Newsletter XII/2012 (Dianthus: Polsternelken, Duftnelken)

Liebe Pamina, hallo Papageno!

Unser Rundbrief erfreut sich zunehmender Beliebtheit und hat Dimensionen angenommen, die ich mir in meinen kühnsten Träumen nicht erhofft hatte. Das freut uns natürlich riesig und es ist mir ein großer Ansporn, ihn in diesem Stil fortzusetzen. Eine Verpflichtung und Anspruch aber auch, was die Themen anbelangt. Es jedem recht zu machen, ist eine Kunst, die bekanntlich niemand beherrscht. Die Themenauswahl fällt mir allerdings gelegentlich schwer, es bedarf dann einer Initialzündung oder einen Stubser seitens Freunden, der Kundschaft oder einer Mitarbeiterin. Gibt es doch tausenderlei Themen rund um unsere Staudenwelt, aber zu Stresszeiten bin ich manches Mal etwas geistig blockiert, du kennst dies vielleicht! Auf keinen Fall möchte ich dich  mit meinem Geschreibsel nerven, denn man hört ja gelegentlich, dass die Leute heutzutage angeblich weniger lesen und der Rundbrief ja ohnehin viel zu lang ist. Wenn dies der Fall sein sollte, dann nimm ihn dir zu einer Mußestunde zu Gemüte und nicht sofort, wenn der Brief in deinen Postkasten flattert!

Hier siehst du den Findling aus Mazedonien vom Ohrid-See

Dianthus ‘Elizabethan Pink‘

Dianthus ‘Elizabethan Pink‘

Die entzückende ‘Babi Lom‘

Die entzückende ‘Babi Lom‘

‘Warden Hybrid‘

Fast violett sind die Blüten von ‘Warden Hybrid‘

‘Stäfa’im Sukkulentenbeet

Und hier die Schweizer Sorte ‘Stäfa’im Sukkulentenbeet

Dianthus gratianopolitanus ‘Waithman’s Beauty‘

Dianthus gratianopolitanus ‘Waithman’s Beauty‘

Pfingstnelke

Schon ganz gewöhnliche Pfingstnelken besitzen reizende Blüten!

Nelken sind zumindest bei uns in Österreich wieder ganz schwer im Kommen. Lange Zeit waren sie in blühendem Zustand lediglich ein Thema für den Impulsverkauf im Gartencenter, sie galten jedoch darüber hinaus als altmodisch und ihren süßen Duft verband man mit verblichenen Zeiten. Im Garten meiner Großmutter wuchs eine unbekannte, rosa blühende  Dianthus plumarius ganz unbedarft in einen Schotterweg hinein, da fühlte sie sich am wohlsten. Und unsere Nachbarin, welche kürzlich verstarb, hatte sehr ansehnliche, reichblühende Polster entlang ihres Gartenzaunes, irgend ein Sämling, aber hübsch! Von ihr erfuhr ich vor längerer Zeit, dass sie ihre Nelkenhorste alle paar Jahre mitten im Hochsommer auseinander riss und in handliche Portionen wieder setzte, diese anschließend einmal kräftig angoss, fertig! Wenn du dies im Herbst machen würdest und anschließend würde ein nasser Winter ins Land ziehen, dann faulen dir die Polster nur so dahin. Im Frühling wiederum ist bei einer Verpflanzaktion die Blüte gefährdet, wenn du mit deiner Vermehrung nicht früh genug dran bist. Oder die übermütigen Amseln kratzen mit Schwung und Elan die Polster heraus! Man lernt bekanntlich nie aus und ich will dir möglichst viele Erfahrungen weitergeben.

Wir unterscheiden einjährige und ausdauernde Nelken, niedere Polsternelken, an denen hauptsächlich die Pfingstnelke ( Dianthus gratianopolitanus) züchterisch beteiligt ist, und dann natürlich die höheren Federnelken (Dianthus plumarius). Dazwischen sind jegliche Übergänge an Farben und Formen zu finden, gefüllte und ungefüllte, herrlich duftende und solche, an denen der Duft unbeabsichtigt weggezüchtet wurde, die dafür aber sensationelle Blüten besitzen. Während die Wildnelkenarten untereinander noch einigermaßen unterscheidbar sind, ist die Summe der Züchtungen heutzutage gar nicht mehr feststellbar, weil sie in die Tausende geht, ähnlich wie bei den Chrysanthemen oder Dahlien.

