Newsletter X/2018

Liebe Pamina, hallo Papageno!
Nun ist er also in unserem Schaugarten und auch bei mir im Hausgarten angelangt! Niemand anderes als der allseits so gefürchtete Buchsbaumzünsler. Wahrscheinlich hat auch die Umgebung stark dazu beigetragen, denn der örtliche Friedhof befindet sich in unmittelbarer Nähe zu unserem Garten. Dass dieser Schädling noch nicht viel früher sein Unwesen bei uns trieb, grenzt sowieso an ein Wunder. Noch voriges Jahr hatten wir Ruhe vor ihm und konnten uns an den gesunden, dunkelgrünen Büschen erfreuen. Schon jahrelang bekomme ich Klagelieder von deinen Freunden zu hören, dass stolze Exemplare des Buchsbaumes, sowie ganze Hecken kahlgefressen wurden. Der allgemeine Tenor geht dahin, alles an Buchs auszureißen und die Waffen zu strecken!

Ich will dir gerne meine eigene Geschichte zum Buchsbaum erzählen. Mich hat Buchsbaum immer schon fasziniert, bringt er doch neben vielen anderen Effekten besonders im Winterhalbjahr willkommenes Grün, aber vor allem Ruhe in den Garten. Vor über zehn Jahren bekam ich im Austausch gegen Stauden von einem Kollegen aus Deutschland eine Menge verschiedener Buchsbaumsorten, wiederum kam ich sozusagen von Null auf Hundert zu einer netten, kleinen Buchsbaumsammlung. Man kann sich schließlich auch in Buchsbaum verlieben und dies tat ich dann auch mit großer Hingabe. Etwa 60 Sorten stehen im ganzen Garten verteilt, mal als Unterholzpflanze, hier als Kugelform, dort als Deckstrauch, einige Zwergformen in voller Sonne, sowie Säulenbuchs in Beeten. Sie wuchsen passabel und tragen das ganze Jahr dazu bei, dem Garten ein abwechslungsreiches Bild zu verschaffen.

Buchsbaum jeglicher Coleur und Sorte geben jedem Garten zu jeder Jahreszeit eine besondere Note

Und eines möchte ich hier gleich zu Beginn bemerken: mir geht das Gerede von wegen Buchsbaumersatz schon sehr auf die Nerven. Für mich bleibt der Buchsbaum schlicht und ergreifend unersetzlich! Nicht, dass etwa seine Funktion als immergrünes Element oder als Heckenpflanze durch andere, ähnlich aussehende Sträucher kaum ersetzbar wäre, obgleich diese Formenvielfalt kaum eine der sogenannten Ersatzpflanzen aufbringt! Kein Problem, der Baumschulgärtner, die Landschaftsplaner oder Gartengestalter findet stets eine passende Lösung, auch mit anderen Gehölzen. Ich würde aber seinen so typisch muffigen Geruch vermissen, die im Alter helle Rinde das knorrige Aussehen, sowie sein so vielgestaltiges Äußeres, keine Ersatzpflanze kann solch eine Vielseitigkeit aufbringen! Mich erinnert allein schon sein Geruch nicht etwa an Friedhof, sondern an meine ehemalige Heimatstadt Laufenburg am Hochrhein, wo er in etlichen öffentlichen Anlagen und Gärten angepflanzt wurde und ich schon als Kind Bekanntschaft mit ihm machen durfte. Außerdem weckt der Buchsbaum in mir Gefühle eines leisen Hauchs aus dem Süden, Ähnliches löst in mir auch der Diptam oder einige andere Pflanzen aus, welche nördlich der Alpen in der Natur etwas Besonderes darstellen. In meiner ehemaligen Heimat am Hochrhein in der Nähe von Basel befindet sich am Grenzacher Horn eines der nördlichsten Vorkommen von Buchsbaum in der freien Natur, allerdings sind die dortigen Exemplare inzwischen stark vom Buchsbaumpilz befallen. Aber das ist ein gänzlich anderes Kapitel! Auch in der nahen Schweiz und hier in Oberösterreich an der Steyr bei Enns gibt es einige Habitate, wobei nie mit Sicherheit gesagt werden kann, ob diese Exemplare einst von den Römern eingeschleppt wurden oder ob es sich hierbei tatsächlich um natürliche Vorkommen handelt.

