Newsletter X/2012 (Veränderungen im eigenen Garten, Sortiment winterharter Gartenchrysanthemen)

Liebe Pamina, hallo Papageno!

Endlich, nach nunmehr über 15 Jahren komme ich dazu, unseren hinteren Hauptteil des Gartens zu renovieren. Keinen Urlaub in diesem Jahr also, sondern in Etappen und Schüben echte Knochenarbeit, bei der im Laufe der Zeit mehr und mehr Freude aufkommt! Der Ansporn hatte sich in den letzten Jahren so richtig angestaut und jetzt hatte ich richtig Lust, wieder etwas im eigenen Reich zu unternehmen! Ein kleiner Senkgarten sollte entstehen, dieser Gedanke reifte im Laufe der Zeit. Die beiden halbmondförmigen Beete unter der großen Magnolie und dem alten Bergahorn waren inzwischen derart ineinander verwachsen, dass unpanaschierter Giersch, unerwünschte Lenzrosensämlinge und jede Menge ausgesamte Kaukasusvergissmeinnicht mit eingeschlossenen Leberblümchen nicht mehr wussten, wer mit den Jahren Oberhand gewinnen sollte oder wer auf kurz oder lang auf Nimmerwiedersehen untergeht. Zunächst mussten einige Gehölze  weichen, da unser Garten sonst noch schattiger würde. Ich beschloss außerdem, dem Garten mehr Struktur, Raum und vor allem Tiefenwirkung zu geben.

Es wird Gärtnern allgemein nachgesagt, ihren Privatgarten sträflich zu vernachlässigen. Bei mir geschah dies tatsächlich. Nun ja….

garten nachher

So sah der hinterste Gartenteil nach der Unkrautbefreiung durch den Bagger aus.!

garten vorher

Unsere Terrassenfront vor der Umgestaltung

Zunächst rettete ich behutsam alle wertvollen Pflanzen und befreite sie vom Giersch, der inzwischen selbst in das Innere der Wurzelballen hineingewachsen war. Noch vor drei Jahren war von Giersch in den Beeten nicht allzu viel zu sehen. Der Teufel weiß, woher er plötzlich kam. Einige Jäteaktionen brachten nur vorübergehenden „optischen“ Erfolg. Wenn ich mich daran erinnerte, wie dieses Unkraut im letzten Jahr förmlich explodierte, wird mir jetzt noch ganz anders! Nach der Pflanzenrettungsaktion musste ein Bagger her, der mir die verfilzten Beete auf Gierschrhizomtiefe mit seiner Schaufel abzog. Du kannst verunkrautete Flächen selbstverständlich auch von Hand und mit dem Spaten abstechen, doch unsere Fläche umfasst mindestens 80 qm! Es entstand im Nu ein riesiger Haufen verfilzter Staudenballen und verwurzeltes, völlig ausgelaugtes Erdreich. Mein Baggerführer war äußerst aufmerksam und achtete peinlich auf jeden Strauch und vermied jegliches Zuviel an Verdichtungen. Auch arbeitete er mit seiner Schaufel auf den Zentimeter genau und erinnerte mich lebhaft an jenen Südtiroler Baggerfahrer, der einst in einer Fernsehsendung mit der Baggerschaufel ein Feuerzeug anzündete und für Furore sorgte! Bei meiner Baggerei blieb mir außerdem noch ein denkwürdiges Ereignis für immer haften. Dieses bringe ich gesondert zu Papier, vielleicht im „Staudengarten“. Du darfst gespannt sein!

