Newsletter V/2024

Liebe Pamina, hallo Papageno!
Das Frühjahr verrinnt wie im Fluge, abrupte Kälteeinbrüche und ungewöhnliche Warmphasen geben sich die Hand und fordern ihren Tribut. Wir sind hier zum Glück von Schnee und Spätfrösten verschont geblieben, anderen ging es wesentlich schlechter, wie zum Beispiel vielen meiner Kunden und Pflanzenfreunde der Südsteiermark. Die Natur repariert zwar den entstandenen Schaden, doch die bereits mit zartem Blattwerk ausgetriebenen Funkien sind über Wochen unansehnlich, bis das Pflanzenbild durch den frischen Neuaustrieb wieder hergestellt wird. Bei uns reichten läppische Minus 0,5 Grad, um alle Harfensträucher (Isodon) glasig und unschön werden zu lassen, alles andere blieb unversehrt, sogar unsere winterharten Fuchsien, die in letzter Zeit dich und etliche deiner Gleichgesinnten so begeistern, dass wir bei manchen Sorten Engpässe zu verzeichnen hatten.

Die beiden wichtigsten Events in diesem Frühjahr brachten wir bereits hinter uns. Bei beiden hatten wir wettermäßig unwahrscheinliches Glück und beide Veranstaltungen waren hervorragend besucht. Die Raribö (Raritätenbörse) in Wien darf inzwischen mit Fug und Recht als eine der gelungensten Veranstaltungen angesehen werden, die einen internationalen Vergleich mit den Top-Veranstaltungen keinesfalls zu scheuen braucht. Ich entsinne mich, nur in Hannover und in Berlin ein ähnlich breites Angebot vorgefunden zu haben, wohlgemerkt pflanzenbetont! Die Auswahl ist riesig, vor allem findest du eine Menge engagierter Hobbygärtner mit Kakteen, fleischfressenden Pflanzen, Sukkulenten aller Art, die es teilweise nirgends mehr zu kaufen gibt, sowie viele andere, sehr spannende Pflanzen.

Begonnen hat diese Pflanzenbörse aufgrund einer Idee und der Initiative von Waltraute Jakum, einer liebenswerten und begeisterten Pflanzenfreundin aus Wien, nebenbei ist sie ein sehr engagiertes „Urgestein“ der Österreichischen Gartenbau-Gesellschaft. Sie machte den Vorschlag, aus einer damals abgehaltenen Alpenpflanzen-Jubiläumsveranstaltung eine regelmäßige Verkaufsausstellung in Wien zu installieren. Aus kleinen Anfängen findest du heute das vor, worauf sich Tausende Besucher und Kunden sich jedes Jahr riesig freuen! Es kommen nicht nur Wiener Bürger in den Botanischen Garten, sondern auch begeisterte Kunden aus Tschechien, Ungarn und der Slowakei, sowie den benachbarten Bundesländern. Sehr schade finde ich es allerdings, dass nur eine Handvoll einschlägig Studierender und nur sehr wenige Gärtnerkollegen dieses Angebot nützen, weder zum Kaufen, noch zum alleinigen Flanieren und Staunen. Eine Raritätenbörse verkörpert doch geradezu ein Stück Gartenkultur! Nur jene liebenswerten Bekannten, jene Nerds, die sich auf bestimmte Bereiche stürzen, die sieht man und freut sich über ihr Dasein!

Nebenbei steht diese Wiener Pflanzenbörse des Botanischen Gartens auf historischem Boden, findet parallel zum Oberen Belvedere statt, dem Schloss von Prinz Eugen, gleich oberhalb befindet sich der älteste Alpengarten Europas. Der Botanische Garten Wien ist ein Lehrgarten der Universität, welcher eine lange Geschichte aufweist. Bekannte österreichische Botaniker wirkten hier, deren Namen in vielerlei Pflanzengattungen verewigt wurden, ich erinnere nur an Nikolaus Thomas Host, welcher von 1761 bis 1834 lebte, nach ihm wurde ein Teil des Botanischen Gartens benannt, sowie später die Funkien (Hosta). Das botanisch taxonomische System im Wiener Botanischen Garten hatte übrigens mein langjähriger Freund, Kollege und früherer Mitarbeiter Michael Münch maßgeblich ausgestaltet und erweitert, er ist seit vielen Jahren dort beschäftigt und engagiert sich außerordentlich tatkräftig.

Und am letzten Samstag und Sonntag brachten wir unser Verkaufsoffenes Wochenende hinter uns, bei echtem Kaiserwetter und großem Besucherandrang. Wir bemühten uns vorher, die Gärtnerei wenigstens halbwegs auf Vordermann zu bringen, wie man es in dieser stressigen Zeit eben schaffen kann. Also mit anderen Worten „suboptimal“, ich schäme mich aber deswegen in keiner Weise. Denn wir haben momentan derart viel um die Ohren, in erster Linie, dass wir deine Versandaufträge termingerecht bewältigen.

Trotzdem beeindruckte unser neuer Teil des Schaugartens, und hier ganz besonders das langgezogene Sandbeet, welches eine Mischung aus einer Dünenlandschaft und einer Steppe darstellen soll. Momentan dominieren die Steppenkerzen (Eremurus) und die Wolfsmilcharten (Euphorbia), bald jedoch fangen jene berühmten Salbei-Sorten von Ernst Pagels mit ihrem langanhaltenden Flor an, die Szenerie zu beherrschen.