Vom Zünsler ziemlich stark befallener Buchsbaum

Komplett kahl gefressenes Exemplar eines einzelnen Buchsbaumes

Jedenfalls haben wir dieses Jahr schon drei Mal mit Akribie gegen den Zünsler gespritzt. Dieser Schädling ist ein hübscher, kleiner Schmetterling, weiß mit schwarzen Strichen, überaus nett anzusehen. Die wahren Schädlinge sind jedoch seine Raupen, welche in mindestens zwei Generationen über das Jahr verteilt dir das Leben mit Buchsbaumsträuchern und –hecken schwer machen. Er wurde übrigens um das Jahr 2006 aus Japan eingeschleppt. Das Spritzmittel Xen Tari wirkt überaus gut, nur sollte es tunlichst bei Temperaturen von über 15 Grad ausgebracht werden. Der Wirkstoff ist biologischer Natur, es ist eine Form von Bacillus thuringiensis, die Raupen des Zünslers werden nach Kontakt mit dem Mittel in den darauffolgenden Tagen getötet. Richte dich nach der Gebrauchsanweisung, du bekommst dieses Mittel inzwischen überall. Du solltest jedoch deine Buchssträucher nach Möglichkeit unbedingt zwischen den Zweigen in das Herz des Buchsbaumes und auch dessen Blätter von unten tropfnass spritzen!

Dagegen einige Meter weiter ein vollkommen gesunder Buchsbaum, keine spezielle Sorte, sondern ein aus der Natur stammender Typ, der über Stecklinge weitervermehrt wurde.

Und damit beginnt auch schon die erste Schwierigkeit. Mit unseren herkömmlichen Rückenspritzen kann kaum ein hoher Druck erzeugt werden. Du kannst natürlich die Gießkanne nehmen, nur benötigst du auf diese Weise ungleich mehr Emulsion. Da sich der Buchsbaumzünsler wie schon erwähnt je nach Witterung in mindestens zwei Generationen fortpflanzt, musst du sehr auf der Hut sein und voll den Kontrollfreak spielen! Es geht oft rasend schnell, im Nu sind deine Buchsbäume kahl und nackig, die Blätter angesaugt, sie sehen zum Erbarmen aus, wie du auf den Bildern erkennst. Man kann ihnen zwar durch einen leichten Rückschnitt viel von ihrem entstellten Äußeren nehmen, doch musst du in der kommenden Saison doppelt auf der Hut sein, damit sie durch frischen Austrieb eine Chance bekommen, um den Schaden überhaupt ausgleichen zu können.

Du kannst übrigens in weiterer Folge auch ein systemisch wirkendes Mittel ausprobieren, welches in die Leitungsbahnen deiner Buchsbaumsträucher dringt und auf diese Weise die Schädlinge fernhält. Erkundige dich, welches Mittel für den Hausgebrauch bei dir zugelassen ist. Leider gibt es in der EU immer noch keine einheitlichen Bestimmungen, dies wird ja nach wie vor national gelöst. Ich hörte auch von Algenkalk, welcher in pulverisierter Form dem Schädling eine schmackhafte Mahlzeit verleidet. Im Internet sah ich sogar Bilder, wo über die Buchsbäume Netze gegen die Schmetteringe ausgelegt wurden, nicht gerade optisch schön anzusehen! Ich frage mich ernsthaft, was dies soll, denn Buchsbaum mit Netzen das halbe Jahr durch zugedeckt anzusehen?

Parallel zur Spritzaktion gegen die fressenden Raupen gibt es auch einen Sexuallockstoff mit zugehöriger Falle zu kaufen. Hier werden die Falter angelockt, die Fallen solltest du in nahegelegene Bäumen oder Sträuchern aufhängen, pro 200 Quadratmeter deines Gartens eine solche Falle. Du solltest also ständig mehrgleisig operieren. Es ist schwierig, aber nicht unmöglich, diesem Schädling beizukommen, gib nur nicht auf! Denke aber daran, wenn in deiner unmittelbaren Nachbarschaft sämtliche Buchsbaumpflanzen durch Unachtsamkeit oder Gleichgültigkeit kahlgefressen und abgestorben sind, dann haben deine liebevoll umsorgten Exemplare vielleicht eine Chance, diese Schädlingswelle zu überleben, wenn du hinter dieser Aktion stehst. In unserer Umgebung kannst du momentan ringsherum lauter graue, absterbende Buchsbaumhecken und –sträucher bewundern oder besser gesagt betrauern. Zumindest aber kann man etwas dagegen tun, denn vom Feuerbrand spricht heutzutage auch niemand mehr, wenngleich durch den Klimawandel immer neue Sekundärschädlinge und -krankheiten auf uns zukommen werden, dessen sollten wir uns ebenfalls bewusst sein.

