Sarastros eigene Staudenzüchtungen, Vita Christian Kreß

Wir sind ständig bemüht, Neueinführungen und Wildstauden aus den unterschiedlichsten Ländern, aber besonders auch eigene, hier selektierte Sorten auf den Markt zu bringen. Seit vielen Jahren beobachten und sichten wir. Und was uns als gartenwürdig erscheint, bekommt nach einigen Jahren der Beobachtung einen Sortennamen und wird weitervermehrt. Manche unserer Sorten haben inzwischen sogar weltweite Verbreitung erfahren, so beispielsweise Sedum rupestre 'Angelina', Campanula 'Sarastro', Nepeta 'Blue Danube', Geranium maculatum 'Schokoprinz' und viele andere Sorten. Wir betrachten das Selektieren neuer Sorten als Notwendigkeit, damit immer wieder Neues das Alte ersetzt. Aber auch als Spaß an der Freude, denn oft spielt Zufall und ein gutes Auge für das Wesentliche hier eine wichtige Rolle!

Eine neue Sorte sollte schließlich eine deutliche Verbesserung älterer Sorten sein und sich somit von diesen auch sichtbar unterscheiden. Man kann hier gar nicht kritisch genug sein, das Sortiment ist ohnehin schon unübersichtlich genug und Neues muss nicht per se besser als Älteres sein! Letztendes aber entscheidet der Markt und somit ausschließlich der Gartenliebhaber, was sich auf Dauer durchsetzt und was für längere Sicht brauchbar sein wird. Schade nur, dass ältere, bewährte Sorten dabei immer mehr unter die Räder kommen. Patentierte, geschützte "Schnellschüsse" sind nicht das unsere, aber heutzutage leider immer mehr an der Tagesordnung. Wie auch immer solche entstanden, vieles davon verschwindet meist wieder von selbst.

Denn bei einer neuen Sorte ist es unerheblich, ob diese durch jahrelanges Selektieren oder durch gezielte Kreuzungen entstand und somit einen immensen züchterischen Aufwand hatte. Sie kann auch durch puren Zufall in einem Sämlingsbestand gefunden worden sein oder war ein Zufallsfindling aus der Natur. Viele der bekanntesten und beliebtesten Staudensorten sind auf diese Weise entstanden! Komplizierte und aufwändige Zuchtlinien brauchen also dabei gar nicht unbedingt zum großen Erfolg führen. Viel wichtiger erscheint uns hingegen, dass eine vielversprechende Neuheit zunächst als außergewöhnliche Sorte erkannt wird und dabei nicht nur gesund, sondern primär auch standfest, reichblühend und vor allem am richtigen Standort entsprechend dauerhaft im Garten ist. Erst durch die Sichtungsgärten sollte bewiesen werden, wie hoch der Gartenwert einer Sorte tatsächlich ist.

Die meisten unserer eigenen Sorten finden Sie im Webshop und können diese jederzeit bestellen, einige müssen allerdings erst wieder vermehrt werden!

Iran 2015, unterwegs in den Hyrcanischen Regenwäldern am Kaspischen Meer

Untenstehend in chronologischer Reihenfolge alle selektierten Sorten von Christian H. Kreß