Die nächste Aktion war dann der Senkgarten. Dieser Begriff wird dir vom Senkgarten Karl Foersters geläufig sein. Eigentlich ist dieser fantastische Garten in Bornim ein richtiger Senkgarten mit mehreren Ebenen und dazwischen liegenden Staudenbeeten. Auch im Botanischen Garten Linz ist ein Senkgarten mit einem Teich zu sehen und auch in einigen islamischen Gärten kann man solche tiefer gelegenen, geometrischen Anlagen bewundern. Anfang September war ich wieder einmal in Bornim. Ich spazierte mutterseelenallein durch diesen historischen Garten, vorbei an seinem Arbeitszimmer, dem Fenster mit dem grünblauen Licht, auf den Spuren eines meiner großen Vorbilder. Dieser Senkgarten wurde ja vor rund 10 Jahren anlässlich der BUGA Potsdam einer Totalrestaurierung unterzogen und mit neuen und alten Staudensorten bepflanzt. Damals stattete ich ihm zusammen mit einem Freund einen Besuch ab. Die Beete wirkten damals noch zu frisch bepflanzt, aber nun präsentierte sich dieser berühmte Senkgarten ganz wunderbar, sicher sehr im Sinne „Karlchens“.

trockenmauer

Aber dafür ist Trockenmauerbau nach wie vor reine Handarbeit!

BAGGER

Wenn ich dies alles von Hand schaufeln müsste… Ja, früher…

Mein Teil dagegen könnte man ganz bescheiden als eine Art „Senksitzsonnenplatz“ bezeichnen. Ich kann sie nicht mehr sehen, diese langweilige, bauchladenartige Terrassenböschung!   Der Sitzplatz sollte ungefähr 80 cm unter dem Niveau der Rasenfläche liegen und von Trockenmauern umgeben werden. Der Aushub meines zukünftigen, tiefer gelegenen Sitzplatzes fand gleich danach wunderbar Verwendung als frischer, unverbrauchter Boden auf den ausgebaggerten, verunkrauteten Staudenbeeten. Sogar in der Menge hatte ich mich nicht verkalkuliert. Die Bepflanzung der Beete und der Mauern erläutere ich dir ein anderes Mal, aber dafür dann bis ins Detail. In diesem Rundbrief sollten Sitzplatz und Mauern Priorität haben.

Zunächst schwebten mir Kalksteine als Trockenmauer vor, jedoch mussten diese extra aus dem weit entfernten Salzkammergut angekarrt werden und passten so gar nicht in unsere Umgebung. Sie wären zwar wesentlich leichter zu verlegen gewesen, außerdem mochte ich Kalkstein sehr gerne, er passte zu den meisten trockenheitsliebenden Pflanzen. Trotzdem entschied ich mich für den bodenständigen Schärdinger Granit. Mit diesem hatte ich von früher her etwas Erfahrung, wenngleich die Aufeinandersetzerei schon eher einem Puzzlespiel glich und für Ungeübte entsprechend schwierig war. Als Drainage kam hinter die Mauer grober Schotter, der den Mauern gleichzeitig Halt gab und als Drainage fungierte.

Zwei Tage harte Arbeit waren angesagt! Das lästigste war der grobe Schotter, den zu schaufeln eine Qual war. Dagegen war das Steineheben geradezu ein Kinderspiel, vor allem, wenn man die richtige Hebetechnik anwendet. Die größten Steine kamen zuunterst, die nächsten Reihen wurden den Fugen und der Größe nach angepasst. Wenngleich andere Trockenmauern aus geschlagenem Granit wesentlich exakter erstellt werden können, gefallen mir diese handverlesenen Wurfsteine besser, die Mauer wirkt unregelmäßig und damit „mediterraner“, sie glich überdies einer alten Weinbergmauer. Außerdem ist die Inkastadt Cuzco weit genug weg, um als etwaiges Vorbild von Millimeterarbeit zu dienen.

Glücklich kannst du dich schätzen, wenn du an alte Steine mit Algen und Moosbewuchs gelangst. So eine Mauer sieht nachher so richtig profihaft aus. Einen Trick für alle, die die Patina gerne mögen: du verdünnst ein Glas Joghurt in einer Gießkanne mit Wasser und gießt diese Emulsion über deine Steinmauern. So stellen sich Moose und Algen wesentlich schneller ein. Den Saubermännern sei  gesagt, dass auch von ganz alleine und ohne Zutun die Mauern schon sehr bald älter aussehen. Ich habe sogar schon vernommen, dass es Zeitgenossen gibt, die ihren Steingarten und die Trockenmauern tatsächlich jedes halbe Jahr „abkärchern“. Soviel zur Sauberkeit!