Allerdings, ich habe ja leicht reden, die Realität sieht dann oft ganz anders aus, denn gerade wir selbständigen Staudengärtner haben in der Saison alles andere zu tun, als nur nach unseren geliebten Buchsbäumen zu sehen. Und so kam es, dass einige Sorten über ein verlängertes Wochenende angefressen wurden, ausgerechnet an jenem Wochenende, wo ich bei dir am Staudenmarkt in Berlin im Botanischen Garten weilte. Ja, dies geht alles rasend schnell! Andere Exemplare hingegen waren kaum befallen, zu jenen zählten Auslesen, die beispielsweise aus Mazedonien stammten, wie  ‘Vadar Valley‘, eine frohwüchsige, sehr trockenheitsresistente und breit wachsende Sorte aus dem gleichnamigen Tal nördlich der Grenze zu Griechenland. Und ganz wenige Exemplare waren sogar makellos sauber, keine Spur von Raupenfraß! Auch dies waren Abkömmlinge von Exemplaren, die ursprünglich aus der Natur stammten. Du kannst sie in der Gärtnerei bei uns in den Schauanlagen besichtigen. Vielleicht stehen auch bei dir in der Nähe einige Buchsbäume, welche vollkommen gesund sind, dies fällt auf! Auf solche sollten wir verstärkt ein Augenmerk legen.

Mir scheint neben allen Bekämpfungsmaßnahmen eine Überlegung sinnvoll und wichtig zu sein,  nämlich uns wiederum den Naturstandort zu vergegenwärtigen. Buchsbäume wachsen in der Natur auf reinem Kalkuntergrund, teils als Unterholzpflanze in Bergwäldern oder beispielsweise in den Pyrenäen auf der Spanischen Seite auch in der vollen Sonne. Oberflächenversauerung, sowie eine einseitige Ernährung mit Stickstoff bewirken nicht gerade eine bärenstarke Widerstandskraft, sondern die Sträucher verweichlichen zusehends. Daher kann ich mir vorstellen, dass erhöhte Kalkgaben sich stets positiv auf unsere Buchsbäume auswirken werden. Ganz gleich, wie sich diese Pestilenz auf Jahre hinaus auch immer auswirkt und ob wir es je schaffen werden – wir sollten stets auch die Gesundheit einiger Typen im Auge behalten und diese längerfristig vermehren, egal, ob dadurch in der Vergangenheit beliebte Sorten in naher Zukunft völlig untergehen werden. Dies war nun ein kleiner Exkurs in die Welt der Gehölze, um unseren allseits heiß geliebten Buxus sempervirens, für mich jedenfalls undenkbar, dass dieser vielleicht einmal gänzlich aus unseren Gärten verschwindet.

Letzte Woche vermehrten wir unsere Zwerglauchkollektion. Eigenartig! Erfreuen sich die höheren Lauchsorten für Beetsituationen aller Art ungebrochener Beliebtheit, dümpelt das Steingartenlauchsortiment leider so schlecht und recht vor sich hin. Dabei besitzen wir gerade hier eine unglaubliche Arten- und Sortenvielfalt, mit der wir nicht nur gestalterisch, besonders aber auch mit ihrer weit gestreckten Blütezeit von Juni bis Oktober enorm viel unternehmen können. Es sind dies nicht alles Zwiebelstauden, sondern die meisten wachsen horstig, mit knollig verdickten Sprossen. Einmal im Trog oder Steingarten angesiedelt wird man sich kaum mehr von ihnen trennen. Viele der Zwerglaucharten stammen aus Zentralasien, sie sind also auch bei uns problemlos winterhart.

Du kannst diese liebenswerten Laucharten im Steingarten unterbringen, aber auch in Trögen oder als Einfassungspflanze.