Die Briten klassifizieren die Sortenfülle in einige Gruppen, wie beispielsweise „Border Pinks“ oder „Carnations“. Im Plantfinder kannst du fast 6 Seiten an Nelken vorfinden und wo es diese auf den Inseln zu kaufen gibt. In den 80er-Jahren konnte ich dort eine kleine Gärtnerei besuchen, die ausschließlich Nelken sammelte. Leider existiert sie längst nicht mehr. Als Erinnerung daran vermehren wir noch die alte Dianthus ‘Elizabethan Pink‘. Ein züchterisch vollendeter Traum! Neben den Schnittnelken, Chabaud- und Beetnelken sind auch bei den Gartennelken im Laufe der Zeit unglaublich viele Sorten ausgelesen worden, es findet ein Kommen und Gehen statt, vieles davon ist gar nicht mehr in gärtnerischer Kultur. Eine der wenigen Sorten, die seit dem vorvorigen Jahrhundert bis in die Jetztzeit herübergeschafft haben, ist die tiefgefüllte, weißblühende ‘Mrs Sinkins‘. Überhaupt scheinen die Engländer noch am ehesten viele der alten Sorten zu besitzen. Einige davon wurden auch bei uns wieder en vogue, so auch die alte, rotblättrige Bartnelke Dianthus barbatus ‘Sooty‘. Ich erinnere mich auch an meine holländische Zeit, an Namen wie ‘Highland Queen‘ oder ‘Duchess of Fife‘, aber auch an die Schweiz, wo ‘Munot‘ und ‘Bombardier‘ seit jeher zu den Verkaufsschlagern gehörten. Als Jungspund in meiner Schweizer Zeit bekam ich unter Domenico Tommasini erstmals eine Vorstellung vom vielfältigen Gartennelkensortiment. Er trug damals an die 40 Sorten zusammen. Ihm habe ich vieles zu verdanken, unter anderem den damals beginnenden und bis dato nie endend wollenden Staudenfanatismus.

Nicht nur in England sind im Laufe der Zeit viele gute Nelkensorten ausgelesen worden, auch in Frankreich, Tschechien und Deutschland, zumeist Polsternelken für Tröge und Steingärten. Ein Beispiel ist Josef Holzbechers ‘Babi Lom‘, an Reichblütigkeit kaum zu überbieten, sie blüht im September regelmäßig ein zweites Mal. Am wichtigsten erscheint mir jedoch  die Eigenschaft, im Garten ein ansehnliches Polster über viele Jahre zu haben. Denn was nützt uns die schönste Blüte, wenn ein struppiges und lückenhaftes Polster uns den Rest des Jahres nur ärgert! Du kannst durch einen leichten Bürstenschnitt manche ältere Nelkenpolster pfleglich verjüngen und dadurch die Polster wieder schmucker machen, besser ist jedoch, wenn sie sich von vorneherein gleichmäßig präsentieren. Es ist aber auf jeden Fall anzuraten, wenn du deinen Nelken nach ihrer Blüte die Stängel stets abschneidest. Übertriebener Ordnungsfimmel oder eine durchaus notwendige Maßnahme gegen unerwünschte Selbstaussaat? Das kannst du halten, wie du möchtest!

Während der klassische Standort der Federnelken im Garten die Beeteinfassung ist, können alle niederen Sorten dort Verwendung finden, wo es dir gefällt! Du musst nur darauf achten, dass der Standort vollsonnig ist und dabei der Boden durchlässig und trocken. Nelken sind im Allgemeinen für kalkige Böden empfänglich. Aber sie wachsen auch in neutralen und schwach sauren Böden.

In einem älteren Rundbrief stellte ich dir schon einmal meine Lieblingsnelke vor. Sie blüht in reinem, strahlenden Weiß und wurde anlässlich einer Exkursion der Internationalen Staudenunion in den 80er- Jahren in Mazedonien in einem kleinen Vorgarten entdeckt. Ihr süßer Duft ist wirklich sensationell, die silbrig grauen Polster makellos. Ich kenne kaum eine  bessere Polsternelke mit diesen Qualitäten! Überdies kannst du diese niedrige Federnelke an jeden noch so trockenen Ort im Garten pflanzen, ob im Kakteenbeet, an einer südwärts gelegenen Hauswand oder im trockensten Kiesgarten. Nach ihrem Fundort bekam sie den Namen ‘Ohrid‘ (gesprochen Okrid!). Dieser riesige See bildet die natürliche Grenze zwischen Albanien, Griechenland und Mazedonien, eine beeindruckende, weite Landschaft mit blitzklarem Himmel, verträumten Ortschaften und sonnendurchglühten, braunen Bergen mit mancherlei botanischen Highlights.

Aber nicht nur als Beetpflanze, sondern auch für den Balkon hatten Nelken zumindest in Teilen des Alpenraumes eine lange Tradition. Die Tiroler Hängenelken scheinen nun aber leider endgültig von der Bildfläche verschwunden zu sein. Ja, selbst in Tirol schauten mich einige Kollegen ganz ungläubig an und wussten überhaupt nicht, was ich eigentlich damit meinte! Dabei gab es vor gar nicht langer Zeit noch Höfe, wo diese sonderbaren Nelken meterlang herunterhingen, in den unterschiedlichsten Farben. Mag sein, dass da und dort sogar noch welche zu finden sind, aber gärtnerisch finden sie leider keine Akzeptanz mehr. Bis vielleicht ein Idealist sich wieder ihrer annimmt und ihnen einen modernen Pepp verschafft, ähnlich den berühmten Hängechrysanthemen von Lahr im Schwarzwald!