Falls du ein solches Steppenbeet bei dir im Garten realisieren möchtest, kann ich dir empfehlen, dich vom Gedanken zu verabschieden, dass in dieser aufgetragenen Sandschicht keinerlei Unkraut aufkommt! Auch hier herrschen schnell „Urzustände“, wenn man nicht rechtzeitig aufpasst, allerdings ist Unkraut aus einer Sandschicht wesentlich leichter zu entfernen als aus einem Lehmboden. Auf jeden Fall finden wir ein riesiges Repertoire vor, welches keinerlei Wünsche offenlässt, ob Blumen aus Zentralasien oder dem Mittelmeerraum, ob aus Südafrika oder den Prärien Nordamerikas. Mir gefällt es ganz besonders, wenn ein oder zwei Stauden den Takt vorgeben und sich über die ganze Fläche thematisch durchziehen, sozusagen die „Aspektbildner“ oder auch anders gesagt sind sie die Leithammel deiner Steppe! Hierzu zählen an vorderster Front Steppensalbei, Eberrauten, Federgräser oder auch meine neuen Lieblinge, die Artischocken.

Die Feuerkolben (Arisaema) hatten es mir schon seit längerem angetan, allerdings möchte ich hier nicht in jede erdenkliche Art besitzen, aber leider packt mich immer wieder die Sammelwut. Kennst du dies nicht auch? In meiner Literatursammlung besitze ich eine Monografie (detaillierte Beschreibung über eine einzelne Pflanzengattung) über diese exotisch anmutenden Stauden, welche aus dem Himalaya, den südlichen Provinzen Chinas und weiteren Regionen Ostasiens stammen. Wenn du diese Monografie studierst, musst du schon ein ausgewiesener Kenner der Materie sein, um zwischen einigen Arten überhaupt einen Unterschied zu erkennen, oft ist es lediglich ein geografischer Unterschied!

Der Austrieb von Feuerkolben erfolgt meist sehr spät, bei manchen Arten sogar erst gegen Ende Juni, vorher ist nichts zu sehen! Dann aber dauert es nicht sehr lange und die farblich so zauberhafte Spatha öffnet sich und die Blüte verströmt bei einigen Arten einen unangenehmen Aasgeruch, welcher Fliegen anlockt, die so für Befruchtung sorgen. Ein halbschattiger Standort ist genau das Richtige, der Boden sollte nicht von flachwurzelnden Gehölzen durchzogen sein, sondern tiefgründig und speckig, dabei keinerlei Staunässe aufweisen! Den deutschen Namen „Feuerkolben“ ersann man deswegen, da die orangen und weithin sichtbaren Fruchtstände einem Feuerkolben ähneln. Die Beeren sind giftig, aber du wirst wohl keinen Gedanken daran verschwenden, diese zu verspeisen!

Hier Arisaema ciliatum, einer der wüchsigsten und härtesten Feuerkolben

Und dies ist der weithin leuchtende Fruchtstand von Arisaema stewardsonii

Dieser kürzer gehaltene Rundbrief erreicht dich zu einer für mich leider sehr ungünstigen Zeit! Nächstes Mal schreibe ich dir wieder ausführlicher – versprochen!

Nun noch ganz kurz etwas, was mir schon länger auf dem Herzen liegt! Aufgrund der ausufernden Bürokratie und jenen unerlässlichen, aber notwendigen, administrativen Herausforderungen sehen wir uns gezwungen, den Mindestwert deiner geschätzten Bestellungen von € 30,00 auf € 50,00 anzuheben. Du kannst uns aber auch gerne in unserer Staudengärtnerei besuchen, hier bekommst du eine preisliche Vergünstigung, welche vom Shop-Preis abweicht, denn deine ausgesuchten Schätze laufen über die Kasse mit Rechnungsbon, ohne Lieferschein, ohne Rechnung, ohne zeitaufwändiges Verpacken und ohne jegliche Verpackungs- Transport- und Portokosten!

Wir möchten den Versand deiner Stauden trotz alledem nicht missen, dies ist für uns ein sicheres Standbein, welches wir mit einer straffen Organisation gut bewältigen. Aber: bitte nutze bei deiner Bestellung nach Möglichkeit direkt unseren Onlineshop, du ersparst uns auf diese Weise viel unnötige Arbeit! Jegliche telefonische Bestellung und jeder Auftrag, der uns per Mail erreicht, ist mit zusätzlichem Aufwand verbunden. Dringend erforderliche Ausnahmen sind natürlich immer möglich!

Aus diesem Grund ist mir jede Staude lieb und teuer, die direkt über den Ladentisch geht, Beratung und Infos gratis dazu. Klar, du musst hierzu den breiten Weg zu uns auf dich nehmen, was ebenfalls Kosten verursacht, aber es lohnt sich! Du findest nicht nur ein tolles Sortiment vor, sondern auch im Schaugarten etliche Beispiele, wie man es machen könnte und darüber hinaus Stauden, welche im Onlineshop nicht aufgenommen wurden, da diese nur in kleinen Stückzahlen vorhanden sind.

Kürzlich kam eine Kundin zu uns, sah sich kurz um und fragte dann ganz konsterniert, wo sich nun eigentlich unser Gartencenter mit dem Verkauf und dem Cafe befindet? Ich sagte, dass wir kein Gartencenter seien, sondern den Verkauf der Stauden direkt aus der Produktion abwickeln, Staudengärtnerei pur also. Das konnte sie gar nicht begreifen! Eigentlich traurig, dass mit den Jahren nicht wenige Pflanzen- und Gartenliebhaber einen Pflanzeneinkauf wie ganz selbstverständlich mit sterilen Baumärkten, nordischen Einrichtungshäusern, Supermärkten und eben Gartencentern in Verbindung bringen und nicht wie früher mit blühender, humusreicher Gärtnereiluft, wo man neben kompetenter Beratung ein unerreichtes Sortiment vorfindet.

In diesem Sinne wünsche ich dir alles Gute und vor allem viel Erfolg im Garten!

Dein Staudengärtner Sarastro

Christian H. Kreß und MitarbeiterInnen

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