Newsletter vom August 2010 (Sommer im Staudengarten)

Liebe Gartenfee,

Warst du schon im Urlaub? So wird man im Sommer laufend von allen möglichen Zeitgenossen gefragt. Sommer, Sonne, Strand, ja, ja, hat ja was für sich, drei Tage lang, aber dann wird zumindest mir sehr schnell langweilig.

Abgesehen von den vielen ausgedehnten, abenteuerlichen Reisen in vergangenen Zeiten durch fremde Länder gestalteten sich später die Urlaube mit den Kindern in Regionen mit wunderschönem Blick auf das Meer und im Rücken ein Gebirge, das voller botanischer Eindrücke das Wandern versüßte. Und solche Gegenden gibt es in Europa zuhauf! Kroatien, Spanien, die Türkei und Griechenland lassen beispielhaft grüßen.

Eryngium amethystinum im Velebitgebirge Kroatiens

Eryngium amethystinum im Velebitgebirge Kroatiens

Zu den pflanzlichen Highlights zählten nicht nur das Aufsuchen von Seltenheiten und Raritäten, sondern auch stets das Erleben „alter Bekannter“ in ihrer abgeschiedener Heimat und das dazugehörige Aha-Erlebnis, wie und in welcher Begleitung Centranthus, Eryngium, Haberlea, Asphodelus, Jankaea und Co. in der Natur wachsen. Und natürlich das kulturelle, menschliche Umfeld gehörte immer stets dazu!

In der Gärtnerei wird momentan vermehrt und vermehrt. Was wird in der kommenden Saison wohl gekauft werden? Ich stelle immer wieder fest, dass auch die Zeit der Stauden immer schnelllebiger wird. Nicht nur neue Sorten kommen und gehen, der Geschmack und die Vorlieben der Kunden ändern sich rasant. Heuer waren Polsternelken gefragt wie selten zuvor, auch die Mittagsblumen und Buschwindröschen verkauften sich ganz passabel. Hingegen waren jahrelang Storchschnäbel und Hauswurzen d i e Verkaufsschlager schlechthin, dieses Jahr erlebten besonders Sempervivum einen abrupten Einbruch. Kommendes Jahr kann es schon wieder ganz anders aussehen.

Es liegt ein Stück weit in der Erfahrung des Gärtners, wie viel und was wir vermehren und in unser Programm aufnehmen. Noch mehr und noch neuere den neuen Echinacea? Der Zenith ist längst erreicht und es dauert sicher keine zwei Jahre, dann hat man sich an den neuen Sorten satt gesehen, auch wenn jedes Jahr eine flammend rote Neue aufkreuzt, sie schlägt die super ‘Fatal Attraction‘ doch niemals.

Aster ageratoides ‘Adustus Nanus‘

Aster ageratoides ‘Adustus Nanus‘

Aber Schattenstauden sind immer gefragt, weil unsere Gärten älter und älter werden, und daher reifer. Ideal für Elfenblumen und Salomonssiegel, sie passen in gute Humusböden, sind überdies sehr langlebig und versüßen manche monotone Funkienorgie. Auch einige buntblättrige Neuheiten lassen hier aufhorchen. So gab mir letztes Jahr Arthur Winkelmann seinen schreiend gelben Günsel. Ich war nie ein Freund von Ajuga, aber mit ‘Arthurs Gold‘ lassen sich wirklich tolle Effekte bilden!

Aster ageratoides ‘Adustus Nanus‘ ist eine entzückende Aster, die den meisten Gartenbesitzern völlig unbekannt ist. Sie fängt Mitte Juli mit ihrer hellblauen Blüte an, diese zieht sich bis in den September hinein. Dabei ist diese Aster unglaublich vital und gesund, sie macht sich breit, ohne zu wuchern. Daher ist sie ideal für Vorpflanzungen, da sie höchstens 40 cm Höhe erreicht. Die Vorpflanzung kann sich sowohl in sonniger, als auch in halbschattiger Lage befinden!

