Newsletter IV/2024

Liebe Pamina, hallo Papageno!
Der Monat April hat es mal wieder in sich, zumindest bei uns. Alles sollte gleichzeitig geschehen. Im April findet unsere Hauptversandzeit statt. Da heißt es geschätzte hundert Mal die Runden drehen und Pflanzen für deine Pakete einsammeln, schon sind wir zu dritt, die das tun! Und es gehen die Wochenenden dabei drauf. Außerdem findet der Berliner Staudenmarkt Anfang April wieder statt, die Wiener Raritätenbörse ist unser wichtigster Markt außerhalb der Gärtnerei und Ende April das Verkaufsoffene Wochenende. Die genauen Termine kannst du auf unserem Veranstaltungskalender auf der Website erfragen. Es brummt also an allen Ecken und Kanten. Zum Glück greift mir seit Ende Februar meine Tochter Kata unter die Arme. Wieder zurück in Österreich hat sie sich erstaunlich schnell eingelebt und ist uns eine große Hilfe.

Bitte sei trotzdem nicht ungehalten, wenn deine Bestellung nicht sofort bei dir eintrudelt, denn mittlerweile staut es sich gewaltig. Aber nichts ist aus der Zeit, der Frühling hat ja eben erst Farbe gezeigt und deine Pflanzen wachsen ja sowieso erst richtig los, wenn es mal wärmer wird. Dafür machen wir keinen Bestellstopp, aber Gärtner hat eben auch etwas mit Geduld zu tun.

Und was tut sich sonst noch, als wäre der Versand nicht genug? Auch die Vermehrung vieler Stauden hat längst begonnen. Wie bei der Aussaat, so bewahrheitet sich auch bei weichen Stecklingen die Weisheit „Jeder Tag ist kostbar!“ Wir vermehren je nach Art auch bis in den Juni hinein, aber danach wird es für Frühjahrsstecklinge oftmals zu heiß. Das beste Resultat weicher Stecklinge erreicht man im April und Mai. Wie bewerkstelligt man dies? Stecklinge wachsen immer, ganz gleich, ob sie streng nach Vorschrift mit dem Stecklingsmesser geschnitten oder ob sie mit der Schere geschnitten oder gar abgerissen werden. Sie wachsen vor allem dann, wenn der ideale Zeitpunkt und das Umfeld passt. Diesen einfachen Tipp hat mir einst Heinz Hagemann mitgegeben, ein ehemaliger Obergärtner von Karl Foerster, welcher zuletzt eine eigene, sehr große Staudengärtnerei bei Hannover betrieb. In der Zwischenprüfung meiner Ausbildung schlug der Prüfer die Hände über dem Kopf zusammen, als ich Fuchsienstecklinge mit der Baumschere schnitt! Wir hatten dies immer so gehandhabt, auch wenn die Schulmeinung eine andere vorgab, sie wuchsen trotzdem. Der Idealfall sieht immer anders aus als die gelebte Praxis. Wenn allerdings später das Umfeld nicht passt, es unter der Folie zu heiß wird, dann nützt dir weder Exaktheit noch der frühe Termin. Das Stecklingsauge muss um diese Zeit hellwach sein!

Es bewahrheitet sich immer wieder, dass diverse, auflagenstarke Gartenzeitschriften den Absatz vieler Stauden ankurbeln, ja geradezu steuern, da kann ich mit meinem Rundbrief und den 8.000 Lesern nur wenig ausrichten. Die anspruchsvolle Gartenpraxis, für die auch ich gelegentlich schreibe, ist mit einer etwa doppelten Leserzahl schon besser dran. Wir können vielleicht Trendsetter sein, wobei den eigentlichen Takt zwei, drei weitere Monatszeitschriften im deutschsprachigen Raum vorgeben, zu ihrer Leserschaft zählen einige Hunderttausend. Und wenn in diesen die Redakteure schreiben, Sterndolden sind geil und sind ein absolutes „Must have“, die gehören einfach in jeden Garten, dann haben wir uns danach zu richten, ob sie nun in deinem Boden wachsen oder nicht. Denn heiße, trockene Standorte vertragen sie absolut nicht, dagegen gedeihen sie in gutem, frischem Boden hervorragend und können so zu regelrechten Dauerblühern werden.

Momentan starten die meisten unserer Buschwindröschen mit ihren Blüten. Hier Anemone ranunculoides ‘Golden Dream‘, eine wunderhübsche Besonderheit des Gelben Buschwindröschens, als ein Beispiel des unglaublichen Formenreichtums. Wir besitzen sicher das größte Sortiment an Buschwindröschen in gärtnerischer Kultur, das Sortiment weitet sich immer noch aus!

