Newsletter XII/2023 (Spätblüher)

Liebe Pamina, hallo Papageno!

Deine Begeisterung über unsere Gartenchrysanthemen freute mich außerordentlich. Wir hatten die vergangenen zwei Monate einen regelrechten Boom auf die Herbstchrysanthemen erlebt, und zwar auf nahezu alle Sorten. Sicher, es gab Sorten wie ‘Bienchen‘, ‘Herbstbrokat‘, ‘Anastasia‘ und dergleichen, die bevorzugt gepflanzt wurden, andere dafür weniger. Uns freute dies natürlich kolossal, denn in all den Jahren meines Staudengärtnerseins galten Chrysanthemen als eher altmodisch, wie ein Hauch aus Uromas Jugendzeit, zumindest was ihre Verwendung im Garten anbelangt. Auf dem Friedhof erfreuen sich Topfchrysanthemen auch heute noch ungebrochener Begeisterung, wenngleich diese Schwemme an Allerheiligen merklich zurückgegangen ist, wie dir sicher auch schon aufgefallen ist. Auch der Geschmack auf dem Friedhof ändert sich, er darf sich ändern, leider aber oft aus Gründen der Bequemlichkeit und Gleichgültigkeit der Grabbesitzer. Jedenfalls verkauften wir nie zuvor so viele Chrysanthemen wie ausgerechnet in diesem Herbst! Aus Gründen der Nostalgie? Oder doch vielmehr, weil ein Großteil deiner Staudenfreunde die lange und späte Blütezeit schätzen gelernt hat? Oder aber weil wir derzeit eines der größten kommerziell vermehrten Sortimente hegen? Eine größere Auswahl birgt die Gefahr, unwirtschaftlich zu sein, schafft aber auch Anreize. Trotzdem machte ich vorige Woche gemeinsam mit Gerlinde Tabula rasa, danach verschwanden einige Sorten auf Nimmerwiedersehen und landeten auf dem Kompost, denn sie kamen den gehobenen Ansprüchen nicht nach, weil sie entweder zu dünne Stiele hatten, sich nicht ausreichend bestockten und durch ihre Blüten nicht wirklich überzeugten oder aber bei dir keinen Anklang fanden. Weshalb dann fünf gelbblühende Sorten Jahr für Jahr vermehren, die noch dazu alle gleichzeitig blühen, wenn von vorneherein zwei Sorten von diesen aus oben genannten Gründen entbehrlich sind. Wie ich mich kenne, kommen in nächster Zeit doch wieder Neuaufnahmen dazu, eine richtige Sucht ist das! Hobby und Sucht hat selten etwas mit Vernunft zu tun, du wirst davon sicher ein Lied singen können!

Ein paar der markantesten Spätblüher des Jahres darf ich dir hier endlich einmal vorstellen, aber vielleicht kennst du den ersten ohnehin schon! Für mich ist Nipponanthemum nipponicum ein Paradebeispiel einer Staude, die ewig in Kultur ist, aber regelrecht links liegen gelassen wurde. Kaum beachtet, weil sie auch kaum nennenswert verbreitet wurde. Das muss sich ändern! Die Japan- oder Nipponchrysantheme erblüht in der Regel ab Mitte Oktober, ihre Blütezeit erstreckt sich über den gesamten November, teilweise bis in den Dezember hinein, sie trotzt mit ihren großen, weißen Margeritenblüten auch stärkeren Frösten, kommt sie doch aus einer ziemlich unwirtlichen Gegend im nördlichen Japan, den Kurilen und Sachalin. Meist in Strandnähe, aber auch auf Felsen im Hinterland. In älterer Literatur wird sie noch als Chrysanthemum nipponicum geführt, aber die Gattung Aster wurde ja in viele Einzelgattungen aufgesplittet. Trockenheit kann ihr genauso wenig etwas anhaben wie strenge Kälte, ihre glänzenden, ledrigen Blätter sind wintergrün, die gesamte Pflanze erinnert eher an einen niedrigen Strauch als an eine Staude. Ich habe vor, diese Nipponmargerite entlang unseres Zaunes entlang der Straße zu pflanzen, damit jeder Vorbeifahrende sich daran erfreut. Du kannst sie auch im Gehölzrandbereich pflanzen, genauso gut aber auch auf einer trockenen Freifläche.