  • Sempervivum ‘Ankogel‘ – 1987 – (Sämling mit dunkelroten, behaarten Rosetten, gefunden in einem Garten in Kärnten)
  • Stachys macrantha ‘Selim‘ – 1989 – (hellrosa, sehr kompakter Wuchs, ausgelesen aus einer Naturaufsammlung)
  • Aster dumosus ‘Augenweide’ – 1989 – (dunkles Violett, reichblühend, eine echte Kissenaster!)
  • Caltha palustris ‚Osternach‘ – 1989 – Findling aus dem Osternachtal, mit riesigen Einzelblüten
  • Aconitum carmichaelii ‘Faun’ – 1990  (kompakter Wuchs, nur 50 cm hoch, späte Blütezeit)
  • Tradescantia longipes ‚Fritz Kummert‘ – 1990 (leuchtend rote, sitzende Blüten)
  • Erodium ‚Ronda‘ – 1990 (rosalila, graues Blatt) Leider verschollen
  • Campanula ‘Sarastro‘ – 1991 – (C. punctata var. hondoense x C. trachelium), großblumig, steril, remontiert laufend
  • Ligularia dentata ‘Franz Feldweber’ – 1992 – (dunkler Blattaustrieb, dunkelgelbe Blüten, niederer Habitus)
  • Geranium x cantabrigiense ‚Rosalina‘ – 1992 – (Lilarosa, reichblühend)
  • Aster dumosus ‘Isis‘ – 1994 – (helles Lilarosa, sehr trockenheitsresistent)
  • Sedum rupestre ‘Angelina‘ – 1996 – (gelbblättrige Mutation, entdeckt in einem kroatischen Garten)
  • Geranium phaeum ‘Walküre‘ – 1997 – (lange Blütezeit, hellblaue Blüten, hohe Rispen)
  • Artemisia abrotanum ‘Zicksee‘ – 1997 – (Kompakte Auslese mit glänzenden Blättchen)
  • Artemisia santonicum ‚Silberschleier‘ – 1997 – Besonders silbriggraue Form!
  • Artemisia pontica ‘Apetlon’ – 1997 – Im Gegensatz zur kultivierten Form besonders silbrige Blattfarbe! Wildfund aus dem Seewinkel
  • Geranium x oxonianum ‘Königshof’ – 1997 – (großblumige Sorte mit tief rosaroten, geaderten Blüten, blüht sehr lange nach)
  • Geranium phaeum ‚Pannonia‘ – 1998 – (leuchtend gelber Austrieb der Blätter, dunkle Mitte, braune Blüten)
  • Polygonatum multiflorum ‘Kaspar Hauser’ – 1999 – (Sehr dunkler Austrieb, vergrünt später, wird hoch)
  • Anemone x lipsiensis ‘Schwefelfeuer’ – 1999 – (Findling aus dem Antiesental mit hellgelben Blüten)
  • Anemone ranunculoides ‘Antiesen’ – 1999 – (relativ großblumige Auslese aus der Natur)
  • Galanthus nivalis ‘Baronin Ransonet’ – 2000 – (Reichblühende und sehr wüchsige G.-nivalis-Auslese aus einem Park am Attersee. Nichts besonderes!)
  • Galanthus elwesii ‚White Wings‘ – 2001 – Nach oben gedrehten Petalen und grünen äußeren Tipps. Wächst schlecht, ist aber außergewöhnlich und sehr selten!
  • Hepatica nobilis ‚Maria Theresia‘ – 2001 – Gefunden auf einem Grab, von mir 2001 benannt. Schönste der blau gefüllten, aber selten und kostbar, schwierig in Vermehrung und Kultur!
  • Nepeta ‘Blue Danube‘ – 2001 – (kompakter Dauerblüher, wurde 2009 von der Sichtungskommision mit ***  ausgezeichnet!
  • Galanthus nivalis ‘Aprilröckchen‘ – 2002 – (Blüht als eines der wenigen Schneeglöckchenauslesen extrem spät, ab Ende März, oft erst Anfang April)
  • Hosta ‘Zwutschgerl‘ – 2004 – (eine der allerkleinsten Funkien, ähnelt ‘Kifukurin Ko Mame’!)
  • Delosperma vinaceum ‘Kapstadt’ – 2005 – (Blutrote Blüten, grünes Blatt, nicht ausreichend winterhart!)
  • Perovskya ‘Sextant‘ – 2005 – (niedriger Typ mit dunkellila Blüten und graugrünen Blättern)
  • Delosperma vinaceum ‘Nelson Mandela’ – 2005 – (glänzend tief blutrote Blüten, dunkles Blatt, nicht ausreichend winterhart!)
  • Aster ericoides ‘Henriette’ – 2005 – Kompakte, standfeste Auslese mit kleinen, zartrosa Blüten. Blüht früh und reich.
  • Sanguisorba ‘Scapino‘ – 2006 – besitzt lange, dunkelrote, leicht hängende Blütenrispen, mittelfrüh, sehr eindrucksvoll! Bekam ** in der Sichtung!
  • Anemone nemorosa ‘Tilo’ – 2006 – (Großblumig, dunkelrosa abblühend, stammt aus dem Garten von Georg Uebelhart und wurde von mir nach seinem Sohn benannt)
  • Miscanthus sinensis ‘Aldebaran’ – 2007 – (plauschige Wedel, sehr reichblühend, 160 cm)
  • Anemone nemorosa ‘Marcelina‘ – 2007 – (blüht hellrosa auf und dunkelrot ab, benannt nach der Tochter von Georg Uebelhart)
  • Delosperma obtusum ‚Pink Zulu‘ – 2007 – (rote Knospen, aufgeblüht hellseidigrosa, vollkommen winterhart)
  • Peucedanum ostruthium ‘Iris’ – 2007 –  Die Blätter sind besonders im Austrieb grünlichgelb panaschiert.
  • Chrysanthemum ‚Gerlinde‘ – 2007 –  große, helllila, einfache Blüten, die eine helle Mitte aufweisen.
  • Phlox paniculata ‚Ostinato‘  – 2007 –  Sehr ungewöhnlicher Phlox mit Stern in der Blütenmitte, die Farbe ändert sich laufend, der helle Stern bleibt bestehen!
  • Paeonia officinalis ‘Fritzi‘ – 2008 – (extrem niedriger Typ mit lilaroten Schalenblüten)
  • Geranium x oxonianum ‚Tic Tac‘  – 2008 – stark gefleckte Blätter, zahlreiche lachsrote Blüten, sehr kompakter Wuchs.