Hier siehst du Allium cernuum ‘Croton‘, eine sommerblühender Zwerglauch

Besonders schön ist Allium senescens, den es in ungezählten Formen gibt. Verbreitet ist Allium senescens ssp. glaucum, er hat eigenwillig gedrehte, graue Blätter und blüht ebenfalls im Hochsommer. Auch er eignet sich für Steingärten und Tröge.

Allium caeruleum konnte ich vor zwei Jahren in Kyrgysztan bewundern. Diese Farbe ist wohl einmalig unter den Laucharten.  Diese Art bildet Zwiebeln und vermehrt sich an trockenen Standorten sehr willig.

Habe ich dir schon einmal von den winterharten Begonien geschrieben? Es gibt sie tatsächlich, bekannt sind sie jedoch kaum, lediglich unter Insidern. Sie stammen aus den Bergwäldern Chinas und Japans im Fernen Osten. Wir haben die zwei bekanntesten Arten schon länger in Kultur. Weit verbreitet ist Begonia grandis ssp. evansiana, welche in mehreren Farbvarianten existiert, sowie in unterschiedlichster Ausprägung der ihr eigenen, sehr auffälligen Blattunterseite. In jedem Falle sind bei dieser Art die Blattnerven unterseits auffällig rot, die Blüte variiert je nach Auslese zwischen Rosarot, Hellrosa und Weiß. Bei der zweiten, wesentlich selteneren Art ist von auffälligen Blattnerven nichts zu bemerken, hier zeigen sich die Blätter unterseits frischgrün. Dies ist Begonia sinensis! Beide Arten bilden im Herbst noch während ihrer Hauptblütezeit in ihren Blattachseln kleine, harte Bulbillen aus, welche nach den ersten Frösten zu Boden fallen. Pro Pflanze können dies gleich mehrere Dutzend sein, je nachdem wie alt deine Begonien schon sind. Aus ihnen entstehen im kommenden Jahr jede Menge neuer Begonienpflänzchen und du kannst bald die ganze Nachbarschaft mit diesen Nachkommen versorgen. Die Aufzucht ist kinderleicht, obgleich die Bulbillen erst sehr spät im Juni austreiben. Den größten Bestand an winterharten Begonien, den ich je sah, war im Botanischen Garten Berlin-Dahlem zu bewundern, allerdings gibt es ihn nicht mehr, aus welchen Gründen auch immer.

Ein optimaler Standort für Begonia grandis ssp. evansiana ist der nicht zu trockene Gehölzrand.

Kennzeichnend für Begonia grandis ssp. evansiana ist die mehr oder minder dunkelrot geaderte Blattunterseite.

Dagegen besitzt Begonia sinensis rein grüne Blätter ohne jegliche Aderung. Sie gilt als wesentlich härter, wenngleich auch B. grandis bei uns ausreichend winterhart ist.

Mehrmals im Jahr kommen per Bus deine Garten- und Staudenfreunde zu uns, was uns naturgemäß sehr in Anspruch nimmt und worauf wir uns immer sehr freuen. Die Führung dauert rund eine Dreiviertelstunde, dabei achten wir  stets auf die zur Verfügung stehende Zeit, sowie auf das Interesse der jeweiligen Gruppe, wo ihr Fokus liegt. Wie auch immer, der Rundgang geht in der Regel recht kurzweilig über die Bühne, es werden Anekdoten zum Besten gegeben, wir erzählen über die Verwendung und Kombinationen von Stauden und deren Pflege, informieren über neue Trends, sowie über die Sortimentsschwerpunkte unserer Staudengärtnerei, sowie deren Geschichte und über unsere Vermarktungsstrategie. Ein Ratespiel erfreut jeden und lockert die Runde ungemein auf, wer gewinnt, bekommt eine Staude geschenkt! Die allermeisten deiner Gleichgesinnten hören  stets sehr interessiert und gebannt zu. Dass es dabei immer wieder einige Zeitgenossen gibt, die sich während des Rundganges ab und zu anderweitig mitteilen, liegt in der Natur des Menschen, sowie natürlich an meiner jeweiligen Tagesverfassung, dies zu übergehen oder mit viel Überzeugungskraft zu versuchen, auch den letzten Exkursionsteilnehmer in den Bann zu ziehen.