Ebenfalls kaum in Kultur ist die Arktische Margerite (Arctanthemum arcticum). Vieles, was man unter diesem Namen bekommt, ist entweder Chrysanthemum ‘Stella‘ oder eine andere, ähnliche Sorte, welche meist höher sind. Die echte Arktische Margerite wächst teppichartig in Form von dichten Polstern, hat glänzendes, relativ breitrundliches Blattwerk und blüht an kurzen Stängeln mit weißen Margeritenblüten, meist erst ab Anfang November oder teilweise sogar noch später. Ich bekam sie vor über 20 Jahren von Josef Holzbecher aus Brno/Tschechien, mit dem Hinweis, dass diese in Fernost gesammelt wurde. Josef war zu früheren Jahren Technischer Leiter des Botanischen Gartens in Brünn, bevor er sich mit seiner Staudengärtnerei selbständig machte.

Und noch eine Chrysantheme als Spätblüher habe ich dir zu bieten! Zwar fällt sie dir nicht sofort ins Auge, aber immerhin weisen die Blüten von Chrysanthemum nankingense ein leuchtendes Gelb auf. In China wird diese Art außer als Tee auch in Salaten verarbeitet, ganz besonders aber finden die Blätter in der TCM als Entgiftungsmittel und zur Fieberreduktion Anwendung, desweiteren gegen Kopfweh und Magenprobleme. Im Garten problemlos winterhart und unempfindlich.

Hier Chrysanthemum nankingense, vorige Woche aufgenommen:

Lange schon haben wir den folgenden Spätblüher im Angebot, doch hat er sich nie richtig durchgesetzt, weil er wahrscheinlich viel zu spät im Jahr blüht! Senecio seminiveus hatte ich vor langer Zeit aus einer englischen Gärtnerei mitgenommen. Ein halbstrauchartiges Greiskraut, welches aus den Hochlagen Südafrikas stammt und bei uns vollkommen winterhart ist. Die gelben Blüten erscheinen ab Anfang November, in geschützten Lagen zieht sich die Blüte über den Winter hinaus. Das Blattwerk erinnert ein wenig an Schafgarben. Eine sehr unproblematische Staude, die ich im Januar am Naturstandort in den Eastern Cape Mountains bewundern durfte.

Hier regnet es seit einigen Wochen fast ununterbrochen, so dass wir die wenigen trockenen Tage draußen verbringen mussten, um alles winterfest zu machen. Ob es dann auch tatsächlich grimmig kalt wird? Warten wir es ab, auch in Zeiten des menschengemachten Klimawandels kann es bekanntlich durchaus Jahre geben, wo Väterchen Frost wieder grüßen lässt. Wir begannen mit dem Rückschnitt von Astern, Helenium und vielem mehr. Die Tage machte ich mich auch über den neuen Schaugartenteil und erschrak, wie viel hier an Rückschnitt anfällt. Zum Glück befindet sich gleich in der Nähe ein Landwirt, welcher kompostiert und froh ist, wenn man ihm genügend Material bringt, denn wir hätten kaum Platz dafür.

Wir hatten aber auch sonnige, meist windige Tage mit beeindruckender Herbststimmung, du kannst dir unten im Bild einen Eindruck verschaffen. Am Himmel zeigten sich malerische Wolkenformationen und eines Nachmittags zogen riesige Kranichschwärme aus dem Osten über die Gärtnerei hinweg, hierzulande sah ich dieses Schauspiel zum ersten Mal, ich kenne dies lediglich aus Norddeutschland und dem Baltikum.

Im Zuge der Rückschnittaktion probierte ich verschiedene Gerätschaften aus, ich wollte wissen, womit es sich am leichtesten arbeiten lässt. Mir ist vollkommen klar, dass ein Berufsgärtner hier anders vorgeht als ein Gartenbesitzer. Beispielsweise könntest du solch großen Beeten unmöglich mit einer einzigen Felco-Schere zu Leibe rücken, da plagt dich entweder eine gehörige Sehnenscheidenentzündung oder aber du schneidest alles in Etappen zurück und wirst erst nach Wochen fertig. Allerdings gehöre ich eher zu der Gattung Mensch, die alles Unangenehme schnell hinter sich bringen will. Nicht, dass Laubrechen und herbstlicher Rückschnitt derart unangenehm wären, aber mit einer einzelnen Schere? „Do werst oid!“ (da wirst du alt), pflegt man bei uns zu sagen. Falls du keine allzu großen Beete hast, tust du dir mit einer Fuchsschwanz-Säge wesentlich leichter. Für große Beete wäre eine Motorsense das optimalere Hilfsmittel, besonders für dichte Gräserhorste ist eine solche viel besser geeignet. Wesentlich brauchbarer für Astern und andere dicke Staudenhorste ist allerdings eine akkugetriebene Heckenschere. Eine Akkuladung reichte genau für eines der ganz großen Beete. Man muss sich zwar bücken, es funktioniert jedoch fantastisch!