  • Echinacea angustifolia ‚Wuschelkopf‘  – 2008 – Aus ‚Doppeldecker‘ selektierte, besonders schöne Form mit extrem großen, dahlienförmigen Blüten, die im Aufblühen eine vollkommen anderen Charakter besitzen!
  • Aster novi-belgii ‚Franz Pfarr‘ – 2008 –  vom Schnittblumengärtner Franz Pfarr aus der Pfalz gefundener, dunkelblauer Typ mit tiefer Füllung, von uns eingeführt und benannt.
  • Salvia nemorosa ‘Eos‘  – 2009 –  rosarot, sehr kompakte, standfeste Sorte. Wurde bisher auch unter dem Namen ‚Morgenröte‘ verbreitet. Hervorragend trockenheitsresistent!
  • Anemone ranunculoides ‘Prinz Eugen’ – 2009 – tief gefüllte Blüten, gelb. Ein Findling aus einem Wiener Innenhofgarten.
  • Anemone ranunculoides ‚Nannerl‘ – 2009 – Zunächst als ‚Flore Pleno Mini‘ im Handel, von mir neu benannt.
  • Helianthus ‚Simon Wiesenthal‘ – 2009 –   Zitronengelb, fast schwarze Stängel. Blüht mittelfrüh.
  • Penstemon x mexicale ‘Tabasco’ – 2009 – (dunkelroter Dauerblüher, sehr gut winterhart)
  • Pulmonaria officinalis  ‘Tarantella’ – 2009 – Eine Form des einheimischen Lungenkrautes, welches gelblich panaschierte Blätter besitzt. Naturfindling, von meiner Angestellten, von mir benannt.
  • Galanthus elwesii ‘Anna‘ – 2010 – (Sehr gartenwürdiger, wüchsiger und großblumiger Typ, extrem reichblühend. Besitzt grünlichgelbe Fruchtknoten)
  • Sanguisorba ‘Figaro’  – 2010 – lange, weiße, breite Blütenähren, sehr standfest, blüht im Sommer! Bekam ** in der Sichtung!
  • Nepeta ‘Florina’ – 2010 – Hellrosa blühende Katzenminze mit 50 cm Höhe, welche kontrastreiche, dunkelrote Brakteen besitzt. Verbesserung von ‚Dawn to Dusk‘
  • Aster novi-belgii ‘Strammer Max’ – 2010 – hellblaue Blüten, straffer, gesunder Wuchs, 150 cm. Wildcharakter
  • Delosperma brunnthalerii ‚Bernadette‘ – 2010 – rosarot, mit lilarotem Auge, relativ gut hart. Nach meiner Tochter benannt.
  • Solidago ‘Hiddigeigei’ – 2011 – Der Austrieb der Triebe und Blätter ist leuchtend gelb, in der Dämmerung wie Katzenaugen!
  • Nepeta ‚Poseidon‘ – 2011 – (N. grandiflora x N. racemosa), Sterile Beetsorte, blüht nach. Dichte Rispen!
  • Galanthus nivalis ‚Leitha‘ – Großblumiges Schneeglöckchen mit außen grüner Strichlierung
  • Galanthus nivalis ‚Eszterhazy‘ – Zwergform mit grüner Zeichnung auf den äußeren Blütenblättern
  • Galanthus nivalis ‚Pannonia‘  –  Großblumige, poculiforme Auslese in reinem Weiß
  • Aster novi-belgii ‚Marlene‘ – 2012 – dunkelsamtrote, tief gefüllte Blüten
  • Tradescantia x andersoniana ‚Blauracke‘ – 2012 – weiß-blau gestreifte Blüten, ähnlich dem bayrischen Wappen.
  • Helianthus ‚Helios‘ – 2012 –  sehr gr0ße, sternförmige Einzelblüten, Wuchs ähnlich H. x kellermanii
  • Monarda ‚Tante Polly‘ (M.-fistulosa-Hybride)  – 2012 –   hellrosa Blüten, mehltaufrei
  • Monarda ‚Camilla‘  (M.-fistulosa-Hybride) – 2012 –   hellrosa Blüten, mehltaufrei
  • Monarda ‚Rebecca‘  (M.-fistulosa-Hybride)  – 2012 –   rosarote Blüten, mehltaufrei
  • Monarda ‚Huckleberry‘  (M.-fistulosa-Hybride)  – 2012 –   violette Blüten, mehltaufrei
  • Geranium maculatum ‚Schokoprinz‘ -2013-  Dunkelbrauner Austrieb, später das ganze Jahr über braune Blätter, dunkelblaue Blüte. Wüchsige Überraschung der letzten Jahre!
  • Phlox paniculata ‚Sarastros Harlekin‘  – 2014 – orangerot-weiß gestrichelte Blüten
  • Phlox divaricata ‚Borboletta‘ – 2014 – Waldphlox mit hellblauen Blüten, die ein rötliches Auge aufweisen. Wüchsig und reichblühend! Borboleta – Schmetterling (Leider verschollen!)
  • Allium schoenoprasum ‚Augenschmaus‘ – 2015 – reichblühender, purpurlila Schnittlauch mit großen Blütenköpfen
  • Aster ‚Herbstleuchten‘ – 2015 – purpurfarbene, kleinblumige Hybride zwischen A. ericoides und A. novae-angliae. Mehltaufrei.
  • Aster ‚Oktoberkaskade‘ – 2015 – unglaublich breit ausladende und reichblühende, hellblaue Aster. Vermutlich eine Hybr. zwischen A. pyrenaeus und A. n.b. Vasterival
  • Galanthus nivalis ‚Donauprinzessin‘ (Sandersii-Group) – 2015 – dunkelgrüne Blätter, die am Boden aufliegen, elegant aufstrebende Stängel, gelber Fruchtknoten, gelbe innere S.
  • Galanthus nivalis ‚Donauüberraschung‘ – 2015 – Wie bei ‚Blonde Inge‘ grüner Fruchtknoten, innen gelbe Flecken, aber etwas großblütiger und in der Blütezeit später. Grüne Laubblätter.
  • Molinia coerulea ‚Jahreslauf‘ – 2017 – Das ganze Jahr über sehr attraktive Pfeifengras, breite Blätter, dunkle Halme und Blüten, straffer Wuchs.
  • Phlox paniculata ‚Erich‘ – 2019 – Hellila Blüten, rotes Auge, sehr kleinblumig! Die Dolden haben einen Durchmesser von nur 12 cm, die Einzelblüte max. 1,5 cm!