Ein herrlicher Spätblüher ist Rabdosia longituba. Wenn du diesen ostasiatischen Lippenblütler einmal voll aufgeblüht erleben konntest, wirst du sicher begeistert sein!  Du kannst im untenstehenden Bild erahnen, wie sie ungefähr aussieht. Die Stauden werden etwa 130 cm hoch und 50 cm breit. Leider hat diese Schattenpflanze zwei kleine „Nachteile“. Den ersten Nachteil siehst du unschwer hier im Bild, dass nämlich Rabdosia eine Katastrophe zum Fotografieren ist, die traumhaften, röhrenförmigen Blüten sind an langen Rispen verteilt. Dieses Handicap wäre ja leicht zu verschmerzen, wenn man überhaupt rechtzeitig zum Fotografieren kommt! Der Grund liegt in der Gefahr eines nur einzigen leichten Nachtfrostes, denn nur – 1 Grad  zerstört den ganzen, herrlichen Blütenflor. Voll aufgeblühte Stauden von Rabdosia sind aber gerade ab Mitte Oktober wundervoll, allein schon wegen ihrer enzianblauen Blüten! Um die Nachtfrostgefahr einzuschränken, kannst du sie natürlich mit Vlies oder Gardinen schützen, oder unter Sträucher pflanzen, die die Strahlungskälte etwas abhalten.

Plectranthus excisus

Plectranthus excisus, mein Schattenschleierkraut.

Rabdosia longituba

Rabdosia longituba

Ein „Schleierkraut für den Schatten“ siehst du gleich daneben. Dies ist einer der wenigen, winterharten Vertreter der Weihrauchpflanze und eine wunderbare Ergänzung zu Funkien, Knöterich und Astern. Plectranthus excisus und sein früher blühender Bruder Plectranthus glaucocalyx nehmen mit jedem Boden vorlieb und enttäuschen niemals. Die Blütezeit dieser ostasiatischen Stauden liegt zwischen August und Anfang Oktober. Du solltest einzig im Frühjahr aufpassen, dass du sie in der Austriebsphase nicht mit Brennnesseln verwechselst und aushackst.

In unserer Staudengärtnerei bauen wir gerade einige neue Stellflächen, damit wir etwas mehr Platz für die Anzucht der Stauden besitzen und unterm Jahr besser jonglieren können. Hierfür muss leider ein altes Mutterpflanzenquartier weichen. Etliche Stauden wurden ausgegraben und in Kisten für eine spätere Vermehrung eingeschlagen. Dann fällt mir ständig  ein, dass ich ja dies und das noch vermehren sollte.  Ein später Stecklingssatz verspricht eine gesicherte Frühjahrs- Nachzucht. Und schön langsam denken wir auch ans Einwintern, mit der Bitte an den gnädigen Wettergott, uns mit solch Kapriolen wie im vergangenen Winter doch möglichst zu verschonen! Doch die Klimawandlung fordert ihren Tribut, das ist wohl leider nicht zu übersehen.

Ein letzter Gruß im Abendlicht aus unserer „Prärie“ mit wehenden Miscanthus und Helianthus ‘Simon Wiesenthal‘

Außerdem verlangt unser Webshop nach Überarbeitung und da sind wir momentan schwer dahinter. Mein Bestreben ist es, all die vielen Erfahrungen der Jahre über diese oder jene Staude in Form von Wort und Bild in den Webshop einfließen zu lassen, damit du mit der Zeit ein wertvolles Nachschlagewerk vorfindest. Eine nicht endend wollende Arbeit, die besonders  im Winter  gehörig Spaß macht. Viele Neuheiten kommen dazu, wir mussten leider aber auch einige Pflanzen als „nicht lieferbar“ oder „erst wieder im Herbst 2013 lieferbar“ kennzeichnen, der letzte Winter hinterließ seine Spuren, wie ich dir ja schon früher schrieb.

Weihnachten steht vor der Tür. Hast du dir für die Deinen schon etwas überlegt? Ich bin in diesen Dingen in manchen Jahren leider fantasielos. Aber mit einem Gutschein über Pflanzen liegst du sicher nie verkehrt. Außerdem ist dies willkommener Anlass, sich in der Gärtnerei wieder persönlich zu sehen!
Du kannst diesen Gutschein bequem über unsere Homepage www.sarastro-stauden.com anfordern (ganz oben ist der Button zu finden).

Persönlich ganz wichtig sind mir Menschen, die sich für Garten und Pflanzen begeistern können und dabei diese Eigenschaft auch ausstrahlen und weitergeben können. Die mit ihrem Garten leben und ihn nicht ausschließlich als belastende Arbeit ansehen. Als naturverbundene Menschen bekommen wir nämlich hundertfach von dem zurück, was wir in den Garten an Zeit, Zuwendung und Idealismus hineingesteckt haben. Daher ist es sinnvoll, auch mit dem Herzen zu gärtnern und weniger mit dem Verstand!

„Wer mich ganz kennenlernen will, muß meinen Garten kennenlernen, denn mein Garten ist mein Herz“.
[Fürst Hermann von Pückler-Muskau]

In diesem Sinne wünsche ich dir noch einen besinnlichen Gartenjahresausklang und ganz herzlichen Dank für deine Treue!

Christian Kress

dein Sarastro

Christian H. Kreß und sein Staudenteam