Doch halt, wieso Rückschnitt jetzt und nicht im zeitigen Frühling wirst du dich berechtigt fragen? Warum predige ich Wasser und trinke Wein? Den Grund hierfür kann ich dir leicht beantworten. Ab März geht die Saison wieder los, da müssen wir uns um viel wichtigere Dinge kümmern, wie du dir sicher denken kannst. Und noch ein Argument pro Rückschnitt im Herbst sind die unzähligen Schneeglöckchen, die sich bei uns in den Beeten befinden. Und ich will vor lauter Rücksichtnahme ungern wie ein Storch umherstacksen, um ja keines der edlen Geschöpfe zu verletzen oder gar zu zertrampeln.

Im alten Teil des Schaugartens fallen immer wieder auch Strauchschnitt und dickere Äste an. Mir war es mit der Zeit zu lästig, alles kurz und klein zu schneiden, in den Lieferwagen zu packen und wegzufahren. Da erinnerte ich mich, einen Artikel über eine Benjeshecke gelesen zu haben. Sofort machte ich mich ans Werk, schlug mit dem Vorschlaghammer Pfosten in den Boden, in der Länge im Abstand von etwa zwei Meter, in der Breite ungefähr anderthalb Meter. Ich darf dir sagen, dass diese Entscheidung goldrichtig war. Kann sein, dass ich dir darüber schon letztes Jahr schrieb, jedenfalls ist dies eine der sinnvollsten Lösungen, wie du deine Holzabfälle loswirst. Zaunkönige und allerlei Getier finden Unterschlupf. Und jedes Jahr verrottet der Unterteil langsam und so wird wieder genügend Platz für neue Äste, du musst nur auf die „Hecke“ steigen und mit deinem Gewicht das Astgewirr nach unten drücken.

In der Einfahrt der Gärtnerei nahm ich nach Jahren wieder mal eine Umgestaltung vor, die momentan im Schneetreiben steckengeblieben ist. Ich werde dir berichten, inwieweit meine Kreativität gediehen ist. Den Spaltengarten hatte ich vor 4 Jahren im Dezember realisiert. Das Wetter kann ja auch wieder trockener werden!

Die Vortragszeit hat begonnen, ich war schon in der Schweiz und in Graz. Die Schweizer Staudenfreunde hatten meinen Vortrag größer aufgezogen und dafür das Auditorium der Uni Wädenswil angemietet. Es hat mir großen Spaß gemacht, habe ich doch zur Schweiz in vielerlei Hinsicht eine besondere Beziehung. Im Publikum saßen jede Menge Staudenfans, teilweise junge, ambitionierte Leute vom Fach, aber auch Pflanzenkenner und Freunde, die ich von früher her noch gut kenne.

Am 14. Dezember bin ich beim Acanthus-Verein in Wien, diesmal über Südafrika, gleich am darauffolgenden Abend dasselbe Thema bei den Orchideenfreunden in Oberösterreich. Es macht mir immer noch großen Spaß, einer „Begärtnerung der Menschenseele“ in dieser Form nachzukommen.

Weihnachten naht, was soll man schenken? Eigentlich hat man ja alles. Falls dir wirklich nichts einfällt, ein Gutschein aus unserer Staudengärtnerei wäre doch allemal sinnvoll, oder? Meine Bücher wirst du schon besitzen, ansonsten darf ich dich auf die Bestellbuttons unseres Shops hinweisen. In jedem Falle verlässt kein Buch ohne Signierung die Gärtnerei, du kannst mir auch gerne einen Text vorformulieren, den ich dir dann gratis hineinschreibe.

Dir und deinen Lieben darf ich schon jetzt schöne Feiertage wünschen, aber es kommt ja noch ein Weihnachtsmail an dich! Alles Gute, wir sehen uns, ich freue mich schon jetzt wieder auf die neue Saison!

Dein Staudengärtner Sarastro

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