 

 

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„Reise doch, bleibe doch!“    —    Karl Foerster

Gypsophila aretioides im Alborzgebirge des Iran (Mai 2015)

Vita

Christian Kreß wurde in Stuttgart/Deutschland geboren und wuchs östlich von Basel im südbadischen Laufenburg am Hochrhein auf. Dort Volksschule und Hauptschule, Wirtschaftsgymnasium in Waldshut. Schule war ihm die meiste Zeit über eher ein notwendiges Übel. Er zeigte dagegen von frühester Kindheit großes Interesse an fremden Völkern und deren Geschichte, besonders erfreute er sich an der Natur, an Tieren und Pflanzen. Schon zarten Volksschulalter hatte er seinen eigenen, kleinen Gemüsegarten. Als Teenager interessierte er sich für spezielle Pflanzen aller Art, besonders für Farne, als auch für einheimische Orchideen, die er im nahen Schweizer Jura und im südlichen Schwarzwald intensiv studierte, dokumentierte und fotografisch festhielt. In dieser Weise wurde er von vielen Gleichaltrigen als Sonderling, ja als eine Art Exot betrachtet. Wer interessiert sich schon für Pflanzen? In weiterer Folge faszinierten ihn die tropischen Orchideen, weshalb er eigentlich Orchideengärtner werden wollte, um später in entlegene Gefilde zu reisen und nach ihnen zu suchen.