Aber nun zu etwas ganz anderem. Wie du vielleicht auf FB entdeckt hast, realisierte ich in unserem Eingangsbereich ein in die Jahre gekommenes Beet, welches mich schon länger störte. Ich überlegte die Thematik. Es waren einige Steinmauern vorhanden, Zypressen und Palmlilien bestimmen das Umfeld. So war es naheliegend, dass ich hier anknüpfte. Wir kamen mit Handkuss zu alten Drainageröhren, welche früher die Bauern vergruben, um Staunässe in den Feldern zu vermeiden. Diese waren wohl schon über 70 Jahre alt. Eine Fuhre Ziegelsteine vervollständigte meine „Altlasten“ an Materialien.

Ich ließ einen kleineren Bagger auffahren, dieser schob die verunkrautete und ausgelaugte, oberste Erdschicht ab und modellierte anschließend die von mir ausgewiesene Fläche. Früher hätten wir Erdbewegungen von dieser Größe von Hand bewerkstelligt, aber das Steineschleppen reichte mir auch schon leicht, denn die Umrandung wurde mittels vorhandener Granitsteine (Schärdinger Granit) im Verbund mit Ziegelsteinen realisiert. Zum leichteren Modellieren kam eine dicke Sandschicht obenauf.

Am Anfang steht man davor und hat Null Ideen. Normalerweise würde ich mit dem hinteren Teil beginnen, um später nicht immer wieder über die bereits gestaltete Fläche zu trampeln. Dies fiel mir irgendwie schwer, konnte mir dies noch weniger vorstellen, hier Ideen zu entwickeln. Einen vorgefertigten Plan hatte ich überhaupt nicht, wusste nur, es sollte eine etwas andere Gestaltung mit alten Baumaterialien sein, ein scheinbar vergessener Ort, an dem jede Menge pflanzlicher Juwele aus vielen Trockenzonen der Welt wachsen.

Dann machte ich es eben umgekehrt, den Aufgang zuerst. Schön langsam plätscherten die Ideen und man findet auf einmal zu seiner Kreativität. Nebenbei benutzte ich keinerlei Mörtel, sondern schlichteten die Steine trocken aufeinander.

Die Granitsteine sind wesentlich schwerer zu verlegen als Muschelkalksteine oder Schiefer. Aber mit den Jahren entwickelt man dafür Gefühl. Und wenn auch diese nicht ganz exakt liegen, sieht es danach aus, als wäre alles schon immer da gewesen.

Besonders reizvoll finde ich die so abwechslungsreiche Kombi zwischen Ziegeln, Röhren und Granitsteinen. Dies muss absolut nicht jedem gefallen! Du fragst dich vielleicht, was diese Unordnung soll, so ziel- und konzeptlos, vielleicht um innere Unruhe abzubauen? Sieht irgendwie nach einer verlassenen, menschlichen Behausung aus. Aber ich bin überzeugt, dass erst die passenden Pflanzen den perfekt anmutenden Ausschlag geben.

Einige verrostete Pflüge und ein paar zerbrochene Amphoren vervollständigen die Szenerie, erinnern mich ein wenig an eine verfallene Ruine.

Für die Bepflanzung bieten sich jede Menge Nischen und Spalten an, im Sand sehe ich schon jetzt dicke, flächig wachsende und reich blühende Mittagsblumen vor mir. Hauswurzen und Zymbelkraut bilden dann sozusagen die pflanzliche Patina. Aber der Hauptteil der Pflanzen besteht schon jetzt aus jede Menge Sukkulenten, besonders winterharter Kakteen, aber auch Südafrika lässt grüßen.

Am Schluss füllte ich den Weg und einige Zwischenflächen mit rundlichem Kies aus. Und so sah dann vorläufig mein Endprodukt aus. Ein Pflanzenbild schicke ich dir später, wenn einmal alles eingewachsen ist. Wieder so ein Beispiel der Vergänglichkeit…

Solche Arbeiten solltest du dir dann vornehmen, wenn du dir über den richtigen Standort im Garten ganz sicher bist. Was mir ebenfalls wichtig erscheint, ist eine gewisse, innere Ausgeglichenheit beim Gestalten. Du solltest unbedingt Ruhe und Freude daran finden und nicht im nächsten Moment an deinen Bekanntenkreis denken, ob darüber eventuell ein negativer Ausspruch fallen würde? Ein Experiment ist es allemal, es muss nicht jeden ansprechen!

Für Wien oder Berlin bringen wir wie üblich gerne deine Vorbestellungen mit. Doch sollte deine Bestellung mindestens fünf Tage vorher hier eingetrudelt sein! Bitte nach Möglichkeit einhalten, im Extremfall erreichten uns einige Pflanzenwünsche per Telefon, als wir schon beim Wegfahren waren.

 

 

Ich wünsche dir ein frohes Osterfest, genieße die erwachende Natur!

Dein Staudengärtner Sarastro

Christian H. Kreß und MitarbeiterInnen

 

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