Dass aber Exkursionsteilnehmer einer Gartenbauschule schon nach wenigen Minuten vollkommen desinteressiert und gelangweilt sich absondern, um mit ihrem Mobilphone spielen, hat uns dagegen fast schon schockiert, es gelang uns unmöglich, die Gruppe für Pflanzen zu begeistern. Es waren Schüler, wo man meinen könnte, dass Pflanzen ein Schwerpunkt ihrer Ausbildung sein müssten. Ist dies etwa unser Zeitgeist, in der die Pflanzenblindheit immer mehr um sich greift? Ich schrieb dir ja schon einmal über dieses Problem. Oder trifft hier auch die begleitenden Lehrer ein klein wenig Mitschuld? Keine Ahnung, aber mich würde trotzdem brennend interessieren, wie viele von diesen jungen Leuten in zehn Jahren noch dem Beruf des Gärtners nachgehen und ob es für sie nicht besser wäre, doch lieber gleich etwas gänzlich anderes zu tun. Mir ist klar, dass nicht alle zukünftigen Gärtner solche Fanatiker sein können wie wir beide, die den Beruf des Staudengärtners zu einer Passion auserkoren haben. Manche nehmen ihn eben nur als puren Brotjob an, das muss man akzeptieren. Trotzdem hat mich diese pure Gleichgültigkeit ziemlich erschüttert.

Letztes Wochenende war ich mit einem Stand bei Ewald Hügin in Freiburg vertreten, anlässlich seines 30-jährigen Betriebsjubiläums. Abgesehen vom großen Erfolg dieser Veranstaltung bekam ich einen durchwegs positiven Eindruck von einer Gruppe von Lernwilligen aus der Schweiz. Sie  besuchten mit ihren Lehrkräften die Staudengärtnerei Hügin, um dort an Ort und Stelle mit großer Akribie und Begeisterung individuelle Pflanzpläne zu zeichnen. Was gibt es Besseres und Schöneres, als Staudenbeete direkt vor Ort  mithilfe eines besonderen Sortimentes zu planen! Wenn du letzten Samstag in Freiburg warst, dann ist dir die Gruppe vielleicht aufgefallen. Also scheint das Gegenteil von Desinteresse noch nicht ganz ausgestorben zu sein, Hoffnung keimt auf. Nebenbei war in Ewalds Gärtnerei von 9 Uhr bis gegen 14 Uhr schlichtweg die Hölle los, auch Hans Kramer und ich wurden regelrecht von den Kunden überrannt. Danke nochmals an dich und deine Staudenfreunde für euren Besuch und eure Einkäufe!

Nebenbei solltest du wissen, dass sich das Berufsbild des Gärtners in letzter Zeit gewaltig verändert hat. Er sollte zumindest in Österreich, aber auch andernorts eigentlich vollkommen neu definiert werden, nämlich in einen Verkaufsgärtner und einen Produktionsgärtner. Und hier beginnt der Knackpunkt. In unseren Tagen wird in normalen Gärtnereien kaum mehr ein breiteres Sortiment produziert, sondern wenn überhaupt Halbfertigware bis zum Verkauf zu Ende kultiviert oder aber reine Handelsware angeboten. Produziert wird in Großbetrieben, verkauft wird außerdem zunehmend mehr von branchenfremden Akteuren. Diese gemischten, kleinen oder mittelgroßen Gärtnereien, wo man seinen Beruf von der Pike auf lernte, der mehr oder weniger alles an Pflanzen hatte, den wird es bald nicht mehr geben. Wo sollen junge Leute sich noch eine breite Pflanzenkenntnis aneignen und lernen, wie man mit ihrem ureigensten „Werkstoff“ umgeht? In Botanischen Gärten? Dort könnten sie zwar eine Menge an Pflanzen kennenlernen, stehen aber fern jeglicher Vermarktungsrealität und lernen kaum rationelles Produzieren.