Mangels geeigneter Lehrstelle in einer Orchideengärtnerei entschied er sich für eine normale Gärtnerlehre bei Gartenbau Grass in seinem Heimatort Laufenburg, wo er die Ausbildung zum Gärtner (Fachbereich Zierpflanzenbau) in einer verkürzten Lehrzeit von zwei Jahren absolvierte. Trotz dieser beinharten Lehrjahre bereute er diesen beschrittenen Weg im Nachhinein keineswegs! Ein Zehnstundentag war damals gelebte Realität, eine 6-Tage -Woche ebenfalls. Doch hier wurde ihm das Rüstzeug und die Basis allen Gärtnerns auf beste Weise auf den Weg gegeben. Neben der Aufzucht von Cyclamen, Primeln, Sommerflor, den Weihnachtssternen und Hortensien wurde Christian auch in floristische, sowie landschaftsgärtnerische Tätigkeiten eingewiesen. Dies wurde seitens des für Ausbildung verantwortlichen Regierungspräsidiums gar nicht gerne gesehen, doch im Nachhinein war Christian für diese vielseitige gärtnerische Ausbildung sehr dankbar und schloss die Ausbildung mit gutem Erfolg ab. Eine allumfassende Lehre in einem Kleinbetrieb war für eine gärtnerische Grundausbildung wesentlich zielführender als in einem Spezialbetrieb, wo man lediglich eine sehr eingeschränkte Facette des Gartenbaus erfährt.

Ein Mitarbeiter von Gartenbau Grass arbeitete zu früheren Zeiten bei Karl Foerster in Bornim und so erfuhr Christian das erste Mal von der Existenz einer Staudengärtnerei. Und noch während seiner Lehrzeit fuhr er eines schönen Tages mit seinem Mofa durch das nahegelegene Markgräflerland südlich von Freiburg und entdeckte durch reinen Zufall die Staudengärtnerei Gräfin von Zeppelin, die ihm die Augen für die weite Welt der Stauden öffnete und gab ihm hiermit die Initialzündung für einen langen Lebensweg mit Stauden.

Nach dem Präsenzdienst in Speyer bewarb sich Christian für eine Stelle in der Staudenabteilung der in der Schweiz weitum bekannten Großbaumschule Hauenstein in Rafz, nördlich von Zürich. Sein damalig vorgesetzter Obergärtner Domenico Tommasini war es, der in ihm die Begeisterung für Stauden ausbaute, der ihn in die Vermehrung und Kultur einwies, ihm desweiteren den Zugang zur Internationalen Staudenunion öffnete, ja überhaupt in ihm das Reisefieber erneut weckte! Nicht nur, um fremde Länder und Völker kennenzulernen, sondern möglichst eine Menge der in Kultur befindlichen Stauden in der freien Natur zu entdecken, zu sehen, wie sie gedeihen und um diese zu fotografieren. Bei Hauenstein in Rafz war Christian hauptsächlich im Versand tätig, aber auch in der Staudenvermehrung. So lernte er nach kürzester Zeit das Grundsortiment kennen, fand nebenbei auch großes Interesse am dortigen, sehr breiten Gehölzsortiment. Schon während dieser Schweizer Praxisjahre suchte er seinen ersten Kontakt zu Staudengärtnereien wie Kayser und Seibert, Dr. Hans Simon und die Alpenpflanzengärtnereien Jacob Eschmann und Hans Frei. Fachliche Reisen unternahm er damals gemeinsam mit Fritz Hauenstein, unter anderem nach Dänemark und Norddeutschland zu zahlreichen Baumschulbetrieben und Staudengärtnereien.

Während seiner Schweizer Volontärzeit bekam er eines Tages von Staudengärtner Hans Frei die Adresse von van Delft, Alpenplantenkwekerij in Noordwijkerhout in Holland. Dort befand sich ein Alpenpflanzenspezialbetrieb, wo er sich als Volontär bewarb. In dem einen Jahr in den Niederlanden erlernte Christian nicht nur die dortige Sprache, sondern er nutzte seine Zeit in Holland äußerst intensiv, um sich beruflich in Stauden zu vertiefen. Mit seinem damaligen „Boss“ Luite van Delft pflegte er von Beginn an ein langandauerndes, freundschaftliches Verhältnis, ein in der internationalen Staudenwelt sehr geschätzter und vielbeachteter Staudenkenner, mit einem breit angelegten Wissen, beileibe nicht nur für alpine Stauden! Er sorgte für eine sehr wichtige Phase in Christians gärtnerischen Leben, er erfuhr von ihm viele Tricks und Kniffe in Sachen rationellem Arbeiten und spezieller Staudenvermehrung, welche man in Büchern vergeblich sucht. In seiner Freizeit besuchte Christian Botanische Gärten, Arboreten und Privatgärten, er hatte auch genügend Gelegenheit, die Vermarktungsmethoden und industrielle Pflanzenproduktion in den Niederlanden intensiv kennenzulernen. Und er legte hier in den Niederlanden den Grundstein für eine weitere Leidenschaft, nämlich das Sammeln und Studieren von neuerer, aber auch antiquarischer, gärtnerischer und botanischer Fachliteratur. Geld blieb ihm dabei naturgemäß kaum übrig!

