Newsletter VII/2018

Liebe Pamina, hallo Papageno!

Die Sonnenwende ist dieses Jahr bereits vorbei, die Tage werden wieder kürzer. Von den verheerenden Winterschäden unter den Verkaufspflanzen unserer Gärtnerei ist derzeit kaum mehr etwas zu bemerken. Leider mussten wir zu ihrer Beseitigung gehörig viel Zeit investieren, all die „Leichen“ wegzuschaffen, um diese zu kompostieren. Aber ich will nicht jammern, wir blicken zuversichtlich in die Zukunft, denn unsere Vermehrung läuft auf vollen Touren, dank all unseren helfenden Händen!

Von unseren rund zwanzig Sorten an Sonnenbräuten (Helenium) blühen derzeit die frühen Sorten. Einer meiner Favoriten ist ‘El Dorado‘, eine halbhohe, noch relativ neue Sorte. Die riesigen, bis zu 7 cm breiten Einzelblüten sind von einem ansprechenden, warmen Gelbton. Außerdem zeichnet sie sich durch eine extrem lange Blütezeit, sowie durch enorme Reichblütigkeit aus. ‘El Dorado‘ scheint aus meiner Sicht eine Sorte zu sein, an deren Entstehen die Wildart Helenium bigelovii beteiligt war.

Wenn du nach einem farblichen Pendant suchst, die zu ‘El Dorado‘ farblich gut passt und sie geradezu ergänzt, dann pflanze gleich daneben ‘Sahin’s Early Flowerer‘, sie blüht in einem warmen, flammenden Rotbraunton!

Doch die Geschichte, wie ‘El Dorado‘ entstand, will ich dir gerne erzählen! Uwe Peglow, ein Kollege und Freund aus dem Berliner Umland, war vor etlichen Jahren zu Besuch bei Eva Bottke in Hannover. Frau Bottke war früher die leitende Vermehrungschefin der nicht mehr existierenden Staudengärtnerei Hagemann in Krähenwinkel bei Hannover, welche ein großes Staudensortiment mit dazumal geradezu riesigen Stückzahlen produzierte. Sie entstammte einst, wie auch Heinz Hagemann, aus dem Umfeld von Karl Foerster und hatte in der Staudengärtnerei in Hannover die gesamte Vermehrung zu managen. Ich lernte sie schon recht bald als eine äußerst energische und resolute, aber sehr warmherzige Person kennen, sie war mit einem überaus breiten Fachwissen ausgestattet, das wir in dieser Weise in unserer heutigen Zeit kaum mehr kennen. Besonders bewunderte ich damals ihre intensive Farnvermehrung unter Kunstlicht im Keller ihres Hauses!

Aber zurück zu Uwe und seiner Entdeckung. Er stand gemeinsam mit Eva Bottke vor einem Beet, auf dem Sämlingspflanzen der Sonnenbraut standen, wie sie unterschiedlicher nicht sein konnten. Alles war darunter zu finden, eine breite Farbkollektion mit den unterschiedlichsten Typen! Uwe zeigte auf eine sehr markante, gelbblühende Einzelpflanze und sagte, dass diese doch wert wäre, sie zu vermehren, dies würde sicher eine wunderbare Sorte werden. Eva Bottkes Bemerkung hierzu fiel sehr nüchtern und pragmatisch aus. „Endlich interessiert sich mal wer dafür.“ Gesagt, getan, Uwe erbat sich diesen Zufallssämling, nahm ihn zu sich in seine Staudengärtnerei und vermehrte ihn. Er benannte diese wunderbare Sorte mit dem Sortennamen ‘El Dorado‘, benannt nach dem sagenhaften Goldland der Inkas in Südamerika. Helenium sind zwar Kinder der Prärie Nordamerikas, aber trotzdem war der Sortenname sehr treffend, wie ich finde. Nur Uwe bereute dies im Nachhinein, er hätte doch viel lieber den Namen ‘Eva Bottke‘ ausgewählt. Nebenbei bemerkt hat Uwe Peglow eine weitere, eigene Helenium-Selektion auf den Markt gebracht, welche sogar mit drei Sternen in der Sichtungsbewertung ausgestattet wurde. Mit ‘Rauchtopas‘ besitzen wir eine standfeste und hohe Sorte für den Hintergrund. Die braungelben Einzelblüten sind konkav nach oben gedreht. Sonnenbräute schätzen im Allgemeinen einen guten Gartenboden, welcher nicht zu trocken ausfällt. Achte bitte darauf, die verblühten Stängel erst dann zurückzuschneiden, wenn sich an der Basis bereits neue Triebe gebildet haben. Kompostgaben sind wie beim Phlox und anderen Prachtstauden auch bei den Sonnenbräuten immer willkommen. So bekommst du mit der Zeit wunderbare Horste, um die dich jeder beneiden wird und die lange Zeit am selben Standplatz stehen bleiben können.

