Newsletter XII/2014 (Spätblüher und Herbstfarben im Staudengarten)

Liebe Pamina, hallo Papageno!

Heute beginne ich meinen Rundbrief an dich mit einem Gedicht, das ich kürzlich in einem Buch vorfand:

"Der Frühling ist zwar schön; doch wenn der Herbst nicht wär,
wär zwar das Auge satt, der Magen aber leer!"
Friedrich von Logau

Besonders der Spätherbst ist geeignet, persönlich das Jahr Revue passieren zu lassen und auch seelisch „zur Ernte“ zu kommen. Und die Zeit bricht an, sich seinem Bücherstapel zu widmen, schnell im Sommer überflogene Artikel etwas ausführlicher und mit Muße zu lesen und sich nebst einem Glas gutem Wein oder leiser Hintergrundmusik zu neuem Tatendrang inspirieren zu lassen. Die Herbstastern, die ich von einer Reise mitnahm, stehen zwar immer noch in einer Ecke. Ich werde sie wohl im zeitigen Frühjahr setzen. Nicht, weil mir etwa die Jahreszeit schon zu fortgeschritten war. Nein, weil mich jedes Mal ein tiefer Frust überkommt, wenn ich bei einer spätherbstlichen Pflanzaktion guter Dinge bin und dabei jedes Mal munter Horst für Horst Narzissen mit dem Spaten zertrümmere. Die paar Astern freuen sich auch das nächste Jahr auf ihren Standort im Garten. Falls du ebenfalls Pflanzenmitbringsel von Freunden oder gar komplette Staudenbestellungen nicht mehr versorgen konntest, dann stelle sie aus der Kiste auf gewachsenem Boden, gieße leicht darüber und decke sie bei aufkommendem Barfrost mit einem Vlies oder mit Reisig zu. So sind deine Schätze versorgt und nichts kann ihnen etwas anhaben. Aber achte vorsorglich auch auf Mäusefraß!

Wann nun wohl dieses Jahr der Winter wohl kommen wird? Alle Anzeichen der Natur deuten darauf hin, sich auf einen tiefen Winterschlaf vorzubereiten. Ich sage mir allerdings an jedem trockenen Tag, was wir jetzt im Garten noch erledigen können, das sparen wir uns im hektischen Frühjahr, egal, und wenn es im Dezember ist. S

So bauten wir in der Gärtnerei einige Überwinterungskästen neu, die nässeempfindlichen Zwiebelpflanzen Schutz bieten. Und was geschah sonst noch im letzten Monat? An sonnigen Tagen widmeten wir uns dem Unkraut, welches sich auch in der kühleren Jahreszeit noch breit macht, ohne dass du dies sofort wahrnimmst. Pass ganz besonders auf das Einjährige Rispengras und die Vogelmiere (auf gut oberösterreichisch „Hennedarm“)! Schon hast du es übersehen und diese Samenschleudern richten verheerendes Unheil an, wenn du sie nicht rechtzeitig entfernt hast. Dabei ist gerade jetzt die Eliminierung von verbliebenem Unkraut relativ einfach zu bewerkstelligen, solange kein Schmuddelwetter Einzug gehalten hat.

Mein Traum der letzten Jahre war immer schon, unseren Verkaufsraum im Gewächshaus etwas großzügiger und geräumiger zu gestalten. Dies nahmen wir uns jetzt endlich mal vor, wobei wir unsere kreative Ader natürlich nicht zu kurz kommen ließen. Lass dich also überraschen! Auch der Verpackungs-, sowie der Arbeitsbereich wurde vergrößert, natürlich alles auf Kosten von Kultur- und Anzuchtsfläche. Aber man muss schließlich auch an seine Kunden und seine Mitarbeiter denken. Und irgendeine Lösung werden wir schon finden, wo wir dann unsere bewurzelten Stecklinge hinstellen. In der Einfahrt vor der Gärtnerei kam längerer Streifen hinzu, um weitere Parkflächen zu adaptieren. Nach gut englischer Manier säten wir die Fläche mit Rasensamen ein und walzten anschließend. Du wirst diesen rasenförmigen „Parkplatz“ schon im kommenden Frühjahr befahren können!