Jeder ambitionierte Gärtner sollte sich irgendwann um einen beruflichen Abschluss bemühen. Für Christian kam der Gärtnermeister, der Diplomingenieur FH oder der Gartenbautechniker infrage. Er entschied sich für letzteres, einem speziellem, viersemestrigem Studium an der Staatsschule für Gartenbau der Universität Hohenheim bei Stuttgart. Diese zwei Jahre waren geprägt von Pauken und Büffeln, von Gelerntem und dessen Wiedergabe, von Aufnahmeprüfung, Probezeit, Zwischenprüfung und abschließender Klausur. Rückblickend empfand Christian vieles Erlernte dieser Zeit nicht nur als äußerst praxisfern, etliches davon war blanke Theorie. Aber er war danach immerhin befähigt, einen Betrieb zu leiten und durfte vor allem auch Lehrlinge ausbilden, hatte einen Berufstitel, dem er in seinem Fall allerdings nicht allzu viel Bedeutung zumaß. Er war der Auffassung, dass neben einer theoretischen Ausbildung vor allem Praxisjahre in renommierten Betrieben zählte und vor allem, wie man sich diese Zeit zunutze macht, um dabei den so vielzitierten Blick hinter den Horizont nicht außeracht zu lassen. Bevor Christian eine leitende Stelle bei Stauden Feldweber in Österreich antrat, war nach seiner Hohenheimer Zeit erst einmal eine längere Reise angesagt. Überhaupt plagte Christian schon immer das Fernweh, er war regelrecht süchtig nach fremden Ländern und Kulturen. (Untenstehend in chronologischer Reihenfolge seine Reiseziele)

Die Staudengärtnerei Feldweber in Ort im Innkreis sollte die Wirkungsstätte der kommenden acht Jahre werden. Hier zeichnete Christian für die Vermehrung und Aufbau eines großen Staudensortimentes, die Sortimentsentwicklung und die Lehrlingsausbildung verantwortlich. Hier im oberösterreichischen Innviertel lernte er auch seine Frau kennen, mit der er drei Töchter großzog. Christian war es zu verdanken, dass aus einem gemischten Betrieb mit Schwerpunkt Stauden, aber angeschlossener Baumschule, Floristik und Gartengestaltung innerhalb weniger Jahre eine weitum bekannte Staudengärtnerei mit einem breiten Sortiment wurde, welche damals Gartencenter, Baumschulen, Gartengestalter und in zunehmendem Maße auch Privatkunden bediente.

Parallel hierzu startete er seine umfangreiche Vortragstätigkeit und innitierte Anfang der 90er-Jahr die Langenloiser Staudentage, die er 20 x organisierte und moderierte. Die Staudentage stellen damals wie heute heute die Paradeveranstaltung des dortigen, niederösterreichischen Bildungszentrums. Mit den Jahren entwickelte sich Christian zu einem gefragten Referenten, sei es bei Gartenbauvereinen, der Gesellschaft der Staudenfreunde oder für diverse Weiterbildungsveranstaltungen vor Fachpublikum, ganz besonders aber im deutschsprachigem Ausland. Nebenbei wurden zahlreiche Artikel für Fachjournale und Hobby-Gartenzeitschriften verfasst. In den Wintermonaten unterrichtete er in lockerer Folge Meisterkandidaten in Staudenkunde und Pflanzenverwendung in den unterschiedlichsten Bundesländern Österreichs.

Und Christian wurde von den hiesigen Staudengärtnern zum österreichischen Sichtungsdelegierten der Internationalen Staudenunion (I.S.U.) gewählt, ihm oblag für 12 Jahre die Verantwortung der Sortimente im Staudensichtungsgarten Königshof im burgenländischen Seewinkel. Nebenbei organisierte er in dieser Zeit drei botanische Exkursionen für die I.S.U. In den 80er und 90er-Jahre begann Christian oft nach Großbritannien zu reisen und knüpfte dort ihm wertvolle Verbindungen zu Gleichgesinnten, zu Botanischen Gärten, Privatleuten und Staudengärtnern. Überhaupt waren für ihn internationale Kontakte sinnstiftend und von großer Wichtigkeit, mit der Zeit entstanden enge Freundschaften zu Staudenspezialisten aus vielen Ländern, sei es nach Deutschland, Frankreich, Polen, Tschechien, den Skandinavischen Ländern und seit kurzem auch in die USA. Ein Schlüsselerlebnis für ihnwar jedoch die Verbindung zu den so erfolgreichen, russischen Phloxzüchtern, hier war er vermutlich überhaupt der erste Staudengärtner, welcher den Kontakt aufnahm.