Somit liegt es also an jedem der jungen Menschen selbst, aus sich etwas zu machen, unabhängig von der Gartenbauschule, unabhängig vom Betrieb, wo er gerade arbeitet. Die ausbildenden Gärtner, natürlich auch die Lehrer, aber auch viele versierte Hobbygärtner sind jedoch dazu angehalten, die „Begärtnerung der Menschenseele“ am Leben zu erhalten, das Feuer quasi nie erlöschen zu lassen. Ich könnte dir eine ganze Reihe mir sehr wertvoller Menschen nennen, die vor vielen Jahren in mir etwas ausgelöst hatten, nämlich die Begeisterung für Pflanzen aller Art! Diesen Virus versuche ich weiterzugeben, an dich, besonders aber an junge Kunden, ja auch an Kinder. Die Kleinen bekommen von uns eine Pflanze geschenkt, mit der Aufforderung, diese vollkommen selbständig und ohne Hilfe von Mama oder Papa in den Garten zu pflanzen. So manch allseits bekannte Gartenbuchautor kam durch eine ähnliche Kleinigkeit zum großen Ganzen.

Denn gerade wir Staudengärtner dürfen uns rühmen, noch zu einem Großteil zu jenen Gärtnern zu gehören, wo die Pflanze mehr oder minder im Mittelpunkt steht, wenngleich auch hier die Produktions- und Absatzformen immer weiter auseinanderdriften und wir uns nach der Decke strecken müssen. So viel dazu!

Unseren Webshop bin ich laufend am Aktualisieren, es ist nicht immer ganz leicht, die Verfügbarkeit  punktgenau und zeitgerecht zu dokumentieren. Schließlich haben wir es mit lebenden Pflanzen zu tun, die manchmal anders ticken als wir es gerne hätten und schneller ausverkauft sind oder in ihrer Qualität nachlassen. Dazu kommt, dass etliche Neuaufnahmen beschrieben und dazu die Bilder eingestellt werden müssen. Und diese Aufgabe lastet rein auf mir, das kann ich niemandem übertragen!

Bei dieser Gelegenheit möchte ich dich auf eine Neuerung im Shopsystem aufmerksam machen. Mein PC-Spezialist hat auf meinen Wunsch zu jeder Sorte drei Rubriken hinzugefügt, welche mir sehr sinnvoll erschienen:

  • „Für Grabbepflanzungen geeignet“ (Besonders für Gräber geeignete Polsterstauden)
  • „Insektenmagnet“ (Stauden, die von Bienen, Hummeln und andere Insekten angeflogen werden und wichtige Pollen- und Nektarspender darstellen)
  • „Klimawandeltauglich (Hitze- und kältetolerant)“ (z.B. Bergenien, Symphytum oder Kalimeris)

Mir scheinen diese Hinweise derart wichtig, dass ich sie Webshop hervorheben wollte. So nach und nach werde ich es wohl schaffen, alle hierfür infrage kommenden Stauden damit zu kennzeichnen!

Im Oktober kannst du uns auswärts nirgends mehr antreffen, außer in der Gärtnerei. Ganz nebenbei möchten wir besonders unsere deutschen Staudenliebhaber darauf hinweisen, dass am 3. Oktober (Tag der deutschen Einheit) unsere Gärtnerei selbstverständlich offen hat und alle Gäste herzlich willkommen sind!

Gegen Ende Oktober bin ich dann mal für eine kurze Zeit weg. Und dann steht im November noch einiges an Baulichkeiten und Veränderungen an. Aber alles Nähere dazu später.

Das war jetzt mal ein etwas längerer Rundbrief, hoffentlich kannst du dir auch die Zeit nehmen, ihn zu lesen. Danken möchte ich dir für all deine guten Zusprüche, die ich in letzter Zeit öfters aus deinem Munde vernehme und deine Bestärkung, diesen Rundbrief auch weiterhin in dieser Weise zu schreiben. Es ist nicht ganz einfach, jeden Monat den richtigen Mix an Themen auszuwählen, welche für alle von Interesse scheint, schließlich geht dieser Rundbrief sowohl an blutige Laien als auch an hochgradig infizierte Pflanzenspezialisten. Und es sind doch tatsächlich schon stolze 5.600 Adressen, an die er ausgesendet wird. Wer hätte das vor rund zehn Jahren gedacht, als ich damit aus einer Eingebung heraus begonnen hatte!

Ich wünsche dir jedenfalls einen reifen und ausgeruhten Herbst, ohne Trockenstress, und vergiss bitte die Chrysanthemen und Astern nicht!

Herzlichst, dein Staudengärtner Sarastro

 

Viele Grüße/ Best regards/ С уважением

Christian H. Kreß und Mitarbeiter