Anfang dieser Woche lud Prof. Dr. Bernd Hertle mich und drei Kollegen zur Vorsichtung des Sortimentes der Indianernesseln nach Weihenstephan ein. Dort trugen er und seine Mitarbeiter rund 50 Sorten an Monarden zusammen. Ich finde auch, dass es höchste Zeit ist, diese zu sichten, alte und neue Sorten richtig anzusprechen, bevor das Chaos perfekt wird und niemand mehr die echten Sorten erkennt. Ulrike Leyhe, die Leiterin des Sichtungsgartens, war selbstverständlich mit von der Partie. Wir mussten die vielen Einsendungen an Indianernesseln aus allen Himmelsrichtungen auf ihre Echtheit überprüfen, was sich nicht immer ganz leicht gestaltete. Viele der alten Sorten sind mir zwar noch von früher in guter Erinnerung, Farben und Sorteneigenschaften merkt man sich über die Jahre. Überraschend war für mich jedoch, dass selbst kleinste Bodenveränderungen, sowie Düngergehalt im Boden und Wurzeldruck nahestehender Bäume sich auf den Mehltaudruck gehörig auswirkt. Meine eigene Sorte ‘Huckleberry‘ hat sich an drei Standorten diesbezüglich höchst unterschiedlich präsentiert!

Und wir führen derzeit ein relativ breites Sortiment an Indianernesseln, wie du sicher schon im Webshop gesehen hast. Sie erfreuen sich ungebrochener Beliebtheit.

Hier ‘Ruby Glow‘, eine meiner Lieblingssorten

Indianernesseln (Monarda) sind nahezu unverzichtbare Stauden des Frühsommergartens, sowie äußerst dankbare Insektenmagneten. Ähnlich wie bei den Helenium gibt es auch hier ein großes Sortenspektrum, wobei die Farbpalette gattungsspezifisch selbstverständlich wesentlich ausgeprägter ist. Hier gilt es, die Spreu vom Weizen zu trennen und nicht nur zwischen hohen und niederen Sorten zu unterscheiden, sondern vor allem auch den Unterschied zwischen gesunden, dauerhaften und daher wertvollen Sorten zu erkennen. Ich bin mir sicher, dass nach abgeschlossener Sichtung wesentlich mehr Klarheit herrscht!

Hier hast du einen Einblick in den Monarda-Sortenvergleich im Staudensichtungsgarten Weihenstephan.

Und hier eine meiner eigenen Auslesen, Monarda ‘Huckleberry‘, die dunklen Stängel heben sich wohltuend vom Rest der Pflanze ab, diese hüfthohe Sorte ist sehr standfest und gesund!

Monarda ‘Huckleberry‘

Ürigens, falls deine Indianernesseln tatsächlich Mehltau bekommen, dann hängt dies nicht nur vom Boden und der Ernährung der Pflanzen ab, sondern auch vom Feuchtigkeitsgehalt des Bodens, vom Wetter des jeweiligen Jahres, sowie vom Alter der Horste. Im Gegensatz zur Sonnenbraut sollten deine Indianernesseln spätestens alle 3-4 Jahre verpflanzt werden, damit sie vital bleiben und nicht auswintern. In unserem Präriegarten entstanden gleich vier Sorten, denen ich erst nach acht (!) Jahren ununterbrochener, makelloser Standzeit endlich Namen gab: ‘Camilla‘, ‘Rebecca‘, ‘Tante Polly‘ und ‘Huckleberry‘. Ich wurde bei der Namensgebung durch Piet Oudolfs Sorten inspiriert, welcher seinen Auslesen die Namen nach Sternzeichen und Indianerstämmen gab. Und so dachte ich, dass diese weitestgehend mehltaufreien Sorten nach den Personen in Mark Twains Buch benannt werden könnten.