Im Jahre 1995 machte sich Christian in Ort im Innkreis mit einer eigenen Staudengärtnerei selbständig. Der Start begann im wahrsten Sinne des Wortes „auf der grünen Wiese“, sehr mühsam, aber immerhin stetig. Zunächst wurde nach und nach das Sortiment aufgebaut, die Infrastruktur erstellt und Ambiente geschaffen. Er beschritt mit den Jahren seinen ganz eigenen Weg und ließ sich nicht durch Beispiele anderer Betriebe oder Verkaufsberater beirren. Es dauerte rund 10 Jahre, bis er die Leistungsfähigkeit eines speziellen Sortimentsbetriebes auf die Beine stellte und weitere fünf Jahre, um zu einer größeren Bekanntheit zu gelangen. In Fachkreisen hatte er sich zwar längst einen Namen geschaffen, nicht jedoch beim Endkunden! Dabei kamen ihm die seit den späten 90er-Jahre aufkommenden Gartentage und Pflanzenbörsen zugute, die für ein breiter aufgestelltes Publikum sorgten. Das Internetzeitalter hatte auch im Gartenbau längst Einzug gehalten und so wurde 2010 ein Webshop für  Onlinebestellungen geschaffen. Dieser verschlang enorm viel Zeit und vor allem Geld, sorgte aber für einen stetig wachsenden Absatz. In der Staudengärtnerei selbst legte Christian sehr viel Wert auf Ambiente und setzte auf kundenfreundliche Gestaltung in jedweder Hinsicht. Eine seiner großen Vorbilder für den eigenen Betrieb war Beth Chatto, deren Gärtnerei und Schaugarten in Colchester für ihn das verkörperte, was ihm als Idealbild vorschwebte. Schaugärten und Produktion, breit aufgestelltes Sortiment, Detailverkauf und Versand, Neueinführungen und Raritäten neben Allerweltsstauden, keine Massenproduktion, sondern gelebte Staudenkultur auf vielfältigste Weise!

Der Staudenverwendung wurde ebenfalls viel Bedeutung zuerkannt, sei es in seiner Gärtnerei in den Schaugärten, als auch außerhalb in etlichen, spezielleren Gartenprojekten, denn auch diese Arbeiten gehörten nach Christians Auffassung zum Renommee eines Staudengärtners. Mit den Jahren und seinem intensiven Umgang mit Stauden aller Art kamen auch eine Menge eigener Selektionen auf den Markt, allen voran seine Campanula ‚Sarastro‘, die der Gärtnerei zu ihrem Namen verhalf. Eine Auflistung seiner eigenen Züchtungen findet der Leser gleich oberhalb der Vita von Christian Kreß. Einige Züchtungen wurden sogar international prämiert. Das Aufspüren von Neuheiten und das Selektieren von Stauden geschah stets nebenbei, das Reisen zu den Naturstandorten jedoch zählte immer schon zu den Höhepunkten in seinem Leben. Die Gärtnerei nahm mit der Zeit einen völlig eigenen Charakter an, es war eine Art Mischung aus Anzuchtsbetrieb und Schaugarten.

Christian mit einer bestimmten Staudengattung in Verbindung zu bringen, wäre zu kurz gegriffen. Seine Pflanzenkenntnisse und Interessensgebiete sind sehr vielseitig und nicht auf ein Spezialgebiet festzulegen. Zu seiner engsten Seelenverwandschaft seiner großen Staudenfamilie gehören eine Menge gleichgesinnter Freunde und Pflanzenverrückte, allen voran Ewald Hügin, Michael Dreisvogt, Eugen Schleipfer, Hermann Fuchs, Manfred Herian, Svetlana Voronina, Michael Münch, um nur einige zu nennen. Ganz besonders aber beeinflusste ihn der Altmeister der Staudengärtner und Gartenphilosoph Karl Foerster aus Bornim, der mit seinen Schriften und Büchern und der darin enthaltenen, ureigenen Philosophie für Christian eine Art geistiger Wegbegleiter wurde. Karl Foerster starb 1970, aber sein Ideal lebte in so Vielem weiter. In diesem Sinne hatte Christian im Laufe der Zeit zwei eigene Bücher geschrieben und war bei zwei weiteren Büchern als Co-Autor involviert. „Blackbox Gardening“ und „Meine Welt der Stauden“ waren Bestseller und heimsten Literaturpreise ein. Das Verfassen von Fachartikeln für die „Gartenpraxis“, „Der Staudengarten“, „Schweizer Garten“, sowie weitere Journale bilden auch weiterhin eine wichtige Säule in seinem Gärtnerleben.