Herbstzeit ist vor allem Astern- und Chrysanthemenzeit. Falls du Zeit hast, so lade ich dich gerne ein, unser Asternsortiment anzusehen. Die Fülle der Astern ist überwältigend und formenreich, du kannst fast 6 Monate Blütezeit mit den unterschiedlichsten Arten jeden Gartenbereich damit abdecken! Auch von den Gartenchrysanthemen existieren unendlich viele Sorten. Karl Foerster hatte bereits Anfang des vorigen Jahrhunderts begonnen, in alten Gärten Ausschau nach ausdauernden Chrysanthemen zu halten. Er wurde bei seiner Suchaktion  besonders in der Schweiz fündig und graste mit dem Auto tagelang die Bauerngärten ab, erbat sich bei den Einwohnern da und dort ein Teilstück. Da viele dieser Sorten namentlich nicht mehr zu bestimmen waren, gab er ihnen einfach einen neuen, treffenden Sortennamen und nahm sie in die Gärtnerei nach Bornim mit. Später entstanden weitere Sorten durch Auslesezüchtung, auch durch andere Gärtner.

Das Allerwichtigste der Gartenchrysanthemen ist ihre Winterhärte, dann der Habitus, d.h. die äußere Form der Stöcke. Die Blüten sollten außerdem mindestens minus drei Grad aushalten und dabei nicht allzu spät erblühen, dann taugen sie auch etwas für rauere Gegenden. Einige Sorten erblühen bereits im August, andere schaffen es bei uns nicht, im sonnigsten November ihre Blüten zu öffnen. Zu Allerheiligen sollten die meisten Sorten erblühen, obgleich sie ihrer langen Haltbarkeit wegen nicht ausschließlich als Allerheiligenblumen abgetan werden sollten. Vor einiger Zeit kam mir die Idee, zu Allerheiligen ein Grab ausschließlich mit Chrysanthemenblüten zu bedecken, was wundervoll und außergewöhnlich herausstach!

Eine der besten Gartensorten ist die cremeweiße ‘Poesie‘, welche in unserem Schaugarten auch nach fast 10 Jahren ein unverändert harmonisches Bild abgibt und einen dichten Horst bildet. Sie wurde in einem Karpatendorf „entdeckt“. Wir führen ein bewährtes Sortiment der unterschiedlichsten Farben und Formen. Wichtig ist für dich zu wissen, dass du die abgeblühten Stängel im Spätherbst nicht entfernst, da so ein gewisser Winterschutz besonders für frisch gepflanzte Exemplare gewährleistet ist. Ein vollsonniger und gut ernährter Boden bringt dir reichen Flor. Die Bedeutung dieser wertvollen Gartenstauden kann gar nicht hoch genug eingeschätzt werden!

Hier siehst du ein Potpourrie aus den unterschiedlichsten Gartenchrysanthemen.

‘Chamois Rose‘

‘Chamois Rose‘

'Marie Stoker‘

'Marie Stoker‘

'Roter Spray‘

'Roter Spray‘

‘Weiterstadt‘

‘Weiterstadt‘

'Paul Boissier‘

'Paul Boissier‘

‘Emperor of China‘

‘Emperor of China‘

‘Schaffhausen‘

‘Schaffhausen‘

Im Moment vermehren wir die Taglilien und Salomonssiegel. Wenn du diese Zeilen liest, komme ich gerade von Weingartsgreuth zurück. Dann erst beginnt für mich die Herbstzeit so richtig. Wir versenden übrigens bis etwa Mitte November. Dann können unter Umständen schon Dauerfrostperioden über das Land ziehen. Gepflanzt werden kann im Herbst die ganze Zeit, solange der Boden offen ist.

Ich wünsche dir viel Freude an den wärmenden Farben des Herbstes und der Fülle der späten Blüten!
Dein Sarastro (und Mitarbeiter)
Christian Kress