Hier siehst du noch das Originalbild meiner Indianernesseln, es sind Hybriden mit Monarda fistulosa ssp. menthifolia, sie standen am Anfang unserer Prärie und dies über acht Jahre, ohne Schwäche zu zeigen. Den Präriegarten gibt es nicht mehr, er musste einigen Stellflächen weichen. Meine Indianernesseln existieren aber sehr wohl und hoffentlich auch noch in ferner Zukunft!

Und mit einer weiteren, sehr interessanten,wissenswerten und bahnbrechenden Neuigkeit kann ich dir hier erstmalig aufwarten. Du hast sicher schon mitbekommen, dass ich den sogenannten Phlox-amplifolia-Sorten immer skeptisch gegenüber gestanden bin, besonders, was ihre direkte Zugehörigkeit zum Breitblattphlox (Phlox amplifolia) anbelangt. Trotz ihrer relativen Gesundheit haben mich die Farben mancher Sorten nie restlos überzeugt, die im Laufe der Zeit entstandenen Sorten reichen mit ihren Farben nicht einmal annähernd an das Farbspektrum der meisten Hohen Sommerphloxe heran. Ich vermutete zunächst, dass es sich bei den in Europa bestehenden Sorten um spontane Gartenhybriden handelte, aber nicht um echte Phlox-amplifolia-Auslesen, da die Bienen bekanntlich schnell für Hybridisation sorgen.

Der amerikanischer Wissenschaftler und Phloxspezialist Dr. Zale hat im Laufe der letzten Jahre all jene Sorten, die in Europa unter Phlox amplifolia geführt und gehandelt werden, eingehend untersucht und stellte fest, dass ein echter Breitblattphlox überhaupt nicht daran beteiligt ist, sondern dass es sich schlicht und einfach um Phlox paniculata-Sorten handelte, mit den unterschiedlichsten Entstehungsgeschichten und Herkünften. Das Verbreitungsgebiet vom Hohen Staudenphlox ist bekanntlich riesig und kann daher auch von seinem Habitat sehr unterschiedlich ausfallen, von Herkünften aus feuchten Auwäldern bis zu jenen Typen, die im trockenen Gehölzrand wachsen, so, wie wir dies auch von vielen anderen Stauden her kennen. Phlox paniculata hat demnach eine doch breitere Standortamplitude, wobei dies nicht allgemein auf die Art an sich zutrifft, sondern auf seine so unterschiedlichen Standorttypen. Das Verbreitungsgebiet von Phlox amplifolia ist hingegen winzig klein und sehr speziell. Ein echter Breitblattphlox ist kleinblumig und sehr lockerblütig, laut Dr. Zale kaum in Kultur und wurde demzufolge auch nicht für die Züchtung verwendet. Es kam in den 80er-Jahren ein erster sogenannter Phlox amplifolia nach Europa, es war im Nachhinein gesehen trotz allem ein Phlox paniculata. Mir sind die verschlungenen Pfade der Entstehung der Sorten von Phlox amplifolia wohl bekannt, sie sind relativ leicht nachzuvollziehen, wenn man möchte. Sie aber hier unnötig breitzutreten, wäre unfair und ist nicht mein Ding, denn damals hatte man es einfach nicht besser gewusst! Bei den in Europa verbreiteten, sogenannten Phlox amplifolia-Sorten handelt es sich um robuste, wesentlich trockenheitsresistentere Typen von Phlox paniculata, die im Garten sehr wohl ihre Berechtigung haben! Solche Typen hat es aber immer schon gegeben, da deren positive Eigenschaften auch in einigen älteren Sorten ebenfalls zum Ausdruck kommen. Man müsste sie in einer eigenen Gruppe zusammenfassen, damit deine Gartenfreunde von nah und fern hier noch durchblicken und diese im immer größer werdenden Phloxsortiment auch erkennen und unterscheiden lernen. Wie wäre es ganz pragmatisch mit „Trockenheitstolerante Staudenphloxe“?

Diese grundlegende Erkenntnis wird wohl in nächster Zeit einigen Staub aufwirbeln, da in der Fachwelt und auch bei Laien in Internetforen am botanischen Namen Phlox amplifolia (Breitblattphlox) weiterhin eisern festgehalten wird, als gälte es, dies krampfhaft und mit aller Gewalt zu bewahren und sei es auch aus markttechnischen Gründen. Aber wie ich dir schon öfters schrieb, die Botanik ist keine statische Wissenschaft, sondern beugt sich immer neuen Erkenntnissen. Wir Gärtner sollten kritisch sein, aber sich durchaus anpassungsfähig zeigen.