Ja, und eines hätte ich dir beinahe vergessen zu berichten! Den Startschuss habe ich gegeben – für das erste oberösterreichische Phloxmuseum! Wie du sicher schon weißt, sammle ich seit ein paar Jahren alles an Phloxsorten, was ich in die Finger bekomme. Der Hohe Phlox, oder auch Flammenblume genannt, ist einer unserer wichtigsten Gartenstauden. Man zählt mindestens einige Tausend Sorten, die im Laufe der Zeit gezüchtet wurden. Viele davon verschwanden naturgemäß wieder, weil sie durch bessere Sorten ersetzt wurden. Leider aber sind in der heutigen Zeit wertvolle Sorten im Verschwinden begriffen, weil das Sortiment sich in Gartencentern und Baumschulen auf ein paar Farben reduzierte. Dabei besitzen wir mit dem Phlox ein ungeahnt breites Farbspektrum, welches sich von Anfang Juli bis Mitte Oktober erstreckt und uns eine Fülle an Farben und Formen bietet. Außerdem dominieren in den mitteleuropäischen Staudengärtnereien immer mehr Sorten aus England und Holland. Nichts gegen diese Sorten, aber ich fände es jammerschade, wenn alte Schöllhammer- und Foerstersorten verschwänden und in Zukunft überall in jedem Gartencenter dieselben Sorten vorgefunden werden, als gäbe es nichts anderes mehr. Du weißt vielleicht, auch ich hatte andere Vorlieben und wurde erst zum Phloxfreund, als ich in Russland die dort so fantastischen züchterischen Leistungen mit eigenen Augen sehen und erleben durfte.

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Hier entsteht unser zukünftiges „Phloxeum“ oder auch das Erste Oberösterreichische Phloxmuseum!

Jawohl, jetzt ist nahezu alles fertig in der Gärtnerei und im Schaugarten. Wir konnten vor vierzehn Tagen von einem Bauern einen alten, gut abgelagerten, aus Holzhäcksel gewonnenen Kompost bekommen, den wir auf sämtliche Beete und Rabatten aufbrachten. Dieser lange gelagerte Kompost tut in Zukunft sicher den Stauden allein als Dünger gut, er war voll von Würmern aller Art. Ich spüre schon, wie sich die Schneeglöckchen vor Freude in die Höhe recken!

Auch hatte einiges der stattlichen Pfeifengräser und Chinaschilfhorste weichen müssen, die sich mit den Jahren unerlaubt durch Selbstaussaat breitmachten, so schön sie auch immer waren, besonders jetzt in ihrem Herbstkleid! Auch kürzte ich mit der Motorsäge einiges an Sträuchern ein und fällte sogar einige Bäume, die schon zu üppig wurden. Jedes Mal das gleiche Lied! Man lässt Jahre verstreichen und auf einmal wird der Garten viel zu dicht und zu üppig. Ich möchte dir hier auch einmal Mut zu sprechen, um in deinem Garten etwas herzhafter vorzugehen, ohne dabei das nötige Augenmaß zu verlieren.

Unten noch einige Bilder von selteneren Stauden, die mich jedes Jahr begeistern, weil sie so langlebig sind! Hierzu zählen vor allem einige japanische Vertreter der Maiblumengewächse, wie die spät blühende Reineckia carnea, deren Blüten erst dann zum Vorschein kommen, wenn du ihr Blattwerk abschneidest. Keine Angst, im Frühling treiben die Pflanzen wieder voll durch und bieten uns einen dichten, Gräser ähnlichen Blatthorst. Über eine der großen Kultpflanzen Japans habe ich dir schon einmal geschrieben. Rohdea japonica ist ebenfalls voll winterhart, wächst aber geradezu entsetzlich langsam! Während ihre Blüten eher unscheinbar sind, schmücken dafür die Beeren umso mehr. Und vor allem ist die große Blattrosette immergrün und erinnert mich immer stark an den Bogenhanf, mit dem sie sogar verwandt ist. In Japan kultivieren Sammler einige Hundert (!) Sorten dieser eigenartigen Schattenpflanze, die sie in teuren Keramiken und Porzellanschalen pflanzen. Du kannst sie ganz normal zwischen Funkien und Astilben pflanzen, gestehe ihr aber einen Platz zu, wo sie auch zur Geltung gelangt. Die fleischigen Rosetten erreichen Durchmesser von bis zu 50 cm!