Um das Jahr 2012 wurde mit dem inzwischen schon legendären, monatlichen Rundbrief begonnen, welcher bereits an rund 6.000 Adressen verschickt wird. Auch hier handelte Christian nach seiner Maxime „Seinen eigenen Weg gehen, Begeisterung vermitteln und nichts fantasielos kopieren!“, dieser sehr persönlich gehaltene Rundbrief endet mit „Dein Staudengärtner Sarastro“!

Reisetätigkeit in die unterschiedlichsten Regionen der Welt, speziell kulturell geprägte und botanische Exkursionen

  • 1979 Mexiko (Kultur und Landschaft im zentralen Hochland)
  • 1980 Griechenland (Olymp – bot. Exkursionen), Jugoslawien, West-Türkei
  • 1981 Spanien (Pyrenäen), Südfrankreich (mit dem Rucksack)
  • 1982 Griechenland (Olymp – bot. Exkursion), Jugoslawien (Velebit, Bosnien), Rumänien
  • 1983 Indien (Kaschmir und Ladakh bis Südindien), Nepal (Himalaya-Trekking), Sri Lanka (5 Monate mit dem Rucksack)
  • 1984 Botanische ISU-Exkursion Dauphine (Frankreich)
  • 1985 Botanische ISU-Exkursion Pyrenäen (Frankreich)
  • 1985 Türkei (Südwesten, auf eigene Faust)
  • 1986 Ägypten (von Abu Simbel bis Kairo, mit dem Rucksack)
  • 1986 Botanische ISU-Exkursion Südtirol (Sextener Dolomiten)
  • 1987 Syrien, Türkei (mit dem Bus)
  • 1987 England (Gärtnereien, Parks)
  • 1988 Türkei  (Osten, Südosten, Nordosten)
  • 1989 England, Schottland (Gärtnereien)
  • 1990 Algerien (von Algier bis Tamanrasset im Hoggar, auf eigene Faust)
  • 1991 Jemen  (Nord und Süd, von der Küste bis ins Gebirge, mit dem Rucksack)
  • 1992 Botanische Exkursion für ISU Nordgriechenland (Leitung CK)
  • 1994 Marokko (Atlasgebirge und Königsstädte)
  • 1997 Botanische Exkursion für ISU Totes Gebirge (Österreich, Leitung CK)
  • 1998 England (Gärtnereien, Parks)
  • 1999 Kroatien, Bosnien (Velebit, Biokovo)
  • 2000 England (Monksilver Nursery Open Day – Verkauf)
  • 2002 England (Galanthus –Gala)
  • 2003 Kreta
  • 2004 Botanische Exkursion Seewinkel/Burgenland (Österreich, Leitung CK)
  • 2004 Kreta
  • 2005 Kreta  (Botanische Wanderungen)
  • 2006 Neuseeland (einheimische Flora, Privatgärten)
  • 2007 Mexiko (Verwandschaft, Pazifikküste)
  • 2010 Portugal  (historische Gärten)
  • 2011 Russland (private Gärten und Phloxausstellung)
  • 2012 Polen (Botanische Gärten, Parks)
  • 2013 Russland (Phlox-Ausstellung, Besuch von Phloxzüchtern, Vortrag, Ehrengast bei Prämierung von Phloxneuheiten)
  • 2014 Zypern (kreuz und quer, inkl. Nordzypern)
  • 2015 Iran (Botanische Exkursion in das Zagros- und Alborzgebirge, Kaspisches Meer)
  • 2015 Italien (Campanien)
  • 2016 Estland  (Phloxzüchter, Privatgärten, Botanische Gärten)
  • 2016 Kyrgysztan (Kirgisien, bot. Exkursion)
  • 2016 Russland  (Großraum Moskau, Phloxzüchter, Phloxausstellung)
  • 2016 Russland  (abgehaltenes Seminar für Landschaftsplaner und Staudenverwender in StP, in Engl.)
  • 2017 Ukraine (abgehaltenes Seminar für Landschaftsplaner und Staudenverwender in Kiev, in Engl.)
  • 2018 USA  (Perennial Plant Association (PPA) Jahrestagung, dort Fachvorträge gehalten)
  • 2018 USA  (Appalachen, Vortrag in Raulston Arboretum, Besichtigung div. Gärten)
  • 2019 Ecuador  (u.a. botanische Wanderungen)
  • 2019 Island (Gärten und Natur)

Dazwischen immer wieder auch Fachexkursionen, Delegiertenversammlungen der ISU, Betriebsbesichtigungen bei Staudengärtnerkollegen und viele Gartenbesuche bei Privatleuten und Hobbygärtnern