Phlox amplifolia ‘Winnetou‘ – sehr bemerkenswert, verträgt Trockenheit, ist aber trotzdem ein Phlox paniculata!

Ende Juli diesen Jahres fliege ich für ein paar Tage zur Hauptversammlung der PPA (Plant Perennial Association) nach North Carolina in den USA. Vielleicht läuft mir dort endlich ein echter Phlox amplifolia vor die Kamera! Bin schon jetzt ganz gespannt auf die USA, ich war noch nie in den Staaten, denn in Sachen Stauden und Staudenverwendung tut sich dort bekanntlich eine ganze Menge. Neben Betriebsbesichtigungen werden auch Vorträge und Workshops angeboten, die Teilnehmerzahl ist äußerst groß, es kommen rund 400 Teilnehmer zusammen, die sich aus beruflichen Staudengärtnern und engagierten Hobbygärtnern zusammensetzt. Ich wünschte mir, dass es so etwas bei uns gäbe und ein Dachverein die vielen kleinen und kleinsten Grüppchen schon organisatorisch unter einen Hut brächte.

Und stell dir vor, das dortige Organisationsteam wünscht sich von mir einen Vortrag über die Phloxzüchtung in Russland, sowie einen weiteren Vortrag über die Flora des Iran! Dies ehrt mich doch sehr und bestärkt mich ungemein in meiner Auffassung, denn wieder einmal zeigt es sich, dass sich Pflanzenfreunde anscheinend wenig um die große Politik scheren, sondern sich über die ganze Welt in trauter Eintracht zusammen mit ihre Stauden sehen!

Unsere Phloxe im Phloxmuseum stehen derzeit gut, wenngleich etwas kürzer ausgefallen, bedingt durch die lang anhaltende Trockenheit dieses Frühjahres. Aber ich bin kein Freund von unnötigem Wasservergeuden in eingewachsenen Pflanzungen, bis jetzt bin ich immer noch ganz gut damit gefahren. Es kommt allerdings stark auf deinen Boden an, denn in sandigen Böden ist ein durchdringendes Wässern schneller vonnöten als in lehmigen Böden, die Wasser hervorragend speichern können.

Auch die Veranstaltungen und Gartentage in diesem Frühjahr sind bereits wieder Geschichte. Da immer mehr Gäste und zahlreiche Kunden direkt in unsere Gärtnerei kommen und parallel dazu sich auch der Versand immer umfangreicher entwickelt, musste ich nach diesem außergewöhnlichen Frühjahr eine Grundsatzentscheidung fällen. Ich werde auch die noch verbliebenen Gartentage um zwei weitere rigoros kürzen und nur noch eine Handvoll ansteuern, die mir besser in unser Zeitmanagement passen. Welche dies sein werden und welche wir nicht mehr anfahren werden, das verrate ich dir im Spätherbst, wenn ich den neuen Veranstaltungskalender auf unserer Website schreibe und die Termine eintrage. Man wird bekanntlich nicht jünger und dieses chaotisch geballte Frühjahr hat mir die Augen glücklicherweise etwas weiter geöffnet. „Schuster, bleib bei deinen zwei Leisten und fahre auf Dauer nicht auf drei Gleisen – zwei genügen vollkommen!“ Ich habe vor, noch wesentlich mehr Hinwendung in Ambiente und Schaugärten, sowie in unser Sortiment zu investieren, so dass es für dich stets ein Erlebnis sein wird, zu uns zu kommen.

Im Juli gibt es an Veranstaltungen lediglich die Phlox-Schwerpunktwoche, allerdings darf ich dir sagen, dass wir bereits alle Phloxjungpflanzen frisch getopft haben und im Phloxmuseum bereits die frühen Sorten in voller Blüte stehen. Du kannst kommen, wann immer du möchtest, auch im August und September blühen noch die meisten der Flammenblumen. Du kannst dich in Kürze in unserem Webshop informieren, welche Sorten verfügbar sein werden. Immer kommen neue hinzu, andere werden verworfen oder erst im Herbst angeboten. Wünsche dir auch weiterhin alles erdenklich Gute, bleib gesund und erfreue dich auch weiterhin an der immensen Blütenfülle unserer Stauden!

Dein Staudengärtner Sarastro

Viele Grüße/ Best regards/ С уважением

Christian H. Kreß und Mitarbeiter