sinn eines schwarzen Veilchens angeredet wurde. Es kommt ganz auf die Kombination an, dies gilt auch für ‘Irish Molly‘. Hier hat sich in Österreich der Name „Kernölveilchen“ eingebürgert. Sein ockergelbes Farbspiel ist etwas ganz Außergewöhnliches und ähnelt in der Farbe tatsächlich dem beliebten Kürbiskernöl! Übrigens werden die guten, ausdauernden Hornveilchensorten ausschließlich über Risslinge vermehrt und nicht über Aussaat! Samenvermehrte Sorten sind meist nur kurzlebig und blühen längst nicht so gleichmäßig. Orientiere dich an unserem Webshop, bei uns wechselt das Sortiment jedes Jahr ein wenig!

Hier siehst du Viola cornuta ‘Rebecca‘

Dies ist ‘Irish Molly‘, das farblich wohl eigenwilligste Hornveilchen!

‘Maggie Mott‘ ist besonders reichblühend

‘Ardross Gem‘ hat geradezu eine schwedische Farbkombination!

Hier siehst du endlich ‘Molly Sanderson‘!

Die allerliebste ‘Jackanapes‘!

Ich freue mich jedes Jahr von neuem auf die ersten Juwele im Steingarten, die normalerweise nicht lange auf sich warten lassen. Eines der Highlights ist Veronica caespitosa aus der Türkei. Man sieht vor lauter Blüten kein Blattpolster mehr! Es existieren viele reizende zwergige Ehrenpreisarten, die allermeisten wünschen einen trockenen und sehr sonnigen Standort. Einige sind Hätschelkinder, welche mit Bedacht und Liebe möglichst im Regenschatten eines größeren Steines gepflanzt werden sollten. Andere gedeihen auf Garagendächern, in Trögen und in Trockenmauerfugen, scheinbar wie von selbst.

Aus den Südalpen stammt die Goldprimel. In der Vergangenheit befanden sich oft relativ blühfaule Typen in Kultur. Dies änderte sich von dem Zeitpunkt an, als ich von Josef Holzbecher aus Brünn einen sehr reichblühenden Klon bekam. Die gelben Blütchen sind entzückend und erscheinen oft schon Ende März. Der richtige Standort im Steingarten sollte von mineralischer, steinig-sandiger Struktur sein. In der Natur sah ich Vitaliana primuliflora beispielsweise am Isoard in den Südwestalpen in purem Schotter.

Veronica caespitosa, dieses alpine Juwel aus der Türkei

Die Goldprimel bildet bald größere Polster und ist überhaupt nicht kompliziert!

Bekanntlich existieren Staudengattungen mit furchtbar heiklen Hätschelkindern und gleichzeitig robusten Vertretern mit breiter Verwendungsmöglichkeit. Eine typische Gattung, welche beide Richtungen beinhaltet, sind die Strohblumen (Helichrysum). Eine äußerst artenreiche Gattung, in vielen Ländern der Erde vertreten, ob als hochalpiner Zwerg, als Steppenpflanze oder als Halbstrauch an Wegrändern. Mit den Jahren haben wir einige davon ausprobiert. Ein Findling vom türkischen Ulu Dagh hat sich als besonders robust und unempfindlich herausgestellt. Helichrysum plicatum blüht sehr reich mit gelben Blütenköpfen. Du kannst diese anspruchslose Art auf deinen Trockenmauerwall setzen oder zwischen Lavendel und winterharten Kakteen. Durch die filzig grauen Blättchen sieht diese Staude aus den Bergen Kleinasiens auch in nicht blühendem Zustand immer ordentlich aus.

Dagegen ist Helichrysum milfordiae aus den Drakensbergen Südafrikas ein äußerst schwieriger Bruder. Nicht nur bei seiner Kultur im Freiland kommt es immer wieder zu Ausfällen, sondern auch in der Topfkultur. Ich zerbreche mir schon jahrelang den Kopf über den richtigen Zeitpunkt der Vermehrung. Es ist wie verhext! Mal glückt die Vermehrung auf Anhieb, im kommenden Jahr vermehrt man zum selben Zeitpunkt auf dieselbe Art und Weise, dann plötzlich ist 80 %iger Ausfall zu verzeichnen. Die Natur lässt sich eben nicht in ein Schema pressen! Dabei ist diese Strohblume ein Klassiker, welcher wie selbstverständlich in jedem Steingartenbuch abgebildet ist. Du solltest auf jeden Fall eine ostseitige, sandige, regengeschützte Stelle im Steingarten suchen. Leicht saurer Boden ist ebenfalls zuträglich, wenngleich nicht unbedingt notwendig, wie ich herausfand. Ich pflanzte sie auch im Kalkalpinum, dort zeigte sie eine leichte, chlorotische Verfärbung ihrer silbrig behaarten Rosetten, aber dies tat ihrer wunderhübschen Blüte keinen Abbruch!

Helichrysum plicatum vom Ulu Dagh

Helichrysum milfordiae zwischen Schiefergestein

Du kannst als erste Pflegemaßnahme im Garten deine Gräser und Stauden bodeneben zurückschneiden. Auch die Blätter deiner Lenzrosen, sowie die der Elfenblumen kannst du bodeneben abschneiden. So kommen ihre Blüten wesentlich besser zur Geltung!

Der März hat begonnen, und so wieder das Frühjahr. Momentan steht bei uns die Schneeglöckchenblüte vor der Tür.

Du bekommst die versprochene Galanthus-Liste zugesandt, sobald wir die Schneeglöckchen vermehrt haben! Leider hindert uns die anhaltende und schwere Schneeschicht, dies zu tun, aber die Tage werden milder und für kommende Woche steht der Aktion sicher nichts mehr im Wege. Der Schnee hat uns auch für die Veranstaltung bei Ewald Hügin einen gehörigen Strich durch die Rechnung gemacht. Wir kommen momentan einfach nicht an die Pflanzen dran! Unsere Gärtnerei befindet sich eben in Oberösterreich und nicht am milden Oberrheingraben, leider!

Ein für uns ganz wichtiger Termin ist der große Pflanzenmarkt im Botanischen Garten Berlin-Dahlem Anfang April, wo wir wieder am unteren Ende des Hauptweges in der Nähe des Ausganges „Unter den Eichen“ stehen. Wir bringen dir gerne Vorbestellungen mit, du kannst deine Pflanzen dann bequem mitnehmen und brauchst sie nicht durch das ganze Gelände zu schleppen. Bis dahin vergeht aber noch ein ganzer Monat, denn Berlin ist dieses Jahr erst am 6. und 7. April. Zuvor findet unser Schneeglöckchen-Event in der Gärtnerei statt. Achte auf der ersten Seite auf unser Website www.sarastro-stauden.com . Dort findest du alle aktuellen Ankündigungen, sowie auch unter der Rubrik „Veranstaltungen“.

Einstweilen herzliche Gärtnergrüße!

Dein Sarastro