Monarda ‘Jacob Cline‘

Monarda ‘Jacob Cline‘

Monarda ‘Ruby Glow‘, zusammen mit Verbena hastata und Echinacea ‘Green Envy‘

Monarda ‘Ruby Glow‘, zusammen mit Verbena hastata und Echinacea ‘Green Envy‘

Bei den Monarden sind mir besonders ‘Jacob Cline‘ und ‘Ruby Glow‘ sehr positiv aufgefallen. Erstere ist absolut mehltaufrei und hat riesige Blütenquirle, die viel fülliger und geschlossener als die der schon älteren ‘Squaw‘ sind. Zugegeben, wer solche knallorangeroten „Brüller“ nicht liebt, sollte sich lieber verträglicheren Farben zuwenden. Und hier macht ‘Ruby Glow‘ eine sehr gute Figur! Die dichten, rubinroten Blütenquirle stehen auf dicken Stängeln. Du brauchst gegen den Mehltau nicht mit der chemischen Keule aufzufahren, sondern beachte vielmehr, dass ein regelmäßiges Verpflanzen viel sinnvoller ist. Dies bewirkt auch, dass deine Indianernesseln nicht auswintern. Denn über Jahre hat sich bei mir lediglich ‘Aquarius‘ behauptet, von der wilden Monarda fistulosa ssp. menthaefolia einmal ganz abgesehen. Diese stehen im Präriegarten sprichwörtlich wie eine Eins!

Bei den Mittagsblumen sammle ich alles zusammen, was so unter Liebhabern, bei Kollegen und in Botanischen Gärten kursiert, immer mit dem längerfristigem Ziel, winterharte, ausdauernde und langblühende Sorten zu schaffen. ‘Pink Zulu‘ entstand bei mir, sie ist völlig hart und auch sehr ausdauernd. Sie könnte aber etwas länger blühen. Sehr überraschte mich die nahezu orange Farbe von ‘Badenia Salmon‘ oder das Fleischrosa von ‘Kelaidis‘. Nun habe ich schon 35 verschiedene Mittagsblumen, die sich zwischen Yuccas und Kakteen, aber auch in Schalen und Balkonkistchen breit machen können!

Sommer im Staudengarten

Sommer im Staudengarten

Und dann erlebe ich momentan wieder eine kreative Phase. Einige neugestaltete Beete erwarten dich hier, natürlich vorläufig noch uneingewachsen! Eigentlich sollte ich erst im Spätherbst kreativ werden, aber manchmal ergibt sich vieles neben der alltäglichen Arbeit. Einerseits lässt sich die Umgestaltung eines Beetes oft schneller realisieren als ständiges „Flickschustern“ und Ausbessern. Und andererseits kommt es immer auf die jeweilige Situation an.

Die Wühlmäuse beginnen bei uns zunehmend mehr ihr Unwesen zu treiben. Jahrelang hatten wir einigermaßen Ruhe von diesen Plagegeistern. Aber eine Gartenfreundin zeigte mir die Wirkung von Wühlmausfallen einer bekannten Firma von Bioprodukten. Ich kann dir sagen, hier macht das Fangen von Wühlmäusen so richtig Spaß! Nicht dass es mir Freude bereitet, Tiere zu töten. Nein, das Erfolgserlebnis ist es. Mit herkömmlichen Drahtfallen hatte ich nur bescheidenen Erfolg. Und du wirst es kaum glauben, wie viele kapitale Wühlmäuse in einem Staudenbeet ihr Unwesen treiben können. Bis jetzt fingen wir 20 Mäuse in einer Rabatte, die etwa 50 qm Größe aufweist. Die Funkien, der Phlox und auch manche historische Strauchrose wollten einfach nicht recht wachsen, weil sämtliches Wurzelwerk unterminiert und abgefressen war!

So wünsche ich dir noch einen schönen Sommer!

Dein Sarastro