Ich weiß leider überhaupt nicht mehr genau, wo ich diesen wunderbaren Spätblüher aufgegriffen habe, den ich dir heute vorstellen möchte. Ich meine, ich hätte diesen einst bei Hannay’s of Bath mitgenommen. Dieses Ehepaar lebt in der Nähe von Bristol und sammeln vieles aus der Südhemisphäre. In milden Wintern blüht dieser Halbstrauch von November bis Ende Februar, ganz nach dem Motto „Es wird durchgeblüht“. Es ist ein Greiskraut aus den Drakensbergen, die Horste erinnern mich immer irgendwie an eine strauchige Schafgarbe. Eine Pflanze steht schon seit rund 7 Jahren in unserem mediterranen Garten, sie ist vollkommen hart, kommt sie doch aus über 3.000 m Seehöhe! Du kannst sie mit Federgräsern, Kugeldisteln und anderem kombinieren, gestehe ihr aber einen relativ trockenen Boden zu!

Senecio seminiveus

Senecio seminiveus

Amsonia hubrichtii in der Blüte und im Herbstkleid, zusammen mit Boehmeria platanifolia. Ist dies nicht eine aparte und äußerst kontrastreiche Kombination? Aber du solltest nicht denselben Fehler wie ich machen, dass zwar der Blaustern trocken steht und damit sehr langlebig ist, dafür leidet die Boehmeria im Sommer und lässt beleidigt ihre schönen Blätter hängen! Du musst es einfach einmal ausprobieren, vielleicht hat dein Boden ausreichende Wasserhaltekraft, so dass beide nebeneinander existieren können. Aus China und Amerika kommen die tollsten Überraschungen, die uns über Jahre erfreuen!

Inzwischen ist dieses Herbstbild aus unserem Schaugarten auch schon verflogen. Ich kenne Amberbäume (Liquidambar), welche eine wesentlich bessere Herbstfarbe aufweisen. Dafür bleiben bei unserem Exemplar die Blätter unglaublich lange haften. Und wäre er zu rot, so würde er mit dem flammendroten Ahorn (Acer rubrum ‘October Glory‘) im Hintergrund zu sehr konkurrieren. Wie wichtig ist im Garten ist doch eine abwechslungsreiche Gehölzkulisse, bestehend aus Laubgehölzen, Nadelbäumen, hohen und niederen Vertretern, sowie Rosen und immergrüne Unterhölzern wie Buchsbäume und Stechpalmen. Erst dann kommt die Vielfalt der Halbschattenstauden so richtig zur Geltung. In klassisch schönen Gärten wie dem von Beth Chatto oder auch in älteren Arboreten strahlen Gehölze eine beruhigende Wirkung auf ihre Betrachter aus.

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Wenn du unseren Webshop unter www.sarastro-stauden.com regelmäßig aufsuchst, wirst du die vielen Neuzugänge und Änderungen bemerkt haben. Ich nehme mir auch ausreichend Zeit, so manche gärtnerische Erfahrung im Text einfließen zu lassen oder auch Lobeshymnen auf einige Sorten zu schreiben oder diese manches Mal auch etwas abzuschwächen. Dies heißt jedoch nicht, dass du auch andere Erfahrung mit deinen Stauden machen konntest. Nichts ist bekanntlich so wenig statisch wie die Natur. Es macht viel Freude, zu texten und neueste Bilder von diesem Jahr einzuarbeiten. Früh morgens, meist noch vor 6 Uhr bis etwa 10 Uhr ist meine produktivste Zeit, was dies anbelangt. Und wenn dir in Zukunft der Webshop zusätzlich auch als Nachschlagewerk dient, macht mich dies zufrieden und er erfüllt seinen Zweck, auch über den Verkauf hinaus.

Unseren Veranstaltungskalender muss ich unbedingt auf Vordermann bringen! Dies wird gleich in der kommenden Woche erledigt, damit du wieder erfährst, wann wir wo sind. Nächstes Jahr wird ein außergewöhnliches Jahr, lass dich überraschen. Aber zuvor bekommst du ja noch ein Weihnachtsmail von mir!

Herzlichst
Dein Staudengärtner Sarastro

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Viele Grüße/ Best regards/ С уважением